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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-10-20 · Heft 42 (20.10.1911) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 42 (20.10.1911)
Date
1911-10-20
Page
Seite 495 (sequence 3)
Language
German
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Türken, in seinen Landsleuten verschiedener Rasse und Religion, keine Nebenbuhler,, keine Objekte des Neids und der Verfolgung, sondern Mitarbeiter zu sehen, deren, dem allgemeinen Besten nützliche Tätigkeit geachtet und gefördert werden müsse. ' S In einer Korrespondenz des „Berliner Tageblattes" aus Tripolis heißt es: Die Polizeistalion am Westtor der Stadt wurde von Juden geplündert, während oben darüber auf der Stadtmauer ein halbes Dutzend italienischer Soldaten Wache hielten. Bei diesen letzten Plünderungen handelte es sich ausschließlich um öffentliches Eigentum. Zehntau sende von Frank zuletzt noch, Hunderttausende von Frank öffentlichen Eigentums hätten gerettet werden können, wenn man von Anfang an auch nur ein halbes Dutzend von Soldaten hätte zum Schutze desselben aufstellen wollen. Seit Tagen durchziehen öffentliche Ausrufer besonders das Judenviertel und fordern zur Zurückgabe des im spanischen Fort geraubten Pulvers, der Patronen usw. auf. Es Wäre bedauerlich, wenn sich die Nachricht bewahrheitete. r Ueber die Juden in Tripolis meldet die „Aurore". Sie zählen 12 000 Seelen unter 40 000 Einwohnern. Sie haben 18 Synagogen. Es bestehen zwei von der Alliance Isra&ite Universelle 1895 und 1898 begründete Schulen. Die für Knaben, von 160 Schülern besucht, darunter 15 zahlende, hat einen Direktor und vier Lehrer für Hebräisch, Türkisch, -Arabisch. Ihr Defizit beträgt über 12 000 Frank, die jährliche Unterstützung der Alliance Israelite Universelle über 11 000 Frank. Die für Mädchen wird von einer Direktorin geleitet, neben der einige Gehilfinnen tätig sind. Sie wird von 277 Schülerinnen besucht, von denen 58 Schulgeld entrichten. Die jährliche Subvention der Alliance Israslite Universelle beträgt 5900, das Defizit 6642 Frank; daneben gibt es) noch eine Handwerkerschule, die von 13 Schülern besucht wird. Aus derselben Nummer des italienischen Blattes, die oben zur Zeichnung der Stimmung unserer Glaubensgenoffen verwendet wurde, ersieht man übrigens, daß auch in Italien ein Jug e n db u n d sich zu bilden im Begriff ist. Mehrere hervorragende Männer erklären zu einer solchen Mission ihre Zustimmung und geben ihren Beifall. Leider machen sich dabei auch seltsame Vorschläge breit. Riccardo Momigliano z. B. plädiert für ein jüdisches Gymnasium, da in staatlichen und . städtischen Schulen die Juden hintan gesetzt werden (also auch dort!), und möchte zur Einrichtung einer solchen konfessionellen höheren Lehranstalt die Millionen verwenden, die in den Schränken der jüdischen Seminarien und Wohltätigkeitsanstalten liegen und „ein beklagenswertes jüdisches Parasitentum unterhalten." Welch törichte Auffassung! * Während in der Türkei und in Italien die Juden trotz . mancher Zurücksetzung doch im ganzen vollberechtigte Bürger sind, bleibt ihre Lage in Rußland unendlich beklagenswert. Am Schluß der letzten Nummer des „Gemeindeboten" ist schon kurz von dem letzten Pogrom (wäre es nur das letzte; es ist aber leider nur das neueste!) zu Osch die Rede gewesen. Zur Ergänzung dazu berichtet das „Berliner Tageblatt": Aus Taschkent werden entsetzliche Einzelheiten über das Pogrom in Osch (Turkestan) gemeldet. Nach dem Attentat in Kiew begannen die echt rufsischen Leute eine heftige Agitation gegen die Juden in dex. Stadt. Sie verbreiteten das Gerücht, daß die Juden einen Sartenknaben gestohlen und einen Ritualmord an ihm verübt hätten. Daraufhin gerieten