Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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75. Jahrgang ferUn, ". Sqrtembe. Ortlagr zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". korrelpondknrm und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 12.September. Der Ausbau der von der »Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge" geleiteten großen Organisation hat wieder einen hoch bedeutsamen Fortschritt zu verzeichnen. Am Sonntag den 3. September hat, wie bereits mitgeteilt, in Metz eine Versammlung der lothringischen und luxemburgischen Gemeinde- bzw. Fremdenkassen stattgefunden und zur Bildung einer lothringisch-luxemburgischen Kasse geführt. Die Einladung war von der jüdischen Zentral-Unterstützungskasse in Metz ausgegangen, an dessen Spitze der verdienstvolle Herr Eugen Fribourg steht. Seine Bestrebungen auf Reform der Wanderarmenfürsorge sind von den Herren vr. meä. Jules Meyer und Leon Levy in Metz stets wirksam unterstützt worden. Das Referat hielt Herr Chain: aus Köln, der zu den besten Kennern und eifrigsten Förderern des Organisationswerkes zählt. Seiner Sachkenntnis gelang es, mancherlei noch vorhandene, auf Mißverständnis beruhende Bedenken zu zerstreuen und so zum Gelingen dieses Werkes wesentlich beizutragen'. Es dürfte allgemein interessieren, daß auch Verdun vertreten war. Ein neuer Beweis dafür, wie großen Anklang die von der Deutschen Zentralstelle eingeleiteten Bestrebungen zur Beseitigung der überall drückend empfundenen Mißstände finden. In den nächsten Tagen finden Besprechungen mit Vertretern belgischer und holländischer Korporationen statt. Ueber die sich an die deutschen Vorarbeiten anlehnenden gleich- . gerichteten Bestrebungen in Oesterreich und der Schweiz ist bei früherer Gelegenheit berichtet worden. *** Berlin, 12. September. Zur Wahrnehmung der Interessen der jüdischen Kultus beamten in kleinen Gemeinden hat sich soeben ein Komitee gebildet, das in Sachen der Versicherung für Angestellte folgende Resolution gefaßt hat: 1. Unterzeichnetes Komitee begrüßt freudig den Entwurf eines Versicherungsgesetzes? für Angestellte und erkennt in . diesem'Werke sozialer Fürsorge auch für die jüdischen Kultusbeamten der kleinen Gemeinden eine.. geeignete aussichtsvolle Gelegenheit, zum erstenmal auf gesetzlichem Wege zu einer freundlicheren Gestaltung ihrer traurigen Anstellungs- und Versorgungsverhältnisse zu gelangen. Das Komitee wünscht deshalb dringend, daß dieselben in das Gesetz eingeschlossen werden. 2. Das Komitee hat zu den großen jüdischen Verbänden, insbesondere zum Verbände der Deutschen Juden, dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und dem Rabbiner-Verbande das Vertrauendaß sie, . der steten Betonung ihres Wohlwollens für die seufzende jüdische Kultusbeamtenschaft entsprechend, alles aufbieten werden, um die Einbeziehung dieser Beamtenkategorie in das Gesetz zu erwirken. Das Komitee rechnet zugleich darauf, daß der D. I. G. B. zu den Beratungen der von ihm eingesetzten gemischten Versicherungs- ■\ kommission einen sachverständigen Kultusbeamten zuziehen werde. ' 3. Das Komitee spricht ferner die zuversichtliche Erwartung aus, I daß der Verband der jüdischen Lehrervereine i. d. R. bei seiner Stelluugnahme zu dem Versicherungsgesetz sich seiner großen Verantwortung gegenüber der Kultüsbeamtenschaft, die mehr als die Hälfte seiner Mitglieder zählt, bewußt fein und die gebotene günstige Situation mit Weisheit und Vorsicht zum Vorteile derselben benutzen werde. Das Komitee hofft, daß der Verband alle an ihn herantretenden Versuche, seine Kraft abfeitsliegenden Interessenkreisen zum Nachteil des Ganzen dienstbar zu machen, mit Entschiedenheit zurückweisen, die ihm suggerierten AbänderungsanträA (Bl. für Erziehung und Unterricht 1911, Nr. 27 u. 28) teils als überflüssig und nicht Obliegenheit des Verbundes, teils als formell unangebracht und sachlich unzutreffend und unheilvoll ablehnen und mit aller Energie sein Ziel nur aus die gesetzliche Festlegung der Zwangsversicherung für die jüdischen Kultusbeamten richten werde. Das Komitee zur