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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-03 · Heft 44 (3.11.1911) · p. Seite 520

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 44 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
Seite 520 (sequence 4)
Language
German
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f.6 20 r-wirrden. Das . Prinzip, der Oeffentlichkeit würde dadurch vernichtet, sjedei Kontrolle r durchs die beitragleistenden Mitglieder in allen -Ländern,ausgeschaltet, der Einfluß der - nicht in Paris wohnhaften - Mitglieder des Zentralkomitees aus Null reduziert und die Verwaltung der;Alliance immer einer kleinen Gruppe von Pariser Herren überlassen bleiben. Wie wir erfahren, beabsichtigt das Präsidium der deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance mit aller Energie, gegen diese Pläne-anzukämpfen und. eine Aktion dagegen einznleiten, die in der .nächsten-Zeit in ihren.Einzelheiten der Oeffentlichkeit zur Kenntnis i gebracht werden wird. ♦ Von Herrn Professor G. Deutsch in Cincinnatierhalten wir folgende Zuschrift: . Man muß tatsächlich allen Glauben an den Wert der Geschichte verlieren, wenn man die Räubergeschichte liest, welche die „Vossische Zeitung" nach Ihrem Bericht in Nr. 38, Seite 447, ihren Lesern auf. tischt. Eine Rabbinerversammlung im Staat Minnesota soll bechlossen haben, „dahin zu wirken, daß Goethes „Faust" aus ... . Schulen und Universitäten verbannt werde, weil. . . die Figur des Mephistopheles „jüdische Eigenschaften" besitze und dadurch eine Satire, auf das Judentum geschaffen sei". Die „Vossische Zeitung" ist so gütig, zuzugestehen, daß es verständiger sei, wenn dasselbe Kollegium den „Kaufmann von Venedig" in Acht und Bann tat, „weil darin die Figur des Shylock als eine Ausgeburt des jüdischen Geistes hingeftellt wird". Wenn ich noch deutsch verstehe, müßte das heißen, daß Shakespeare ein Jude gewesen ist, was, wenn ich mich recht erinnere, ein Spaßvogel wirklich einmal dem. antisemitischen „Deutschen Volksblatt" in Wien aufgebunden hat. Ich bin aber weitherzig genug vorauszusetzen, daß der Urheber, dieser Tartaren» Nachricht sagen wollte, es sei verständlich, wenn man m „Shylock" eine gehässige Darstellung des jüdischen Charakters sehe. Der Redakteur geht aber in seiner Nachsicht mit den Mängeln der amerikanischen Rabbiner noch weiter, indem er der Zuschrift eines angeblichen Kenners der jüdischen Verhältnisse Raum gibt, der beschwichtigend erklärt, daß die Rabbiner im Staate Minnesota polnischer Herkunft seien und in ihrer Unschuld in Mephistopheles eine Satire auf die .Abeles, Pereles, Wedeles, Teweles usw., sehen, — die beiläufig gesagt, eher in Prag als in Polen zu Hause sind — und es. Seiner Exzellenz, Herrn von Goethe, übel nehmen, daß er dem leibhaftigen Gottseibeiuns einen jüdischen Namen angehängt hat. Ich kann nur sagen: „Der Kasus macht mich lachen." So viele Worte, sv viel Unsinn! Es handelt, sich, um die Jahresversammlung des amerikanischen Rabbinerverbandes, Central Conference of American Eabbis, die im Juli d. I. in St. Paul, Minnesota, getagt hat. Dort hat allerdings der Präsident Rabbiner Max Heller aus 2lew Orleans, ni seiner Jahresbotschaft den Antrag gestellt, die Schulbehörden zu ersuchen, den „ Kaufmann von Venedig" von der Liste der obligaten Texte für den Schulunterricht zu streichen, mit der von der „Vofsischen Zeitung" als verständlich anerkannten Begründung, daß. die Figur. des. Shylock das. Vorurteil der christlichen Jugend ..stärke und in. dem jüdischen Schüler das Gefühl der Demütigung Hervorrufe. ... Der angebliche Angriff: auf Faust ist nicht, wie man aus dem Berichte der „Vossischen Zeitung" schließen, mußte, bei einem späteren Anlässe, sondern, in. derselben Sitzung erfolgt, und der Schuldige war,ich. Die polnischen. Juden, welche so oft, und neulich wieder in München, die Judenheit in Verruf gebracht haben, sind, diesmal total unschuldig,, denn ich .erfreue mich des unverdienten Glückes in der großen Seestadt Kanitzin Mähren geboren zu sein, wo schon meines Urgroßvaters Urgroßvater Jakob Eliezer Brunschwig. Klausprjmator in Mannheim bei der Eröffnung der Lemle Moses Klaus im Jahre 1768, also wahrscheinlich süddeutschen Ursprunges, anfangs .des 