Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1911)
- Date
- 1911-10-13
- Page
- Seite 492 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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lSücherrinlsuk.; Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Vierter Bericht der Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß-Lothringen. Gebweiler, Buchdruckerei von I. Dreysus, 1911. Die Medizin und Hygiene der Juden in Elsaß-Lothringen. Vortrag von Dr. M. Ginsburger. Gebweiler 1911. Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund. Herausgegeben vom Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Nr. 79. 1911. Kalender der Sabbatfreunde. 5672. Schriften des Verbandes der Sabbatfreunde 9. Das Programm des Zionismus von Richard Lichtheim. Herausgegeben von der zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1911. 81. Jahresbericht der Altersversorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde zu Berlin. 1. April 1910 bis 31. März 1911. Forty-Third Animal Report of the Board of Trustees and Directors of the Jevvish Orphan Asylum Districts. Nos. 2 and 6, U.O.B. B. Cleveland, Ohio. From July 1, 1910 to July 1, 1911. Psalmen. Alte Perlen in neuer Fassung von Dr. I. Nußbaum. Nürnberg, C. Kochs Verlagsbuchhandlung. 1911. In Halbfranz 1 Mark. Karl Friedrich v. Klödens Jugenderinnerungen. Nach der ersten von Max Jähns besorgten Ausgabe neu bearbeitet von Karl Koetschau. 1911. Erschienen im Insel-Verlag, Leipzig. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Z. Frankel. 55. Jahrgang. Heft 7/8. Breslau- Koebnersche Verlagsbuchhandlung (Barasch L Riesenfeld). 16. September 1911. Die Lese. Literarische Zeitung für das deutsche Volk. Theodor Etzel und Georg Muschner. Die Lese, Nr. 37. 2. Jahrgang. Ausgabe B (mit Büchern). Verlag G. m. b. H., München. Einzelheft 15 Pfennig. Martin Buber. Drei Reden über das Judentum. Literarische Anstalt Rütten L Loening, Frankfurt a. M, 1911. I. G. Herder. Ideen zur Kulturphilosophie. Ausgewählt und herausgegeben von Otto Braun und Nora Braun. 1911. Erschienen im Insel-Verlag, Leipzig. Luthers Stellung zu den Juden. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Deutschland während des Reformationszeitalters von Dr. Reinhold Lewin. Berlin, Trowitzsch & Sohn, 1911. Sprechsagl. Wir werden um Aufnahme des folgenden Briefes gebeten. Die Redaktion. Herrn Rechtsanwalt Dr. Apfel. Sehr geehrter Herr! n einer Rede, die Sie am 13. September im „Berliner Jüdischen Jugendbund" gehalten haben, sind Sie wiederholt auf meiner Freunde und meinen Austritt aus dem Jugendbund und die Kämpfe, die ihn herbeiführten, zu sprechen gekommen. Ich weiß wohl, daß man nicht jedes Wort, daS in einer Versammlungsrede fällt, auf die Goldwage objektiver Wahrheit legen darf, zumal wenn es sich um eine Propagandaverfammlung handelt, und ich hätte in Ihrem Falle hierzu um so weniger Veranlassung, als Sie bereits die Liebenswürdigkeit hatten, in dem einen Teile Ihrer Rede: selbst dem zü widersprechen, was Sie in Ihrem anderen gesagt hatten. Aber einer Ihrer Behauptungen muß ich doch den Kopf abschlägenda sie mit der Zähigkeit des Unwahren wiederkehrt und widerspruchslos zugelassen, allmählich auch von ernsten Unbeteiligten für wahr gehalten werden könnte, Ihrer Behauptung: meine Freunde und ich hätten dem Jüdischen Jugendbund aus persönlichen' Gründen den Rücken gekehrt. Wer das behauptet, wer Unbeteiligten weißmachen will, wir hätten wie verärgerte Kinder nicht mehr mitspielen wollen — der spricht die Unwahrheit. Da ich: als selbstverständlich annehme, daß Ihre Kenntnis der; Vorgänge, Herr Rechtsanwalt, keine bessere ist, als Ihre Worte sie verraten, so erkläre ich Ihnen: Gewiß bin ich persönlich in schärfster und leider unfairster Weise angegriffen worden, gewiß bin ich persönlich im