Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- Seite 411 (sequence 3)
- Language
- German
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zu besuchen.: NovdhaUseni Ittfgfc bekmirrttich iw der Ke oD tzn-z Sachsen." also' - iw. bertt* Bereiche des^ ßvNrWcheü Kultus^ ministdriumK:- Sollte diese' Entscheidung in dÄn» Spezialfalle unbeanstandet bleiben, so wätt es: nichtuüinMessant darcluf hinzuweisendaß: die Kö niglrch sächsi s che- Regierung ebenso wie die Regierung, Württemberg-, Anhalt-Dessau- und einiger anderer deutscher Bundesstaaten eine andere.devchieverwähnten entgegengesetzte- Stellung: eingenommen Haben- Nach? einem' Erlaßdes Königlich^sächsischewKülMsMiNiMriÜMM Sd'ck 6° De^ zember 1909z: B: „Hadem dik' KirekklbNeN' Ler'MheiM MOv-' richtsäNstttlten auch bei' dem über 14 Zahr^ ckßtzen Fchütern den Besuch d'e^ M'tL'gMssüErrMl^' iü' HreÄ" Bekenntnisse m dem Smne als obligatorifH zu behandeln,. 6aß dieselben zum regelmäßigen Besuche dieses llnterriMes seitens dex Änstaltsdirektionen anzuhalten sind, daß fernerdie Direktionen verpflichtet sind, am- Schlüsse eines jeden- Schulhaldjahres: von diesen Schülern die Vorlegung .eines Zeugnisses-des-israelitischen Religionslehrers' über den ordnungsmäßigen! Besuch) dieses Unterrichtes eiuzufordern, unddaß die" W'w dE> israelitischeW Religionslehrer erteilten RellgionszeNsüren iw Me' Schütze nsstreM aUMnommeA MerdeM^ Und iw Des'süw ist'bekanntlich durch Verfügung der H'erzoglichew Regierung vom 11. Februar 1910 der israelitische ReligionsünterrichNan a tl en höheren Lehranstalten als obligatorischer Lehrgegenstand' mit Metz Wo'cheü'Mnde'w eiNgeführl tvdtde'N Und gilt' als ein der evangelischen Religion gleichwertiges' Prüfungsfach sogar bei dem Äbiturientenexamen. — Zn Preußen-scheint es übrigens an einer einheitlichen Norm sürdiese- Fragebislang noch zu fehlen. Ueber die Abwanderung den Juden aus den öst^ lichen Provinzen brittgtz „Die Ostittark"-.-.Mo'ttrrtME Deutschen Ostmarkenvereins', einen beachtenswerten Artikel von'I. Nickel, dem wir folgendes entnehmen: Als man-Ende. der.80er Jahre sich, entschloßdem-unaufhalt-' samen Vordringen des Polentnms in den östlichen Provinzen ent> gegenzuarbeiten, war man sich sofortklar darüberdaß. es vor«allem gelte, die erschreckend hohe-Abwanderung-, der deutschen Bevölkerung-, einzudämmen. Obwohlauch, einenicht unbeträchtliche-Abwanderungvon Polen namentlichnach, den rheinischen^ Jndustriebezirken statt-' fand, so hatte doch das Äbwanderungsfieberbesondersdiedeutsche- Bevölkerung. ergriffen. Dieswarumso schlimmer.- alszugleich des polnische Landhunger und das Aufblühen eines polnischen Mittelstandes immer mehrländlichen und städtischemBesitz-dem-Deutschtumentzog. In diesem Teilkampf des Germanentums mit-dem-Slawentum- Handelt es sichvorläufig wenigstens,, nicht alleinum diese-beiden Rassen, es ist noch, eine dritte an dem Kampf beteiligt, deren-Verhalten für den Ausgang nicht ganz unwesentlich ist. Während unter der Zahl der Polen sich fast nur Angehörige der slawischen Raffe befinden,, stellt einen nicht, unbeträchtlichen- Teilder sogenannten deutschen Bevölkerung dasjüdische-Raffenelement dar,- denn es-istnachzuweisen, daß die-Bekenner der-mosaischen Religion,- die ja mitden Angehörigen dieses semitischen ÄdlkerMeiges' identisch sind,- bis auf wenige Laufende' deutsch al§: -i#Sf1 »Äntttzrsjstache?^ angegeben haben. Dev Begriff „Äeutsclj"' dvM SÜrtiM ersäM hie'rdllrE eitts besondere-' Begrenzung; et bezeichnet nicht- <wch„PMrW setz döM Pollrttp ' dke-VÄlkS'zug'eyStiigk'eit^ sondern: NUrr dM ÄMkMlMlg dftt Staatsspkache-und ein«^> Kulturtzereichs.! Demgemäß? zeitzMdWM auch; einegenauere Untersuchung,- däß sich: diese« beider deutschsprachigen^ Bevölkerung sschichten verschieden verhalten, ein Umstand,- der/- tvie» wir sehen werden, auf die Gestaltung, der zukünftigen Verhältnisse von Einfluß sein'wird'. - . .? Die Stellung, welche heute die jüdische' Bevölkerung in denhenials unter polnischer Herrschaft' befindlich, gewesenen Provinzen einnimmt, ist durch die geschichtliche Entwickküngbed'ingtz Sie wandert^ einzu« einer Zeitz, als die slawische Wirtschaft auf rein ländlicher Grundlagberuhte, und sie ersetzte den-fehlenden" Mittelstand namentlich auf