Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1911)
- Date
- 1911-09-29
- Page
- Seite 461 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ausgrabungen fortznsetzen. Nachdem eine von der türkischen .Regierung ernannte Kommission die Grundlosigkeit der damaligen Behauptungen festgestellt hat. werden mit Genehmigung der türkischen Regierung die Ausgrabungen fortgesetzt, bei denen türkische Beamte die Aufsicht führen. D. Molkklohn. txx David Wolffsohn, der gegenwärtig im 66. Lebensjahre steht, ist von Beruf Kaufmann und wohnt seit 25 Jahren in Köln. <§r ist ein alter Chovev Zion und schloß sich dem Autor des „Judenstaates", Dr. Theodor Herzl, sofort nach der Veröffentlichung dieses bekannten Werkes an. Als einer der eifrigsten Mitarbeiter in der neuen Bewegung widmete er seine Arbeitskraft besonders den finanziellen Angelegenheiten. So war er 'der tatsächliche Gründer der „Jüdischen Kolonialbank" in London, die -im Jahre 1899 ins Leben trat und von Herrn Wolffsohn als Präsidenten sieben Jahre lang bis zum Tode Herzls geleitet wurde. Seiner Initiative verdankt auch die „Anglo- Palestine Company" ihr Entstehen. Sie wurde 1903 begründet und öesttzt heute bereits Filialen in Jerusalem, Jaffa, Hebron, Behruth und Safed. Die Leitung dieses Instituts liegt vom Gründungstage an bis heute in den Händen des Herrn Wolffsohn. Im Jahre 1908 errichtete er bi£ „Anglo - Levantine Banking Company"' in Konstantinopel, das vornehmlichste Finanzinstrument der zionistischen Arbeit im Orient. Auch an der Schaffung des „Jüdischen Nationalfonds" nahm Herr Wolffsohn Anteil und gehört als Direktor zu den Leitern dieser populärsten Einrichtung der zionistischen Bewegung. Nach dem Tode Dr. Herzls im Jahre 1904 trat Herr Wolffsohn auf den einmütigen Wunsch der gesamten zionistischen Organisation an ihre Spitze und wurde aus dem Kongreß im Jahre 1905 zum Präsidenten gewählt. Er behielt dieses Amt bis zu dem letzten Kongreß, der vom 9. bis zum 15. August"d. I. in Basel tagte. Hier legte Herr Wolffsohn aus Gesundheitsrücksichten sein Amt nieder. Sein Nachfolger ist Professor Dr. Otto W^burg in Berlin. Auf diesem Kongreß wurde Herr Wolffsohn aR erstes Mitglied in das Aktionskomitee gewählt, und es werden auch weiterhin die finanziellen Angelegenheiten der zionistischen Bewegung seiner Obsorge anvertraut bleiben. ' David wolffsohn Kaiserin Augutts. Lin Gedenkblatt zur 100. Wiederkehr ihres <SebuYtsta$es am 50. September lyli. Bon Regina Neißer. WM ist das Erhabenste und Treue die erste Pflicht." Dieses Wort ist im Leben der ^ersten Kaiserin des neuen Deutschen Reiches der Grundzug ihres Wesens gewesen. Auf sie hatten sich die edlen Eigenschaften dreier fürstlichen weimarischen Ahnfrauen, verbunden mit der starken Willenskraft ihres Großvaters Karl August, vererbt. Ihre Urgroßmutter war die^Herzogin Anna Amälia, die Schöpferin von Weimars Größe, die für ihre Familie und ihre Umgebung ein Segen gewesen ist. Ihre Großmutter, die Herzogin Luise, hatte einst durch di ' unschuldige Hoheit ihres Wesens Napoleon entwaffnet und das ihrem Gemahl und dem Lande drohende Unheil abgewendet. Die Kaiserin Augusta hat sich noch in ihrem Alter mit Vorliebe „Karl Augusts Enkelin" genannt und unterschrieben. Ihre Mutter, die Großfürstin Maria Paulowna, war wie eine gute Fee nach Weimar gekommen, und lange Jahre hindurch sind ihre persönliche Güte und ihre Wohltätigkeit in der kleinen Welt der neuen Heimat dankbar empfunden worden. Drei Generationen hatten für Weimar gearbeitet, als deren Erbin die Aufgabe zufiel in einer größeren Welt aufzutreten. Welch bewußtes, sicheres Leben, welch reichen Wirkungskreis die in die preußische Sphäre verpflanzte weimarische Prinzessin sich geschaffen, von dem inneren Leben, dem Werden und Reifen dieses abgeklärten erhabenen Geistes zu künden, würde den Rahmen dieser Skizze bei weitem überschreiten, hier sollzumeist der Kaiserin Augusta in ihrer-Vorurteilslosigkeit gedacht sein. Fraglos hat die Kaiserin Augusta nicht annähernd die Liebe ihres Volkes besessen, wie die Königin Luise die der Mit- und Nachwelt genoß. Es war überhaupt ihr Schicksal, mehr Liebe zu suchen als zu finden. Mit dem Bewußtsein, daß ihr Gemahl einer tiefen Herzensneigung hatte entsagen müssen, ehe er um sie warb, war sie in die Ehe getreten. Daß es eine Musterehe wurde, lag in den hervorragenden sittlichen Eigenschaften des sie mehr auf achtungsvolle Freundhohen Paares, doch war schaft als auf innige Herzensgemeinschaft begründet. Allmählich ist die Kaiserin ihrem Gemahl die treue unentbehrliche, liebevoll fürsorgende Lebensgefährtin geworden. Pölitik, Wissenschaft und Kunst hatten während ihrer Lebensdauer die Kaiserin lebhaft beschäftigt; hierzu gesellte sich später die außerordentlich segensreiche, landesmütterliche Tätigkeit, die sie in Kriegs- und Friedenszeiten entfaltete. So sehr das ganze Volk auch ihren, großen Eigenschaften gerecht wurde und in Verehrung zu ihr aufblickte, erst in ihrem Schmerze, aus dem dornenvollen Pfade des Unglücks in den letzten Jahren ihrer Erdenpilgerfahrt trat sie den Herzen des Volkes näher, und man zollte ihr die aufrichtigste Bewunderung, wie sie ihr tiefes Leid trug. Im Goetheschen Geiste ist Prinzessin Augusta erzogen worden, im Hause des Olympiers hat die Enkelin Karl Augusts gespielt, segnend hat die Hand des Gewaltigen auf ihrem jugendlichen Haupte geruht. Jene Mahnung, die Prinzessin Augusta anläßlich ihrer Einsegnung von dem ehrwürdigen Seelsorger empfing: „Wo auch Ihr Wirkungskreis sein möge, immer mögen Sie sich bemühen, Tränen zu stillen, Wunden zu heilen, Kummer zu lindern, frohe und glückliche