Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1911)
- Date
- 1911-10-20
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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»MÄLZ — Gollantsch. Hierselbst fand unter großer Beteiligung die Be- ,, erdigung des Gemeindevorstehers Herrn Max Gl aß statt, Dw;: Gemeinde, verliert in dem Dahingeschiedenen ein unersetzliches .Mitglied, das jederzeit bemüht war, die Interessen derselben zu fördern. — Posen. Aus Anlaß der Posener Ausstellung ist dem Großtausmann und Fabrikbesitzer Herrn Rudolf P etersdorff hier-- selbst der Königliche Kronenorden vierter Klasse, desgleichen dem Königlichen. Kommerzienrat Herrn Louis Grünfeld: in- Benthen (Oberschlesien) der Rote Adlerordenvierter Klasse . verliehen worden. — Schwersenz. Herr Rentier Joseph. Heymann aus San Franzisko, der zum Besuche seiner Angehörigen hier mehrere Tage sich aushielt, bedachte die israelitische Gemeinde mit einer beträchtlichen Geldspende. — Pleschen. Frau Auguste Rawicka-ist hier, 80 Jahre alt, gestorben. .Die. Verblichene war ein Muster echt jüdischer Frauen und betätigte sich.unmerklich auf dem Gebiete des Wohltuns. gegen jedermann. — Posen. Im Verein Leschaun Limudim hielt Herr Dr. de Ha as einen Vortrag: „Jüdische Wissenschaft als lebensfördernde Macht". Das zahlreich erschienene Publikum zollte dem Redner großen Beifall. — Lobsens. 90 Jahre alt starb hier. Herr Juli r, S Ia.k o b s o h n. Der Dahingeschiedene, stand bei allen.Bürgern wegen seines edlen Charakters in großem Ansehen. Dies bewies auch die zahlreiche Teilnahme bei der Beerdigungsfeier. Dresden, 13. Oktober. Der Dresdener „Deutschen Wacht" hat es schon lange schweren Kummer bereitet, daß noch niemals eine sachliche Erklärung dafür gegeben ist, „warum man die Juden in Rußland von den Staalsämtern ausschließt". Rach langem angestrengten Nachdenken, das freilich eine gehörige Portion des nur noch spärlich vorhandenen Gehirnschmalzes gekostet hat. hat sie endlich des Rätsels Lösung gefunden: „In eingeweihten Kreisen ist man längst überzeugt, daß die jüdischen Anarchisten mit den Geldern der Alliance Isra61ite Universelle besoldet werden, zu der die Juden aller Länder regelmäßige Jahresbeiträge zahlen; in Deutschland ist der Mindestbeitrag auf sechs Mark jährlich festgesetzt. Diese jüdische Kriegshetze (soll wohl heißen: Kriegskasse) ist im Laufe der Jahre sicherlich auf Milliarden angewachsen und bildet eine ständige Gefahr für alle Regierungen, die sich jüdischen Einflüssen zu entziehen versuchen. Es ist gar nicht ausgeschlossen, daß dieses Kapital auch gegen Deutschland mobil gemacht wird, sobald die jüdischen Machthaber dies für notwendig erachten." Welch ein Glück, daß dieses schändliche Komplott noch rechtzeitig aufgedeckt worden ist. Die Regierung muß nun schleunigst diesen semitischen Kriegsschatz mit Beschlag belegen.und ihn zur Belohnung unter die Entdecker dieser jüdischen Geheimverschwörung verteilen. Oder noch besser, die Herren Bruhn, Graf Pückler und Ahlwardt übernehmen den Schatz in gemeinsame Verwaltung. Erfurt, 13. Oktober. Am 5. d. M. feierte Herr Dr. Salzberger sein 25jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner der Erfurter Synagogengemeinde. Dem verdienstvollen Jubilar, der sich der größten Hochschätzung und allgemeiner Beliebtheit erfreut,.wurden von allen Seiten Ehrungen bereitet. Eine Deputation, bestehend aus Mitgliedern des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung überbrachte eine kunstvoll ausgestattete Adresse, in welcher die Verdienste des Herrn Jubilars in höchst anerkennender Weise gewürdigt wurden, und überreichte im Namen der Gemeinde ein kostbares Silbergeschenk. Auch die Loge und die wohltätigen Vereine hatten Deputationen zur Beglückwünschung entsandt. Eine besondere Freude wurde dem Herrn Jubilar dadurch bereitet, day die Mitglieder der Gemeinde eine Sammlung veranstaltet hatten, welche eine, namhafte Summe ergab, die dem, Herrn Jubilar zur freien Verfügung übergeben wurde. Am Abend fand ein Festessen statt, an welchem der Vorstand und die Repräsentanten vollzählig teilnahmen. . Köln a. Rh., 13. Oktober. Das letzte Vierteljahrshest des .Statistischen Amtes enthält eine eingehende Untersuchung über die Zusammensetzung der Bevölkerung Kölns nach dem Religionsbekenntnis auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember v. I. Unter den.im ganzen gezählten 516540 Personen befanden sich danach 404724 oder 78.35 Prozent Katholiken. 