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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-10-06 · Heft 40 (6.10.1911) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 40 (6.10.1911)
Date
1911-10-06
Page
Seite 480 (sequence 12)
Language
German
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/ Die Sprache der Aufsätze ist klar und populär. Einige Anmerkungen erläutern schlicht die vorkommenden hebräischen Ausdrücke. Ich habe einzelne der Skizzen gelesen, und wenn ich'auch kein fachmännisches Urteil darüber abzugeben vermag,: ob die Mitteilungen neu und richtig sind, so kann ich nur sagen, daß der Eindruck, den man durch die Lektüre gewinnt, ein durchaus erfreulicher genannt werden kann. L. G. ----- Bildliche Darstellungen der Heiligen Schrift nach Professor R. Leineweber, Band I, Kunstverlag Hermann Ziegler, Halensee. Der vorliegende erste Band (oder ist es bloß die erste Lieferung des ersten Bandes?) enthält sechs Blätter in Dreifarbendruck ohne jeden begleitenden Text, nur unter den einzelnen Bildern ist die Bibelstelle angegeben, auf die sich das Bild bezieht, aus dieser Stelle werden dann ein paar Textworte abgedruckt. Die Bilder haben folgende Unterschriften: Genesis 37, 28 (stellt den Verkauf Josefs an die Midianiten vor). Genesis 27, 28. 29. Exodus 32, 19 (Moses wirft die Tafeln an den Berg). 1. Samuel 9, 10 (Saul wirft die Lanze gegen David). Richter 11, 38. Hiob 2. 13 (Die drei Freunde um den trauernden Hiob). Die Ausführung aller dieser Bilder ist sehr gut gelungen. Die Gemälde selbst nach meinem Geschmack sehr schön. Zwei scheinen mir den Preis zu verdienen. Bei dem Bilde, das Hiob darstellt, ist das schmerzdurchfurchte Gesicht des Leidenden von erhabener Schönheit, und die drei Freunde, die um den Trauernden sitzen, n Stellung und Gesichtsausdruck verschieden, ungemein lebendig und charakteristisch. Eine geradezu entzückende Augenweide ist das dem Buche Richter entnommene Bild, es stellt eine wunderbare Felsenlandschaft dar. im Vordergrund sechs Mädchen klagend und weinend, in verschiedenen Stellungen, die Gesichter von höchstem Liebreiz, die Stellung von entzückender Weichheit ohne Weichlichkeit, so daß man beim Anschauen dieses Bildes einen wirklich großen Genuß empfindet. L. Gr. — Ein Erew7Purim(Chanuka)-Nachmittag im Kontor der Firma: Feigelstock L Treppengeländer, Ritualien en gros. Urkomische Engros-Eeschäftsszene in 1 Akt von Marlin Wolkowski. Regie und Soufflierbuch mit boüständigem Szenarium. Wollstein, im Selbstverläge des Verfassers. Wenn ein Christ dieses Büchlein geschrieben hätte, so würde man ihn als den ärgsten Antisemiten brandmarken. Und zwar mit Recht. Denn das ist kein Humor, über den man gern lächelt, sondern eine böse und dazu noch unberechtigte Satire. Tenn in keinem jüdischen Geschäfte kann es so zugehen, wie in dem hier geschilderten: die Chefs sind Betrüger, die Angestellten törichte Jünglinge, die alles andere im Sinne haben als das Geschäft, der jüdische Hausknecht ein Kretin; die einzige vernünftige Person ist die christliche Köchin. Dazu sind, die Namen, wie sie schon im Titel genannt werden, lächerliche Unnamen, die doch in Deutschland nicht Vorkommen. Witz und Humor bestehen noch höchstens darin, daß eine Ritualienhandlung en. gros fingiert wird, und daß der Graf Püchler von Klein-Tschirne ein Kolli Hafdoloh-Kerzen bestellt. Aber,mit solchen kleinen Scherzen kann man kein Stück machen. Meine alte, oft ausgesprochene These, daß unsere üblichen Chanuka- und Purim- Scherze zu den allerjämmerlichsten Produkten der jüdischen Literatur gehören, wird durch dies Machwerk bestätigt. L. G. — Frankfurter Handelsgeschichte von Dr. Alexander Dietz. Erster Band. Druck und Verlag von Herrmann Minjon, Frankfurt a. M. 1910. Preis 26 Mark. Dies herrlich ausgestattete, vorzüglich gedruckte, mit zahlreichen geschmackvollen und ausgezeichnet ausgesührten Illustrationen versehene Buch, dessen Inhalt von dem bewährten historischen Sinn und den aus gebreiteten Kenntnissen seines Autors das beste Zeugnis