18, Jahrhunderts als Rabbiner fungierte. .Wenn also polnischer .Atavismus meine Entgleisung verschuldete, muß er weit über zwei Jahrhunderte zurückliegen. i Der „Kenner jüdischer Verhältnisse" und mit. ihm.der Redakteur der-„Vofsischen Zeitung" wird, aber auch mein Auftreten^ verständlicher finden, wenn ich ihm mein,Verhalten im Zusammenhanges,darstelle. Ich bekämpfte nämlich den- Antrag Hellers auf das putsch ie,den sie, , indem ich davon . ausging, daß der ^„Kaufmann won Venedig" mit Recht oder Unrecht — ich erlaube mir nämlich, mit Gras Tolstoi und Bernhard Shaw an der unfehlbaren Klassizität Shakespeares zu zweifeln — der klassischen Literatur angehört, und darum der Schuljugend in höheren Schulen nicht vorenthalten werden kann. Als Analogie zitierte ich aus Faust das Wort: „Das ist des Landes so der Brauch; ein Jud' und König kann das auch" und sagte, daß man folgerichtig auch Faust aus der Schule entfernen müßte, Hellers Antwort war, daß ein Unterschied zwischen einer gelegentlichen Bemerkung und einem in seiner Gänze gehässtgten Charakter gemacht werden müßte, und — sehr zu meinem Leidwesen, und, wie die Folge zeigt,..zum Schaden ihres Prest-gc, nahm die Versammlung mit großer Majorität den Antrag ihres Präsidenten an. Dem „Kenncr jsidi chcr.Verhältnisse' sei ferner mitgeteilt, daß die große Mehrzäßb . der Mitglieder der Central Conference of American Rabbis akademische Bildung in Amerika genossen haben, und daß die polnischest'Rabbiner, das heißt die Rabbiner der aus russischen und polnischen Einwanderern gebildeten Gemeinden, sich um Shakespeare ebensowenig als um Goethe kümmern. Ihre Pastoraltheologie beschränkt sich —'ich sage das nicht in tadelnder, sondern in rein historischer Absicht — auf Sabbat, koscher Haushalt und Ritualbad, wozu gelegentlich., die Agitation für hebräischen Unterricht kommt. Von einem bildungsfeindlichen Auftreten, ähnlich dem der ungarischen und galizischen Rabbiner, ist mir trotz zwanzigjähriger, aufmerksamer Beobachtung der Verhältnisse kein einziges Beispiel bekanntgeworden, Me Juden in Ehins. Von Albert Ka tz. Revolution in China lenkt von neuem unsere Aufmerksamkeit. auf die seit uralten Zeiten in diesem märchenumwobenen Reiche ansässigen Juden, über deren Zahl und Schicksal leider noch immer nichts Authentisches zu erfahren ist. Was wir von diesem aus chinesischemBoden verpflanzten Zweig aus Judas Gefilden wissen, verdanken wir den trümmerhaften Berichten der katholischen Missionäre und sonstigen christlichen Reisenden, denen es gelungen war,, über einige den Europäern offenstehende Hafenstädte und Küstenstriche hinaus , vorzudringen. Freilich, auf absolute Zuverlässigkeit haben diese Berichte keinen Anspruch, schon aus dem Grunde nicht, weil sie wesentlich voneinander abweichen, und nicht größeres Vertrauen verdienen die divergierenden Nachrichten späterer Touristen. Nicht etwa, weil wir ihnenfalsche Mitteilungen widerbesseres. Wissen zutrauen, sondern, weil es für einen vorübergehenden Besucher, der nur kurze Zeit in den halbeuropäisierten Handelsplätzen sich aushält, unmöglich ist, zumal wenn er die Landessprache nicht versieht, die .verschiedenen religiösen Sekten des Riesenreiches auch nur einigermaßen kennen zu lernen. Dazu bedarf es einer wiederholten Bereisung der verschiedenen Provinzen, eines.genauen Studiums von Land und Leuten und einer außerordentlichen Vertrautheit mit deren Sitten und Lebensgewohnheiten. Allein wie gering wir auch die bisher an uns gelangten Nachrichten in bezug auf ihre Authentizität einschätzen, so geht doch aus ihnen evident hervor, daß Juden seit undenklichen Zeiten in China wohnen, und zwar nicht bloß in der Provinz Hon.an und deren Hauptstadt Kaisöngfu, über. deren Eroberung durch die Rebellen die Tagesblätter vor einigen Tagen berichteten, sondern auch in Peking, in der Provinz Schekiang, in Kangtscheu und an anderen Orten. Ich verweise hier auf einen Bericht, den ein Leser des „Berliner Börsen-Courier" anläßlich eines Vortrags von mir über die Juden, in. China im Berliner Verein für jüdische. Geschichte , und l § c G st fl S 3 f. z tz c n g 3 b T a C st st n d b st r ii (i S sc d T ii d ü fr B u ei ft g< v. I zr B m se li M gl dk bk M I m sä V fri

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