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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-09-22 · Heft 38 (22.9.1911) · p. Seite 455

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
Seite 455 (sequence 11)
Language
German
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— fl? —rr „Die Aermste hat ein weiches.Herz, Es tut ihr um den Großvater weh, mit dem. es zu Mnde.geht."/ . / .1^ Mit Reb Joßele ging, es. wirklich zu Ende, und es war glaubwürdig, daß sein Enkelkind ihn bedauerte, wie ihr auch in der Tat leib itm ifyii■ toar./; -©fier^^n tißrmpd&jtc zu grollen und hatte^.HreM^HroDäter/.Hoü.,lästMverziehen, daß er sihu duröh. stineu Verrat.viel Leidverursacht.hatte- Doch.^ man..konnte.ja diesem^ attevDlänncheu, das nur infolge seines Hohen'AtteH so klndisch launenhaft geworden war, nicht wirklichböse' sein.Und dannfiebte er ja Esterchen, wenn er 'sie auch zuweilen quälte. Er wollte auch kaum einen anderen bei' sich dulden, als ihn die Schwäche auf das Krankenlager warf. 'Efterchen saß gern an seinem Bett und hörte geduldig dem Plappern des Alten zu. „Hörst Du, Efterchen, hörst Du es? Er kommt .. . . . Hu! Hu!" Er beobachtete den Tod. Der Tod kam. Reb Joßele fing plötzlich zu grinsen an. „Damals war das gut, Efterchen, damals . . . Er war hier, ist aber dorthin gegangen . . . in das andere Zimmer." Er dachte an die Zeit, als er Macerl lehrte/ daß er den kranken Liweitzer Joßele nennen sollte, damit der Tod ihn nehmen möge, wenn er sich hierher verirren sollte. Zuweilen ließ - er sich seine Kassette bringen, öffnete dieselbe und spielte mit den Goldstücken. Einmal entnahm er dieser einen großen Papierbogen. Argwöhnisch blickte er rings um sich, und als er sah, daß sich bloß Efterchen im Zimmer befinde, zeigte er ihn ihr. „Siehst Du es, Efterchen..." Es war sein Testament. „Legen Sie es weg, Großvater," bat ihn Efterchen. „Nein, Du sollst es lesen," versetzte eigensinnig der Alte. Efterchen las mit feuchten Augen das mit hebräischen Buchstaben geschriebene Vermächtnis. Sein Geld vermacht er dem Söhn, sein Haus den Enkelkindern. Fünfhundert Gulden der Gemeinde, fünfhundert den Armen. Zehntausend Gulden zum Ausheiraten armer Mädchen und vierhundert Gulden der Vlümele Beer. „Großvater!" flüsterte Efterchen und küßte gerührt des alten Mannes knochige Hand. - „Schön, was?" prahlte der Alte. „Man wird sagen: Er war ein guter Mensch, er war ein kluger Mensch. Und man wird weinen. Jeder wird weinen . : . Es wird großartig sein, Efterchen . r . Aber er wird nicht weinen — setzte er' mit umwölkter Stirn hinzu." „Wer denn, Großvater?" „Den sie vertrieben haben." Efterchen' biß die Lippen zusammen, um nicht aufzuschreiey. Sie wußte, wen ihr Großvater meinte. Denn er erwähnte Liweitzer' sehr oft und mit solcher Wärme, daß es zum Staunen war.' In diesem vertrockneten Herzen hatte nicht viel Liebe Platz, deshalb, war sein Interesse für Liweitzer unverständlich. '-Das freilich wußte keiner, daß in dieser kindischen Seele das Interesse Mit dem letzten Ausblitzen der'Dankbarkeit -identisch wärl^ Reb Jvßele' war davon überzeugt/ daß'ihn'der^Töd schon längst weggerafft 'hätte-' hätte er ihn nicht mit Liweitzer verwechselt, Da er seiner Sache nicht sicher waw, ffMatte-^v.lieber^Mue.y'Won beiden genommen. Jetzt freilich weiß er es schoü/ denn jetzt ist Liweitzer nicht mehr da. „Man-hat ihn vertrieben," murmelte er, „es war schade, Efterchen .-in.?.