Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1911)
- Date
- 1911-10-06
- Page
- Seite 476 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der VII. Abschnitt des Berichts enthält ausführliche Mitteilungen über die Feier des 50 jährigen Bestehens der Alliance, die an allen Orten, an - denen Allianceschulen sich befinden, mit großer^ Begeisterung festlich begangen wurde. In diesem Abschnitt "sind auch die aus diesem Anlaß an das Zentralkomitee gerichteteten Glückwunschschreiben wiedergegeben sowie ein Schreiben des Oberrabbiners von Smyrna, das manche Mißverständnisse in bezug auf die religiöse Unterweisung in den Allianceschulen zu zerstreuen geeignet ist. Das Schreiben lautet: „Irgendwelche Personen schreien und sagen, daß die Tätigkeit der Alliance, vom rein zivilisatorischen Gesichtspunkt undiskutierbar ist, im Hinblick auf das Judentum ist sie unheilvoll gewesen. Die so reden, behaupten, daß es die Alliance istder Geist, den sie in ihren Schulen verbreitet, dem die Indifferenz der jüngeren Generationen gegenüber den religiösen Pflichten zuzuschreiben ist.: Wir müssen gegen diese Auslassungen energisch protestieren, die mir, als geistlichem Oberhaupt, wenn ich sie für begründet hielte, nicht gestatten würden, die Alliance zu loben: Wäre diese Behauptung zutreffend, so würde ich mich entschuldigt haben, das Wort hier nicht ergreifen zu können. Aber alle Israeliten ohne Ausnahmen müssen und können die Alliance segnen, die uns soviel Gutes getan hat. Es ist gewiß, daß seit 30 Jahren eine beklagenswerte Tatsache die Aufmerksamkeit aller gläubigen Israeliten auf sich lenkt, David Ottensooser. närnlich die Verminderung der Zahl der Gläubigen in den Tempeln. Aber ist es denn die Alliance, der wir diesen bedauernswerten Zustand zuschreiben dürfen? Nein. Gibt es etwas in ihrer Unterrichtsmethode. das unsere Kinder zu Zweiflern macht und sie der religiösen Betätigung entfremdet? Nein, tausendmal nein. Die Behauptung derjenigen, die die Alliance verleumden, könnte einen Schein von Berechtigung haben, wenn es nur die Zöglinge der Allianceschulen wären, die den Tempel meiden. Aber blicken Sie um sich, und .Sie .werden sehen, wieviel Personen, die niemals einen Fuß in. eine Allianceschule gesetzt haben, den WLg. in die Synagoge nicht mehr finden. Viele Gründe erklären dieses Uebel, und einer von ihnen ist der Mangel an_Jnitiative, um es zu bekämpfen üsw. Abgesehen von allem Guten, das wir der Alliance schulden, hat sie viel dazu beigetragen, der jüngeren Generation eine tiefe Zuneigung zum Judentum einzuflößen. . Diese Zuneigung, durch das Beispiel und den Unterricht der. Alliance hervorgerufen, hat eine Bewegung geschaffen, deren Wirkung sich überall wie auch, bei uns fühlbar macht. Es ist der allseitig vorhandene gute und rühmliche Wille- Israels Ansehen wiederzu heben, die sprichwörtliche Mildtätigkeit der Israeliten zu entfalten. Wie viele großartige Einrichtungen müssen wir der Tätigkeit der Alliance zuschreiben!" , D. Ottensooser. Gruppe aus dem Bild: Alexander, der Große vor Jerusalem. . . Der Kassenbericht und Mitteilungen, über die Beiträge verschiedener Komitees für das Jahr 1910 bilden den Schluß des nach jeder Richtung instruktiven Jahrbuchs, dem als Anhang ein kurzer Lebenslauf des verstorbenen Geschäftsführers der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft M. A. Klaus ner und die an seinem Grabe von den Berliner Rabbinern Dr. Eschelbacher und Dr. Weiße gehaltenen Trauerreden beigefügt sind. A. K. David Vttenlovltr. Vjjfm 18. Oktober 1814 wurde in Baiersdorf, einem kleinen Städtchen neben der Universitätsstadt Erlangen, David Ottensooser in kinderreicher Familie geboren. Seine Eltern, Wolf und Maila Ottensooser waren sehr achtbare, aber nur mäßig bemittelte Leute. Dagegen war in der Familie schon zu jener Zeit neben treuem religiösen Leben und jüdischem Wissen auch hoher Bildungsdrang und Kenntnis der deutschen Literatur zu Hause; namentlich wird der Mutter des Künstlers ungewöhnliche Bildung und Klugheit nachgerühmt. David Ottensooser zeigte schon frühzeitig große Anlage zur Malerei und wußte als Knabe bereits ohne Zeichenunterricht mit merkwürdiger Geschicklichkeit Bilder zu zeichnen und mit Wasserfarben auszuführen. Ein kunstverständiger Freund seines Vaters überredete die Eltern, den damals 14 jährigen Knaben dem Malerberuf zu widmen. Zunächst trat er als Lehrling bei der benachbarten Porzellanfabrik Reichmannsdorf ein, wo er den ersten geregelten Zeichenunterricht erhielt. Er blieb dort zwei Jahre und wandte sich dann nach München, zuerst zur polytechnischen Schule, dann zur königlichen Akademie der bildenden Künste, an 'deren Spitze damals Cornelius stand. Bei seinem von den Professoren anerkannten Talent war er bald imstande, zu porträtieren, anfangs in Aquarell und en miniature, bald aber auch in Lebensgröße und in Oel. Er sah sich hierdurch rasch in die Lage versetzt, seinen Lebensunterhalt selbst zu erwerben, auch wurde ervon kunstliebenden Glaubensgenossen gern gefördert. Nach sechsjährigem Studium in München, wo er es besonders in der Kunst des Zeichnens zu hervorragender Fertigkeit brachte, begab sich Ottensooser auf die Akademie zu Dresden, welche Meister Bendemann leitete. Dort weilte er ebenfalls sechs Jahre, studierte fleißig und vervöllkommnete sich im Kolorieren. Der frühe Tod seines Vaters nötigte ihn dann, zur Stütze des mütterlichen Haushalts die Heimat wieder