Wahrung < der Interessen der jüdischen Kultusbeamten der kleinen Gemeinden. Bähr, Waldenburg i. Schl. Hamburger, Brieg. Karlsberg, Reichenbach i. Schl. Loewenstein, Glatz. Wolfgang, Bernstadt. Brock, Schweidnitz. Ehemann- Namslau. Alexander, Frankenstein. Iospe, Bunzlau. Loewenstein, Neustadt i. Schl. SchefteloWitz, Strehlen. Pulvermann, Forst (Lausitz). Weißrock, Marienburg. Sachs, Guben. H e i d e n f e l d, Schwiebus. A l t m a n n, Arnswalde. Lemke, Kosten. Wolkowski, Wöllstein. Rawitscher- Loebau i. Westpr. Dr. Gallandt, Schönebeck. Steinkritzer, Schroda. Lewinsobn, Militsch. W. Teller, Belgard. Piski, Birnbaum. Joseph- Schestelowitz, Cosel i. Schl. Hellmann, Iastrow. M. Teller, Pasewalk. Hamburger, Eberswalde. Ja- Witz, Münsterberg. Fleischmann, Dt.-Ehlau. Freudenthal, Luckenwalde. Cassel, Spandau. Bloch, Krojanke. Goldberg, Angermünde. Wolfram, Könitz. Sinais Lautenburg i. Westpr. Gabbe, Altberen. Plonski, Hammerstein. Ellgutter. Perleberg: Rose, Sorau (Lausitz). Guttmann, Wriezen a. O. Voß, Neuslettin. Spandau, Myslowitz. Goetz, Ober-Glogau. Wagenheim, Karthaus i. Westpr. Simsohn, Sohrau i. Schl. Bach, Neuwedell. Fleischhacker, Rosenberg, i. Schl. Ackermann, Salzwedel. Regensburger, Aschersleben. Pionkowski, Waldenburg (Nm.). Lasowski, Neustadt b. Pinne. Nathan, Rybnik. Katz, Kiel. Blumenfeld, Meseritz. Pommer, Christburg i. Westpr. Sternberg, Zempelburg. Lewit, Stolp. Kober, Krone a. Brahe Lion Wolfs, Tempelburg i. Pomm. u. Berlin, 12. September. Am Dienstag voriger Woche starb nach längerem Leiden der in weiten Kreisen bekannte und hochgeschätzte Kommerzienrat Emil Hey mann. Er war ein selten bescheidener und gütiger Mensch, der ganz in seinem Berufe und seiner Familie ausging. Er drängte sich niemals in den Vordergrund bei irgendwelchen Institutionen, gleichwohl hielt er es für seine höchste Pflicht, jedem, der sich mit einer Bitte an ihn wandte, zu helfen. Vornehmlich galt seine Fürsorge jungen Künstlern. Kommerzienrat Heymann, der nur 70 Jahre alt wurde, war ein Sohn A. H. Heymanns, des Begründers des bekannten Bankhauses Heymann, Unter den Linden. Die Beisetzung sanb am Freitag nachmittag ans dem alten Friedhof in der Schönhauser Allee statt, wo die Familie Hehmann ein Erbbegräbnis besitzt. An der Trauerfeier - nahmein sehr zahlreiches Publikum teil. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Weiße. Berlin, 12. August. Auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee wurde am 7. d. M. der in Tirol tödlich abgestürzte vr. Ernst Ludwig Pinner zur letzten Ruhe bestattet. Unter den Kränzen, die den in der Kapelle aufgebahrten Sarg bedeckten, befand sich auch ein Kranz der in den Dolomiten wirkenden Rettungsgesellschaft „Fassa", deren Mannschaft den Leichnam geborgen hatte. Mit der gramgebeugten Mutter umstand die Bahre eine zahlreiche Trauergemeinde, in der die hiesige Aerzteschaft besonders vertreten war. Nach Chorgesang ries dem Entschlafenen ein Freund, vr. Simon aus Breslau, -im Namen des Akademischen Vereins für Naturwissenschaft und Medizin'tiefbewegte Worte des Gedenkens nach. Die Beisetzung erfolgte in dem Erbbegräbnis der Familie, wo vr. Pinner an der Seite des ihm vor zwei Jahren im Tode voraufgegangenen Vaters, des Geheimrats Prof. Pinner, seine Ruhestätte fand. 8. K. Berlin, 12. September. Fräulein Ida Cohn in Elmen —; allgemein nur als „Tante Ida" bekannt — ist seit 25 Jahren für die Berliner jüdische Ferienkolonie tätig. Dieses Jubiläum wurde am 4 September d. A in Bad Elmen, ihrem Tätigk-itsorte» festlich begangen. Die Kurkapelle brachte ihr morgens ein Ständchen' und die Ferienkolönistenschar begrüßte sie mit dem Liede: „Gott grüße Dich". Um 1 Uhr fand die offizielle Feier statt, zu der mehrere Vorstandsmitglieder der jüdischen Ferienkolonien mit ihren Frauen aus Berlin erschienen waren- und an der sich Freunde und Verwandte der Jubilarin von nah und fern sowie die Bürgerschaft von Elmen, Groß-Salze. und Schönebeck beteiligten. Nachdem die Kolonistinnen mehrstimmig „Wir treten zum Beten" gesungen, dankte der Vorsitzende des Komitees für Ferienkolonien jüdischer Kinder in