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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-09-22 · Heft 38 (22.9.1911) · p. Seite 452

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
Seite 452 (sequence 8)
Language
German
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seit-langerüentfremdet' sind/ sondern - «ls-eine : Natürliche Anpassung an die Bedürfnisse des geistigen Lebens, und.nu.r die /KNders/Hedingte,.. insektenhaste Nachäymungskultur der, Assi- Milanten erweckt die tötende/ traurige Lächerlichkeit.^ - .. .. / //Was man. aus/dieser orakelhaften Rede.verstcht,?ist entsetzlich/ Zum Stuck versteWman nicht ulles/ Doch genug. ~ Ich /brauche -/dem^ Leser kaum zusagen, daß meine Polemik nicht Herrn Georg Hecht und seiner neuen. Weisheit galt. Ich habe diesem Artikel zunächst aus dem Grunde meine Ans- MerksaMkeit geschenkt, weil er in dem offiziellen Organ de? deutschen Monistenbundes abgedruckt ist./Vielleicht wird die Redaktion -dieser Zeitschrift einmal aufmerksam gemacht auf den Unsinn, der unter der Flagge'des Monismus durch die Welt zieht, und die .Geister/fürderhin prüfen. Ferner, ist Herr-Georg Hecht für Mich, nur einer von den vielen, die unbekannt mit der Religion des Judentums nach dem allerneusten Haschen einem Phantom nachjagen und so die jüdische Jugend verwirren und verderben. — Und diesen vielen möchte ich zurufen: Trinket Wasser aus Eurem eigenen Brunnen! ' Vertieft Euch nur in Eure Religion und Ihr. werdet finden, : daß von ihr noch, immer gilt, was. vor Jahrtausenden der Psalmist von ihr gesungen: . . / ' : 7 . ''Die Kehre Gottes ist vollkommen, erquickt die Seele. ' - ' Das. Zeugnis.Gottes ist zuverlässig, Macht den Einfältigen Meise.: Eure Lehre verlangt nicht Unterwerfung des"Verstandes unter den Glauben. Sie maßregelt nicht die Wissenschaft uüd Macht Eure Seligkeit nicht abhängig von dem Glauben an eine Schöpfungstheorie. Eure ReligioU verlangt von Euch in erster und letzter Lime: Sittlichkeit. 7 . Sittlichkeit ist in der Sprache Eurer Religion geradezu identisch' Mit Götteserkenntnis, Daath Elohrm/ Wer sittlich lebt hat Religion . 7 . Eure Religion hält den Bestand der Menschheit abhängig von dem Befolgen ihrer sittlichen Gebote. — Der Bestand der/Juden bis.aus den heutigen Dag ist das beredetste Zeugnis für diese Wahrheit. Nicht Schöpfungs- und andere Theorien haben sie erhalten, sondern das'sittliche Ideal, wie es fromme Väter und Mütter in ^ehre' Und Leben ihnen vorgehälten haben. Bleibt Ihr darum Eurer deutschen Küliür treu und lernt Eure Bäierreligion kennen, llnd Ihr werdet sie lieben und auch. Ihr werdet zürn Segen werden.' Mn Vrutlcher Ojomrr. / (Dr. L i l i eü th a ls Küllürbersüch in Rußland.-) - ° 7 7.- Bön Leon Scheinhaüs-MeMel. ' (Schluß.)' ' n7 diesen, Zielen einer Gegenwirkung' auf die religiösen k Begriffe der Juden hielt das Volksaufklärungs-Ministerium fest. Danach war auch die ungeeignete Zusammensetzung der Lehrverwaltung. Zunächst wqren schon/ die. Inspektoren Christen; , die Direktionder. Holksschulen ernannte dazu darochiale Lehrer,/den Abhub de-x Kreisschulen, Reserveoffiziere oder:'zü'r.ückgeschte.. PolizeiheamtA. >.die durch Fürsprache' die Jnspektorate der jüdischen -Schulen/ als. Versorgungsstelle , erhielten — lauter.Leute, die nicht Mit dem gehörigen Ernst an die Wichtigkeit der vorliegenden /Aufgabeherantraten, nicht h.loH/ daß. sie-, die berufen waren, die jüdische Jugend aufzu- Wren und zu erziehen, nicht im.Wringsten -wußten/ was uns srommhwaren sie. noch voll Voreingenommenheit , in Beziehung auf die/ihnen anvertrauten Zöglinge. Sie haben, ihre Position verscherzt -und - die schulen in/ den Aügech/der jüdischen - Bevölkerung