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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-09-08 · Heft 36 (8.9.1911) · p. Seite 429

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 36 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
Seite 429 (sequence 9)
Language
German
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429 // G ehißte: der Logik., und der Ethik: Auch das vollendetste Kunstwerk, ist nur. ein Ansatz jener Vereinigung, die Aufgabe und immerdar Aufgabe bleibt.. i;, - So -fordert -es. der Charakter der Reinheit. ,' , .. . /. 5 Ganz;!.anders jedoch,, verhält es /Pch mit letterKunst- .richtuug,. die,;.sich nicht aus. das reine, .sondern/aus das Fm.piri-sM Gefühl stützt, D.iese Ärt des Gefühls, lehnt jene PereinigWg^zwischen Natur und Ethik schon deshalb ab, weil ihr-die..Einheit, zwischen Sollen und Sein von Hause aus /auf Grund - pantheiftischer Erwägung gegeben scheint Die empirischei Kunst hat...also/ weder die ( Aufgabe,. - den /Natur» gegenständzum; symbolischen Durchgangspunkt ethischer Forderungen zu erheben-, noch /die ethischen Ideen in das Reich,- des - Diesseits zu versenken.. 'Vielmehr will. sie den Gegenstand - als . solchen .in . seiner, empirischen. Bedingtheit kopieren ^und mit...dem Stimmungszauber ^des Gefühls um* weben. . ..Der< Gegenstand ist also nicht Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck./ Von. ihm bezieht die Kunst ihre Direktive, er konstituiert ihren Inhalt, ihre Tendenz.- Ist beispielsweise der Gegenstand ethisch minderwertig — und in gewissem Sinne ist es jeder Gegenstand —, so bildet gerade die Apotheose seiner ethischen Minderwertigkeit das Ziel künstlerischer Gestaltung. Da nun weder die Ethik restlos in das. Sein aufgeht, noch das Sein eine völlige Idealisierung zuläßt, so erweist sich diese Art tendenziöser. Kunst als eine Verfälschung des ethischen Ütrd logischen Bewußtseins. Danach ergM'sich für die Aesthetisierung, das heißt die gefühls mäß ig e Erfassung des Ritus, folgende Alternative: Entweder bilden/ die Riten ein Motiv für die Kunst des seinen Gefühls, dann führt gerade ihre künstlerische Verklärung, zur Auflösung, ihres Wirklichkeitswertes; denn der . idealisierte Ritus ist so wenig identisch mit dem wi-rk» plichen Ritus, wie der ästhetisierte Gegenstand mit dem wirklichen Gegenstand. > - Oder es bilden die Riten ein Motiv für die Kunst des empirisch en Gefühls; dann bleibt nicht nur ihr ethisches Manko bestehen,, sondern es bildet auch ihre künstlerische Gestaltung eine Versündigung gegen den Geist der Kultur. Damit dürfte die Berufung auf das Ge fü hl.bei der Rechtfertigung ethisch verfehlter Kulturgebilde als zwecklos erwiesen sein. 3.. Das Judentum hat ferner über die Reinheit der G o t de s i d e e zu wachem In prophetischer Vorschau hat uns hier Maimonides den. Weg gewiesen : Nur ethische Attribute dürfen 8er Gottesideezugesprochen werden Enthalten diese Attribute doch jene Forderungen, m deren allmählicher Erfüllung, sich die 'Weltgeschichte als das Machtbereich Gottes! konstituiert. Alle/ anderen .Attribute sind der. Natursphäre' entnommen und machen aus der ethischen Gottesidee den P Substanzbegriff des Pantheismus. Betrachten wir Gott als Ursache der Welt,, so ist er einGott des Guten und des Bösen; seine ethische Einheit ist gebrochen. Deshalb darf der Gott des Monotheismus nur als Schöpfer der sittlichen' Welt, des Gottesreiches' auf'.Erden: gewertet werden. Die Richtigkeit dieser- Auffassung wird durch Jdsajah 45, 7 bestätigt/ wo sich Denterojesajah/in polemischerKkmmmnggegen den Parsismus das Geständnis abringen läßt, daß Gott „den Frieden bewirkt und das Böse/schafft", Lvährend die Liturgie, das Anstößige' dieser Schlußfolgerung fühlend, an StÄte-r/des/ „Bösen" das' ,,^> ll" .setzt. Wetrn aber Gott nur der "Inbegriff eth isch e r Relationen' ist, so ' ist' dämit 'auch das "Werturteil über' dem Gesetzescharakter des