Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- Seite 454 (sequence 10)
- Language
- German
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Rüstung. Ein jeder, der die Kulturgeschichte des IS. 'Jahrhunderts kennt, weiß über Lilienthal und sein -Wirken, der-Name Rabbi Israel ^Salanters -und -seine. Tätigkeit -ift kaum weiten Kreisen bekannt. 'Lili^nthal trug 'den Sieg davon, ihm folgte die Zukunft; umMadbi Ißräet^Salanter.schartesstch?n«r -eine ganz kleine iGefolgschass ' V Wer Häskalüh gehörte die Zukunft. Eine 1855 eW getretene milde Regierung "förderte die Errungenschaften des Fortschritts innerhalb' der jüdischen Bevölkerung, weil auch die 'politische Stellung der Juden vom Geist der Toleranz getragen. war.., "Wenn aber in Rußland in der großen liberalen Bewegung das alte Judentum keine religiöse Reform erlits/ keine Aenderungen im überlieferten Gottesdienst und Äehnlrches, so ist das hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß ifl Rußland die hebräische Sprache zur Hauptträgerin der allgemeinen Kultur unter den Juden geworden war. Eine, wenn auch chrofane Kultur, vom Geist derHeiligen hebräischen Sprache geleitet, mußte einen geistigen -national-jüdischen Gehalt gewähren;, .konnte wohl eine fortschrittliche, gedeihliche Entwicklung, der Zeit Mchnung tragend und um Sinn der Ueberlieferung, Hervorbringen, niemals aber,radikale Reformen,' negative ^Abweichungen vom Herkommen. - MB ~ wie es leider so häufig en der - jüdischen Deschichte wieder böse Zeiten für die .russische..Jndenheit .eintraten, waren es in erster .Reihe dje jüdischen.Fortschrittsmänner, die mutig -in den Tagen der Zurücksetzung ihres Stammes, seiner Vergangenheit und seiner Bedeutung für die gesamte Kulturentwicklung , eingedenk wurden. Die „Maskilim" waren es auch, Wie - zuerst - und jjumeift die geistigen und ^nationalen Eigenschaften. der . ältesten.. historischen Nation aufs Schild setzten, und gewiffermaßen die Grundlage der literarischen Tätigkeit einer national-jüdischen Partei — des. Zionismus bildeten.:. Zunz> der große -moderne-Begründer der jüdischen Wissenschaft, -machte sich einen.Wahlspruch: Achte Wissenschaft istrtateMugend". Mir wenden in diesem Sinne das Mort fortsetzend >ax\: Auch echte Aufklärung ist taterzeugend! Seim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. - . Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trenesöni. XXX1H. -er ^N^mlich^ ^eEren sollte, welchem Verein er im Zusammenhänge mit dem Gebet die Gabe spenden wolle, nannte er. nicht die .Chewra Kadischa und nicht den Talmud» Thora-Verein, sondern: sagte, daß er .der Jeschiwa zu dem Zwecke sünfhundertGulden gebe, daß sie von demEinkommen solche Studenten unterstützen möge, welche aus ihr hinausgewiesen werden. Diöser Eschkeletz ist verrückt geworden, dachten die Leute. Wer Hat noch jemals so etwas gehört? Zu solchen Zwecken pflegt unän im Tempel nicht.zu spenden. Besonders, jetzt war das auffallend und .sozusagen unpassend, denn es hatte den .Anschein, als ob er damit gegen den-Rabbi demonstrieren wollte, der eben vor. kurzer Zeit einige Kachurimaus der. Jeschiwa Hinausgewiesen hat. Mesch hingegen war -mit Eschkeles -sehr - zufrieden^ Er sagte «es ihm auch, als sie aus dem Tempel gingen.. „Alle Achtung, Herr Eschkeles, ich nehme den Hut ab.' Das war eine schöne/ eine -gebildete ' Händlnng. 'Das werde ich Liweitzer schreiben." “• ’••• Mchkeles dlickte ihn an? Msö Sie wissen, wo.,«r ist?" fragte er mit solch -'Plötze lichem ^tereße, daß es auch Flefch ä^ „In Berlin ister,Herr EschMes," erwiderte er 'stolz. 1 „Und Sie -werden ihm schreiben?" ' „Wie denn nicht! Wie denn nicht! Das Heißt," -fetzte er verwirrt Hinzu, ,-wenn ich 'seine Adresse erfahren -werde." ‘ ■ Eschkeles empfähl'sich still. Er eilte nach Hause zu 'seiner Kranken, die von vierziggrädigem Fieber gepeinigt wurde. Sie konnte kaum noch atmen, kaum ächzen, nur hie und da flüsterte sie etwas. „Wieder erwähnt sie Liweitzer," sagte Frau Eschkeles zu ihrem Manne gewendet. Eschkeles setzte sich an das Bett üNd vergrub lein schmerzdurchwühktes Gesicht in den Handflächen. „Kolmen," sprach Frau Eschkeles mit erstickter Stimme, „man muß etwas tun." Eschkeles erwiderte nichts. Die Frau konnte ihr Schluchzen kaum zurückhalten. „Sie geht zugrunde," stöhnte sie verzweifelt, „Du siehst, daß sie zugrunde geht." . Eschkeles preßte die Fäuste an seine Schläfen und blieb wieder die Antwort schuldig. „Kolmen," fuhr die Frau fort, „ich sage Dir etwas. Das wird gut sein, du wirst sehen, daß es gut sein wird. Schreibe ihm." Eschkeles blickte sie an. „Wem.?" Einem Hauche gleich kam die .leise Antwort von den Lippen der Kau: „Dem Liweitzer." Röchelnd entrang sich seiner Kehle die : Frage: „Wohin? Wohin?" Ja wohin? Wer weiß, wo i>er Heimatlose - sein mochte? Berlin ist eine große Stadt, ein armer Bocher verschwindet spurlos darin. Und wer kann wissenob er dort ist? Wie, wenn er gar nicht dahin gelangt ist? Wie, wenn er unterwegs irgendwo stecken geblieben ist? Ja, -wenn er wüßte, wo er zu finden sei, ach, wie gern schrieb er ihm. Ach, wie gern würde er ihn-abholen und-ihm sagen: „Mein Sohn, komme zurück. Ich will Dich in meinem Hause aufnehmen, ich will Dich als mein Kind annehmen. Nur komme zurück. Setze.dich auch her zu uns und bete, bete, denn es ist ja Deine Kranke." Don nun an erwartete Eschkeles den Flesch immer vor dem Tempel. „Haben Sie schon Briefe bekommen?" fragte er ihn immer wieder. „Ich habe noch keinen bekommen/-erwiderte Mesch beschämt. Und um das Gespräch aus andere Dinge zu lenken, fragte er ihn: , „Befindet sich.das Fräulein schon besser?" „Ja, ich.danke, etwas besser," .. In der Tat befand sich Esterchen besser. Me Jugendkraft hatte das Fieber besiegt, .der Ärztlichen .Wissenschaft * spottend, -die wochenlang hoffnungslos an -ihrem /'Bett gestanden Hatte. Doch sie konnte eben -nur auf ihren -Füßen i stehen. Wie -es scheint, hatte ihr das Fieber-die Lebensfreude - aus der Seele gebrannt. Gleich einem Schatten huschte sie! durch die Zimmer, immer wortlotz..undZimmer 'traurig/''-..! Die Welt wußte wenig von Esterchens Zustand, und von! der Natur der Krankheit hatte überhaupt keiner eine Ahnung. 1 Kam das irgendwie zur Sprache, so sagte man: -