Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- Seite 449 (sequence 5)
- Language
- German
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wie Ury sieht-und eigentlich jeder Jude siehtist derMosesder Legende, unsere Riesengestalt, die für uns aufleuchtetwie Napoleon für den Franzosen, Bismarck für den Deutschen.- Er ist die.Inkarnation des. Judentums überhaupt. Er ist der Jeremias, dersich wieder emporgerichtet hat und .sein -verzweifeltes Volk auS der Sklaverei des Lebens- .zu den reinen Höhen der Gottheit führt: Bei Kry wird ' das Lebeü^Mösis znm Heldenlied, das nicht minder brausend Ist wie düs Lied der Nibelungen. Seit zwei Jahrzehnten ringt Urtz mit immer mehr erstarkenden, immermehr reifenden Mitteln mit-dem Mosesproblem. Er hat Moses gemalt, wie -er am Dbrnbusch kniet und ehrfürchtig der sprechenden -Stimme lauscht?-er hat einen großartigen Moseskopf gegeben, den Köpf des -Moses, der gottvertrauend auf die Gesetzestafeln weist, und 'eine.nie ausgeführte, gewaltige Skizze von tiefinnerstem Leben zeigt den zürnenden Moses, welcher die Gesetzestafeln unter das entartete Volk schmettert. Jetzt, aber,- aüf der Höhe des Könnens und Lebens, sammelt der Künstler all seine Kräfte in diesem Werke, das zugleich eine Selbstbefreiung und ein Menschenepos ist, im Heros Moses, dessen Hände die Elemente dannen und beschworen und dessen Füße ' über das Flache des Landes erhaben'sind. . .? 7- - Und zugleich hat dieses Werk für diejenigen, die des Künstlers Schaffen mit liebendem Auge folgten, etwas besonders Rührendes und Großartiges. Es ist das Werk eines reifen und reichen Menschen, dieser so großartige und dabei so leidenschaftslose Moseskopf mit den bannenden Augen.- Das Werk eines mächtigen Künstlers, der selbst über die Leidenschaften und Irrungen des Lebens hinausgelangt ist und nun von seinem einsamen Felsen aus alle Gewitter der Kunst mit mächtigen Armen an sich zieht. - v . Die Milche Gemeinde?u Lettin. (Eine Entgegnung.) . TTl ährend der Vorbereitung zu den letzten. Retzräsentanten- Vwählen wurde in Charlottenburg. ein. Verein gegründet, der es sich zur Aufgabe machte, die religiösen Interessen der dort wohnenden Gemeindemitglieder besonders zu fördern. Als seine Devise bezeichnete er: Divide et impera; er deutete sie für seine Zwecke dahin, daß die Großgemeinde in Bezirksgemeinden mit weitgehender Autonomie 'einzuteilen sei. Der Verein hat seine diesbezüglichem Vorschläge dem Gemeindevorftande sowohl schriftlich aP auch mündlich unterbreitet. Eine Aussicht auf Verwirklichung seiner Forderungen ist den Sprechern des Vereins nicht eröffnet worden. Mt Recht.'- - Die' -Ausführungen des Herrn Bergmann in Nr, M und. 34 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", beweisenzur Genüge, daß sämtliche Vorschläge , für, immer abzulehnen sind. Solch einen Plan kann nur, jemand entwerfen, der die jüdische Gemeinde zu Berlin nicht kennt. .-Der bisherige. Erfolg, den der Verein auszuweisen hat, hätte Herrn Bergmann schon überzeugen sollen, daß er von falschen Voraussetzungen ausgegangen ist. /Es ist dem Verein nur eine geringe Anzahl von Mitgliedern beigetreten, fast nur solche, die sich bereits zu einer Privatgemeinde zusammengeschloffen haben und zumeist erst kurze Zeit hier wohnen. Ein Teil derVorstandsmitglieder gehört zugleich dem Vorstande einer Privatgemeinde an. Dieses geringe Interesse für den Verein ist ganz natürlich.; Die Gemeindemitglieder, die aus Berlin nach' einem. Vorort gezogen sind, haben damit nicht andere besondere^ religiöse Interessen bekommen. -Sie haben, mst dem Wegzüge von Berlin niemals-daran »gedacht,. in eine^:Ändere jüdische Gemeinde' zu kommen.:.. Im Gegenteil, sie ^sind. stolz' darauf, der? größten /GetnöindL->Deütschkänds:-auchfürderhin angehören zu. dürfen, jener Gemeinde,/ die Großes mnd /Bleibendes süv dreJudenheit Deutschlands geschaffen Hatz die sich.stets-bewußt war, daß sie ^eine - führende.' Stellung ärnter? den. ^Gemeinden einzunehmenhat, Äer es?auch nie au Männerngefehlt .Hatz di^?