Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1911)
- Date
- 1911-10-06
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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hat und das im Sitzungssaals des Repräsentantenkollegiums einen ehrenvollen Platz erhalten soll. Mittags fuhren die Abordnungen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung in fünf Equipagen vor. Der Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Iustizrat Dr. Peucker hielt an den gefeierten Kollegen eine längere Ansprache, in der er betonte: Es sei jetzt noch nicht an der Zeit die segensreiche Tätigkeit des Jubilars zu würdigen; man habe sich aber bereits mit der Frage beschäftigt, wie das Jubiläum eines hochverdienten Mannes zu feiern sei, der 25 Jahre lang an der Spitze der Breslauer Stadtverordnetenversammlung gestanden habe. Doch er wolle schon jetzt Mitteilen, daß die Stadt eine Summe von 50 000 Mark aus städtischen Mitteln bewilligen werde zu einer Stiftung, die den Namen des Geheimrats Dr. Wilhelm Freund tragen, und deren Zweck und Verwendung dieser selbst bestimmen solle. Schon in einigen Monaten werde diese Stiftung in Kraft treten. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß es dem Jubilar beschieden sein möge, sich noch recht lange an dem segenspendenden Wirken der Stiftung zu erfreuen. Bürgermeister Dr. Trentin, in dessen Begleitung sich der Stadtkümmerer Matthes und die Stadträte Peterson, Professor Dr. Frankel, Rosenbaum und Birke befanden (Oberbürgermeister Dr. Bender weilt bekanntlich auf Urlaub außerhalb Schlesiens), gratulierte in gemütvollen Worten namens des Magistrats und der Bürgerschaft. Er schloß sich den Ausführungen des Vorredners an und erklärte, daß die gesamte Bürgerschaft ihrem allverehrten Ehrenbürger in aufrichtiger Freude zugetan sei, und daß er ihr schlechthin als „der Ehrenbürger" gelte. Geheimrat Dr. Freund erwiderte, von Gefühlen des Dankes bewegt, daß er sich innig freue, während seiner kommunalen Tätigkeit ein so großes und allgemeines Vertrauen gefunden zu haben. Er glaube, daß es eine Herzenseigenschaft sei, die es ihm ermöglicht habe, an leitender Stelle allen den verschiedenen Richtungen gerecht zu werden und keinen Anlaß zur Verminderung solchen Vertrauens zu geben. Besonders dankte er für die ihn hoch ehrende Stiftung, und er erklärte, daß er über deren Art und Zweck nur nach eingehenden Beratungen mit den städtischen Behörden eine Bestimmung treffen werde. Er stehe mitten im kommunalen Leben, sei mit diesem Leben und mit der Bürgerschaft eng verwachsen, und so müßten solche Ehrungen ihn als Bürger — wenn man wolle, als Ehrenbürger — aufs tiefste beglücken. Geheimer Justizrat Feige brachte an der Spitze einer Abordnung die Glückwünsche der Anwaltskammer. Sie gipfelten in dem Wunsche, daß das schöne Verhältnis, in dem das Geburtstagskind zu dieser Kammer stehe, noch lange währen werde. Justizrat Dr. Heilberg erschien als Vertreter des Deutschen Anwaltsvereins. Auch gratulierte er gemeinsam mit anderen Herren im Namen der Anwälte des Oberlandesgerichts und teilte mit, daß das neue Anwaltszimmer des Oberlandesgerichts mit einem Porträt -des Geheimrats Dr. Freund geschmückt werden solle. Landgerichtspräsident Felsmann und Oberstaatsanwalt Müller gratulierten im Namen der Richter und der Mitglieder der Staatsanwaltschaft. Im Aufträge der Gesellschaft* für Vaterländische Kultur erschien Geheimrat Professor Dr. Förster, und er feierte in einer poetisch gehaltenen Rede den Mann des Tages als einen Vertreter idealer Bestrebungen, gesunden Fortschritts und klassischer Bildung. Humorvoll und herzlich erwiderte Geheimrat Dr. Freund, daß er ein begeisterter Anhänger des humanistischen Gymnasiumssei und daß er gelernt habe, richtig zu zitieren. Ernsthaft fügte er hinzu, daß es ihn mit stolzer Dankbarkeit erfüllen müsse, wenn ein so ausgezeichneter Mann der Wissenschaft zu ihm komme und solche ehrenden und anerkennenden Worte zu ihm rede. Noch viele Gratulanten fanden sich ein, und zuletzt schlossen sich die näheren Freunde und Bekannten des Hauses an. — Hamburg, 28. September. Die in Nummer37 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" veröffentlichte, unterdessen auch in den „Bl. f. E. u. U." wiedergegebene Resolution eines Komitees zur Wahrung der Interessen der jüdischen Kultus beamten in 8er Versicherungsgesetz-Angelegenheit hat mich veranlaßt, die Meinung und Stellungnahme des Aktionsausschusses des A. D. K. V. zu dieser Sache zu eruieren. Ich erkläre: Der Ausschuß des A. DTK. V. hat das volle Vertrauen zu der