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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-10-13 · Heft 41 (13.10.1911) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 41 (13.10.1911)
Date
1911-10-13
Page
Seite 491 (sequence 11)
Language
German
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491 den vielen Lobpreisungen, just, als ob man seinen eigenen Sohn gepriesen hätte. Liweitzer hatte diesen Kreis mit seinem ersten Auftreten erobert. Wenn man irgendwo eines solchen günstigen Empfanges teilhaftig wird, so denkt man gleich daran, hier seine Karriere zu machen. Hier war es anders und Liweitzer dachte am allerwenigsten daran. Er freute sich, Menschen gefunden zu haben, die mit ihm in geistiger Verwandtschaft stehen; daß" er behufs rascheren Vorwärtskommens diese Verbindungen zu seinem Nutzen anwenden sollte, daran dachte, er keinen Augenblick lang. (Fortsetzung'folgt.) Litersrilche Mittkilungm. --- Die Lese. Literarische Zeitung für das deutsche Volk- Theodor Etzel und Georg Muschner. Nr. 37. 2. Jahrgang.' Ausgabe 8 (mit Büchern). 16. September 1911. Die Lese, Verlag G. m. b. H., München. Einzelheit 15 Pfennig. Von dieser Zeitschrift sind mir vermutlich mehr in meiner Eigenschaft als Universitätsprofessor als in der des Herausgebers dieser Zeitung mehrere Nummern zugeschickt worden. Die vorliegende hat viel Aussehen gemacht; denn die darin enthaltenen Urteile namhafter Zeitgenossen über ihre Schülerjahre, und zwar die von Fürst Bülow, Richard Witting, Ernst Müller-Meiningen, die übrigens auch in dieser Zeitung nicht Original sind, sondern dem Buche eines Dr. Graf entstammen, sind in viele Zeitungen ausgenommen worden. Die gleichfalls daselbst gedruckten Gedichte von Leo Sternberg verraten höchstens im Namen des Autors den Juden, ihr Inhalt jedoch ist allgemein, der des einen sogar spezifisch christlich. Ich würde daher keine Veranlassung haben, das Blatt zu erwähnen, wenn nicht in einer „Schalksecke" alte Fibelverse ab gedruckt wären. Wenigstens der Anfang dieser Verse ist jedermann bekannt: „Der Affe gar possierlich ist, zumal wenn er vom Apfel frißt." Aber wie konnte die Redaktion sich dazu verstehen, unter „I" folgendes aufzunehmen: „Der Jude schindet arme Leut', das Jägerhorn bringt große Beut'." Weiß man wirklich nichts anderes vom Juden zu berichten? Man frage doch nur die Armen (Juden und Christen), bei wem sie bereitwilligere Unterstützung finden? Daß leichtsinnige Adlige und schwelgerische Offiziere von Juden gelegentlich „geschunden" werden — übrigens nicht mehr als von Christen — wird gewiß keiner leugnen; aber daß die Armen insgemein von den Juden geschunden werden, das ist eine solch unerhörte Verdrehung der Wahrheit, daß sie an den Pranger gestellt zu werden verdient. -L. G. — Psalmen. Alte Perlen in neuer Fassung von Dr. I. Nußbaum, Nürnberg, C. Kochs Verlagsbuchhandlung 1911. In Halbfranz 1 Mark. Im allgemeinen stehe ich auf dem Standpunkt, daß der moderne Mensch alte Dichtungen, wenn er sie nicht im Original versteht, am reinsten in einer älteren, klassisch gewordenen, dem Original möglichst angepaßten Uebersetzung liest. Bei den Psalmen würde das etwa Luthers oder Mendelssohns Übertragung sein. Ich weiß wohl, daß es Ausnahmen gibt, daß z. B. Homer von vielen nicht bloß in der Vossischen, Uebersetzung genossen wird, sondern daß die homerischen Gesänge auch in Stanzen ein poetisches Gepräge haben können, ebenso wie Molieres Prosa in guten Jamben und ähnliches. Trotzdem kam ich dieser neuen gereimten und in modernen Versen gestalteten Psalmenübertragung, die, wenn ich richtig gezählt habe, 46 von 150 wiedergibt, mit einigem Mißtrauen entgegen. Denn viele dieser Dichtungen sind nicht bloß in Strophen verschiedener Art verwandelt, sondern auch aus ihrer Anordnung herausgerissen und nach sieben Abteilungen geordnet: „Der rechte Weg; Herrlich ist Dein Name; Der Ewige ist König; Aus tiefer Not; Zion; Gottes- Hilfe; Rühmet den Ewigen." -Bei einer Lektüre, die sich nur aus ästhetisches