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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-09-22 · Heft 38 (22.9.1911) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
Seite 456 (sequence 12)
Language
German
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in den Anmerkungen zufammengestellt. Das Ganze wird für die Freunde des Dichters, die mit seinem Tode gewiß nicht verschwunden sind, eine willkommene Gabe sein. J L. G. und der Kirche veröffentlicht werden. Wir kommenwenn die Schrift vollständig vorliegt,- aus'siezurück. * L. G. ' * ■■ ■■ ' * u Heinrich Heines sämtliche Werke in zehn Bänden, unter Mitwirkung von Io: as Frankel, Walther Gensel, Albert Leitzmann und Julius Petersen, Hera usgegebtz.u von Oscar Walzel. Leipzig, im Inselverlag 1910, 7. Band. , Tie romanische Schule, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, Elcmcntargeister. 9. Banb: Lutetia. Kleinere Schriften (Berichte an die.„Allgemeine Zeitung", Ludwig Marcus und andere). Leipzig, im Jnselverlag 1910. Pro Band Preis 2 Mark, gebunden 3 Mark. Vorzugsausgabe .50. 6 und 8 Mark. . ' Von der früher an dieser Stelle besprochenen Heine-Ausgabe (der des Tempelverlags) unterscheidet sich diese neue in mehreren Punkten. Zunächst dadurch, daß sie nicht in so rascher Folge wie jene erscheinen kann, da sie, wie gleich.noch ausführlicher zu erwähnen ist, kein bloßer Textabdruck, sondern mit Anmerkungen versehen ist. Sodann dadurch, daß sie statt in deutschen Lettern in lateinischen gedruckt ist. Nun ist mir — ich spreche ganz persönlich — in Büchern, die ich zu lesen, nicht zu studieren habe, der deutsche Druck lieber; dennoch will ich nicht leugnen, daß die vorliegende Ausgabe, wie alle Editionen des Inselverlags, eine ganz hervorragend schöne ist. Endlich durch die belehrenden Beigaben. Diese Insel-Edition ist nämlich eine kritisch-erklärende, im Gegensatz zu einem bloßen Textabdruck. Sie gibt zwar nicht die Abweichungen sämtlicher Drucke wieder, verzichtet auch im wesentlichen auf die Benutzung der Handschriften, aber sie fügt,.z. B. in dem großen Werke „Lutetia" und in den Berichten für die „Allgemeine Zeitung"/ in den Anmerkungen alle die Stellen des ersten Abdrucks, eben desjenigen der „Allgemeinen Zeitung", hinzu, die von Heine in der Buchform ausgelassen waren. Die Anmerkungen zum 7. Bande bringen sodann die verschiedenen Vorreden und Erklärungen Heines zu den mannigfachen Editionen, ferner Zusätze aus den schon von früheren Herausgebern benutzten Handschriften. Das Verfahren bei der Textgestaltung kann man wohl im allgemeinen billigen, jedoch sind Bemerkungen wie die (7, 452): „Unsere Ausgabe übernimmt Korrekturen Strodtmanns und Elsters, beseitigt Druckfehler und greift ebenso wie Elster gelegentlich auf Lesarten der ersten Auflage zurück," etwas zu allgemein; wenigstens hätte dies Verfahren an einzelnen Beispielen illustriert werden müssen. Die erläuternden Anmerkungen sind kurz, aber im ganzen genügend. Manchmal erweitern sie sich zu Ausführungen über Heines Stellung zu einzelnen Personen und widerlegen gewisse Jrrtümer Heines, z. B. über sein Verhältnis zu Hegel und andere. Besonders instruktiv ist, um nur ein Beispiel hervorzuheben, die Darlegung (7, 483) über Heinrich Heines Stellung zu Friedrich . Schlegel und die Gestaltung seiner religiösphilosophischen Anschauung. Die Ausgabe darf man als eine.sehrI löbliche Arbeit begrüßen. Ter 7. Band ist von O. Walzel, der 9. Band von A. Leitzmann besorgt. L. G. A — Luthers Stellung zu den Juden. