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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-09-01 · Heft 35 (1.9.1911) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 35 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
Seite 420 (sequence 12)
Language
German
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Der Aermste hatte Angst, daß man seiner verwitweten Mutter das Gnadengehalt der j(Bemetnhe entaic^cn ^etb^; : was zweifellos eine unbegründete Besorgnis war, denn ^i'e dortigen Leute sind zwar sehr streng in religiösen Dittgen/; aber herzlos sind sie nicht. - - Der Abend nahte. Die Burschen hockten auf ihren Listen und Bündeln ivie. die Auswanderer. Sie erwarteten Liweitzer. . Bei jedem Geräusch hoben' sie die Köpfe. Jemand rumorte draußen, doch das war^Lante- Vreircht/.^-dre^Ärübt.. rin--uyd ausging und auf ihre Art dem Bäcker fluchte: „E soll ewade nix gehargat wern." Was soviel hieß, daß jener böse Mensch zwar verdienen würde, totgeschlagen zu werden, sie es rhm aber darum nicht wünsche. Doch wird er schon den Baum finden, auf welchem er baumeln wird.' * - . „Sind sie zu Hause?" frü'g jemand draußen. „Zu Hause?" antwortete Tante Breindl, „haben sie denn ein Heim? Aber darum können Sie hineingehen, Bocherleben." Srole Posbenak trat in das Zimmer., Er war bleicher als die armen Aus gewiesenen. Er hatte ein kleines. Päckchen unter dem Arm und war in großer Verlegenheit. 57 „Ich bin da vorbeigegangen," entschuldigte er sich, „also habe ich mir gedacht, ich schaue zu Euch herein. Wie, wenn Ihr auch mitkommt, dachte ich mir." „Wohin?" „In den Tempel." Die Burschen lächelten traurig. Er wagt es nicht, sie in das Beshamedresch zu rufen. „Kommt Ihr?" Heilmann schüttelte den Kopf. „Ich möchte mich zu Tode schämen," sagte er leise. , Srole Posbenak hüstelte und meinte, er ginge dann allein. Das Päckchen legte er furchtsam auf den-Tisch.- . „Es ist nur ein Brot," sagte er verschämt. „Ich Habens in MLny bekommen und in Keszi bekam ich auch eins. Bei mir würde es nur vertrocknen, also hab^ ich mir gedacht, es wird für Euch gut sein. Ich habe mir das nur so gedaM" Die Burschen' antworteten nicht. Die Rührung schnürte ihnen die Kehlen zu, so daß sie kein Sterbenswörtchen heraHbringen konnten. Srole Posbenak ging fort. Vor der Tür begegnete er Liweitzer. „Seid Ihr fertig?" fragte Liweitzer, als er in däs Zimmer trat. Die Burschen zeigten auf ihr Gepäck.; „Sehr gut, in einer Stunde können wir gehen." „Wohin?" srug Heilmann. „Ich gehe nach Berlin-" sägte Liweitzer. . "5' „Und wir?" „Ihr könnt auch dorthin gehen.". „In. das Seminar?" . .• „Wir müssen noch sehr, viel lernen, bis man uns in das Seminar aufnimmt. Doch mit Ausdauer können wir. es erreichen." . V .'.: - „Und wir werden Kosttage essen?" „Nein. Ich wenigstens nicht. Wer sich auf das Leben ernstlich vorbereiten will, soll sich nur auf die eigene Kraft stützen." „Und wenn wir hungern werden?" „So oft als Ihr Euch hier gesättigt habt, werdet Zfhr auch dort satt werden können Also, wie Ihr wollt. Ich gehe dorthin." - „Ich gehe mit Dir," sagte Heilmann. Auch die anderen erklärten, mtt^ ihm gchen zu wollen ' „Nun^denn,,lastet uns beten und dann gehen wir." Sie stellten fichg^gM Osten und beteten leise. Als sie. fertig-waren, giugMMer^ie Tür. auf. „Belieben Sie nur, Herr vorn HLM/^fagts^Tänte Wreindl. (Fortsißsing solgLE-^ - Litrrarilchr Mitteilungen. — M ü n z m e i st er Li p p o l d. