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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-09-08 · Heft 36 (8.9.1911) · p. Seite 432

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 36 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
Seite 432 (sequence 12)
Language
German
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„So?" spottete der Bäcker. „Und der"Reb Hauptwort?" „Das ist noch ein größerer Zadik. Mir können.Die ange reden." - - £ 1 n Umsonst, die Meinungen wären geteilt! Es gab viele, die sagten, der Bäcker habesich unvergängliche Verdienste erworben, andere wieder schmähten ihn. Und interessant tpar i es, daß sich im Mißbilligen die extremsten Elemente begegneten, zum Beispiel Lajtinant Flesch und Berele Beer. „Ist das ein Vorgehen?- ärgerte sich Flesch im Namen der Zivilisation. „Wissen Sie, meine Herren) was die Kultur macht? Äie Kultur hat ihr Antlitz verhüllt und weint." ' - „Eine schöne Person, wenn sie den Bocher beweint", spottete Haschl Ochs- . „Schämen Sie sich Was erwähnen Sie hier solche gemeine Personen?" ,-Herr Ochs!" sprach Flesch mißbilligend, „ich bitte mir das aus, das ist keine Person." „Und wenn es eine Person ist?" meinte Berele Beer, „wenn sie weintdann hat sie Herz und da ist sie jedenfalls eine brave Person." Berels siel es ein, daß auch Blümele geweint hatte, und Blümele war keine Person. Ja wirklich, Blümele weinte) als sie hörte, wie der Rabbi geurteilt habe. Sie weinte wütend, außer sich vor Schmerz. Dann eilte sie zu Esterchem Sie wollte wissen) ob ' diese auch weine. (Fortsetzung folgt.) Litersrilchr MttteUungrn. — Lehmanns jüdische Volksbücherei Band 60.und 61:: Dr. Markus Lehmann, von Dr. Ion Lehmann. Zwei Teile. Verlag von>J.. Kaufmann. - Frankfurt 1910 Preis 50 Pf. . . Eine anspruchslose und. anziehende Biographie, die der Sohn dem Vater widmet. Die Jugendentwicklung wird gut dargestellt, die Zweifel, die den .Jüngling beschlichen, die Frage, ob er Rabbi oder Dichter werden sollte. Sehr interessant ist die.Darstellung des Kampfes um die Anerkennung .der Separatgemeinde in Mainz, die mit einem Siege der Orthodoxie endigte. Sehr hübsch ist die Charakteristik der. beiden Eltern, S. 54 ff. Geradezu ergreifend die Darstellung des Verhältnisses des Biographen zu seinem Vater, S. 84 ff. Vielleicht wird, was dem Sohne nicht sonderlich übelgenommen werden kann, Lehmann manchmal'etwas überschätzt. Ob einzelne Bemerkungen gegen die Neologen nicht milder hätten gefaßt werden können, will ich'dahingestellt sein lassem Im ganzen können auch .wir Vieser, anspruchslosen Biographie.Mistes der eifrigsten Verteidiger der orthodoxen Richtung unsere Anerkennung zollen. . L. G. - ' . . - — Im Kampf um G'o tt. Drei Erzählungen vom Gertrud'Ep-.: stein, Dresden. Heinrich Minden. Preis 3 Mark. ' Die drei Geschichten haben das Gemeinsame, daß Juden irre an ihrem Gott werden, teils durch Liebe, teils durch Haß. In der ersten Geschichte wird ein junges jüdisches Mädchen von religösem Wahnsinn ergriffen; es ist in einen Christen verliebt und wird in dem Moment, da ein jüdischer Bräutigam zu ihr auf Beschau.kommt, der gewöhnlichsn- Welt durch Wahnvorstellungen entrückt. .. Zn der zweiten tötet eim: Schreiber am Versüh.nungstag> sein Kind» aus Zorn gegen. Jehova am Jahrestage, da die Geburt..diesesKindes der Mutter,das Leben : kostete. In der dritten bittet ein'jüdisches Mädchen.in einem rührenden: Briefe ihren Geliebten,, dem sie sich freiwillig hingegeben, ihr Kind wieder zurückzunehmen, da e8 ihm zu» ähnlich sehe^ und da es von ihr, wie sie meint, durch ein Gebet in einer christlichen Kirche am Leben erhalten worden sei. Diese, letzte Geschichte, ist gewiß die reifste und künstlerisch bedeutendste so wenig ich mit den hier geschildertem. Menschen sympathisiere. Es ist prächtig'geschildertwie-dieses Mädchen, das, wie ihre ganze Umgebung), eifrig, dem Zionismus? ergeben ist,) nicht bloß bUrch,.ihre Sprache, sondern durch ihre ganze Stammeseigeütümlichkeit zwischen sich und dem Geliebten eine unüberbrückbare 