Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1911)
- Date
- 1911-09-08
- Page
- Seite 430 (sequence 10)
- Language
- German
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Und dcrß auch däS für die/Erfüllungder^Thöragebote! vergossene Märthrerblüt dazu beitrug, die' Thora tri ihrer Totalität zü verklären und jede kritische Wertung ihrer Gesetze für die Praxis abzülehnen, bedarf keiner werteren Begründung. Um so höher muß deshalb der Mut jener vorerwähnten. Männer eingeschätzt werden, die trotz aller Pietät für die gesamte? Thora wenigstens theoretisch den Universalismüs der Propheten bekannten und ihn wissenschaftlich, Poetisch und liturgisch be-! tätigten. Kann somit die hfftorische Kontinuität des prophetischen' Universalismus als erwiesen gelten, so muß es direkt befremden, daß sich aus der Mitte derjüdischenGemeinschaftStimmen erheben, die Nicht nur dem späteren Judentum/ sondern auch dem Prophetismus den Charakter des Universalismüs absprechen'! Gibt es einen schlimmeren Vorwurf gegen das Judentum, das hierdurch aus der Reihe der Kulturmotive gestrichen wird? Wieviel höher stehen doch jene Vertreter der pro-- Lestantischen Theologie, die bei aller Geringschätzung, die-Fe dem Talmud .entgegenbringen, den Universalismus der Propheten als eines der gesichertsten Resultate der modernen Bibelwissenschaft betrachten, und die Jesus nicht besser zu würdigen glauben, als daß sie ihn zum Regenerator des prophetischen Judentums stempeln! Wieviel glänzender käme doch die Originalleistung des Christentums zur Geltung, wenn der Universalismüs seine ureigenste Entdeckung wäre! Wahrlich, die protestantische Theologie müßte mit Blindheit geschlagen sein, wenn sie sich einen solchen apologetischen Triumph entgehen ließe! Und wenn dies nun dennoch der Fall ist, so scheint es doch um die Begründung jener erwähnten Ansicht recht dürftig bestellt zu sein. Sehen wir uns deshalb die Begründung näher an. Man , argumentiert folgendermaßen: Die Propheten fühlten sich als Kinder ihrer Nation und haben gerade aus diesem Kindschaftsverhältnis heraus ihren Berus ergriffen. Das ist zweifellos richtig. Aber weshalb erwählten fie gerade diesen Beruf? Weil sie in ihrer Nation den Uni> Versalismus etablieren wollten. Weil sie den Zukunftsstaat ihrer Nation auf Grundlagen zu errichten trachteten, die mit dem Fundament des ethischen -Allheitsstaates identisch sind- Universalistisch heißt ja nicht — wie bereits am Eingang dieser Abhandlung erklärt wurde — Preisgabe des individuellen Einzelstaates, sondern seine Neuschöpfuug und Umwertung zur ethischen Gemeinschaft. Jeder Einzelstaat soll derartig organisiert sein, daß ihm prinzipiell jeder Mensch, ohne Unterschied der Rasse, der Nation und Konfession ängehören kann. Sv wird jeder Einzelstaat zum Typus des Weltenstaats, des Allheitsstaats. Ja, der Allheitsstaat geht dann dem Einzelstaat direkt vorauf, da die Prinzipien des Allheitsstaates den Einzelstaat konstituieren: Der primäre Weltenstaatkristallisiert sich zum Einzelstaat.