Genießen beschränkte, keine philologische Vergleichung anstrebte,-habe ich mein Mißtrauen größtenteils aüfgegeben. Die Verse sind nicht übel, die Sprache ist selten banal. Die Sammlung enthält keine poetischen Meisterstücke, was die Uebersetzung anbetrifft, aber die Uebertragüngen von Psalm 63, 91, 150 sind recht lesbare Gedichte. . Andere dagegen, wie Nr. 66, 97, 127, kann ich nicht besonders rühmen. L. G. * — Gestalten und Schatten. Von Samuel Max Melamed mit einem Vorwort von Israel Zangwill. Verlag von Louis Lamm, Berlin. Preis 2 Mark, gebunden 3 Mark. Ein Buch mit einer Empfehlung Zangwills ist eines freudigen Willkommens sicher. Er empfiehlt in seiner hübschen Vorrede zwei Geschichten, besonders die eine, die er mit ihrem Titel „Feitese Zaddicks Leben und Tod" nennt, die andere, bei der er den Titel nicht nennt, sondern nur von der „Darstellung des humorvollen Pathos des Reb Chatzkel, des Vaters einer allzu heiratsfähigen Tochter" spricht. Damit werden dem Leser zwei Rätsel aufgegeben, denn in dem Inhaltsverzeichnis sucht man beide Geschichten vergeblich. Wirklich ist die erste einfach ausgelassen. Sie beginnt auf Seite 61 und schließt Seite 75. ohne daß von ihr im Verzeichnis die Rede ist. Die zweite Geschichte führt den Titel „Wie die Malkele nach Wilna gekommen ist". Der Vater dieser Malkele ist der von Zangwill erwähnte Reb Chatzkel. So ganz kann ich das Lob Zangwiüs nicht unterschreiben. Von Humor finde ich in dem Charakter des Reb Chatzkel nichts. Auch eine andere Bemerkung, daß Dichtung und Gelehrsamkeit im engen Zusammenhang stehen, und daß der Verfasser unseres Buches „weil er ein tüchtiger Denker ist, auch in der Lage ist, seine künstlerische Begabung für die Erzählung so fruchtbar zu machen", kann ich nicht ganz unterschreiben. Der Philosoph und Historiker kann und soll wohl Künstler sein in der Gestaltung, aber im allgemeinen sind freie Erfindung und künstlerisches Schaffen doch Dinge, die mit der Gelehrsamkeit wenig zu tun haben. Indessen soll hier nicht bloß von der Vorrede, sondern von dem Buch selbst die Rede sein. Was nun dieses betrifft, so enthält es eine Reihe von , Skizzen, deren gute und scharfe Beobachtung man durchaus loben muß. Zumeist werden die Aermsten unter den Armen vorgeführt: Ausgestoßene, einmal sogar Verbrecher, Mädchen, die sich vergangen haben, Jünglinge und Männer, die vollkommenen Schiffbruch im Leben gelitten haben. Zum Teil sind es rührende Bekenntnisse, zum Teil ergreifende Erzählungen. Unter den letzteren gerade die von Zangwill hervorgehobenen: Feitele Zaddik, der, weil er ins russische Militär gesteckt worden war, sich taufen lassen mußte, nach seiner Entlassung sein Leben in Heiligkeit zubringt, bis er bei einer Verfolgung als Christ zu Tode geprügelt und nicht einmal auf einem jüdischen Friedhof begraben wird. Das ganze Elend dieser Unglücklichen wird aufgerollt, aber die Schilderungen sind nicht so düster und hoffnungslos wie die des Schalom Asch; die Frömmigkeit, die rührende Innigkeit des Familienlebens, die, unzerstörbare Hoffnung der Gläubigen auf ein glückliches Jenseits verklären die düstere Gegenwart, unter der sie alle leiden. L. G. The Hebrew Classics. In 25 Volumes, Royal Octavio. The most celebrated works of Post - Biblical Hebrew Literature, from the third. Century of our era to the present day. The original hebrew text witli complete english translatiou on oppösite pages. Introductions and critical appreciations by the leading hebrew scholars of our time Editor - in - Chief: Rev. Dr. Emil. G. Hirsch. To be published by The National Alumni. 34 Union Square. New York. Ein neuer Prospekt eines schon mehrfach in diesen Blättern erwähnten Unternehmens. Es werden in ihm ein paar kleine Proben aus dem, Talmud und der Uebersetzung'gegeben,^ ferner ein Artike 1 über P. Smolenky. Hauptsächlich eine Liste der Mitarbeiter und vielfach e Zuschriften von Philologen und Theologen über das in Aussicht genommene Werk. L. G. A

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