ablegt, hat in dem vorliegenden ersten Band, der freilich mit wenigere Ausnahmen nur bis zum Ende des 16. JahrhMcherts» rsiE^Mit den Juden wenig zutun. Die Abschnitte^,tmrB^e^Mrfällt^Knd außer einer kleinen geschichtlichen Einleitrmg..erstens^: 7dev-MeßhnÄel, zweitens: die Wochenmärkte, drittens: der ständige Handel, viertens: Zölle und Handelseinrirbtuugem Etwas ausführlicher über Juden handeln nur drei Stellen. Seite 65 wird von ihrem Anteil an dem Meßhandel gesprochen und gezeigt, daß sie seit etwa 1540, infolge des Sinkens der Bedeutung von Lübeck, einen lebhaften Handel, besonders mit den aus Böhmen und Polen zusammenströmenden Juden führten. Seite 137 wird auf die frühere Handelstätigkeit der Juden hingedeutet und auf die großen Verluste an . Menschen, die sie in der Jndenschlacht von 1241 erlitten. Seite 195 ff. wird dargetan, daß die Juden bei dem eigentlichen Geldwechsel im Mittelalter eine verhältnismäßig geringe Rolle gespielt haben. Daselbst werden auch einzelne Mitteilungen über den Judenzins gegeben. Unter den Illustrationen bezieht sich, soweit ich habe sehen können — ein Verzeichnis des Bilderschmucks ist leider nicht beigegeben — keine auf Juden. Ausgefallen ist mir, daß auf einem Bilde ,>-Die Verwalter des evangelischen Almosenkastens 1531" die eine der dargestellten Persönlichkeiten, Simon Bocher, einen völlig ausgeprägten jüdischen Typus trägt, obgleich diese Familie, eine der reichsten im 16. Jahrhundert, trotz des durchaus jüdisch klingenden Namens, mit Juden absolut nichts zu tun hat. L. Gr. — Aus G eorgBrandes. „ Ein hannoverscher Beamter des ^.Jahrhunderts". Von F. Frensdorfs, Separat-Abdruck aus: Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen, Jahrgang 1911, Heft 1, Hannover, Verlag von Ernst Geibel, 1911, notiere ich folgendes: S. 25: „Im Sommer 1774 verlebte Brandes unter den vielen Zerstreuungen Pyrmonts manche sokrätische Nebeustunden mit Herder und Moses Mendelssohn." Er schreibt darüber: „Sie sind freilich beide Menschen; ich suche aber nie an meinen Brüdern die schwache, sondern die vorteilhafte Seite, und hier habe ich allerdings viel eher und Bewundernswürdiges bemerkt." Mendelssohn vermißte an Herder den Philosophen, und.Branöes fügt hinzu: „Wenn der Philosoph im geflickten Mantel besteht, so hat ihn Moses allerdings ganz voraus, und da er schon auf eigenen Lorbeeren ruhen kann, so hält er mehr den Stolz zurück, der doch in der Tat bei ihm ist." Brandes meinte, daß abgesehen von dem Moment, .das Mendelssohn und Herder auseinanderbrachte, dem damals vollzogenen Bruche Herders mit Nicolai und den übrigen Berliner Aufklärern schon der Umstand beide trennen mußte, daß Mendelssohn mit einem Philosophen, wie dem Göttinger Feder, außerordentlich zufrieden war; da konnte sich eine rechte Harmonie mit Herder nicht gestalten." L. G. Erklärung. Köln, den 26. September 1911. tk^ie aus Anlaß der Absage unseres Rabbiners Dr. Rosenthal in der Berliner Repräsentantensitzung, vom 17: d. M. stattgehabten Erörterungen veranlassen uns zu folgender Erklärung: 1. Nach seiner, am 29. Juni erfolgten Wahl zum Rabbiner in Berlin haben wir aus eigener Initiative über die Mittel und Wege beraten, ihn unserer Snagogengemeinde zu erhalten. 2. Vom 7. Juli, den: Tage seiner Zusage nach Berlin bis zum 21. Juli, an dem Herr Dr. Rosenthal erklärte, daß er sich nicht entschließen könne, seinen hiesigen Posten zu verlassen, haben mit Herrn Dr. Rosenthal Verhandlungen irgendwelcher Art nicht stattgefunden. 3. Aus der Einsichtnahme in die von Berlin gestellten Bedingungen ergibt sich mit unbedingter Sicherheit, daß Herr Dr. Rosenthal mit der Absage nach Berlin sein materielles Interesse hitttangesetzt hat, und daß lediglich innere Beweggründe ihn veranlaßt haben müssen. uns nicht zu verlassen. Es entspricht das auch der Gesinnung, die Herr Dr. Rosenthal nicht nur früher, sondern gerade während der diesbezüglichen Verhandlungen mir ihm bekundet hat. Der Vorstand der Shnago.gengemeinde Köln.

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