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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-09-15 · Heft 37 (15.9.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Berlin, Herr Rabbiner Dr.. Blumenthal, in einer von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Ansprache der Jubilarin für ihre treuen Dienste, ihre aufopfernde Tätigkeit, die unvergeßlich bleiben wird, und für die Liebe, mit der sie die Kinder hegte und pflegte, wodurch sie sich in den Herzen aller ein dauerndes Denkmal gesetzt. Namens des Komitees überreichte erihr eine Ehrengabe sowie eine Adresse, in der ihre Verdienste gefeiert werden. Ein größeres Kind trug darauf ein Gedicht vor. das „Tante Jdas" Tätigkeit während; der 25 Jahre schilderte. „Harre meine Seele/ mehrstimmig von den Kindern .gesungen, beendete die erhebende Feier, der sich ein Festmahl anschloß, bei welchem die Jubilarin durch ernste und heitere Reden gefeiert wurde. — Das Komitee für Ferienkolonien jüdischer Kinder hat auch in diesem Jahre wieder 470 Kinder fortgesandt, jedoch sind die erhofften Beiträge nicht so reichlich wie in den Vorjahren eingegangen, so daß noch ein recht beträchtliches Defizit zu decken ist. Gütige Spenden nimmt gern der Schatzmeister, Herr Direktor Paul Schlesinger, Mohrenstraße 8, entgegen. — Berlin, 8. September. DerVerein für Arbeitsnachweis, (begründet von den Berliner Logen U. O. B. B, Monbijouplatz 10, Telephon Amt III 2589) schreibt uns: Hand in Hand mit der vorschreitenden Herbstsaison macht sich auf dem kaufmännischen Arbeitsmorkte ein merkliches Anschwellen des Angebots an Arbeits-Gelegenheiten bemerkbar, das sich ziemlich gleichmäßig auf die verschiedenen Zweige des hauptstädtischen Handels erstreckt. Erfreulich war diese Tatsache umsomehr, als im Berichtsmonat ein der Beachtung werter Rückgang an Arbeitslosen festzustellen war, ein untrügliches Zeichen einer aufstrebenden Konjunktur! Die Stellenvermittlung unseres Vereins konnten 365 Petenten .(88 Kaufleute, 115 Handlungsgehilfinnen und 162 gewerblichen Angestellte die geeigneten Arbeitsgelegenheiten Nachweisen, während nur 341 Arbeitslose unsere Dienste in Anspruch nahmen, so daß noch eine Anzahl von Be»: Werbern des Vormonats placiert werden konnte. Die Erfolge unseres rein humanen Zwecken dienenden Vereins würden sowohl in> der Stellenvermittlung als in der Schreibstube und derJnkasso-Abteilung noch weit durchgreifender sein, wenn sich immer weitere Kreise wohltätiger Menschen seiner Einrichtungen bedienen wollten. H. Berlin, 10. September. Anläßlich des bevorstehenden Neujahrsfestes bitten viele Vereine und Institutionen, die Gratulationskarten durch eine Spende zu wohltätigem Zweck abzulösen. Wie bereits seit einigen Jahren, wendet sich auch diesmal die von Hermann Abraham 1895 ins Leben gerufene „Israelitische Volksküche" an die jüdischen Einwohner Groß-Berlins mjt der Bitte, zum Besten der Speisung Notleidender die Neujahrswünsche abzulösen. Zugleich gibt der Vorstand eine Uebersicht über die Tätigkeit des „Vereins Israelitisches Heimathaus und Volksküche" im Jahr 1910. Wir entnehmen ihr, daß in der Volksküche und Kochschule insgesamt 177414 Portionen verteilt wurden, davon 55342. unentgeltlich.. Im Mädchenheim, das sich wie die Volksküche in der Gormannstraße 3 befindet, wohnten 91 junge Mädchen, darunter drei Lehrerinnen und eine Studentin. Das Altenheim daselbst beherbergte 58 Personen. Im Männerheim» das gesondert in der Grenadierstraße 15 besteht, hatten 90 Männer Aufnahme gefunden. , £££ Karieirburg i. Pom., 10. September. An dem jüngst hier stattgefundenen Abschiedsfest für den scheidenden Superintendenten Bogdan, der nach 15 jähriger segensreicher Wirksamkeit seine hiesige Stelle verläßt, nahmen auch mehrere Mitglieder der Synagogengemeinde, darunter der Rabbiner Dr. Salomon teil. Der Rabbiner hob in einer Ansprache, die sehr beifällig ausgenommen wurde, die Friedensliebe des Superintendenten hervor, der einen Hauptanteil an . der Erhaltung und Förderung des konfessionellen Friedens in hiesiger Stadt hat. Mit herzlichen Worten dankte der Superintendent dem Rabbiner. Die Anerkennung aus dem Munde des Rabbiners freue ihn ganz besonders, weil ihm in der Tat der konfessionelle Friede stets am Herzen gelegen habe. Gemen, Westfalen, 11. September. Durch ein halbes Jahrhundert hindurch war es das stille Sehnen unserer Gemeindemitglieder, den unzulänglichen Verhältnissen in der Synagoge ein Ende zu machen. Die kleine Synagoge muß durch ein größeres Gotteshaus ersetzt werden. Die Glaubensgenossen dreier Nachbarorte gehören nämlich zu