Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1911)
- Date
- 1911-09-08
- Page
- Seite 425 (sequence 5)
- Language
- German
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die Wogen der Erregung besonders Hoch-gehen,'durchs konnivente Politik-auch diese zu. glätten. - : Man muß ihn an der Arbeit sehen, diesen wetterfestenin Stürmen erprobten Steuermann, an der schweren komplizierten Arbeit, welche es in der reichverzweigten Verwaltung eines so großen, mit den vielfältigsten Aufgaben/betrauten Gemeinwesens zu verrichten gibt. Da ist er trotz seiner Jahre der erste und der letzte am Platze; nicht die kleinste Agende entgeht seinem Augenmerk; keinem Angelegenheitwelche die Glaubensgemeinde betrifft, sei? sie noch so geringfügig und dem Geringsten seiner Glaubensbrüder eigen, möchte, er-aus seinem Wirkungskreise missen. Die Wohlfahrt der zahlreichen jüdischen Bevölkerung unserer Stadt, ihre geistigen und sittlichen Güter, ihre kulturellen Interessen stehen ihm obenan, nicht weniger aber liegt ihm die Unterstützung und Förderung der Armen und Kranken, die Festigung der finanziellen Tragkraft der Gemeinde, die große Stiftungsvermögen verwaltet und deren jährlicher Etat nach Hunderttausenden zählt, unablässig am Herzen. Der Druck, der auf seinen Glaubensgenossen lastet, die bitteren Kränkungen und empfindlichen Zurücksetzungen, die ihnen widerfahren, fühlt er als persönliche Unbill und eigene Schmach- und wo es gilt, sie abzuwenden und abzuwehren, diese Leiden und Schmerzen zu lindern und zu heilen, da reckt und streckt sich dieser Mann zu ungeahnter Höhe, da steht er an der Spitze der unerschrockensten Kämpfer und Helfer, tut es dem greisen Führer niemand zuvor. Seine Initiative ist unerschöpflich. Um Neues zu schaffen, gönnt er sich keine Ruhe und Rast.. Er will seine Gemeinde immer größer und^ ansehnlicher machen, die Stellung der Wiener Glaubensgenoffen im Staatsleben bessern und heben, ihrewi Gemeinsinn ' fördern, ihre Eintracht festigen und ihren Einfluß stählen. Er hat den Gemeindebund ins Leben gerufen, hat die Wohlfahrts- und Fürsorgeeinrichtungen der Wiener Gemeinde wesentlich vermehrt, hat für die Ausgestaltung und Erweiterung des jüdischen Spitals, unter vollem Einsatz seiner.persönlichen Geltung Außerordentliches geleistet, hat durch Erwerbung eines beträchtlichen Komplexes den. Bestand des Friedhofes auf absehbare Zeilen gesichert, und .-an dem Neubau, eines repräsentativen Verwaltungsgebäudes und eines monumentalen Gotteshauses, würdig der. Stellung und -Bedeutung der Wiener Judenschaft, arbeitet er mit heißem Atem, um so seinem segensreichen Schaffen die Krone aufzusetzen. Mitschöpfer des jetzigen Gemeindestatuts, . hat er zur Kräftigung des Gemeindesäckels den Gedanken der höher besteuerten Kurie geboren und trotz der vielfachen Anfechtungen mit aller Zähigkeit an dieser Institution festgehalten, doch auch erkennen lassen, daß er einer etwaigen zeitgemäßen Ausgestaltung. der Gemeindeversaffung nicht gerade abhold sei. Daß er der Pflege des Unterrichts und der gottesdienstlichen Einrichtungen durch Berufung hervorragender Gelehrter, Rabbiner und Meister des Tempelgesanges wirksamst gedient hat, erhöht, die ihm entgegengebrachte Dankbarkeit. So ist er voll und ganz in das Leben seiner Gemeinde hineingewachsen, hat er es auf. allen Gebieten gedeihlich befruchtet, die Würde und die Ehre der Gemeinde und ihrer Angehörigen eifersüchtig und treu behütet und pewacht- Sn ist er den jüdischen Bürgern dieser großen herrlichen Stadt? eine ehrfurchtumfloffene, patriarchalische, Gestaltder an. Kraft und Lebendigkeit die . Last der Jahre nichts, anzühaben