stark-, diskreditiert/ Auch das Kontingent der ersten .Lehrer der jüdischen Fächer stand Durchaus.nicht auf -der Höhe ihres Berufs. - Die wenigen Ausnahmen der-bereits WWchKeten-südischen Lehrer hatten manchen harten Strauß mit: der feindseligen Stimmung der christlichen Inspektoren, einerseits/ und mit den Intrigen der Melamdim anderseits auszufechten. Die Fühlung mit dem Volk ging den jüdischen Lehrern verloren, sie bemühten sich auch nicht, diese zu finden und aufrecht zu erhalten. Die Regierung meinte, daß, sobald die gegründeten Schulen „jüdische" Schulen heißen, ein jüdischer Lehrer den Religionsunterricht erteilen, am Sabbat und an jüdischen Feiertagen der Unterricht unterbleiben würde und noch äußerliche Vorrichtungen im jüdischen Sinne gemacht würden, alle Hemmnisse aus dem Wege gebahnt wären und die Schulen Änklang finden müßten. Die Juden suchten aber den jüdischgeistigen Gehalt des Schulwesens, und den fanden sie nicht. Der Talmud war völlig von den Schulen verwiesen, und statt dessen haben die Lehrer lose Abschnitte aus dem Pentateuch mit deutscher Uebersetzung vorgetragen. Die Propheten, Hagiographen wurden nicht gelesen, die notwendigen Ritualgesetze nicht gelehrt, die Gebete nicht erläutert, die Religionslehre und Geschichte der Juden nicht vorgetragen. Cs wäre ja ganz anders geworden, wenn Dr. Lilienthal mit einer Anzahl jüdischer Schulamtskandidaten aus Deutschland mit der Ausführung seiner Schulpläne betraut worden wäre. Unter diesen Umständen aber hat das hoffnungsreiche Schulgesetz 1844, wie. es sich unter den Nachfolgern Uwarows entwickelte, Schiffbruch erlitten^ ■' :. Kritische Naturen — und deren gab es immer mehr als -überall im Judentum — suchten -in dem Kulturversuch Lilien thals in Rußland gern „Fehler" hervor, in denen sie auch die Gründe für das'Scheitern des Schulwerkes zu finden glaubten. Die erste hebräische Gegenschrift „Magid/Emeth", die 1843 von Jona ben Amittai in Leipzig erschien, verliert schon an jeglicher Bedeutung, sobald der anonyme Verfasser nicht M. A. Günzburg, der Führer der russischen Haskalah, ist — wie neuerdings .(„Allgemeine Zeitung des Judentums" 4910, Nr. 44,S. 528) angegeben wird —^sondern irgendein M. Ginsburg (Benjacob, ^zar-ha-SePharim S. 290). Aus den Mich-' gelassenen Schriften des besten damaligen Schriftstellers M. A. Günzburg (gest. 1846) wird im Gegenteil ein Aufsatz iwV'|Y’p',pcrbgedrückt, wo direkt die Behauptung des. Pseudonymen Jona ben Amittai einer objektiven vernichtenden Kritik unterzogen und Lilienthal hoch gewürdigt wird, „ich scheue nicht zu erkennen, daß unter den Maskilim nicht, emer ,vorhanden ist, der dem Dr.Mienthal wissenschaftlich gleich.s1ändel"i) Ein Wilnaer 7 Mitarbeiter Lilienthals, - Benjamin Mandelstamm/veröffentlichte 1877 seine hebräischen KultuMlder; Odasorila-moeä", die schwungvoll in musterhaftem Hebräisch geschrieben,, aber wenig -Denkwürdiges enthielten; langatmige Betrachtungen und Fortschrittsgedanken, bloß keinepositiven Berichte. - Zuvörderst in aufrichtiger Bewunderung - über die Kulturmission Dr. Lilieuthals, die allein sein Erscheinen in Wilna schon eine noch/ nie dagewesene rettende Tat M .der kultür^llen-".Enttv.ilNung.'- blldei,. -- -.ist -'ihm./der/,1unge-iHdische^ Gelehrte aus Deutschland/nicht, liberal genug, weil er sür/seine zivilisatorischen Pläne zur Veredlung der russischen Inder die Orthodoxie des. Judentums, zugewinnen sucht un^ die Häupter derselben zu den Beratungen nach St. Petersburg berufen läßt. -Diesen vielfach.wiederholten Vorwurf verdient Lilienthal wahrlich nicht. Er, der im späteren Alter in den y - Günzburgs. Hamoriah (Warschau } 878) S. 41.

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