Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- Seite 419 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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hier dem historischen Geiste entsprochen, aber NM.so weit, als dieser Mehrheitsgeist mit dem Allheitsgese.tz im Einklang ' steht. Ein solches Verfahren Nennt d.er idealistische Erkenntniskritrker: systematische Begründung einer historischen - E.rscheinung. Und kein historisches Gebilde darf sich einer solchen 1 Begründung entziehen, wenn es sich als aktueller Kulturwert behaupten will. . Welches ist also die Fundamentale Substanz ^des Judentums, die eine solche philosophische Begründung: erträgt? Offenbar muß diese Substanz von vornherein auf den Allheitscharakter angelegt sein, und Eine solche Substanz besitzen wir tatsächlich in dem prophetischen Messianismus. Der Messianismus enthält den Glauben an die Erfüllbarkeit der Ethik auf Erden, an die Möglichkeit der Humanisierüng der Weltgeschichte. Den Garanten einer solchen Erfüllung bildet die Gottesidee. Also stehen Ethik und Gottes.begriff in einem streng korrelativen Verhältnis zueinander: So wenig eine endgültige Erfüllung der Ethik ohne Gott möglich ist, so wenig können Gott andere als ethische Attribute b.eigelegt werden, wenn er nicht zu einem dualistischen Prinzip herabsinken soll. Sind aber diese Voraussetzungen zutreffend, so ergeben sich folgende Konsequenzen: 1. Das Judentum der Zukunft kann nur dann den Wert eines Kulturmotivs beanspruchen, wenn es dem Geiste seiner prophetischen Grundsubstanz, der universalistischen Allheit konform ist,, wenn es also in der Verbreitung der Allheitsethik an seinem Teile die Einheit der Menschen konstituieren Hilst. Es hat also darüber zu wachen, daß in allen Institutionen des öffentlichen und privaten GemeinschastslebenS der Geist der Allheit als Fundament der Entstehung und Erhaltung gilt. Es ist keine seiner schlechtesten Funktionen, wenn es gegenüber dem Christentum als^ dessen ewiger Ansp orn einer d au e rnd en S el b str e v isio n er - schein t. Das ist auch eine messianische Aufgabe des Judentums, und für eine solche Aufgabe zu kämpfen und zu leiden, ist des Schweißes der Edlen wert. 2. Damit sich aber diese eminent sittliche Aufgabe in ihrer ganzen Reinheit erhält, hat das Judentum mit aller Entschiedenheit solche Aufgaben abzuweisen, die ihm.den Charakter einer Partikularistischen Mehrheit aufprägen und ihm hierdurch den Weg zur Allheit versperren: Keine rituelle Form darf sich als Gesetz behaupten wollen; denn der Gesetzescharakter verleiht den Formen partikularistischer Gemeinschaften, das heißt den Riten, unbedingten absoluten Geltungswert und verhindert dadurch die endgültige Versöhnung des Judentums mit der sittlichen Gemeinschaft der Allheit. ' (Schluß -folgt.) | Leim Lämpchen.!Sre«jL,’j*g Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencsäni. ' xxx. . :‘ den Juden dD Finsternis entrissen hat, -um ihn ins Helle Licht zu setzen. Rebbe, mit allen meinen Fibern lebe ich für das Judentum, für die jüdische Wissenschaft, doch ich würde sie stückweise Herausreißen, wollte sie sich nicht gegen die frühere, ererbte Stumpfheit auflehnen. Rebbe, ich will arbeiten. Hier lerne ich nur. Für mich ist dieses Lernen eine Wonne, doch was nütze ich damit meinem Volke? Mache ich es .damit geachteter? Gestählter? Widerstandsfähiger? Rebbe, wardeirn das Judentum wirklich immer so? So per" külnmert,-sy schlaff? Rebbe, ich will lernen..." „So wie Mendelssohn?" fragte der Rabbi Mt Heiserer Wmm.e. : „So wie diesenigen, w.elcheshn pexstanden haben." .Der Rabbi erhob sich. .Jetzt zitterte er nichdmehr. Hoch aufge.richtet, hart .und fest stand -er ha. .Mit .ge.radegestre'cktem Arm wies er auf Me Tür hin.: „Dann gehe!" donnerte er.unversöhnlich. Hiweitzer senkte den Kopf, .vielleicht, .damit man seine herpo.rqu.ellenden Tränen nicht sehen möge und entfernte sich mit langsamen Schritten. „Rebbe," sprachen jetzt vier Bachurim zugleich, „wenn .er.es verdient hat, sp haben wir es auch verdient. . Wir haben zusammen gelernt." Der alte Mann sank auf den Sessel zurück. Er.wollte sprechen, doch er konnte es mcf f. Stumm, gebieterisch deutete er -nach der Tür. Still und betrübt zogen Tante Breindls Bachurim ans dem Beshamedresch hinaus. Der Bäcker triumphierte und die Spröder Leute .getrauten sich nicht zu sagen, daß er den Triumph nicht verdient habe. Jetzt konnte auch Liweitzer .das Wunder nicht mehr in Abrede stellen, denn ihm w.ar .ja .das größte begegnet. Man hat ihn ausgestoßen, weil er mach mMchlicher Keife gestrebt hat. Und daß man jemanden heutzutage deswegen verfolgt, das ist in der Tat kein gewöhnliches Wunder. Liweitzer beklagte sich nicht, und auch seine .Gefährten beklagten sich nicht. Die Strenge des Rabbi überraschte sie nicht. Sie dachten oft genug-an diese Eventualität, wenn sie tu Tante Breindls Wohnung heim Schein des Oellämp.chens nicht den Talmud, sondern fremde Wissenschaften studierten. Deffenungeachtet kann -man nicht sagen, daß ihnen die Maßreglung nicht weh getan hätte. .Es. tat ihnen sehr. weh. Der Schande halber und -auch aus anderen Gründen. Eine solche Sache bleibt nicht geheim. Die Kunde dapon dringt bis nach Nagh-MilM). nach Bilke, nach Tiszafüred, nach Liszka, nach Huszt, ya-ch Zb.oro, und überall gibt es jemanden: einen armen Krämer, Hausierer, Schneider, der sich beide Augen ausweint, wenn er hört, daß der Sohn den heiligen Wissenschaften abtrünnig geworden ist. Mendl Heilmann suchte still seine Habseligkeiten zusammen. Er besah nicht viel, doch ging die Arbeit langsam vorwärts Totenbleich lehnte er sich an den Tisch und seine Lippen bewegten sich leise. „Man wird dem Armen die Kabole^) wegnehmen." Was er da sagte, war kaum vernehmbar, doch sie verstanden es. Sie verstanden es mit dem Herzen. Sie wußten, an wen er dachte und welche Sorge sein Antlitz erblassen machte. Bald wird man in Raczserte erfahren, daß man ihn des deutschen und, ungarischen Studiums überwiesen habe und dann wird man seinen armen Vater, der dort Schächter ist, des Amtes berauben, denn die Unwürdigkeit -des Sohnes macht auch ihn des heiligen Berufes unwürdig. Ach, dort nimmt man die Religion gar nicht spaßhaft und nach dem Prinzip der stusenweisen Verantwortung straft gnan für. den Sohn den Vater. Offenbar herrscht-in Hodäcz dieselbe Auffassung, denn Mord che Danzinger seufzte tief auf: „Meine arme Mutter!" -Das zmn MchKchEen befähigende Diplom