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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-09-22 · Heft 38 (22.9.1911) · p. Seite 448

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
Seite 448 (sequence 4)
Language
German
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LmMonumrntslgemMe des Judentums. . ( ... Von Lothar Brieger-Waffervogel. n der Villa des Direktors Minden befindet sich seit 1 kurzem ein Riesengemälde im Umfang von 5 : 2^, das von stärkster Wirkung aus den Beschauer ist. Auf einem von der Sonne grell beleuchteten Felsvorsprung steht ' in aufrechter "Haltung die gewaltige Gestalt eines Mannes, den Oberkörper entblößt, die Arme beschwörend zum Himmel emporgestreckt. Und -rings um den Mann wogt eine Symphonie An^arbetz^ÄM. "helle Blau des Himmels, ihm zu' Häupten geht ' durch düs Lila.der Gewitterwolken in das dunkle und dunklere Blaü des sich immer tiefer einschattenden, schließlich ganz verschleierten Landes ihm zu Füßen über,, aus dem noch --ein -besonders, schönes und tiefes Flußblau zwischen Pyramiden auch manchem, der nicht immer dem Monumentalschaffen Urhs' zur Seite stand, lleberzeügendes sägen dürfte, in der ünendlichen Kraft und' Hoheit des Hauptes und in der technischen Bemeisteru'ng des. Körpers. All dies würde mir beweisen, daß ejn Maler,- dessen Qualitäten seit .langem nicht mehr zweifelhaft-sind, / in.die. volle.Herrschaft.über seine technischen MöglichkLiteneingetretenist. Was aber die tiefste Bedeutung des Bildes ausmacht, ist im ' letzten . Grunde nicht im Können/allein zu suchen,- wenn es auch - ohne dieses nie so vollendete Gestalt gewonnen hätte. Es ist die innere Glut' und Gefühlswärme des Ganzen, der große Zug - eines innerlich historisch Erlebten, was diesen WolkenstüriN über die Leinwand fegt und den leidenschaftlichen starren Moses wie eine bis zum/Himmel ragende Mauer dagegen setzt. Die Geschichte des Judentums oder MM' m:*: Lesser Uvy: Moses beschwört die Finsternis über das Land Aegypten. und.Obelisken emporleuchtet. Das-Gemälde nennt sich: Moses beschwört die Finsternis über das Land' Aegypten. Sein Maler heißt. Lesser Ury; /. - -/ ..Die alte müßige Frage nach dem Grunde der gewaltigen Wirkung monumentaler Werke wird auch hier nicht schweigen können. Kenn ganz unzweifelhaft übt die Figur des Moses ihren beherrschenden Einfluß, nicht nur auf die Wolken des ägyptischen Himmels, sondern auch auf die Beschauer aus, die wir etwas bedrückt davorstehen. Nicht von der Vollendung der Komposition allein kann das abhängen, die den Moses als einziges. Lebendes urkrastsmächtig auf einer Seite der kollossalen Leinwand hell und streng aufflammen läßt, während ringsum, das tiefe Dunkel, an die beiden ausgestreckten Finger ferner rechten Hand gebannt, emporzieht-. und hinter ihm blühend das Land Gosen wie eine Verheißung ausblitzd Es wäre auch.von der. genialen Farbigkeit des Bildes zu sprechen, von.dem/ was. den KünstlerMry vielleicht am stärksten reizte, der Möglichkeit, auf größter Fläche sein geliebtes Blau in allen Nuaneierungen durchzükosten und mit Farbe die Bewegung zu schildern, welche die großen Wolkenmassen Legen die . ausgestreckten Finger der Mosesfigur, zwingt. Nicht zum wenigsten aber wäre über diese Gestalt des Moses selbst^zu sprechen, die besser der. ragende Gipfelpunkt dieser. Geschichte ist Fleisch und Blutvgeworden<^rst'üüs.'den'MenOergämenten plStzlWlteb'end unter uns getreten/ Das Judentum hat seinen ersten großen Historienmaler gefunden. . ' ' Themen aus dem Men Testament find der bildenden Kunst nicht neu. Ganz abgesehen von . der sie mit Vorliehe behandelnden Renaissance, hat es. auch in neuerer Zeit nicht an ihnen zuneigenden Künstlern gefehlt. .Aber immer war es nur Thema und Kostüm, überall fehlte das innerlich mit dem gegebenenso eins sein, daß eine -lebende Schöpfung von dauerndstem Werte hätte entstehen-- können/ - : - \. Der Jude Ury hat jenes innerliche Judentum,- dem die Bibel lebendige Geschichte der Vorfahren, Stolz üüd Verzweiflung zugleich wird-' und aus dieser Artung seines Blutes erklärt sich die Artung seiner Kunst/ - Man versteht daraus, wie so in-seinem gewaltigen Jeremias" ein modern gekleideter alter Jude niedergeschmettert und doch stolz unter ewigem Sternenhimmel kauerte, das uralte Volk , und doch zugleich das ewig junge. Volk. Und Moses wird in diesem Empfinden zu etwas ganz anderem, als das der Historiker wE der heutigen Tages/sogar.Ke/ Hypothese aüfstellt, Moses' sei nichts gewesen als der ehrgeizige Sohn eines ägyptischen Priesters. Moses, üüi^ _ — iü

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