Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1911)
- Date
- 1911-10-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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" Der Oemeindebate. Vellage zur „Allgemeinen Lettang deß Judentums". Berlin, 6. Oktober 1911 / Mrrtkpondrnrm und Mschrichtm. Deutschland. 22 Berlin, 3. Oktober. Am Sonnabend den 30. v. Ni. hat in der Altersversorgungsanstalt Große Hamburger Straße eine Gedenkfeier für die Kaiserin Augusta stattgefunden. Vor dem Gebet für Kaiser und Reich richtete Rabbiner Dr. Nathan an die Gemeinde eine kurze Ansprache, in der er darauf hinwies, daß Kaiserin Augusta stets eine Gegnerin des Antisemitismus ge> wesen, auch jüdischen Institutionen, ihr Interesse zugewandt und die Altersversorgungsanstalt öfters besucht und mit einem Legat bedacht habe, an das jetzt noch das „Kaiserin-Augusta-Zimmer" erinnert. Er brachte zum Schluß den Brief der Kaiserin Augusta an den Vorstand der jüdischen Gemeinde, der in der letzten Nummer unseres Blattes zum Abdruck gelangte, zur Verlesung, worauf das Seelengebet folgte. --Berlin, 3. Oktober. Die Organisation für hebräische Sprache und Kultur nimmt nach den Feiertagen ihre Unterrichtststätigkeit wieder auf. Der Unterricht wird an zwei Unterrichtsstätten, im Osten und Westen der Stadt, in vorläufig drei aufsteigenden Stufen zu gleicher Zeit erteilt werden. Außerdem werden vorbereitende Lesekurse abgehalten werden. Als Unterrichtszeiten kommen in Betracht: für den Kursus im Westen Dienstag ^9—10 Uhr abends vom 1. April bis 15. Juli und vom 1. No" vember bis 30. März, für den Kursus im Westen Sonntag vormittags 1V2 Stunden zwischen 11 und 1 Uhr vom 1. November bis zum 30. Juni. Äußer den hebräisch als ihre Muttersprache sprechenden Lehrern sind bisher einige im Unterricht auch des Neuhebräischen erfahrene deutsche Pädagogen fAh diese Kurse gewannen. Dadurch ist eine zweckdienliche Verbiichuyg hehrAfH^n Konversationsmethode mit der grMRülikalisch-llWkürlschen ermöglicht. Genauere Mitteilungen erfolgen demnächst. 22 Berlin, 3. Oktober. Die diesjährige Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus findet auf Wunsch zahlreicher Mitglieder aus Süd- und Südwestdeutschland in Frankfurt a. M. am 22. Oktober abends 6 Uhr im großen Saal der Frankfurter Loge, Eschenheimer Landstraße 27, statt. Die Tagesordnung wird in der nächsten Nummer der „Mitteilungen" und in einigen größeren Tageszeitungen bekanntgegeben werden. — Tempelvurg, 28. September. Gegen die Resolution in Nr. 37 dieses geschätzten Blattes wendet sich in der vorigen Nummer Herr Direktor Peritz-Königsberg. Es ist richtig, daß das bezeichnete „Komitee zur Wahrung der Interessen der jüdischen Kultusbeamten" ad hoc zusammengetreten ist, auch gebe ich bereitwilligst zu, daß Herr Peritz ein berufener Vertreter des Versicherungswesens ist, aber sein Tadel gegen dieses Vorgehen ist ebenso — unberechtigt. Obwohl ich zu dem von dem „Verbandsvorstand der jüdischen Lehrervereine" offiziell gewählten Komitee mit derselben Bezeichnung gehöre, habe ich keinen Anstand genommen, die betreffende Resolution des Kollegen Bühr-Waldenburg zu unterschreiben, weil mir jede Gelegenheit willkommen ist, die schreiende Notlage der Religionslehrer in den kleinen Gemeinden zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Ueber die Urteile pro und kontra der Privatbeamtenversicherung brauchen wir uns heute wahrlich nicht aufzuregen, denn der veröffentlichte Entwurf wird sicher nie Gesetz werden! Aus allen politischen Parteien sind die schärfsten Proteste dagegen erhoben worden! Was ich entschieden in der Abwehr des Herrn Peritz mißbillige, ist die wegwerfende Art, womit er die Unterzeichner der Resolution apostrophiert, daß „noch keiner seine Befähigung, bei solchen Fragen mitzusprechen.. . bewiesen habe". Die Leiter eines Verbandes, der 1200 Mitglieder zählt, haben allerdings die Berechtigung; die Befähigung, die Stellung der Religionslehrer zu heben, die 9/Jo aller Verbandsmitglieder repräsentieren, haben sie in ihrem 15jährigen Bestände noch nicht erwiesen. Der Verbandsvorstand