■ Erwar einguter- Junge - und ein großer Gekehrter -/ Den Anfang wöndiesem da tM-er geschrieben .: - Eine schöne Schrift... Esterchenbringe doch das Tintenfaß her." Efterchen brachte es, .... . ,.t„Schreibe nur, Efterchen." . . „Nein Großväterlich werde nicht schreiben," protestierte Efterchen, welcher vor dem Gedanken graute, daß sie etwas in des Großvaters Testament hineinschreiben solle. „Du mußt, Efterchen," sagte ärgerlich der Alte. „Schreibe es nur unter das andere." Efterchen gehorchte nur widerwillig Der Alte diktierte - „Gedalje Liweitzer, den man vertrieben hat, vermache ich dreihundert Gulden." ' . Als ob sie es mit ihrem Herzblut geschrieben hätte, so Weh taten Efterchen diese zwei' Zeilen. Die Feder entglitt ihrer Hand und, sich auf das Bett werfend, fing sie laut zu schluchzen an. - „Gutes Mädchen, gutes Mädchen," plapperte der Alte und sperrte das Testament in die Kassette. ' Efterchen saß von nun an mit noch größerer Liebe an seinem Bette. Sie pflegte ihn von früh bis spät, man konnte sie kaum für eine Stunde von ihm losreißen. Sie kümmerte sich um nichts und um niemanden, als Um ihren Großvater Lange währte das letzte Siechtum des Alten, und die Eltern waren besorgt, daß sie sich durch das beschwerliche Pflegerämt krank machen würde. „Gehe unter Mädchen," bat die Mutter sie. Efterchen sagte, daß sie sich zu Hause wohler fühle. Nur ein einziges Mal ging sie fort, als man ihr sagte, daß Blümele Beer Braut geworden sei. Um die Abendzeit suchte sie dieselbe auf, um ihr zu gratulieren. Blümele nahm verschämt die Beglückwünschung entgegen, „Die Kinder haben mich sehr gern," sprach sie, sich gleichsam entschuldigend. '' ' Efterchen sprach nichts - mehr, sie hörte nur Brucheles Ergüssen zu, welch ein braver, guter Mensch jener Ore Heimlichsei, und daß, wenn er die Fleischbank zurückbekomme, alles in Ordnung sein werde: Er ist zwar ein bißchen alt, doch das ist ja keine Schande. Uebrigens ist eine solche Sache doch von Gott bestimmt, und wenn er dem lieben Gott nicht zu alt M so. ist.es' auch nicht für sie.- .; \r . / Was Efterchen bei sich denken .mochte, das verriet sie. ' niemandem. Als sie dem Anstand Genüge geleistet zu haben j glaubte, stand sie auf und empfahl sich. Zu Hause bestürmte man sie mit Fragennach /der .Braut/ doch .sie gab nur ganz; kurze Antworten. .Sie kleidete.' sich um und eilte zu ihrem : Großvater hinein um ihn weiter zu pflegen. Das dauerte ' noch lange, lange Monate, bis der Alte einmal entschlief, gleich einer Kerze, welche, zur Neige gebrannt, erlischt. ' " (Förtsetzüng folgf f ,; '; -; Litkrarilche Mitteilungen. ---- Erinnerungen aus meinem Leben. Von .Friedrich, Spiel ha gen. Durchgesehene Auswahl aus „Finder und Erfinder".' mit Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Dr. Haüs' Henüing mit zwei Bildbeilagen, Leipzig, Verlag vonM:Staakmann 1911^ : Das Werk ist nicht, wie der Anfang des Litels'^ zu 'wersprecheii' scheint;- ein neues/'erst aus dem--Nachlaß des kürzlich bepstorbtzNeW Schriftstellers -herausgekommenes.^ Merk, -sondern, - der /Auszug -ans: einem größeren vom Verfasser vor mehr als einem.Jahrzehnt;edj.erten'i) Der Herausgeber diesesneuen.'-Buches hat vor einiger Zeit eine Biographie des _ hochyMd.ienten.'. Schriftstellersgeschrieben^ die . ,er,st. kürzlich in .diesen. Blättern' 'gewüMgt.^Do^de.n ist. Das neue Buch ist geschickt . zusauimengestellt, niit einer Reihe wichtiger Zutatesi,, einzelner .Briese Spielhagens/ Reden,' die bei seinem Tode' gehafien wurden >usw„ vermehrt; >Aktenstücke und KuszSlge.ÄnS:'ArkÜü-en'.,ßM'

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