'Kluft empfindet.' Wie: sie. sich weigert, mit ihm fortzuziehen) einem treuen jüdischen Bewerber, der auch das uneheliche Kind mit in den Kauf nimmt/)ihre. Hand reichen will, als dieser mit ihr nach Palästina zu ziehen gedenkt) wie dann die Mutterliebe stärker als alle Gefühle ist, und wie sie in eine christliche Kirche eintritt, : um d.em kranken Kind, das Leben zu retten. .. . . - Alle diese Stimmungen und Gefühle sind uns vielleicht nicht recht verständlich/' und weün verständlich, nicht, völlig sympathisch, und doch muß man die große Geschicklichkeit anerkennen, mit der die Verfasserin die Dinge ayschaut und die Kraft, mit der sie sie. darzustellen weiß. Die Schilderung der Mutterliebe ist ganz herrlich, und die Figur des unentwegt liebenden jüdischen Bewerbers — eine wahre Brackenburg-Figur — ist meisterlich gezeichnet. L. G. ' .• ' ' - : . ' z ' ' — Der Apostel, ein Szenarium von George Moore. Nach zwei Entwürfen bearbeitet von Max Meyerfeld, verlegt bei Paul Cassierer, Berlin 1911. Preis 1.50 geb. 2.50 Mark. . .: Der kurzeJnhalt dieses Büchleins (das Szenarium umfassen nur 38 Seiten, das übrige, also der größere Teil des Merkchens, ist Vorrede, vgl. unten) l ist der:. Paulus,;der 20 Jahre von dem auferstom denen Christus gepredigt, findet in einem jüdischen Essäerkloster Jesus, der gar, nicht, am Kreuze ^gestorben, sondern in einen. Starrkrampf verfallen war, Er erschlägt diesen, nachdem Jesus ihm auseinandergesetzt. daß weder sein Tod, noch seine Auferstehung, noch eines der von ihm berichteten Wunder, wahr wäre. Dieser Inhalt möchte gar manchem jüdischen wie christlichen Leser seltsam erscheinen, aber das Ganze ist gewiß allegorisch aufzusassen. Es soll, wenn ich den Verfasser recht verstehe, dartun, daß Paulus der eigentliche Stifter des Christentums sei, und daß der feste Glaube dieses hochbegabten Mannes eine Reihe von Märchen zu. .einem System zusammengefügt' hätte, mit. dem die. Welt erobert worden sei.u Beachtenswerter als das Büchlein selbst, das in-,seiner abrupten Form einen seltsamen Eindruck macht) von dem. ich. nicht sagen kann, ob er auf das Konto des Verfassers: oder des Bearbeiters zu setzen, ist, muß die schon erwähnte Vorrede genannt werden. Sie ist das Bekenntnis eines Laien über seme Bibellektüre. Auch hier tritt die Gestalt des Paulus wieder stark* in den Vordergrund; aber auch über das alte Testament werden höchst eigenartige Dinge darin gesagt, die zwar nicht allen gefallen werden, aber doch manchen Stoff zum Nachdenken enthalten. L. G. * — Kulturträger der Gegenwart über die Feuerbestattung. Umfrage, veranstaltet im Aufträge des Verbandes der Feuerbestattungsvereine deutscher Sprache von Else Dormitzer- D o r n, Nürnberg, Wilhelm Tummels Buchdruckerei, Nürnberg. Da auch wir diesen Gegenstand in mehreren Artikeln behandelt haben und die. gesetzgebenden Körperschaften, sich gleichfalls damit befassen, so ist .es interessant, auf die im-Titel genannte Umfrage . hinzuweisen. Freilich haben sehr hervorragende Männer und Frauen sich ungemein kurz gefaßt.: Einzelne Haben einfach auf ihre Mitgliedi schaft in einem Feuerbestattungsverein hingewiesen, manche, wie : Julius Stettenheim, reden:witzig- - andere, wie R. Presber, poetisch. ‘ Adolf Harnack beginnt mit dem sehr merkwürdigen Worte: „Darüber, daß' die christliche Religion die Feuerbestattung nicht verbietet, ist kein ' Wort zu verlieren." Juden ckommen ziemlich häufig zu Worte,' » um nur einzelne anzuführen, so finden Rudolf Mosse und Alexander : Moszkowski keinen Grund zu einem Verbot; Hugo Salus schließt mit : dem'^übschen Worte: „Das Feuer aber ist reim und^göttlich". Und - MaxMordau, der ziemlich wortreich ist, beendet seine Erklärung mit dem Satze: „ Für: die, Großstädter aberdie ohne tiefere Wurzeln-ü ber; dw Erde hin gleiten, ist die Feuerbestattung die ideale Form,, ihrem teuren Toten Ehre zu erweisen und ihre Restevor Unehrerbietigkeit, Vernachlässigung - und:: Mißhandlung -zu. schützen*.. ' ' 1^.6.

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