Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- Seite 447 (sequence 3)
- Language
- German
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unumwftndenzu, weil., sich ^durchs die. Entwicklungder. jüdischen Glaubensgesellschafb zwei Richtungenherausgebildet Haben. . die in ihren religiösen Anschauungen und deren Betätigung tiefgreifende Unterschiede aufweisen^. was. im Rahmen der durch das alte Gesetz nur zulässigen Einheitsgemeinde unter Ümständen zu einer Gewissens Vedrängnis für die Minderheit' führen könne. Ebenso habe sich durch die Abwanderung' in' die Städte und den numerischen' und finanziellen Rückgang der zahlreichem kleinen Landgemeinden einN Notlage heraus gebildet, welcher nur durch « ein neues Gesetz gesteuert -werden könne. Der Minister erklärte zum Schluffe, daß i>a& Ministerium an die Ausarbeitung eines neuen Entwurfes herantreten werde, sobald cs> die Geschäftslage gestattet- und sobald über gewisse Grundlagen für eine Neugestaltung, unter den Vertretern der beiden Richtungen im Judentum in Gemeinschaft mit den Rabbinern eine Verständigung erzielt sei. . Seitdem der Minister diese Erklärung abgegeben, hat diese Verständigung innerhalb des bayerischen Judentums erhebliche Fortschritte gemacht- und-ist eN gelungendie-Mehrzahl derbayerischen- R abbi iitty, wekM noch; vor drei« JähreM dem - Revisionsgedan ken - wenigfhmpatWD gegettMerffänden/ fürdirMitarbeit^ ander neuen GefeMebungz undfür. die? Aufstellung? gemeinsamer Richtlinien zu gewinnen^ MrtstoKeeM«tstLe HA iw dleserr Richtung^diee unermüdliches MtiWift deK- MyeMschem Maelitischew Lehrervereins sowiedie BwfMres vom G-MrffMdrrr über die: jammervolle- Lage'- derisrn»^ elitischem RerkgiottAehrev' undL Kilkusbeämtem im Bäyerm geleistet/ INdieferSchristt «Md anderMmd^ reichem statistischen Materials der Nachweis^ unter: welch? kärglichem ja geradezu' kulturwidrigen^ ÄWellüttg^undBefökdungKveryällttissem. die.'Beamtender kleistem bayerischem isrätzliLischeW Landgemeinden' ihre' idealen: und? rerigiösenrMfgMmerfÜMmsdllöry, litt# dUßhiernurdürch Gründung'- einer auf? daN MnzecLand' auSzndehnenden/ ausWflichtbeiträgen; aller Knltüsgemtzindem füttdiertM; ZeMralkaffee Abhilfe: geschaffen? werdem kaum EN kann: däherrnür mittFreude?begrüßti werden,- daß-vor wenigen? Wochem derrVerrinnfürr dresMeMenrtM orthodoxen:Judentums? im Bayern/, «m; bestem SAAr dies beidendienfiältesten- Rabbiner? Bayerns" stehen/, eineauKsÜhklich^ MnkschÄstr nteßfft eitterm förmnliertem GeW» eNttuurff bem« MüWÄiüjftrrm«; unttrbreitett halt- DemVernehmen: nach> sdlll eines ähnliches Kündgebüng; rüerr bayerischen? Grosigemeinden, im welchem zumeistr die« nvchbM RrDüM vertreten^ist/, im« Läufe: des? EerbsttN bevorfllGn/, mtth eN dÜrstN sich dann? Herausstellen/ - daß. be-' züglich? wiDiHer7ptiNzWeller Keagettl eimEittVersfändNiNzwischen den MvenMWtkWM-tzchMrwerdem räum. Sfe rechnemhierzuchesonders die Bildungsmöglichkeit mehrerer Kultusgemeinden verschiedener religiöser Richtungen in einem politischen Bezirk, Aufrechterhaltung der bisherigen Rechte der Rabbiner in der Entscheidung religiöser Fragenim der Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes, und der Ritualinstitutionerr': der. Gemerndo und endlich-Bildung - einer Zentralkasse zur Mrterstützung;derleistungsschwachen Landgemeinden.- Wögen auch weiterhin einige wenige Rabbiner — merkwürdigerweise sowohl aus dem extrem orthodoxen wie-aus dem uttraneologen Lager— in einer für den Außenstehenden unverständlichen Geistes- und Seelenharmöttle rN ihrer Obstruktion gegen den . Erlaß einer neuen Züdengesetzgebüng beharren, so" steht' doch schön heute fest/ daß die erdrückende Mehrheit der bayerischen Israeliten sich imRevisionslager befindet: EN darfl daher d^rr Hoffnung Aüsdruck' gegebenwerden, dast diestz: für-E beteiligten Meise fd wichtige Reform? nach Verabschiedung der Kirchen gemeindeordmlng! im täw? ReichLratskammer von der Regierung : energisch aufgegriffen - wird, und daß daN Ministerium Veranlassung, neWem wird/ sich über sein? weiteres- Progrchnrn bei dieser. Gelegenheit, im Reichsrat^ ausführlich? auszusprechen. -Vielleicht? sendet>.ein er? unserer bayerischenEovrefpondenten uns einen belehrenden