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte des Mittelalters Nach urkundlichen Quellen bearbeitet von Rabbiner Dr. A. Ackermann. Frankfurt a. M.. Verlag von I. Kauffmann. 191Y. Preis 3 Mark. (S.-A. aus dem Jahrbuch der jüdisch literarischen Gesellschaft, Band 7.) ' Der Verfasser .hat viele bisher nicht, benutzte Aktenstücke im geheimen Staatsarchiv zu Berlin, im Haushaltsbuch zu Charlotten» bürg, in Archiven zu Brandenburg und in der Bibliothek von Wolfenbüttel benützt; in den Beilagen werden manche dieser Aktenstücke und ein Gedicht, dessen Vorlage (Einblattbruck) die Münchener Bibliothek^ verwahrt, über das tragische Ende Lippolds zum Abdruck gebracht. Es handelt sich in dem Buche um den bekannten aus Präg stammenden Juden Lippold, der etwa- 1550 in die Mark kam, zu-dem Kurfürsten Joachim II. in nahe Beziehungen trat, von ihm zum Aufseher über alle Juden der Mark, zum Steuererheber und Zum Schatullenmeister erhoben wurde, auch die Gelder für die galanten Passionen des Herrn aüszuzahlen hatte. Seine von dem Verfasser unserer Schrift fleißig benutzten Kassabücher geben über den Luxus des Fürstest sehr wichtige Aufschlüsse." Ackermann sucht Lippold von manchen Vorwürfen zu reinigest) die ihm von. späteren - Historikern gemacht worden sind. Er zeigt, daß der Haß gegen jenen hauptsächlich infolge seines Glaubensbekenntnisses entstand, jedenfalls dadurch genährt wurde und stellt ausführlich dar, wie Lippold nach dem Tode Joachims II. wegen verschiedener Vergehen, besonders der Vergiftung Joachims II. an geklagt, verurteilt und hingerichtet wurde (1563). Der Verfasser, er weist wie übrigens schon vor ihm der wackere Historiker König und andere getan,, nach, daß Lippold der gewiß kein Tugendspiegel war, an den Verbrechen, die ihm zu» geschrieben wurden, unschuldig, jedenfalls an dem Tode des Joachim II. absolut unbeteiligt war und hauptsächlich dem Aberglauben. und der^Rachsucht seiner Gegner zum Opfer fiel. Die Schrift ist ganz lesbar geschrieben) manchmal freilich mit etwas überflüssigen Deklamationen und erhält vor allem Wert durch die./km Anhänge mitgeteilten Urkunden. Warum aber wird ein Vorgang aus dem Jahre 1573 als ein dem Mittelalter angehöriger bezeichnet? L.G . Sehr geehrter Herr Redakteur! ^hre interessante Veröffentlichung über Noah, in Ihrer jüngsten Nummer veranlaßt mich. Ihnen einen Ausschnitt aus meinem Katalog 13 zu senden. Sie werden daraus ersehen,?daß Noah seine Ansicht später geändert hat:. " 2622 N.o ah, Maj o r M. M.. Beweis, daß die amerikanischen Indianer die Abkömmlinge der verlorenen Stämme Israels sind. Altona 1838. . . . Sehr seltene, Hochinteressante Schrift, in der der Verfasser, ein amerikanischer Major, aus ihren religiösen Sitten, ihrer Sprache und sonstigen Lebensgewohnheiten, die denen der .Juden ausfallend glichen, den Nachweis zu erbringen sucht, daß die Indianer Abkömmlinge der verlorenen Stämme Israels seien. — Nicht ohne pikanten Reiz ist es, daß sich der Verfasser am Schluffe seiner Schrist als Zionist entpuppt, der die Erwerbung von-Syrien für Juden verlangt und hofft, „daß noch einmal sich entfalten die Fahne Judas auf dem. Berge Zion". Dies 60 Jahre vor Herzl! Berlin, 18. August 1911. . . ' Hochachtungsvoll; . . Louis Lamm) Buchhändler. «dS-»

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