Versicherungskommission des Lehrerverbandes, daß sie nicht nur die Interessen der jüdischen Lehrer, sondern auch die der übrigen Kultusbeamten bei ihren Beratungen verfolgt. Durch Kooptierung eines Ausschußmitgliedes aus. dem A. D. K. V. in die betreffende Kommission hat sie dieses Streben bekundet. Auch der Ausschuß des A. D. K. V. ist der Meinung und ist bestrebt, die Kultusbeamten prinzipiell in das Versicherungsgesetz einbegriffen zu sehen. Der Gesetzentwurf selber aber bedarf, wie von berufener Seite allenthalben in den Tagesblättern dargelegt wird, so sehr der Verbesserung — auch im Interesse der jüdischen Kultusbeamten — daß es nur freudig begrüßt werden kann, wenn die Versicherungskommission die Ausarbeitung von Verbesserungsvorschlägen in den Kreis ihrer Beratungen stellt. Der Ausschuß des A. D. K. V. wünscht daher im Interesse der jüdischen Kultusbeamten, daß die Versicherungskommission des Lehrerverbandes auf dem eingeschlagenen Weg und in dem obigen Sinn weiter arbeitet. M. Henle, Vorsitzender des A. D. K. V. — München, 29. September. Die hier erscheinenden „Süddeutschen Monatshefte" bringen in ihrer jüngsten Nummer eine Zuschrift aus Köln, in welcher einzelne Einrichtungen des Münchener städtischen Schlachthofs abfällig beurteilt werden. Auch über das rituelle Schächten macht der Einsender einige Bemerkungen, und diese letzteren sollen hier richtig gestellt werden. Seit vielen Jahren, früher als in anderen Gemeinden, sind hier die Kopfhalter bei Ausübung der Schechita in Gebrauch. Unbegreiflich ist daher der Vorwurf des Einsenders, daß hier keine Kvpfhalter verwendet werden! Es ist möglich, daß ausnahmsweise einmal der Kopfhalter nach dem Schächten entfernt wurde, bevor das Tier vollständig ausgeblutet hatte. Das ist gegen die Verordnung der Direktion und wird, wenn es vorkommt, von den aufsichtsführenden Organen strengstens gerügt. Die fernere Behauptung des Einsenders, daß hier keine Niederlegeapparate verwendet werden, entspricht den Tatsachen. Das hat jedoch folgenden Grund. Die hiesige Kultusgemeinde bemüht sich seil zwei Jahrzehnten, einen geeigneten Niederlegeapparat hier einzusühren. Sie hat keine Kosten gescheut, um die verschiedenen, in anderen Gemeinden funktionierenden Apparate hier im Schlachthof probeweise vorzuführen. Die maßgebenden Behörden, Direktion und Obertierarzt, haben jedoch deren Einführung, als für die gegenwärtige Einrichtung des hiesigen Schlachthofs ungeeignet, abgelehnt. Die Kultusgemeinde ersuchte daraufhin die Herren um geeignete Vorschläge, wie das Niederlegen der Tiere bei der derzeitigen Einrichtung des Schlachthauses am besten zu gestalten sei. Auf Empfehlung der Herren wurde sodann ein tüchtiger und gewandter Lohnschlächter von der Kultusgemeinde angestellt, der die Ausgabe hat, beim Niederlegen der Tiere die betreffenden Gehilfen zu unterweisen und ihnen Beihilfe zu leisten, damit es möglichst schonend, rasch und human geschehe. Die Einrichtung besteht seit Jahren und hat sich gut bewährt. Sobald der Umbau des Schlachthofs vollendet und dieser mit verbesserten Winden und moderneren Einrichtungen versehen sein wird, werden die berufenen Organe nicht säumen, unter den vorhandenen Apparaten, ohne Rücksicht auf Kosten, das Beste und Zweckmäßigste auszuwählen und einzuführen. *** Köln, 29. September. Noch vor Beginn der Herbstferien tagte Hierselbst derRheinische Rabbinerverb and. Der derzeitige Vorsitzende Dr. Neu mark erstattete ausführlichen Bericht über die Fragen, welche den Verband im abgelaufenen Jahre beschäftigt hatten, insbesondere den Organisationsentwurf für die preußischen Gemeinden und seine Beratung auf der letzten Generalversammlung der deutschen Rabbiner in Berlin, zu welcher die Kollegen Neumark und Jacob delegiert gewesen waren. Daß im wesentlichen die Resolutionen des rheinischen Rabbinerverbandes namentlich das absolute Veto des Rabbiners in allen Fragen des Kultus, Ritus und Religionsunterrichts angenommen worden sind, sei zu nicht geringem Teile dem gediegenen, auf Beschluß des Verbandes gedruckten Referat des Kollegen Jacob „Die Stellung des Rabbiners" und seiner wirkungsvollen Vertretung auf der Berliner Versammlung zu verdanken. In Per anschließenden Diskussion wurde betont, daß wenn etwa der Entwurf zurückgezogen werden sollte, die Abstimmung des Rabbinerverbändes nur der Vorwand sein würde, die wahren Gründe aber auf einem anderen Gebiete zu suchen sein würden. Nachdem der Kollege Kalischer den Kassenbericht erstattet hatte, übernahm Kollege Jacob den Vorsitz. Darauf hielt Kollege Kalischer einen Vortrag über