die Sorten in furchtbare Aufregung, drangen in die Hauser der Juden und begannen ein Pogrom. Die Polizei war der fanatischen Menge gegenüber machtlos. Die Sorten umzingelten die Häuser der jüdischen Bevölkerung, brandschatzten sie und schlugen auf die fliehenden Juden mit Knütteln ein. Das Pogrom hielt an. bis Militär mit Waffengewalt einschritt. Eine Anzahl Juden wurden getötet. viele sind schwer verwundet, einige verbrannten in den Häusern, die von der Menge in Brand gesteckt worden waren. * Aus Spanien, dem Lande, das die Juden so schmählich / vertrieben, kommt eine Kunde, die zwar von keiner Begünstigung der Indens wohl aber von einer Pflege der Sprache der Juden, des Hebräischen, handelt. Der „Berliner Lokal-Anzeiger" nämlich erzählt folgendes: Die Stadt Toledo, einst ein Hauptsitz spanischer Kultur, soll demnächst ein großartig angelegtes Forschungsinstitut für hebräische Sprache und Literatur erhalten. Den Anstoß zu dieser Gründung l hat der spanische Marquis La Vega Jnclan, Deputierter und König-E licher< Kommissar für den Fremdenverkehr, gegeben. An der Aus- * gestaltung des Instituts werden Fachleute ersten Ranges wie P. Fitra, Schwab (Paris) und andere beteiligt sein. Die Anstalt er-j , hält ihren Sitz in der berühmten ehemaligen Synagoge „del Transits", 8 f die im 14. Jahrhundert, erbaut, .später als katholische Kapelle ge-8 . weiht und 1875 zum Nationaldenkmal erklärt wurde. Sie gehört zu 5 den interessantesten Bauwerken Spaniens. Der König Alfons selbst? nimmt den lebhaftesten Anteil an der Gründung. Die Anstalt, \ deren Eröffnung noch in diesem Monat bevorsteht, soll zum Mittel-1 Punkt aller modernen hebräischen Studien werden. r In der Alliance isra&ite universelle scheinen merkwürdige Dinge vorzugehen. Die „N. I. K." berichtet unter der sensationellen Aufschrift „Ein neuer Gewaltstreich der Pariser Alliance-Leitung" ein Gerücht, das ich in etwas abgeschwächter Fassung hier folgen lasse. „Am 18. d. M. .findet in Paris eine Sitzung des gesamten Zentralkomitees der Alliance israölite universelle statt. Wie wir erfahren, plant die Pariser Leitung die Durchsetzung eines Antrages, wonach die Wahlen für das Zentralkomitee abgeschafft und durch ein System der Kooptation ersetzt werden sollen. Bon seiten der deutschen Mitglieder des Zentralkomitees wird der schärfste'Widerspruch gegen diesen Plan entfaltet werden, der dem Statut wie der Tradition zuwiderläuft. Das Statut, in dem allgemeine Wahlen vorgesehen sind, kann nur geändert werden, wenn 2/s der Mitglieder des Zentralkomitees einen entsprechenden Antrag stellen, was bisher nicht geschehen ist. Die Präsidialmitglieder der Deutschen Konserenzgemeinschaft, die Herren Justizrat Fuchs und Geheimrat Professor Landau, die sich zu der Sitzung nach Paris begeben, werden den Aritrag entschieden bekämpfen und gleichzeitig die Vorgänge bei den letzten Wahlen zur Sprache bringen, die gleichfalls zu lebhaften Auseinandersetzungen führen dürsten, * Den „Politischen Beiträgen" entnehmen wir folgendes: Der Herausgeber der „Politischen Beiträge", der Reichstagsjournalist Artur Schweriner, hat die Reichstagsabgeordnetendie Herren Landgerichtsräte Dr. Müller-Meiningen von den Fortschrittlichen und Gröber vom Zentrum über das Schicksal des Tierquälereiparagraphen und damit der Schächtfrage um ihre sehr maßgebende Ansicht gebeten. \ Herr Abgeordneter Gröber schreibt: . „Auf Ihre Anfrage bedauere ich nichts Sicheres über das Schicksal des Tierquälereiparagraphen Mitteilen zu können. Die Schwierigkeit liegt weniger in der Formulierung der auf das Schächten bezüglichen Bestimmung, über die sich wohl eine. Einignuy) e^ifilenließe, als vielmehr in dem Inhalt

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