Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-10-13 · Heft 41 (13.10.1911) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 41 (13.10.1911)
Date
1911-10-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228961-3229003--67861-3280101
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1910 besagt, daß den Ausgaben im Betrage, von .1.035 508 .Frank nur Einnahmen in Höhe von 979 923 Frank gegenüberstehen/ Das Defizit hat demnach bereits die Summe von 55 585 Frank erreicht. Infolgedessen mußten säst, sämtlicheaus dem , Jahre.1905 noch vorhandenen Reservefonds aufgebraucht werden- Tie Zahl . der Gemeindemitglieder. betrug Ende Dezember 3993 (gegen 3870 .im Vorjahre) mit einer Stenersumme von 263 046 Frank (gegen. 258 434 im Vorjahre). Ein Mitglied bezahlt einen Jahresbeitrag von 30000 Frank, drei einen solchen von 5000 Frank, vier von 3000 Frank, drei von '2500 Frank, einer von 2000 Frank usw. Das Kultuspersonal besteht aus 11 Rabbinern, 16 Kantoren, 18 Sekretariatsbeamten, 4 Chordirigenten, 127 Chorsängern, 17 Schechitah-Aufsehern, 43 ShnagogendienerN und dergleichen. Im Verlaufe des Jahres 1910 haben 2928 Kinder Religionsunterricht erhalten, 355 Kinder nahmen teil an der Konfirmation, 256 feierten ihre Barmitzwah, ferner fanden statt 353 Trauungen und 072 Beerdigungen. Unter den verstorbenen Personen hatten fünf ein Alter von 95 bis 98 Jahren erreicht. LuUsnd. z. Kiew, 6. Oktober. Am vergangenen Kolnidre-Abend ereignete sich hier ein merkwürdiger Zufall, der jetzt von Juden und Christen viel besprochen wird. Zu gleicher,Zeit nämlich, als unsere Glaubensgenossen in den Synagogen und sonstigen Bethäusern versammelt Waren, um die. Versöhnung des Allmächtigen für sich und die gesamte Menschheit zu erflehen, hatten sich auch die russischen Nationalisten in der unweit des Denkmals Alexander II. gelegenen Börsenhalle versammelt, um durch die Veranstaltung einer Gedenk-' feierMr Stolypin gegen die Juden zu demonstrieren. Nachdem verschiedene Redner, die echtesten der echten russischen Leute, .die Juden und ihre Beschützer mit den fchändlichsten Schmähungen, und Verwünschungen bedacht hätten, bestieg der Episkop Pawel Pzeopraszenski das Podium, um chas Seelengebet für Stolhpin zu verrichten und zugleich die Juden als Mörder zu verfluchen. Aber kaum hatte er den Fluch gegen die Juden begonnen, als er plötz- - lich umsank und. leblos liegen blieb. Die herbeigeellten^ antisemitischen Aerzte T schern ow und Affan ässiew versuchten vergeblich ihn ins Leben zurückzurufen; sie vermochten nur den inzwischen eingetretenen Tod sestzustellen. Nun entstand ein furchtbarer Tumult, denn die Wut der abergläubischen Versammlung wendeten sich gegen die Veranstalter der Gedenkfeier, daß sie für diese Demon« stration gerade den Abend des jüdischen Versöhnungslages wählten, , an dem die Juden bekanntlich ihr altes Gebet sprechen: „Unser: ' Vater und König! Wende ab von uns jeden Feind und.Ankläger." MnMüh und Mn. irv:. Rabbiner Dr. EpPenstein in Briefen (Westpreußen)> ein bedeutender Kenner der. hebräischen Sprache und Literatur, ist zum 1. November 'als Dozent nach Berlin an das Rabbiner^ - Seminar berufen worden, und zwar als Nachfolger des Herrn Professor Dr. A. Berliner, der in den Ruhestand getreten : ifti Die Herren Dr. Heinrich Brodh, Direktor des - Lehrerseminars in Prag, und Professor Dr. Marx vom - Rabbinerfeminar in New Zork, welche ebenfalls in Aussicht genommen waren, chatten den Ruf aus persönlichen Gründen abgelehnt.— Der Chemiker . Dr- I. Marcus sochn vom Königlichen Materialprüfungsamt zu Berlin erhielt den Titel Professor. — Ein Veteran der Berliner ' Journalistik, 'Schriftsteller Isidor Fraenkel, ist im 74. Lebensjahre gestorben.- Fraenkel war jahrzehntelang als gewissenhafter Berichterstatter über Kammergerichtsverhandlungen tätig. Der Odd Fellow-Orden in Deutschland, dem auch viele Juden angehören, -verliert in dem Entschlafenen eines seiner eifrigsten und geachtetsten Mitglieder. — In Charlottettburg wurde ein j ü d i s ch e s - Kl u b.h aus eröffnet. Dasselbe umfaßt sieben geräumige Zimmer mit Lese-und Speisesaal. Das Klubhaus svll -dazu dienen, die Jugend zu ffammeln iund ste in Verkehr zu bringen mit Akademikern» — Das Delegiertenkollegium des „Deutsch-Israelitischen Synagogtzlr- Verbandes" in Hamburg hatte ün meiner seiner letzten Sitzungen beschlossen, dem Wunsche vieler'Mitglieder des Synagogenverbandes entsprechend, die Oeffentlichkeit seiner Sitzungen sinzusühren, und hatte .einen..diesbezüglichen Antrag^beirn Vorstand gestellt.u.Wie mir hören, . hat der Vorstand es jedoch abgelehnt^ die Oeffentlichkeit.