Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-10-13 · Heft 41 (13.10.1911) · p. Seite 489

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 41 (13.10.1911)
Date
1911-10-13
Page
Seite 489 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3228961-3229003--67854-3280094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

würde uns auslachen, wenn wir uns von ihm rühren lassen wollten. Wir sollen nur an der Größe der Verschwendung den Reichtum dessen bewundern, der so kostbare Schätze mutwillig verschleudert. Dies hindert nicht, daß nicht in einzelnen Gedichten die reinsten Harmonietöne der Seele uns entzücken, wie wir sie nicht vernommen, seit Goethes Mund verstummte, — daß nicht eine verführerische Grazie oft aus leichten Liedern schmeichelnd lächelt, und daß in anderen wieder Ernst und Spott zu liebenswürdigem Humor sich durchdringen. Heine ist auch als politischer Lyriker aufgetreten, und diese Gedichte sind unter allen, die er geschaffen, -die vorzüglichsten. Keiner unter der weit verbreiteten Zunft der Freiheitssänger besitzt diesen durchbohrenden Stachel der Satire, diesen scharfen Blick für das, worauf es im bestimmten Falle ankommt; keiner hält sich so fern von dem leeren Pathos allgemeiner Redensarten, erkennt so leicht die Feinde unter ihrer Verhüllung, wenn sie auf listigen Nebenwegen schleichen, und ist so geschickt, nationale Glaubensartikel ihres usurpierten Heiligenscheins zu entkleiden. Lin Trsmmgslsng mit Zugrundelegung des 'ö-b-TJ htPK.- Bin bieder Weib, das höchste Gut, Wohl dem, der es gefunden! Des Lebens Glück, der Seele Mut Beut sie zu allen Stunden. Nicht Zierat. Perlen, Edelstein, Nicht Gold und nicht Geschmeide Kann gleich wie sie im Werte sein, — Sie schützt das Herz vor Leide. Sie ist des Hauses Priesterin In Sanftmut und in Güte. Treu ist das Herz und klug der Sinn, Tiefgründig das Gemüte. Ihr Zuspruch, ihre Liebe schafft. Will mal der Mann verzagen, Im Lebenskämpfe neue Kraft,— ' Sie hilft ihm alles tragen. Sie sorgt und hält zu Rate fein, Nur Lust ist ihr die Mühe. . Sie sammelt Schätz' für Haus und Schrein, Sie schaffet spät und frühe. — Ein bieder Weib, das höchste Gut, Wohl dem, der es gefunden; Des Lebens Glück, der Seele Mut Beut sie zu allen Stunden. Georg Kuttner. Vun mrine „Trübe Tag". 0i Kind, nor nit geboiren weren, Oi Kind, wie bitter is doS Sein, Dein Tog wet men dir stets versteeren Vun Wieg bis in der Grieb arein, Vun Leid west eibig du nor Heeren, Ttn keinmol dich nit kennen wehren.— Verschöllen westu dir dos Leben, Dein Welt, sie is varauszusehn: Du west die scheenste Kindheit geben Un bleiben wet nor: „'S is gewe'eü." — — — Oi Kindarumgehn westu bettlen, Oi Kind, verkosten west far Geld Dein „Sein" un jene scheene Johren, Wos bild't dos Leben un die Welt. Dein Schlof wet sein in fremde Gassen, Dein Kopf wet liegen auf a Stein, Dein Herz, dein unschuldige Seele Bedeckt wet sein mit tiefe Pein. — Die Sunn wet schenken scheene Strahlen, Der Tog wet laichten klor .un rein, Die Erd wet schenken frische Blumen, Die Nacht wet brengen Steren viel, Doch eibig west in Finster sitzen, Un eibig westu sein allein ... Oi Kind, nor schwarze, schwere Wolken, Un bis dein Herz wet machen Halt! Sei wellen eibig dich begleiten. Bis liegen westu toit un kalt .... Salamon Dembitzer. Seim Lämpchm. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencsäni. XXXVI. H^as würde wohl Esterchen sagen, wenn sie wüßte, was aus ihm geworden war, seitdem er Nagysöröd verlassen hatte. Ihretwegen geschah das alles. Ob sie wohl eine Ahnung davon hat? Würde sie ihn wohl mit einem guten Worte, mit einem Lächeln belohnen? Und was würden die Nagysöröder sagen? Die Naghsöröder haben ihn vertrieben, doch jetzt würden sie sicherlich anders über ihn ' denken. Auch in Nagysöröd wird der Erfolg respektiert. Und mit einem Male befiel ihn große Sehnsucht, den Nagysörödern ein Lebenszeichen von sich zu geben. Er fühlte, daß es ihm wohl täte, wenn das Söröder Volk sich seiner erinnern würde. Indes war dies nur gewöhnlicher Selbstbetrug. Er dachte nicht an das Söröder Volk, sondern nur an Esterchen, Und als er sich in Gedanken derart mit Nagysöröd beschäftigte, erinnerte er sich des Lajtinant Flesch, der ihm in der bittersten Stunde seines Lebens menschliche Teilnahme " entgegengebracht hat. Es kam ihm in den Sinn, daß Flesch ihn gebeten hatte, er möge ihm aus Berlin schreiben und, daß er es ihm auch versprochen habe. Es war doch keine schöne Sache, daß er diesen braven Mann vergessen hatte, obwohl es wahr war, daß er bis nun nicht viel Gutes hätte schreiben können. Doch jetzt wird er ihm ja schreiben, Flesch wird sich gewiß seines Erfolges freuen. Damit setzte er sich wieder an den Tisch und schrieb an Flesch einen schönen, ausführlichen Brief. Möge doch der brave Mann seine Freude haben. Es war schon bald vier Uhr, als er den Brief beendete. Da fiel ihm plötzlich ein, daß heute abend seine Jahrzeit beginnt und er noch kein Oellicht vorbereitet habe, und daß sein Tallis noch beim Händler sei. Rasch nahm er seine Bücher zusammen und lief mit denselben zum Antiquar. Hier feilschte er nicht lange. Die Bücher waren ungefähr sechzig Mark wert und der Antiquar gab für sie fünfundzwanzig. Liweitzer eilte zum Händler hin. Dieser saß auch jetzt auf einem umgekehrten Koffer vor dem Gewölbe und hielt ein großes Buch auf den Knien. - Ein sehr tiefes Problem nmßte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.