Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1911)
- Date
- 1911-09-29
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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diese seine Arbeit ist nicht ohne Erfolg gewesen. Er hat in Nieder- Schönhausen bei Berlin ein eigenes Kinderheim eingerichtet; er hat dieses Heim ansehnlich vergrößert und hat es zu einer Anstalt entwickelt, welche Kinder schon von den ersten Lebenstagen an in ihre Obhut nehmen kann und sowohl durch ihre Einrichtung wie durch die Organisation ihres Betriebes den hohen Anforderungen unserer Zeit entspricht. Er ist jetzt in der Lage, einer größeren Zahl, von Kindern Hilfe zu gewähren, und der Bericht des letzten Jahres liefert den Beweis, daß er von dieser Erweiterung seiner Hilfsmittel auch Gebrauch gemacht hat. Die Zahl der Kinder, welche in dem Jahre 1910 Aufnahme fanden, ist im Vergleich zu früheren Jahren wieder größer geworden. Leider mußte der Verein sich auch in dem letzten Jahr oft. genug Beschränkungen auferlegen, weil seine Mittel nicht weiter reichten und er mit einem Fehlbetrag abschließen. mußte. Sicherlich wäre dieser Fehlbetrag aber noch erheblich größer geworden, wenn er überall .eingegriffen, wo er bei der Not der Mütter, bei der elenden Lage der Kleinen so. gern Abhilfe geschaffen hätte. Der Bericht schließt mit folgenden Appell an Edeldenkende: „Wir können viel Gutes stiften und unser Arbeitsgebiet erheblich aus dehnen, wenn der Kreis unserer Freunde und Förderer noch größer wird. Haben wir doch — um nur auf ein Gebiet unseres Schaffens hinzuweisen — in dem letzten Jahre zu unserer Freude Kinder, die wir im zartesten Alter aus bitterem Elend zu uns genommen hatten, wieder dauernd und gut versorgen können. Sie wurden durch unsere Bemühungen von kinderlosen Eheleuten in günstiger und geachteter Lebensstellung an Kindesstatt angenommen; die Adoptivverträge sind rechtsgültig geschlossen und behördlich genehmigt worden. An alle, welche Mitgefühl mit der Verzweiflung der unglücklichen Mütter, mit dem herben Schicksal der hilflosen Kleinen haben, richten wir die dringende Bitte: Unterstützt uns, damit wir unsere Hilfstätigkeit für die Unglücklichen weiter ausdehnen können.. Spendet mit offenen Händen und bittet, daß auch andere für uns spenden." Der Vorstand ist aus folgenden Herren und Damen zusammengesetzt: Dr. William Levy, Vorsitzender, Maaßenstr. 22. Hermann Aron, stellvertretender Vorsitzender, Charlottenburg. Bismarckstr. 105. Dr. jur. Lamm, Rechtsanwalt, Schriftführer, Rosenheimer Str. 23. Bernhard Caspariüs, Schatzmeister, Spandauer Str. 62/63. Ludwig- Adler, Georgenstr. 46a. Professor Dr. Blaschke, Altonaer Str. 21. Dr. Oscar Bodenstein, .Magdeburger Str. 25. Rabbiner Dr. Es chelbache r, Oranienburger Straße 22. Frau Elfe F eilckeuseid, Prenzlauer Str. 20, Siegfried Jacob, Bleibtreustr. 41. Frau Anna Levy, Maaßenstr. 22. Alois A. F. Marcus, Französische Str. 49. Dr. Max Spandow, Friedrich - Wilhelm - Str. 19. E. R. Wolfsohn, Palisadenstr. 30. Fräulein Dorothea Thea Wormann, Oranienburger Str. 33. W. Aus der Provinz Posen, im September. Sch werfenz. Herr Kaufmann Aron Katz ist als Stadtrat vom Herrn Regierungspräsidenten bestätigt und durch den Magiftratsdirigenten auf sein Ehrenamt verpflichtet worden. — Schönlanke. Herr Kaufmann Moritz Badt spendete. anläßlich seines 25jährigen Geschäftsjubiläums zum Besten des Krankenhausfonds 300 Mark. — Hierselbst .verstarb der Rentier P. M. Eppstein, der Gründer der Zigarrenfabriken P. M. Eppsteins Söhne in Schönlanke und Graudenz. Er errichtete im Jahre 1850 die erste Fabrik am Platze, er war auch Begründer der gesamten hiesigen Zigarren- und Tabakindustrie. — Rawitsch. In Bad Charlottenbrunn starb im Alter von 70 Jahren Kommerzienrat Moritz Braun, ein Kind unserer Stadt. Das blühende industrielle Unternehmen, an dessen Spitze der Verstorbene stand, ist sein Werk, das er aus kleinen Anfängen, mit rastlosem Fleiße zu hoher Blüte brachte. Der Verstorbene hat viele Jahre hindurch der Stadtverordnetenversammlung und dem Magistrat angehört und. unermüdlich zum Wohle der Stadt gewirkt. Dankbar erinnert sich seiner die Stadt auch als Stifter des Kaiser- Friedrich-Denkmals aus der Promenade. — Schocken. Nach kurzem Krankenlager verschied Hierselbst im 73. Lebensjahre der Rentier Michaelis Kochmann. Der Trauerfall setzte die gesamte Bürgerschaft in große Betrübnis. Eine lange Reihe von Jahren hat der Entschlafene viele Ehrenämter verwaltet und stand einem jeden m.it Rat und Tat zur Seite. Erst vor vier Wochen