arbeitet pour le roi de Prusse faft ausschließlich für die jüdische Volksschule uud ihre Leiter. Während des 15 jährigen Wirkens des Verbandes haben sich, ohne Ihr Verschulden, diese Schulen um die Hälfte verringert, und in zehn weiteren Jahren — haben sie alle aufgehört zu existieren! Wir werden ihnen keine Tränen nachweinen, denn beispielsweise hat es in der Provinz Pommern nie und nirgends eine jüdische Volksschule gegeben, und ich habe nicht die Erfahrung gemacht, daß die pommerschen Juden weniger religiöses und profanes Wissen besitzen, als in den übrigen Provinzen. Unsere jüdischen Volksschulen sind Kleinkinderbewahranstalten, d. h. die Schüler bleiben bis zu ihrem neunten oder zehnten Jahre darin, oder Armenschulen für solche Kinder, deren Eltern nicht die Mittel für eine höhere Schule aufbringen können. Wir brauchen tüchtig vorgebildete Religionslehrer und Kultusbeamten, und für diese brauchen wir Stellungen in Gemeinden, die etwas mehr als ein durchschnittliches Einkommen von 1000 Mark pro Jahr gewähren können. Dieses Ziel kann allerdings der Verband nicht ohne andere Hilfe erreichen, aber der Verbandsvorstand kann und muß den guten Willen zeigen und zielbewußt arbeiten. Durch Palliativmittelchen, die Zeit, Kraft und Geld kosten, z. B. Statistik, Stellenvermittlungen und Schiedsämter ist weder uns noch den kleinen Gemeinden, die überall die schwersten Opfer bringen, mehr zu helfen, auch dadurch nicht, daß man uns die Befähigung und Berechtigung zur Kritik abspricht. .Heute sind es etwa 40.bis 50 Kultusbeamten, die diese Forderung erheben. Ich fürchte, in einigen Monaten wird die Zahl dem Verbände unangenehm werden! Lion Wolff, Vorsitzender des Vereins israelitischer Lehrer der Provinz Pommern. IV. Aus der Provinz Posen, im September. Wollstein. Hierselbst fand die feierliche Einweihung des erneuerten Gotteshauses statt. Zu ihr waren auf Einladung auch Landrat Herr v. Lucke sowie die Mitglieder des Magistrats- und Stadtverordneten-Kollegiums fast vollzählig erschienen. Außerdem wohnte der Feierlichkeit eine große Erzähl Von Angehörigen beider anderen Konfessionen bei, was als Zeichen für. das gegenseitig herrschende gute Einvernehmen gelten kann. Eingeleitet wurde die Feierlichkeit mit dem Choral: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre." Ihm folgten mehrere hebräische Gesänge. Nach dem Umzug uud dem Einstellen der Thorarollen in die heilige Lade sang der Chor: „Wenn die Lade zur Ruhe kam", worauf durch Herrn Rabbiner Dr. Salomonski aus Frankfurt a. Q das Anzünden der ewigen Lampe erfolgte. Im Anschluß hieran hielt derselbe auch die Festpredigt. Nachdem das Weihegebet gesprochen wurde, folgte nach dem Gesang des Psalms 122 das Gebet für den Landesherrn und das Vaterland und hieraus der Gesang des 118. Psalms. Frau Berggruen-Kristeller brachte sodann das Hummelsche „Halleluja" zu Gehör, worauf'die Feier mit dem Chorgesang: „JaUchzet dem Herrn", ihr Ende erreichte. Am Abend vereinigten sich dieMitglieder der Gemeinde mit ihren Damen zu einem Festessen im Saal des Viktoria-Hotels. — Pleschen. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde der auf die'Zeit von sechs Jahren zum Magistratsmitgliede gewählte und bestätigte Stadtrat Strelitz feierlichst in sein Amt eingeführt. Breslau, 28. September. Unter herzlicher Teilnahme weiter Kreise beging am heutigen Tage Geheimrat Dr. Wilhelni Freund seinen 80. Geburtstag. Unter den ersten der Gratulanten befanden sich die Vertreter der Shnagogengemeinde Breslau und des Repräsentantenkollegiums. Geheimer Justizrat Dr. Wöllstein brachte in beredten Worten die Empfindungen zum Ausdruck,' von denen die Gemüter der Gemeindemitglieder und des Synägogenvorstandes an diesem festlichen Tage für den Mann erfüllt seien, der viele Jahrzehnte lang an hervorragender stelle bedeutsam für die israelitische Gemeinde gewirkt habe. Justizrat Oll endo rf^, schloß sich im Namen des- Repräsentantenkollegiums diesen Glückwünschen an. Als Festgeschenk widmeten die Herren ein glänzend gelungenes Porträt des Geburtstagskindes, das Kunstmaler La bösch in gemalt