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Deutschland während des Reformationszeitalters. Breslauer Dissertation von Reinh old Lewin, Trowitzsch und Sohn. 1911. -----Max Hochdorf. Die Leiden der Simoni. Axel Juncker, Verlag, Verlin-Charlottenburg. Eine Sammlung von Novellen, die nach der ersten größeren ihren Namen Hat. Die beiden anderen: „Das' Regenmirakel der heiligen Therese" und „Feierlicher Frühling" sind Stimmungsbilder; die das Interesse der Leser dieses Blattes kaum erregen können: Um so mehr die erste Geschichte, die erzählt von den.Leiden einer jüdischen Familie, vermutlich in Amsterdam. Der Vater, ein Glasbläser, ist verrückt, ein wahnsinniger Christen feind, der sein Leben. damit zubringt, Heiligenfratzen mit scheußlichen Zutaten zu verfertigen/ Sein Sohn Abel wird durch einen christlichen Freund Johann Vargas,. den Sohn eines Goldschmieds, dem Christentum gewonnen. Der alte Simoni wird fälschlich des Mordes an jenem Christenknaben beschuldigt, Frau Vargas verliert, darüber ihren Verstand, gewinnt ihn auch nicht wieder als der Sohn heil zurückkommt, und stachelt im Wahnsinn ihren Mann an, den alten Simoni zu töten. Während dieser ins Freie stürmt und auf einem Boote ins Meer treibt, seinen Untergang suchend, zündet der Goldschmied Vargas das Haus des Juden an, aus dem die Kinder, Abel und die sorgliche, liebliche Rahel, sich retten können. — Ein schauerliches Nachtbild, von Unverstand, Fanatismus und Glaubenshaß, in dem nur die Gestalt eines christlichen Priesters versöhnend wirkt. Grandios erfundenmit vieler Kraft ausgeführt, aber in einem seltsamen Stil, der bisweilen hochmodern erscheint, bald wie das undeutsche.Lallen eines Fremden anmutet. Schade, daß der Verfasser seine sicherlich vorhandene große Begabung an solchen unausgeführten Skizzen verschwendet, seine ungezügelte Kraft an solchen Gegenständen verzettelt. Vielleicht besäße er das Zeug, den jüdischen Roman zu schreiben, den wir seit langem erhoffen. L. G. Letzte Mchrichtm. Kiew, 18, September. (W. T. B.) Ministerpräfideirt Stolypin ist gegen 10 Uhr abends gestorben. Kiew, 19. September. Der Tod des Ministers hat unter den hiesigen Juden eine Panik hervorgerufen. Die Bahnhöfe wurden förmlich gestürmt, nachdem der hoffnungslose Zustand Stolypins bekannt geworden war. Tausende von Juden versuchten mit ihren Angehörigen zu fliehen, da man vom bevorstehenden Ausbruch einer Judenhetze fest überzeugt ist. Obgleich eine Reihe von Sonderzügen abgefertigt wurde, sind die Bahnhöfe heute in Kiew derart über^ füllt, daß die Abreisenden Pis weit auf die Straße stehen. Kiew, 19. September. Unter den Juden herrschen, Angst und Erregung. Der Polizeimeister teilte im Auftrag der obersten Behörden den Führern der rechtsstehenden Verbände von Kiöw mit, daß im Falle von Unruhen die schärfsten Maßnahmen getroffen werden würden. Der Gouverneur von Kiew machte den Zeitungen die Mitteilung, daß die Truppen aus den Manövern in die Stadt zurückgekehrt und vorübergehend durch ein Husaren - Regiment verstärkt worden seien. Der Generalgouverneur kündigt an, daß. Unruhen nicht zugelassen werden würden. _ * . * / Die Schrift hört auf, wo der Gegenstand interessant zu werde aufängt, denn von der Schrift, die acht. Kapitel umfassen soll, werden nur die zwei ersten, Luthers Stellung zu den Juden vor -1521, und „Der Besuch der Juden in Worms", seine Bedeutung und seine unmittelbaren Folgen gegeben. So interessant diese beiden Kapitel auch sind, eine so gute Kenntnis der Schriften Luthers sie verraten, das eigentlich Wichtige wird doch erst in den sechs anderen Kapiteln gegeben, die über die beiden Hauptschriften Luthers, über sein Verhältnis zur jüdischen Schriftauslegung, über seine Beziehungen zu -Josel von Rosheim und über die zahlreichen anderen Schriften handeln sollen, in denen gelegentlich Juden Vorkommen. ^Die ungekürzte Arbeit wird in den „neuen Studien" zur Geschichte der Theologie. Petersburg, .19.. September. Die Wut der national-reaktionären. Kreise^hat den Siedepunkt erreicht/ Die. „Nowoje Wremja" verlangt, daß die Juden „in Eisen geschmiedet.", ' in allem vollständig unter" drückt werden. ' Sie ist entrüstet darüber, daß die Polizei, welche nicht verstanden habe, das Haupt der Regierung zu schützen^ ihre Anstrengungen auf den Schutz der Juden richte. Die Manifestationen, gegen welche die Polizei einschreitet, kennzeichnet die „Nowoje Wremja" als Patriotismus, während die „Deutsche Petersburger Zeitung" fragt, ob Rußland wieder in einem Meer von Blut und Barbarei ertrinken solle. . . . . .

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