Artikel« über, diefo Angelegenheit. * - v;-;- Her Ministerpräsident Stolhpin ist im Theater zu K iew einem Attentat zutn Opfer gefallen Eine solch, bübische Lat muß jeder verurteilen, und auch, wir, so wenig wir alsJüden dem Minister zugetan sein können,. -verdammen^sölK. Went'ak. Leider ist zubefürchten, daß die Juden- - die mit dem Verbrechen, des Polizeispitzels Ba'aröw nicht' das geringste zu tun haben, unter seiner Untat leiden.' Denn man erwartet Pogrome, und es ist eine-grausame Ironie,, daß die russische Regierung, welche solche Ausschreitungen sonst ruhig duldet, sie zu verhindern suchtt Das „Berliner Tageblatt" berichtet darüber: Die Moskauer „Ruffkoje Slowo* meldet: Minister- Kokowzew erließ ein Zirkular an alle- Regierungsbehörden, sin dem er befiehlt, gegen die Juden gerichtete Versammlungen zu verbieten- In- Kiew wurde infolgedessen bekanntgegeben, daß keine Unruhen geduldet werden würden. Die dortige Polizei hat bereits zweimal Änsammlungen „echt russischer Leute* die zu manifestieren versuchten, auseinanbergejagt und hierbei 35 Verhaftungen vorgenommen. Ten Verhafteten wurden die Porträts des-Zaren, die siewie bekannt/ bei" sich zu tragen pflegen/ von der Polizei weggenommen. Eine Anzahl „echt russischer Leute" hat darauf ein Telegramm an den bekannten; reaktionärem Dümäabgeordtteten? Pimschköwitsch' gerichtM und sich beklagt/, daß man" ihnen die Möglichkeit nehmeihre Anhänglichkeit : am dem Zaren zu demonstriere^ Siedrohen mit? einem Pogrom für den 25. September, den bevorstehendem jüdischen« Feiertags Die jüdische- Gemeindevon« Kiew hat? eines Beile: dsdepefche. an- Stolhpin abgeschickk/ ' in der sie: ihrer: Empörung . Über: dies unerhörte« Tat' Ausdruck? gibt: Das' HauS/. indemder- Vater BägrowN wohnt/ hat militärischen? Schutz? erhalten/ da: man- Gewallt ätigMem gegen? seine Bewohners vefürchttztt- Aus« Qdeffä' wird-dem? genannten ÜBlattetelegraphiert/, daß dort? die Stimmung sehr aufgeregt? ist/ Dies „echtrussische*" Wesses fördert die Bevölkerung?, zm einem Pogrom auf!- Ster Gouverneur? von i Odessa, Lolmatschow, hat kategorischerklärt/ daßer jedem Versuch - eines? Pogroms? sofort? mitmilitärischer: MachtuttterdWckettr werde. Otte? sWLsMäme NachriWettttrehmm wiv 8err„WsflMm Leitung" : Einen ganz? merkwürdigen? Beschlüße hat/ sm schreibt'- MüM uns/? eine? RaMinerversämmlüNg im? Stäate?Mrmesötm inEmerikar gdfäßt, / indem? sie erklärte, fortän? dähin; zgi wirken/, aus! dem? Lehrunterricht der? Schulen und' Universitäten: verbannt? werde/ weil' man zuerkennen gläuve,. daß? die?Figur des->Mephistopheles „jüdische Eigenschasten^ besitze? und> dadurch eine-Art'Satire: aufi dütz - Judentum geschaffen sei/ Durch eine verwandte,, aber: wohll verständlichere. Kundgebung: hat dasselbe Kollegium fchom vo^eitttgeL Zeit von sich reden gemacht; es tat nämlich den „Kaufmann von Venedig" in Acht und Bann, weil darin die Figur des Shylock als eine Ausgeburt des jüdischen Geistes hingestellt wird. Es Wäre recht bedauerlich, wenn sich'Liese Nachricht'bestätigte. Gewiß ist es angebracht, wenn' mttnsich in' Deutschland und anderwärts gegen Schulbücher mit? ausgrsprochtzner antisemitischer Tendenz wehrt, ja selbst wenn man därauf hinarbeitet, wirklich feindliche oder" häßlich klingende Stellbtt aus eingeführten- Lehrbüchernzu entfernen; das' Stürrüläufett aber gegen große Dichtungen zumal mit einer sb" lächerlichlrn Begründung wie die ist, die in der vorstehenden Notiz' MsgefÜhrt Mrd/ isthöchlichst zu beklagen. Das genannte Blatt' enthält in einer späteren NüMmer die Züschrist eines Kenners jüdischer Verhältnisse, in der es heißt': ' ' ' - , " / ■ ». daß die Rabbiner, diein-Mephistopheles eine'Sütire'auf das' Judentum^ sehen/ vermutlich polnischer Herkunft' sind. In Polen' tragendie Juden? vielfach Namen, die auf- „eles^ endigen' (iastrv-? nxmioa)/ und bei. dem sehr beschränkten Gesichtskreise--devspslnisch^ jüdischen-Geistlichkeit liegt die? erheiternde? Annahme nahe/ daß; die amerikanischen- Rabbiner Goethes Mephistopheles der erwähnten Gattung der jüdischen Namen beizählen-. und auf Grund dieser- Voraussetzung parodierte jüdische Eigenschaften, an der Satansfigur entdecken wollen/*;'v: -E-;;■ 7', 77"??