Ritus.gesprochen.. .Stände , her, Ritus aus--dem Niveau, des. allgemeingültigenMoralgesetzes, . so müßte, Gott auch, der Inbegriff rituell er Vorschriftensein —^eine/ Konsequenz, die. drastischgenug die.echische Fehlerquelle desjs Ritualismus bloßlegt. Dabei kann nicht scharf genug betont! werden, haß die Id e ali si eru n g des; Gottesbegriffs sowohl den Forderungen der Propheten als. * auch der Religions- Philosophen entspricht. Gewiß soll nicht. bestritten werden, daß der Gottesbegriff der Propheten nicht auf den logischen Wert der Idee . Anspruch erheht. Aber der.Ldeencharakter ergibt sich spielend.von selbst, wenn.man.die. Grundforderungen des' prophetischen Gottesbegriffs /miteinander vereinigt. Der Gott der Propheten ist ein transzendentes und ethisches Wesen, und nur kraft seiner Transzendenz vermag' er >ie-v ethisch - vollkommene Zeid des Messianismus heraufzuführen.. Mithin er-| gibt sich ungesucht der Schluß: Die Transzendenz/Gottes ist | der Grund für die Immanenz der Sittlichkeitd. hdie Gottesidee bewirkt die Realisation der Ethik. > I So dürfte der Beweis erbracht sein, daß sich das Judentum zur Kultürreljgion schlechthin, erheben läßt, wenn es im Geiste seiner prophetischen Grundsubstanz/ den Forderungen der universalistischen Allheitsethik Erfüllung gewährte Ein Gefühl des Stolzes, und der Ehre muß jeden- Juden dewegenwenn er sieht, wie sich seine Religion in. ihrer Grundstruktur erhält, obgleich sie sich einem /fortdauernden Jdealisierungsprozeß unterwirft. Denn die logisch begründete Allheit bildet nur in formal-begrifflicher Hinsicht eine neue Forderung. Inhaltlich aber hatte das prophetische Judentum diese Forderung schon längst erkannt/und wer-- kündet. Ja, auch das' nachprophetische Judentum, seine Denker und Dichter haben häufig genüg dem prophetischen Zuge der universalistischen Allheitsethik Rechnung! getragen'. Man halte sich nur die, Wertunterschiede vor Augen, die Ahraham ibn Daud an den Geboten der Thora vornimmt: „Aber die Gebote, , deren Gründe nicht vernunftgemäß sind, deren Stufe ist sehr niedrig gegenüber "denen des Glaubensi" Und von den vernunftgemäßen rühmt er: „Sie vereinigen. Menschen verschiedener Glaubensformen, die nach ihren Traditionen einander widersprechen,' Lügen strafen und verachten, indem sie ihre Gedanken vereinigen zu einem Staate wie zu einem Körper." Man denke an das maimonidi.sche Prinzip der-„Selbstvervollkommnung", das die Ethik als eine ewige Aufgabe unendlichen Inhalts deklariert. Man vergegenwärtige sich die Kühnheit eines Levi ben Gerson, der die Wunder nach Yen Forderungen der Vernunft korrigiert wissen will, dem die Materie als anfangslos gilt. Man blicke aus den Dichter Jmanuel. Romi, der an der paradiesischen Seligkeit nicht nur die frommen Juden,'sondern auch die frommen Heiden partizipieren läßt, während sein Meister Dante nur frommen Christen. dies Recht.zubilligt. Man /betrachte die- Reihe jener Alltags- und Festtags gebete, die dem. Wunsche einex universellen, Einheit des Menschengeschlechts .so tief empfundenen Ausdruck, verleihen! /Man denke an? die. Buß? gebete ^des VersöhnungStages; die durchaus nur - auf -sittliche Verstöße Bezug nehmen!. > , Darf -man dann - immer noch dem prophetischer^ Üniver-- salismusdas. Recht der Berufung auf historische-Kontinuität versagen!:, Wohl ist-es'richtig, daß. dieser universahstische. Grundzug -neben dem', partikularistischen .parallel einhergeht.. Äber.man halte doch diesem Dualismus die TatsaHe zugute; daß sich zwischen Prophetismus und PartikularKrnus die. Werarische.Fixjerung/der-Thora.:einschiebt, die den KMus. auf die-Wertstufe der-Moral. erhebt, weih beide angeblich aus einer und derselben göttlichen Instanz: fließen, .während es anderseits andemhistorisch-kritischen Apparat gehrach,die.Priorität des.- Prophetismus /.gegenüber , den. Kultzrs».-..und;Polksgesetzey^ zp erkenyem,' . .

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