-mit? feinem Verständnis? unter Verücksichtigüng dergeschichtlichen ^Vergangenheit /zum Segen/der Gemeinden im /Ehrdndienste ' gearbeitet haben. Herr - Bergmann?"--.'hat.?/zwar.'-ranerkennende Worte für die? persönlichen Leistungen der-'Mi^ glieder der Verwaltung. Das.System hingegen, sio meint er, habe /sich überlebt,, die Uebersicht über das? Ganze "sei werloreu gegangen. . In allen Zweigen .der Verwaltung , feien?Achtbare Schäden/entstanden, die Interesselosigkeit greife/-um fich-/die> Gleichgültigkeit? nehme überhand, .eine? Synagogen-7?-unU Fried.hofsnot sei-vorhanden/ wer^ Religionsunterricht stt'kauE übersehbar und. /'könne laicht in wirksamer Weife/ dirigiert' werden^ der? Armenverwaltung fehle es . an - Hilfskräften-? das Wahlsystem verursache viel Aergernis, der Vorstand? könne * sich gegenwärtig bei der Ueberlastung mit Arbeiten hauptsächlich? nur der technischen Arbeit der. Gemeinde-Institutionen? widmen. Eine schärfere Kritik, wie sie hier von Herrn Bergmann geübt wird, hat während des .Wahlkampfes?? kaum ■: in den . „jüdischen Volksversammlungen" stattgefünden. . Die hier erhobenen Vorwürfe haben wir nicht. besondersernst genommen, weil wir. nur zu gut wußtendaß hierbei Parteirücksichten? mitgesstrochen/.-habest.'.:: Weuir.' aber dieselben Vorwürfe nach ruhiger. Ueberlegung wiederholt/, cherden und dazu noch als Grundlage, fsir eine völlige?. Um< geftaltung der Gemeindeverwaltung dienend^rin müssest sie widerlegt werden. ././... ./ -??//. t- Herr Bergmann zeichnet ein Bild von 'den- -religiösen Zu- : ständen, innerhalb unserer Gemeinde, das? den Tatsachen nicht entspricht. Ich glaube mit dem religiösen Zustände der Groß-, gemeinde sehr gut.vertraut zu sein und kann mit gutem^ Gewissen behaupten, daß das Interesse für religiöse Fragen, stärkere dFnn.. je ^st./.Ansere'Jugend. ist? mit dem Wesen, unh, der Geschichte des Judentums, viel besser vertraut als dasvorangegangene Geschlecht. Mir ist die Behauptung völlig unverständlich, daß durch die gegenwärtige Art der.Gemeindeverwaltung der Abfall vom Judentum gefördert, wird. Dieser hat. mit. der Gemeindeverwaltung wahrlich nichts zu tuy; die Gründe hierfür sind, vielmehr in .den staatlichen Maßnahmen zu , suchen und in dem Leichtsinn. und Weltstnn mancher 'Juden.// V/../ '••- ■ ' ' •' . . ., .. V/ Herr Bergmann behauptetz wer Vorstand könne, sich gegenwärtig bei dey Ueberlastung .mit Arbeiten hauptsächlich nur der technischen Arbeit der Gemeinde-Institutionen., widmen. Meines Erachtens ist das der schwerste Vorwurf, .der dem Gemeindevorstand gemacht-wird. Die Aufgabe,, die Herr Bergmann dem Vorstand? stellt, .„in allen religiösen. Angelegen-, heilen-, aus geistigem und. sozialem. Gebiet die. Führung zu. Übernehmen",., hat er im reichsten Maße, erfüllt. Freilich?ist... dies nicht ohne treue Mitarbeit der, vom Vorstand eingesetzten Kommissionen, geschehet. . ... ....... . Ich brauche hier nur den Schul- und Talmud-Torah^ Vorstand und die Armenkommission zu nennen. Was ersterer für die äußere und innere. Organisation der. Rejigionsschulen- > für-den Religionsunterricht an den höheren Schulenfür. dxn?: Fortbildullgsunt.errichtz für die Ausbildung von. Lehrern: und? Lehrerinnen geleistet hat, ist .ausführlich - in diesem Blatt v.ow? Professor Tsirck dargelegt i worden-; welch große Arbeit, letztere 7 - - die Armenkommisston , auf/ sozialem Gebiet leistet, istzü