unserer Gemeinde. Nun ab,ex ist plötzlich eine glückliche Wendung eingetreten. Der Standesherr von Genien, Graf von Landsberg, hat in hochherziger Weise der Gemeinde für einen minimalen Betrag, auf den er auch noch.verzichtet hätte, wenn das Hausgesetz solches zuließe, einen Bauplatz für eine Synagoge zur Verfügung gestellt. Hoffentlich wird nunauch die Ausführung des Baues bald gelingen. A. Nürnberg, 9. September. Am gestrigen Tage feierte Herr Geheimer Hofrat Josephsthal in seltener geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Der Genannte, welcher 40 Jahre lang an der Spitze der israelitischen Kultusverwaltung stand und in dieser Eigenschaft eine ausgezeichnete und geradezu vorbildliche Tätigkeit entfaltete, gehört zu den hervorragensten Führern des deutschen Judentums und dessen Organisationen. So hat er den „Deutsch-Israelitischen Gemeinde- Tag", sowie den „Bayerischen Landesverband" viele Jahre als Vorsitzender geleitet. Herr Geheimrat JosepHsthals war ferner auch jahrelang 1. Vorsitzender der Anwaltskammer von Mittelfranken. Es war daher begreiflich, daß er an seinem 80. Geburtstag in außer* ordentlicher Weise geehrt und gefeiert wurde. Abgesehen von den zahllosen Briefen und Depeschen, welche an diesem Tage von den bedeutendsten Männern aller Konfessionen aus unserem engeren und weiteren Vaterlande eintrafen, haben die Israelitische Kultusverwaltung unter Führung des Herrn Justizrat Dr. Held sowie die Anwaltsi kammer von Mittelfranken ihrem langjährigen verdienstvollen 1. Vorsitzenden durch Deputationen ihre Glückwünsche aussprechen lassen. Möge es Herrn Geheimrat Josephsthal vergönnt sein, nach den vielen Jahren seiner erfolg- und segensreichen Tätigkeit noch viele Jahre in beschaulicher Ruhe seinen Lebensabend genießen.zu können. G. Augsburg, 9. September. Die Deutsche Tierärztliche Wochenschrift (19. Jahrgang Nr. 31, S. 489) vom 19. August 191 veröffentlicht unter der Ueberschrift „Zur Schächtfrage" folgen n beachtenswerten Bericht: Der Verein Rheinpreußischer Tierär^ hatte im September v. I. an die gesetzgebenden Körperschaften de Deutschen Reiches die Bitte gerichtet,, „dem Beschluß, der Justizkommission des Reichstags, das rituelle Schächten der Juden unter reichsgesetzlichen Schutz zu stellen, ihre Zustimmung versagen zu wollen". Der Verein hatte zugleich an sämtliche tierärztliche Vereine Deutschlands das Ersuchen gerichtet, sich dieser Eingabe anzuschließen, um so eine überzeugende und wirksame Kundgebung herbeizuführen. Diejenigen Vereinsvorsitzenden, die nicht in der Lage waren, in der kurzen Zeit eine Vereinsversammlung zusammenzuberufen, wurden gebeten, wenn möglich, wenigstens eine Kundgebung des Vorstandes herbeizuführen, oder aber, wenn auch dies nicht angängig, ihre persönliche Meinung zum' Ausdruck zu bringen. Der tierärztliche Generalverein für die Provinz Hannover hatte seit dem Eingang dieser Zuschrift erst am 3.0. Juli d. I. seine nächste Generalversammlung; hier berichtete der Vorsitzende, Herr Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Esser über die Angelegenheit und brachte, den Brief zur Kenntnis der Versammlung, den er an den Vorsitzenden des Vereins Rheinpreußischer Tierärzte gerichtet hat. Da das Schächten hierin eine andere Beurteilung erfährt, als in der Eingabe an die gesetzgebenden Körperschaften, und das Urteil des Ehren-, Präsidenten des Deutschen Veterinärrats und Präsidenten der Zentralvertretung der tierärztlichen Vereine Preußens gern von den deutschen Tierärzten zur Kenntnis genommen wird, wollen wir es hier nütteilen. Es lautet: „Göttingen den 19. Oktober 1910. Sehr geehrter Herr Kollege! Da es mir nicht möglich war, eine Vereinsversammlung einzuberufen zur Beratung über Stellungnahme zu der Eingabe Rheinpreußischer Tierärzte, will ich meine persönliche Meinung zu der Sache gern zum Ausdruck bringen. Ich bemerke vorweg, daß ein Teil, vielleicht der größere, der Vereinsmitglieder des genannten Vereins für . die Provinz Hannover auf dem Standpunkt der Eingabe steht. Ich persönlich gebe zunächst unbedingt zu, daß die mit vorheriger Betäubung ausgeführte Schlachtart zweifellos empfehlenswerter ist als das betäubungslose Schächten. Eine Tierquälerei kann ich aber in dem Schächtakt nicht erblicken, wbhl aber eher in einigen unnötigen Operationen, als da sind Abschneiden der Schwänze und Ohren bei Hunden, Kupieren und Englisieren der Pferde, Kastrieren weiblicher Schweine usw. usw., die bekanntlich in roher Weise ausgeführt werden. Da die Israeliten durch Religionsvorschrift

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