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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-10-20 · Heft 42 (20.10.1911) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 42 (20.10.1911)
Date
1911-10-20
Page
Seite 498 (sequence 6)
Language
German
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also nicht die einzige Konsequenz aus der vorliegenden Sachlage: Sie gehören weiter einem Verbände sogar noch als Vorstandsmitglied an, dessen Grundsätze und Leitung Ihren' Ansichten strikt widersprechen! Ameriksnilch-Milche Literatur. Von Gotthard D'eutfch. (Schluß.) " 3N dieser Welt des Ueberganges lebt und beobachtet „Taschrak" und stellt uns mit wunderbarer Realistik diese Epoche des Ueberganges vor. Zwei Figuren sind es Haupt-" sächlich, die unser Interesse gefangen nehmen: Chajim der Customer Peddler (Ratenverkäufer) und Simche, der Schammes. Der Customer Peddler ist ein Typus des Eingewanderten, der sich oft Jahre lang erhält. Er verkauft alle erdenklichen Waren, Kleider, Hauseinrichtungsstücke, Juwelen usw. gegen wöchentliche Abzahlungen. Sein Gewinn ist, nach dem Risiko gerechnet, bescheiden, aber da er genügsam ist, und seine kleinen Ersparnisse wohl anzulegen versteht, bringt er es nicht selten zu einem bescheidenen Wohlstände. In der Periode, in welcher Zevin ihn schildert, hat er bereits ein kleines Häuschen in einem Vororte von New Hork, Blotetown (Kotstadt, bezeichnenderweise aus dem Russischen Blote und dem englischen town zusammengesetzt), er ist Vorstandsmitglied einer Synagoge, die schon einen englischen Prediger, den Reverend Dr. Botzmach hat; eine seiner Töchter ist eine Tietscherke (aus dem englischen wacher - Lehrer, und der slawischen Femininendung „ka" gebildet), sein Sohn Benele ist ein richtiger amerikanischer Junge, der sich weder vor einem Hunde noch vor einem Jrishman fürchtet, während sein Vater beiden scheu aus dem Wege geht, der aber dafür im Baseball vortrefflich Bescheid weiß und im Wettlaufen den ersten Preis gewonnen hat. Chajim ist schon soweit amerikanisiert, daß er seiner Frau nach gibt, sich Charley und sie, die bisher Zippe Jente geheißen hatte, Henriette zu nennen. Die amüsantesten Szenen ergeben sich aus den Konflikten zwischen alt und jung, den Eingewanderten und Eingeborenen. Benele kommt freudestrahlend nach Hause und erzählt: „Ich hob a Flieg' gekätscht" (to catch a fly ist ein technischer Ausdruck des Baseball für: einen Ball im Flüge fangen). Die Mutter ist entsetzt. Wie, so ein großer Junge, der bald Barmizwe werden wird, gibt sich noch mit solchen Kindereien ab, und überdies ist das eine Grausamkeit nnd gegen die Religion. Chajim ist klüger, denn er merkt sofort, daß sich seine Zippe Jente eine Blöße gegeben hat, und darum sagt er schmunzelnd: „Recht hast Du, Benele, geh nur weiter Fliegen kätschen." Die Mutter ist empört über diese Art von Erziehung und beruhigt sich erst, als Betsy, die Tietscherke, ihr die Sache erklärt. Ein andermal fällt aber auch Chajim herein. Benele kommt mit der Freudenbotschaft nach Hause, daß er im Athletenktub der Schule als Champion runner erklärt worden sei. „Wos ist dos a so eins?" will der Vater wissen, und Benele erklärt, daß er der „Champion-Läufer" des Städtchens sei. „Mir eine große Ehre," sagt Chamin, „das habe ich schon lange gewußt, daß Du der größte Loafer (Bummler) im LhaMr, der Customer Peddler. Städtchen