- Man wird deshalb stets die Philosophie des „ewigen Friedens" als die Rechtfertigung des- Universalismüs ansprechen dürfen, obgleich sich ihr Urheber als wahrer Deutscher fühltet Man wird den Dichter und den Komponisten des Liedes „An die Freude", des Siegessangs auf die -Einheit; des Menschengeschlechts als Herolde des Universalismus, feiern dürfen, obgleich sie als treue Kinder ihres Bolkes gelten Wollten. : i... Kein Vertreter des Weltbürgertums Machte bei der Etablierung des Weltenstaates an die Kassierung des Heimatsstaates. Aber daran dachten fiedaß ihr. Heimatsstaat die Gesetze des Weltenstaats erfülle, aus daß jeder Einzelstaat den Weltenstaat - repräsentiere. Es schließen sich also - Einzelstaat und Weltenstaat so wenig aus wie Mer:schheit ünd Jndi-r ' vrdrtum: 'Vielmehr --fordern sie 'einänder als^Begriffe kvrreläter Geltung. '' Nur mit ' der' Veseitigüng der' Korrelativn 'enstehön jene kulturfremden Disharmonien, 'deren verderbliche Folgen gerade das Jüdentüm Fr allen Zeiten ertragen müßte. - MWWest nennt einmal das Judentum - ,)Ferment r der DekolliHosttion".! In diesen: Wotten spricht sich gegen f ^di'e tändläufig^ Interpretation — 'die höchste^ Anerkennung R des Universälismüsst wird überall Kr- 8 - Hresid ^ünd 'zersetzend -jenen Gemeinschaften gegenübertreten, f die aus dem BvdeMpartikulavistischer Engherzigkeit stehen, die j jÄW Ehren Krrltuu den Eingäng versperren. Diese spärtiküi, Mristische^ Pchrätike kreißt der ' prophetische UniversülisMüs I Mieder —■; um auf den Ruinen -partikulariftischer Einzeltempel j den Allheitstempel' der Humanität zu errichten. Sv entsteht aus deM FerNerit der Dekomposition die Komposition, wie ( aus dem ÄichtfeiD das Sein, aus dem Leeren die Fülle \ -detMeÄMt.'-D!hne Dekomposition keine Komposition. Ohne s Nniversalismus kein Partikularismus. Das prophetische Juden-1 tum ist das Salz der Erde. Leim Lämpchen. IBiSB Roman von Peter UjvLri: . Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trenesäni. XXL1. ... : Catsächlich war es Herr von Flesch, Lajtinant Flesch. — Lajtinant Flesch bliebauf der Schwelle stehen und grüßte sehr - feierlich.- ' „Meine Hochachtung, geehrte Herren! Ja: Meine Herren. Ich sage nochmals: Herren. Sie haben den Kaftan der Finsternis und der Zurückgebliebenheit abgestreift und traten in die Reihe der Kulturmenschen, wo sich ein Flesch befindet. Der Rabbi glaubt, daß er Sie aus der Welt vertrieben hat. Nun, das ist nicht wahr. Er hat Sie aus seiner Welt hinausgetrieben und treibt Sie in eine andere hinein, wo aufgeklärte Leute sind, wo auch ein Flesch ist. Geehrte Herren, meine Hochachtung!" Liweitzer dankte für die freundliche Aufmerksamkeit. „Das ist nicht meine Aufmerksamkeit," wies jener die höfliche Anerkennung zurück, „das ist die Aufmerksamkeit der Zivilisation, die sich Ihnen in meiner Person "zuwendet. Lajtinant Flesch zählt nicht, nur die Zivilisation zählt. Ich lebe und sterbe für die Zivilisation. Bitte, meine Tochter liest Romane und meine Frau trägt eine Perücke, welche so aussieht, als ob es das eigene Haar wäre. Lajtinant Flesch versteht Sie." .! Mott segne Sie,". sagte . Liweitzer, „wir werden Ihre- Güte nicht vergesserü" - ' ' - „Papperlapapp,^ protestierte Herr Flesch. „Also ist das! auch etwas? Meine Herren, wenn ich wissen darf, wohin gehen . Sie? Nicht ich fräge das, sondern die Zivilisation, die es in meiner Person -wagt, sich : für -Ihre/.Plänezü interessieren." j ' . . . - / ■; -■ *-?5;•='0 „Wir gehen naöh Berlin, Herr Flesch," - sagte - Liweitzer::! In Herrn Fleschs Äugen erstrahlte die Begeisterung: /! „Nach Berlin?. Wo ein Voltüire gelebt hat?'WoeiN! Kotzebue gelebt -hat? Wo ein Lessing/ seinen /, Nathan der! Weise" geschrieben hat.?'Meine Herren/Sie-segeln in das.' Meer der Kulürr. : Glückliche/RMMmeine^Herren^;gNcklichei Reise. Und wmn die höchgehenden Wogen - der Bildung IHM