^der Sitzungen des Delegiertenkollegiurns^einzuführen und gegen ,den Beschluß des Kollegiums von seinem ' Gebrauch gemacht.- Derstellvertretende VorHende bes^ Vorstandes der7 jüdischen Gemeinde jn 'Magdeburg, Herr Max Wei l, beging am Versöhnnngstag . seinen 70.. Geburtstag. Me Feier fand am d.ara)rfM.genden Tage unter lebhafter Beteiligung der Gemeindebehörde utzL^zahlreicher.Freunde statt.— Der Generaldirektor der Deutschen GrammoPhonrAkt^Ges. Herr Joseph BerFiner-Hannover, hat dem Jaffascheu Fürsorge- und Waisenheim per Großloge für Deutschland U. O. B. . B. einen namhaften Betrag gestiftet. — Vor einigen Tagen wurde in .Amsterdam die neue Diamantenbörse, eröffnet. Nahezu sämtliche 1300 Mitglieder der Börse sind Juden, in deren Händen die Diamantenindustrie sowie der Handel mit Diamanten liegt. Interessant ist, daß die Börse sowie das Post» und Telegraphenamt, das sich in dem Börsengebäude befindet, am Samstag und an den jüdischen Feiertagen geschlossen bleiben wird. Das erste Telegramm, das von diesem Amte ausging, war ein Huldigungstelegramm an die Königin. — Herr Leon und Frau Betty Parnes in Lemberg haben zum Andenken an ihre verstorbene Tochter eine Stiftung im Betrage von 50 000 Kronen errichtet, deren Zinsen alljährlich am Sterbetage der. Tochter an zwei jüdische Hörerinnen der Lemberger Universität verliehen werden sollen. Die Stiftung wird durch die Lemberger Kultusgemeinde verwaltet. Außerdem stifteten Herr und Frau Parnes 7000.Kronen zur Erhaltung eines Waisenkindes im Lemberger jüdischen Waisenhaus und 7000 Kronen zur Errichtung, und Erhaltung eines Bettes im Lemberger jüdischen Hospital. — In London verschied kürzlich im Alter von 62 Jahren Herr Georg Sonnenthal, ein geborener Deutscher, der als Freiwilliger 1869 in das preußische Heer eingetreten war und sich durch persönliche Tapferkeit in der Schlacht bei Weißenburg (Wörth) ausgezeichnet hatte. .Ihm wurde von dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren Kaiser Friedrich, das eiserne Kreuz verliehen^ Rächbem^ ^011516 Herr Georg Sonnenthal NachLondon,' wo. er. einer der bedeutendsten Großindustriellen wurde. — Diese Woche fand die feierliche Grundsteinlegung des jüdischen Theaters in London statt. Sir Francis Montesiore hielt eine Rede, worin er die' Bedeutung des Jargontheaters hervorhob/ Das Theater wird den Namen „Fenimanns Jüdisches Volkstheater" tragen. — Vergangene Woche wurde in Rom der Kongreß der . Bürgermeister Italiens eröffnet. Den Vorsitz führte der Bürgermeister von Rom,'Ernesto Nathan. Im Ehrenpräsidium sitzt auch der Generalprokurator am römischen Kassationshofe, Senator Mostara, ein Jubel — Dieser Tage wurde in Rom das Testament des jüngst verstorbenen Jsacco Siniga gl ia eröffnet. Der Verstorbene errichtet darin ein Legat zugunsten des Zivilspitals Umberto I. von 150 000 Frank iriit der Bedingung, daß in dem genannten Krankenhause eine jüdische Abteilung errichtet werde, in welcher alle Vorschriften genau beobachtet werden. — Der König von Abessinien hat den Bürgermeister Ernesto Nathan zum Kommandeur des Ordens vom Stern von Ethiopien ernannt. — Osch (Ruff. Turkestan). In Fergana kam es auf das Gerücht von dem Raub eines Sartenknaben durch Juden zu einer Kundgebung gegen die Juden. Eine große Menge Eingeborener begann Steine aus die Juden und ihre Häuser zu werfen. Ein Jude wurde dabei, getötet, mehrere ändere und deren eingeborene Verteidiger erlitten Verletzungen. Die Polizei war ohnmächtig, die Ruhestörungen zu verhindern. Es wurden Truppen, auf geboten', die die Ruhe wiederherstellten, ohne von der Waffe Gebrauch zu machen. — In Tunis starb am Anfang vorigen Monats der dortige Rabbiner Jehuda Jarmon im Alter von 104 Jahren. Wegen seiner großen Gelehrsamkeit und seiner überaus tiefen Frömmigkeit wurde er in ganz Afrika von den Juden als Heiliger verehrt. Mit '18 Jahren schon wurde er. auf den Rabbinerp.osten berufen. Er ' verfaßte mehrere Kommentare zur . Bibel' und. dem. Talmud, und zahllos sind die rabbinischen Gutachten, dieser' auf Verlangen bis in die entlegensten Teile Afrikas gesendet hat,.. Än seinem Leichenbegängnisse-beteiligten sich nahezu 20 000 Menschen..— Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in .Berlin-Pankows Florastraße.58. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe ist Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.