bist. Dafür gebührte Dir doch wahrlich keine Medaille." Benele erklärt ihm endlich unter Lachen, daß er am besten laufen könne, unter allen Jungen des Städtchens und Tim O'Hearn im Wettkampfe besiegt habe. Nicht minder amüsant ist das Gemeindeleben, in welchem der unausbleibliche Ehrenchrist, der Alderman Patrick Fitzpatrick, eine große Rolle spielt, so groß, daß Chajim anläßlich des neülichen Zionistenkongresses in Pittsburg sagt, er glaube, wenn der Messias kommen werde, er sich einen Irishmän werde mitbringen müssen, um die Juden zu bewegen. Nach Palästina zu gehen. Der Alderman, der von der Politik lebt, ist ein großer Judenfreund und in seiner Art ein Zionist, er hat sogar auf eine Nationalfondsäktie gezeichnet, denn er ist durch seine lokalen Erfahrungen überzeugt, daß, wo die Juden' hingehen, Grundeigentum im Werte steigt. Chajim war^ Delegierter auf der letzten Konvention, und gibt' höchst originelle Berichte von dem, was er dort gehört hat. Nach seiner Darstellung hieß es in dem Berichte des Sekretärs, daß der Zionismus in Amerika wohl keine direkten Erfolge aus-' zuweisen hatte, aber indirekt hätte er be-" deutende Fortschritte gemacht. Jacob H. Schiff,- ein erklärter Antizionist, Hab 100 000 Dollars für ein Polytechnikum in Haiffa gegeben, Roosevelt hat viel Jagdglück in Afrika gehabt, Curtiß ist von New Hork nach Albany aus einem Luftschiff geflogen, Jmber (Naphtali Herz Jmber, der Verfasser der Zionistenhymne „Hatikvah") ist gestorben, „Dr. Magnes Hot ausgechappt bei die Reformer a schehne Kallen mit a schehnem Raden und Hot nachdem resigniert vun seier Tempel" usw. Sehr amüsant sind mitunter die Prinzipienfragen, die auf den Gemeindeversammlungen verhandelt werden und zu schweren Parteikämpfen führen, so etwa, in welcher. Reihenfolge die Namen der Vorsteher auf der Mauer des neuen Friedhofsangebracht werden sollen. Selbstverständlich istu Zevin als yiddisher Autor der Reform nicht besonders grün, und ihre Schwächen werden^, noch schärfer gegeißelt als die des Zionismus. . Ein Prachtstück von einer Satire ist seine Beschreibung'- einer Mädchenkonfirmation, „a mädelsche Barmizwah". Mister Pupikowitz, der Präsident der Gemeinde, veranstaltet eineT solche Feier, und Chajim wird mit seiner Frau dazu ein-' geladen. Er erzählt uns die Geschichte, wie er selbst sagt' „vun Grund aus mit alle partikelers". Der Reverend Dr. Hotzmach hot a Sabbathschool (Religionsschule), wu die' Kinder vun die Members (Gemeindemitglieder), Müdlern mit- Jnglech zusammen gehen sich lernen sogen „Adon Olom“ und „Schema Jisroel“ auf englisch". Die Sache kommt ihm komisch vor, denn wie kann man Schema ^isroel sagen auf' englisch? „Echod“ ist auf englisch „one“. Man kann wohl „Echoood" dehnen, aber versuche einer einmal „woooooon“ zu sagen. Zippe Jente steht der ganzen Sache skeptisch gegenüber Sie erinnert sich, daß „bei uns in Staedtel" hatSchefLelder„kl6ke"' den Rabbiner, den Nohel und die ganze Gemeinde zu einer Beschneidungsfeier eingeladen, und dann stellte es sich Heraus, daß der Neugeborene ein Mädchen war. Chajim beruhigt sie- In Amerika macht man bei solchen Anlässen keine dummen Scherze, „do is alles strictly pussness". Zippe Jente lernt bei dieser Gelegenheit den Reverend Dr. Hotzmach kennen, und es will ihr nicht einleuchten, wie er ein Reverend und ein Doktor zugleich

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