95100 oder 18,41 Prozent Evangelische, 12070 oder 2,34 Prozent Juden und 4646 oder.0,90 Prozent Personen sonstigen und unbekannten Glaubens. Gegen die Zählung vom;• 1. Dezember 1905, deren entsprechende Verhältnissätze — für den ' jetzigen Stadtbezirk — 79,26, 18,4, 2,44 und 0,26 betrugen, bedeutet dies einen Rückgang der Anteile der Katholiken und Juden, dagegen eine Steigerung der evangelischen und der übrigen Personen; bei - einer-Zunahme der gesamten Bevölkerung um 12,53 Prozent erhöhte sich seitdem die Zahl der Juden und Katholiken nur um 7,85 bzw. 11,25 Prozent, die der evangelischen und übrigen Personen aber um 14,87 bzw. 274,08 Prozent. Es hat sich damit der seit Jahrzehnten beobachtete Entwicklungsgang im großen ganzen fortgesetzt Ein . Rückblick , um 25 Jahre zeigt z. B., daß die Bevölkerung damals noch aus 82,44 Prozent Katholiken, 15,14 Prozent Evangelischen, 2,36 Prozent Juden und 0,06. Prozent Andersgläubigen bestand. Und während inzwischen die Bevölkerung im ganzen auf das Doppelte, genauer in . dem Verhältnis von 100: 204, gestiegen ist, kommen bei den Katholiken und. Juden auf 100 Personen von 1885 jetzt nur 194 und 202, bei den Evangelischen und Andersgläubigen aber 248 und 3017. ----Mannheim, 13. Oktober. Aus. der soeben erschienenen Statistik ist ersichtlich, daß auch die israelitische Kirchensteuer . im Laufe der Jahre sich bedeutend gesteigert hat. Im Jahre 1901 kam auf jeden Kopf noch 1.18, während sie jetzt 1.92 Mark beträgt Die Belastung ist also um 62 Prozent gestiegen, während die Seelenzahl um nicht ganz 15 Prozent in die Höhe gegangen ist. Auf das Verhältnis umgerechnet, hat sich die israelitische Landeskirchensteuer um 87 Prozent, die israelitische Ortskirchensteuer um 17 Prozent gesteigert. Auf die Konfession verteilt, steigerte sich die Belastung der israelitischen Landeskirchensteuer von 1.43 Mark aus dem Jahre 1901 auf jetzt 2.73 Mark pro Kopf. Der Vermögenssteueranschlag für den Protestanten stellt, sich gegenwärtig auf 3733 Mark, den Katholiken auf 2100 Mark, den Israeliten auf .20 945 Mark, der Einkommensteueranschlag für den Protestanten auf 253 Mark, den Katholiken auf 132 Mark, den Juden auf 1390 Mark. Straßburg, 13. Oktober. Ueber die Ausstellung von Schüler arbeiten in der Israelitischen Gewerbeschule zu Straßburg entnehmen wir der in Gebweiler erscheinenden „Israelitischen Wochenschrift" folgenden Bericht: Die Popularität, der sich, die „Ecole de travail'- in allen Bevölkerungsschichten erfreut, kommt gelegentlich ihrer Ausstellung so recht deutlich zum Ausdruck. Besonders an den beiden ersten Tagen des Sukausfestes strömten die Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu Hunderten hinaus in die Julianstraße, , um ihr lebhaftes Interesse für diese ihre Lieblingsanstalt durch ihr persönliches Erscheinen zu bekunden. Am Sonntag nachmittag war der Andrang besonders stark. Mit größter Aufmerksamkeit wurden die einzelnen Ausstellungsgegenstände betrachtet, und allgemein hörte man nur eine Stimme des Lobes und. der Bewunderung über die zur Schau gestellten Arbeiten und das feinsinnige Arrangement, dessen Gesamtbild einen wirklich wohltuenden Einfluß auf Geist und Gemüt hervorruft und das jüdische Herz mit berechtigtem Stolz schwellt. Mit besonderer Genugtuung hat es uns erfüllt, als wir unter den Besuchern auch viele Nichtisraeliten bemerkten. Es ist höchst erfreulich und zeugt von kindlicher Anhänglichkeit an die Anstalt, daß auch ihr ehemaliger Schüler Emanuel Hannaux aus Paris, der berühmte Bildhauer, eine Anzahl von Photographien seiner berühmtesten Schöpfungen zur Schau gestellt hat, um damit öffentlich, zu bekunden, daß er stolz darauf ist, aus der „Ecole de . travail“ hervorgegangen zu sein. Wir nennen davon nur das Denkmal auf dem Schlachtfeld von Noisseville, , Dichter und Sirene, Blumenmädchen, ferner die Büsten des ehemaligen Bischofs Dupont des Loges von Metz, des Komponisten Ambroise Thomas, von Derembourg, Baronin James de Rothschild, Madame Coralie Cahen und andere. Es sind alles Kunstwerke ersten Ranges, die im Palais du Luxembourg, in den Museen von Nancy, Puh und anderen hervorragenden Kunstgalerien Aufnahme gesunden haben. G. Kutna schreibt über ihn in „Ost und West" (Jahrgang VII, Heft 1): „Ein bescheidener Mann, von geklärter Einfachheit, ein Schaffender in stiller Begeisterung ist Emanuel Hannaux. der Gestalter einer Nacktheit ,und edler Menschlichkeit. „Ich liebe die Kunst, ich liebe das Nackte", ist sein ganzes Programm. So geht er geraden Sinnes der Schönheit nach^ voll Ehrerbietung vor der Natur, fromm und beherzt in seiner Liebe . . . In Hannaux's Büsten ist eine diskrete