vermochte, ein starker Sachwalterdeffen Geist die Erfahrung geläutert und geklärt hat, dessen- Ecken und Kantensich in langen Kämpfen geschliffen, deffen Wille? Festigkeit mit Einsicht und Milde paartdeffen Selbstlosigkeit ' und Wohltätigkeit zum Vorbilde' gereicht, ein Mannder Achtung gebietet und zur 4 Ehrerbietung zwingt- und dessen Wirken unvergänglich ver- M Hunden ist mit der Entwicklung und dem Gedeihen der | Wiener Judengemeinde. Tausend Herzen werden ihm an H feinem Jubeltage entgegenschlagen, tausend Segenssprüche? Z ihn geleiten, und so sei auch mit diesem Gedenkblatte der ..-J Name des Präsidenten Dr. Alfred Stern liebevoll bekränzt. K ' -t&m, ' 3 heutige Juden. Zuckerkrankheit und kallenkrsgr. '.'s Von Mr. Hermann Neümanm-Potsdam. : ' Fl., der Verfasser von .-Heutige Juden. Zuckerkrankheit und Raffenfrage", in Nr. 26 der „Allgemeinen Zeitung des £ Judentums" vom 30. Juni 1911weist auf die möglicherweise absichtliche Verquickung von „Zuckerkrankheit und Judentum" in Z dem doch sonst so ausgezeichneten, hochgeschätzten und darum so sehr verbreiteten Spezialwerk über Zuckerkrankheit von * Professor Earl v. Noorden hin; nur wittert er in dieser Verquickung den Hauch des Antisemitismus oder doch die Ab- < sicht einer Herabsetzung der Juden hinsichtlich ihrer Konstitution. Zumal wohl deshalb, weil eine ganze Reihe politischer Zeitungen aus dem Noordenschen Werk fast ausschließlich die | die Juden betreffenden Angaben sowohl hinsichtlich der Verd breitung der Erkrankung gerade unter ihnen, wie hauptsäch- / lich solche hinsichtlich der Schwere und des Ablaufs immer in / nicht gerade günstigem Sinne bringen. / . .. Ich will hier hinzufügen,' daß dieselben Auszüge fast . Mrtlich.-'Ichön.^diele Jahre ''früher von den jüdischen Aerzten Ä?8MUlm---'Äernberg-'-' Martin Engländer, Heinrich Spiegel in / dLren Vörträgen wiedergegeben waren. j d- Mich freut es, daß Herr Fl. selbst schon den ungeheuer- / lichen und häßlichen Verdacht, als ob' v. Noorden erst nach ■ seiner Uebersieölung' von Frankfurt a. M. nach Wien den Mut gefunden Hätth.^ ftine Behauptungen über die Minderq Wertigkeit der Juden^uszustellenals völlig unbegründet und erdichtet zurückgervieHr hat; v. Noorden steht als Gelehrter i doch -viel zu hoch, als daß er nichtswürdig Behauptungen -■% gegen seinn Ueverzeugüng aufstellen würde oder gar heim- Z tückisch verfahren könnte. ' H Ja, es muß mit allem Nachdruck hervorgehoben werden, daß v- Noorden wie in seiner früheren, jetzt in.. der letzten, im M Jahre 1910 erschienenen 5. Auslage seines Buches sein vv4 statistisches Material mit noch eben denselben bekannten Besi Hauptungen , und Folgerungen wieder aufbaut „auf. die -Jj Summe der in der 4. Auslage verwerteten Fälle", das heißt 3 jener — von Fl. bereits erwähnten Zusammenstellung aus Frankfurt a. M. Dagegen halber bis heute noch immer nicht S diejenigen Fälle, welche er nach seiner Uebersiedlung nach A Wien' zu behandeln gehabt- und welche etwa 1500 weitere 4 Fälle umsaffen, aus Mangel än Zeit für die Statistik ver- -‘. M werten können. — Das Resultat dürfte bezüglich der Juden unverändert bleiben. ] Jene Zeitungen verfolgen mit der Wiedergabe der Noordenschen Darlegungen meines Erachtens vielleicht viel weniger antisemitischewie rein geschäftliche und humanitäreZwecke, nämlich die erkrankten Juden noch mehr als bisher und noch J früher der geregelten Behandlung zuzuführen^ ein Beweis hierfür di geben uns die obenerwähnten: jüdischen Aerzte, welche fast H dasselbe zu erreichen suchen. ' 1 Jedenfalls scheidet v. Noorden für den Arzt-ganz, ans in d der Frage der Verquickung von Diabetes und Judentum. GS H