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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-03 · Heft 44 (3.11.1911) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 44 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
Seite 521 (sequence 5)
Language
German
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Diese Juden sind äußerlich von den Chinesen nicht zu unterscheiden; ihre Lebensweise ist im großen und ganzen die der in der genannten Provinz stark vertretenen Mohammedaner, welchesie mit dem Namen . „Mosessim" belegen, einer Bezeichnung, die augenfälligen;Anklang an: Moses enthält. Ferner wurde festgestellt,. - daß sie uralte, auf Leder geschriebene hebräische Gebete - besitzen. Da: China keinerlei Glaubenszwang kennt, und dort jeder nach seiner Fasson' selig werden kann, so leben diechinesischen Juden unbehelligt von oben und unten und-sind keiner Verfolgung ihres Glaubens wegen ausgesetzt. Mit vielen Millionen anderen Chinesen teilen sie aber leider das Los der drückendsten Armut, das, wenn ich recht berichtet bin, noch bis auf den heutigen Tag von England aus durch Unterstützung in etwas gemildert wird. Wer sich genauer über die Verhältnisse zu orientieren wünscht, dürfte weitere Aufschlüsse in London bei Herrn Joseph Sebag-Montefiore, dem (inzwischen verstorbenen) englischen Parlamentsmitgliede Sir. Samuel MonLagu, bei Sir Albert Sassoon und wahrscheinlich auch bei Lord Rothschild erhalten können. Auch der in Schanghai lebende gelehrte Missionar Dr. Fab er, ein Deutscher, und vielleicht auch "der frühere deutsche Gesandte in Peking, der jetzt in Wiesbaden lebende.Herr M. v. Brandt dürften Auskunft zu geben imstande sein.". Leider vermochte Herr v. Brandt keine genaue Auskunft über diesen Gegenstand zu geben. Auf eine auf.meine Veranlassung vom Kommerzienrat Julius Jsaac s. A.- in Berlin an Herrn v. Brandt gerichtete Anfrage .schrieb er unter dem 14, März 1895 aus Wiesbaden: „Die Zahl der Juden, die in China nachweisbar ist, ist eine verschwindend kleine. Die früher bekannten Gemeinden sind in den letzten 20 Jahren sehr zurückgegangen und fast ganz verschwunden." Es ist. leider fast unmöglich, selbst wenn man, wie Herr v. Brandt, längere Zeit in China gelebt hat, aus dem Innern dieses großen'Reiches irgendwie zuverlässige Angaben zu sammeln. Namentlich sind genaue Ziffern über die dortige Bevölkerung kaum erhältlich. Während Herr v. Brandt vermutete, daß die Zahl der Juden in China eine sehr geringe sei, veranschlagte sie zu gleicher Zeit ein Attache der Berliner chinesischen Äotschast auf mindestens eine halbe Million. — Ein englischer Jude, der im Jahre 1860 gelegentlich des englisch-chinesischen Krieges als Schiffskapitän den Norden dieses ' Reiches längs der tibetanischen Küste bereist hatte, berichtet sogar, daß er dort auf eine große, mit Mauern umringte Stadt gestoßen wäre, in der ausschließlich Juden, und' zwar zirka eine Million wohnten, welche ihm mitgeteilt Hütten, daß sie in dieser Stadt seit langer Zeit ansässig, unter dem Schütze des^ Kaisers ständen, aber ihre eigene Verwaltung und dieselben Privilegien besäßen wie jede aridere der Provinzen' des Reiches. Unter den Geschenken, die der. Schiffskapitän von ihnen erhielt-, befand -sich auch ein in aramäischer. Sprache-auf -Pergament geschriebenes sGebethu.ch welches - er dem Londoner. Museum, für. Altertumskunde Wer?: wiesen hat. . .M.