Jüdischen Jugendbund sogar antisemitischen Exzessen ausgesetzt gewesen; aber ich bin nicht weltfremd genug, um nicht zu wissen, daß keine größere Gruppe von Menschen sich ganz von unsauberen Elementen freihalten kann, und . ich bin nicht ungerecht genug, um eine Gesellschaft nach ihren Rowdies zu beurteilen. Jene unerquicklichen Vorgänge an sich hätten niemals unseren Austritt herbeigeführt; zumal die Verhandlungen vor unserem Austritt zum Ausgleich der großen sachlichen Gegensätze der Mitglieder des Jugendbundes persönlich in durchaus verbindlicher Form geführt wurden. Nein, wir sind aus dem Jugendbund ausgeschieden, weil wir nicht länger die liberale Kulisse abgeben wollten, die eine Stätte rücksichtslosester zionistischer Propaganda als unpolitischen Jugendbund erscheinen lassen sollte. Weil die langen Verhandlungen, die die sachlichen Gegensätze in ihm wenigstens beruhigen sollten, uns keine Gewähr für ein gedeihliches Zusammenarbeiten in der Zukunft boten. Unseren Austritt vollzogen wir erst, nachdem im Verlauf jener Verhandlungen sich herausgestellt hatte, daß der Vorsitzende des Jugendbundes in der Freiheit seiner Stellungnahme durch die Einwirkungen zionistischer Parteiorganisationen gebunden war. Das alles ist bereits beim Scheiden aus dem Jugendbund mündlich und schriftlich erklärt worden. Dies auf Ihre öffentlichen Behauptungen Ihnen öffentlich zu sagen, war notwendig. Denn Unbeteiligte könnten aus Ihrer hervorragenden Stellung in den Jüdischen Jugendbünden schließen, Sie würden solche Behauptungen nur als Resultat eigener Wahrnehmung und persönlichen Miterlebens aufstellen. Und das wäre ein zweiter Irrtum. Sie werden nicht leugnen, daß Sie aus eigenen Kennt nissen so gut.wie nichts über jene Vorgänge wissen können; denn zu den Verhandlungen, die unserem Austritt vorausgingen, waren Sie nicht hinzugezogen, und bei den entscheidenden Kämpfen, die jene veranlaßten, wollte das Schicksal Jhve Abwesenheit. Daß übrigens in Ihres Bewußtseins Hintergrund dennoch eine Erinnerung an die wirklichen Vorgänge lebt, entnehme ich daraus, daß Sie den aus dem Jugendbund Geschiedenen vorwarfen, nicht mutig genug Ihre Ueberzeugungen vertreten zu haben. Wir hätten die Flinte feige ins Korn geworfen. Was würde dieser Vorwurf für einen Sinn haben, wenn wir aus persönlichen Gründen ge„ gangen wären? Nun, darüber, ob wir mutig genug für unsere Ueberzeugungen dem Ansturm zionistischen Willens entgegengetreten sind, will ich nicht selbst urteilen, Ihnen aber in aller Ruhe sagen, daß ich gerade Sie als einen berufenen Kritiker hierüber nicht ansehen kann. Denn in dem ganzen Kampf habe ich leider vergebens nach Ihrem Beispiel mutigen und überzeugungstreuen Eintretens gegen zionistische Herrschgelüste ausgespäht, und als Sie einmal die Flinte über die Schulter nahmen, da geschah es „plötzlich und unerwartet" in den sicheren, und geschützten Reihen der gegnerischen Mehrheit. Auch über die Notwendigkeit unseres Scheidens aus dem Jugendbund scheint übrigens Ihre Ansicht nicht immer die gleiche gewesen zu sein. Denn vielleicht erinnern Sie sich, daß Sie mir nach unserem Austritt nicht einmal, sondern wiederholt feierlichst versprachen, in der nächsten Generalversammlung den Antrag auf Auflösung des Jugendbundes, zu stellen und im Falle seiner Ablehnung gewisse Konsequenzen eintreten zu lassen. Doch halten wir uns nicht bei Dingen auf, die Sie vielleicht längst vergessen haben! Am Ende Ihrer Rede, Herr Rechtsanwalt, haben Sie den Frieden in der jüdischen Jugend gepriesen und die ruhige Arbeit in den Vereinen. Ich denke/ Ihre Kundgebungen in Zukunft werden Sie, darin mit mir übereinstimmend zeigen, daß der friedlichen Arbeit am meisten gedient wird durch das Unterlassen falscher Behauptungen. In bekannter Wertschätzung Dr. John Wertheim 1 ....«•Ste*'- ■