bei Begehung der goldenen Hochzeitsfeier, ist ihm von seiten der Jndustriekammer zu Bromberg eiy Ehrendiplom. zugegangen. A uch in , der Synag ogen gemeinde machte er sich sehr nützlich, indem er an den hohen Festtagen als Vorbeter fungierte. Am Grabe sprach Herr Gemeinderabbiner' Dr. Dünner aus Rogasen, welcher in beredten Worten die hohen Tugenden des Dahingeschiedenen als Bürger und Jude schilderte. Im Trauergefolge sah man außer, den Angehörigen fast alle Bürger der Stadt ohne Unterschied der Konfession und Nationalität. — Grätz. Herr Lehrer Siegfried Plaut aus Neustadt lei Pinne ist von der Königlichen Regierung zu Posen an die paritätische 18 klassige Schule Hierselbst zum 1. September d. I. versetzt worden. — Neustadt bei Pinne. Am 1. September d. I. trat Herr Lehrer und Prediger Erich Spieldoch aus Leobschütz in gleicher Eigenschaft das Amt in der hiesigen israelitischen Gemeinde an. — Moschi n. Herr Kantor Baruch, welcher längere Zeit hier amtiert hat, ist in gleicher.Eigenschaft nach Wongrowitz berufen worden. An seine Stelle ist hier Herr Kantor Heß aus Murowana-Goslin getreten. Ll. Hamburg, 22. September. Ter Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibenden von 1906 hielt eine Mitgliederversammlung in Willerts Gefellfchaftshaus unter Vorsitz des Herrn L. Heinemann ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in warmen Worten des dahingeschiedenen langjährigen Gönners des Vereins, des Herrn L. Urias, der als Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Handwerks unter den Juden sich insbesondere um die Schaffung eines guten Nachwuchses unter den jüdischen Handwerkern Verdienste erworben habe. Das Andenken des Verstorbenen wurde von der Versammlung durch Erheben von den Sitzen geehrt. Sodann wurde mitgeteilt, daß der Vorstand beschlossen habe, der Verwaltung der Talmud-Thora-Realschule ein Dankschreiben zu übersenden für die Berücksichtigung der Vereinsmitglieder bei Vergebung der Arbeiten für den Neubau des Schulgebäudes. — Den Bericht der Kommission für die Vergebung der Gemeindearbeiten erstattete Herr Nissensohn. Die Kommission sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß es vor allen Dingen notwendig sei, daß die Vergebung von Gemeindearbeiten mehr als bisher unter den jüdischen Handwerkern bekannt zu machen sei, damit diese auch genügend konkurrieren können. Jetzt komme es sehr oft vor. daß die Handwerker von dem Ausschreiben der Arbeiten erst nach ihrer Vergebung erfahren und nicht mehr ihre Offerte einreichen können. Zur Beseitigung dieses Uebelstandes soll dürch das dem Repräsentantenkollegiüm ängehörende Vereinsmitglied bei den Gemeindekollegien der Antrag gestellt werden, daß die in den Gemeindeinstituten zu vergebenden Arbeiten regelmäßig innerhalb eines bestimmten Zeitpunktes in der Presse veröffentlicht werden. Auch die Verwaltungen der verschiedenen Anstalten sollen durch Zirkular ersucht werden, die zu vergebenden Arbeiten in der Presse bekannt zu geben. Durch diese Maßnahmen könnten die Vereinsmitglieder mit konkurrieren und.'dürch die Tat mit zur Beseitigung des Vorurteils, das noch vielfach gegen jüdische Handwerker herrsche, beitragen. Es wurde noch ausdrücklich betont, daß die Vereinsmitglieder durchaus keine Sonderrechte beanspruchten, wohl aber verlangen könnten, daß sie bei gleicher Leistungsfähigkeit von den Gemeindeinstitutionen in erster Linie berücksichtigt werden. Die Versammlung erklärte sich mit den Anträgen der Kommission einverstanden. — Münster i. W., 21. September. Die Marks-Haindorffche Stiftung zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden versendet den 45. Jahresbericht für die Zeit vom 1. April 1909 bis 1. April 1910, Wie aus demselben zu ersehen ist, hat sich der Besuch der Anstalt nicht wesentlich geändert. Es betrug die Durchschnittsziffer der Seminarklassen 20, der Elementarklassen 36, der Religionsklassen 26 Schüler. Eine größere Anzahl Lehrer auszubilden, schien dem Kuratorium nicht geraten. Denn wenn auch in unserer Gegend das Interesse für die jüdischen Schulen nicht nachgelassen hat, so ist doch die Tatsache zu beachten,' daß in anderen Provinzen die Zahl der jüdischen Schulen züsammenschmilzt und manche Gemeinden leider nicht in der Lage zu sein scheinen, einem nach den heutigen Anforderungen ausgebildeten Lehrer ein entsprechendes Gehalt zu bieten. Es mangelt nicht eigentlich an Lehrern, sondern an gut dotierten Stellen. Das Lehrerkollegium des Seminars besteht, abgesehen von den Lehrern in den technischen Fächern, gegenwärtig , aus einem