-- -M Wie sagenhaft dieser Bericht., auch klingt, ein Körnchen von Wahrheit scheint ihm doch zugrunde zu liegen. Marco Polo, der im-13. Jahrhundert. Qstasien bereist hatte, berichtet von großen Judengemeinden in:China, die sich ebenso wie die Christen- und Mohammedanergemeinden einer gewissen; Autonomie zu erfreuen halten. Er zitiert folgenden interessanten Ausspruch eines chinesischen Kaisers: „Es gibt vier Propheten; welche von den vier Geschlechtern der Welt? verehrt und angebetet werden. Die Christen betrachten Jesum Christum als ihren Gott, die Sarazenen verehren Mohammed, die Juden Moses und den Heiden ist Foe-Buddha der -höchste ihrer Götter. Ich achte, und verehrealle vier und bitte den, welcherin Wahrheit der höchste unter ihnen ist, daß er mir helfen wolle." — Ebenso berichtet Jb n Batuta, der' ein Jahrhundert, später China bereist hatte, über die Existenz großer Judengemeinden in diesem Reiche. Von einem aus sechs Städten bestehenden, großen Orte namens „Khausü" erzählt er: „In die-zweite der sechs Städte dieses immensen Ortes traten wir durch ein Tor, genannt: „Tor der Juden". Diese Stadt ist von Juden, Christen und türkischen Sonnenanbetern bewohnt; sie sind sehr zahlreich. In der dritten Stadt wohnten die Mohammedaner." Eine fernere historische Quelle für die Anwesenheit von Juden in China vor bereits mehr als 1000 Jahren ist ein Bericht des Jbn Said über eine große Niedermetzelung, welche im Jahre 878 in Khaufü stattgesundeN hat. Er erzählt, wie ein Rebell namens Banshoa im Jahre 878 Khausu belagert, genommen und die ganze Einwohnerschaft getötet habe. „Dabei seien 20 000 Mohammedaner, Juden?Nestorianer und Magier, um. ihr Leben gekommen." Der jüdische Reisende Aron Fink,: ein Onkel des Rabbiners Abraham Berlin in Chwastuan, der 16 Jahre Afrika und Asien bereist-hatte, - berichtet, daß in der zirka 500 000 Einwohner zählenden Stadt Nanking — diese führte unter der Ming-Dhnastie den Namen Kiangsu oder auch Khansu früher eine stattliche Anzahl Juden ansässig gewesen wäre, über deren Schicksal und gegenwärtigen Aufenthaltsort aber niemand etwas Näheres anzugeben wußte. (SieheHamagid Nr. 8, 1868.) Benjamin U hatte, wie er in seinem Reisewerk „Acht Jahre in Asien und Afrika, Teil China" erzählt, die Absicht, persönlich die Juden in China aufzusuchen, war auch bis Kanton gekommen, wurde aber hier durch ein heftiges Fieber an der Fortsetzung seiner Reise gehindert -und mußte unverrichteter Sache Nach-Bömbah zurückkehren. Sein Bericht über die Juden in China gründete sich daher nur auf Erkundigungen, die er bei Glaubensgenossen in Bombay einholte. Von diesen erfuhr er, daß in der Umgebung Kantons keine Juden wohnen, daß aber jenseits des gelben Flusses eine Völkerschaft existiere, welche alle zwei bis drei Jahre eine Karawane nach Kanton sendet, um Gewürze,.Kolonialwaren, Farben, Tee und andere Landeserzeugnisse dorthin zu bringen. Die zu dieser Karawane ge-' hörenden Leute sind unter dem Namen' „Hawaisten" bekannt und gelten allgemein für Juden. Er findet diese Bezeichnung sehr auffallend und gelangt schließlich zu dem Ergebnis: „Es dürste nicht unwahrscheinlich ‘ fein,- daß in einem Lande, wo man die Menschen nach ihrem Kultus benennt, die Anbeter des Ewigen als Hawaisten bezeichnet werden, ein Name> der für die mosaische Sekte sehr charakteristisch ist." Daß Juden nicht bloß, wie die meisten, stets wiederkehrenden Zeitungsberichte lauten, in Kaiföngfu wohnten und znni Teil trotz des zerstörten Tempels noch gegenwärtig

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