dem Gebiete des Handels und Geldgeschäfts. Das Judentum' bewahrte hier in diesen, am alten: Agrarsystem am längsten: sesthaltend'eN Gegenden am längsten eiw mittelalterlich-abgeschlossenes Wesen. In Sitten und Gebräuchen, ReligioM und Sprache (dem sogenanntem Jiddisch), Aussehen und Kleidung und in räumlicher Absonderung der Wohnstätten bildeten sie eine-durchaus eigene- Welb für sich, einen streng von Slawen und Deutschen geschiedenem Bevölkerungsbestandteil-. . Als num im- Laufe desvorigen- Jahrhunderts durch die Emanzipation der Juden, durch die innerpolitischen Umwälzungen des Jahres 1848, durch - den gewaltigen Aufschwung der Industrie, durch ein lebhafteres öffentliches Leben, größeren Wohlstand, erweiterte Verkehrs Möglichkeiten auch die Bevölkerung der östlichen Provinzen beeinflußt wurde, konnte sich auchder-jüdische Bevölkerungsbestandteil diesen neuzeitlichen Einwirkungen nicht entziehen. Unter den Polen erwachte der Natiönalitätsgedanke und wuchs von Jahrzu- Jahr-. Das Aufkommen des polnischen Mittelstandes schaltete: immer mehr-die vermittelnde Tätigkeit des jüdischen Elements aus:-- Eim gleiches geschah,-wenn auch nicht in gleichem Maße, durch denwirtschaftlichen Zusammenschluß, zu dem sich daS Deutschtum in dem-ihm aufgedrungenen Kampf um seine Erhaltung gezwungen sah. Zum Zweck der Entschuldung desländlichen und städtischen Besitzes, zur Besserung der Kreditverhältnisse, zur vorteilhafteren .Verwertung der Gütererzeugung entstanden gemeinnützige Geldinstitute ■ und Genossenschaften, die in immer' Wachsendem Maßeam -Geld- und Kreditzverkehs Anteil nahmen und im merklicher Weift: den Zwischenhandel entbehrlich machten. Allesdies wirkte mit solcher Macht ans die" israelitische Bevölkerung ein, daß' sie im^ Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl in eitler -gastz: aMtzerordentlicheM Weise vonder Abwanderung ergriffen würde. Nach - der-' a'Mtt-ich'eWStatiskik-Nämlich''befänden' sich in den vier östlichen PröviNzen Israeliten: 1871' o/oo 1890- % 1905 °/«> mg Ostpreußen 14 425 7,9 14411 7,4 13 55P, 6,7 — 872 Westpreüßett 26 632 20.0 21 750 15,0 16139' 9,8—— 10 493 PdsteM 64982 39,0 44 346 25,0 30433 15,3 — 31 549 Schlesien .; 46-929 13,0 48 003 11,0 46 845 9,5 + 216 : 149 -668'' 115 016 106 970 - 42 698 j. Die wirkliche Abwanderung ist etwa doppelt so hoch, da die ' Vermehrung durch Geburtenüberschuß' noch hinzuzurechnen ist. Der : Äeölustz den' das^ östliche Judentum' durch Uebertritts zu anderen MlitzionsgemeinschäfteM erlitten Hatz ist so gering, daß er, namentlich! -if best arm meisten vvN Polen durchsetzten Provinzen, gar keine Bedeutung' Hatz - : Die'WirkltNg der Abwänderung zeigt'sich'besonders deutlich in tfefrt StädteM. NüV wenige' Städte haben eine geringe Zunahme vdn Jstaelitest zu' verzeichnen, wie folgende- Zahlen zeigen, von denen die^ ersten das Jahr 1'880,-die zweiten, eingeklammerten,' das Jahr 1895 Meich'tiem M hatten Israeliten: Btesläu 17 550 (18490)- Gleiwitz 1838 (1981)- Oppeln'6'80 (746)- Ällenstein 133 (494), dagegen Königsberg' 688'2'(407tz)- Mewerilll^lOZÜ), Glogau 1010 (826), Rätibor 1331 (1021), Dari^iß' 2'740' (2474), Thorn 1530 (1185), Könitz 637 (480), Posen 7063 (3810), Brontb'erg 1889 (1488), Gnesen 1550 (1241), Lissa 1833 (1205),. OstLotvo-1498 (912), Rogasen' 1318 (834), Grätz 660 (366), Birnbaum 4005 (217st- Matt' siehtz daß die" großen Städte verhältnismäßig wÄrlger'verloren Wb'en als - die kleinen^ Damit stirllmt es übereilt, daß: itft dett westlichem großen Städten' eine starke jüdische Ein-- walld'etUttg^ erfdlgtz denn' in den gleichen' Jahren zählteman Israeliten: in Berliri 53 949'(86152)), Ehärloltenburg 287 (4687), Köln 4523 (7932), Frankfurt a.M. 13 840 (19 488), München 4144 (7167). Während überdies früher die östlichen Provinzen mit Recht als besöstdeds' jü8eilreiE giiltertz' hüt flöh' daT Verhältnis heute schon vollstWdMvM'chob^en- Vött Taüserid'' dör: BevölkerüMg'wären im Jahrs 190s? MraellkeM in- BerRM 48,5, ist' Hessell'N assäu 24- %■ in Hamburg i 22D iim Großherzogtülst ' Hessen - 20.4 im Elsäß^Lothringett ' 17-,5.' dann erstzj fvlgt PoseM (ist-dein die-stärkste Auswanderung -stattfindet), mib 15,3^.- Dere-Durchschnitt-- für-Preußenbetrug: 11für das Deutsche' Reich 10. ...