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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-25 · Heft 34 (25.8.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 34 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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75. Jahrgang Nr. 34 Berlin, 25. August 1911 VelliM Zur „Allsrmetnen Leitung dezS JüdeutuinK^ korrelpondrn?m und Oachnchtm. Deutschland. . — Berlin, .22. August. Zu den Mitteilungen über die im Ministerium des Innern zurzeit schwebenden Erwägungen wegen Abänderung des Judengesetzes von 1847 geht der Frankfurter Zeitung noch folgende Zuschrift zu: „Es ist richtig, daß man mit Vorarbeiten zu einer -Abänderung des genannten Gesetzes beschäftigt; ist, doch stehen diese Vorarbeiten nicht in Zusammenhang mit den Bemühungen des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes", eine Repräsentativ-Verfassung der Preußischen Judenheit herbeizuführen. Während diese vom Gemeindebund erstrebte Repräsentativ-Verfassung die gesamten, höchst verschiedenartigen gesetzlichen Bestimmungen, die. heute in Preußen in. den verschiedensten Landesteilen hinsichtlich der Syuagogengemeinden vorhanden sind, durch ein einheitliches Gesetz ablösen will, handelt es sich im Augenblick ausschließlich um eine Aenderung einzelner Paragraphen ' des lediglich in Allpreußen geltenden Gesetzes von 1847. Die Aenderung ist von der Berliner jüdischen Gemeinde angeregt und erstrebt nur, daß die jüdischen Gemeinden fortan berechtigt sein sollen, mehr als sieben Vorsteher und unter anderem auch besoldete Vorsteher zu bestellen." Diese Mitteilung schließt aber nicht die Richtigkeit der Angaben der früheren Zuschrift aus, wonach neben dieser zunächst aktuellen Spezialfrage noch weitergehende Erwägungen angestellt, werden, bei denen es allerdings fraglich sein mag, ob sie in absehbarer Zeit zu einem praktischen. Ergebnis führen werden. — Berlin, 2Z. August. Für die am 3. September d. I. zugunsten dcr Bibliothek des Jüdischen Jugendbundes stattfindende Motorbootfahrt nach Rauchfangswerder sind die Vorarbeiten für das äußerst reichhaltige Programm in vollem Gange. Besonders läßt es sich das Festkomitee angelegen , sein, für das Gelingen des Festes auch bei eventuell ungünstiger Witterung bemüht zu sein. So ist das Motorboot mit einer Verdeckvorrichtung für das ganze Boot versehen und statt der Spiele im Freien ist für Unterhaltung im Saal durch Kabarett usw. Sorge getragen. Wir können also in jeder Beziehung einen genußreichen Verlauf des Festes versprechen und machen darauf aufmerksam, daß Teilnehmerkarten nur in geringerer Zahl ausgegeben werden können. Dieselben sind zum Preise von 1.50 Mark zu haben : In der Buchhandlung des Herrn Louis Lamm, Neue Friedrichstraße 61, im Kaufhaus des Westens, jeden. Montag, Donnerstag und Sonnabend abends in den Klubräumen des Jüdischen Jugend-Bundes, Burgstraße 20, sowie bei Herrn Ph. Lichtenstein. Schillingstraße 14 (auch gegen Voreinsendung des Betrages). W. Posen, 18. August. Die hiesige Stadt verfügt über 72 Stiftungen, deren Gesamtbetrag sich auf rund 1900 000 Mark beläuft. Die Stiftungen, nach der Konfession ihrer Stifter festgestellt, ergeben für Bildungszwecke drei von jüdischen Stiftern: Bertheimsche Stipendien 600 Mark, Tr Warschauersche Bücherprämien für Realschüler 312.10 Mark. Kronthalsche 21973.41 Mark. Unter den Stiftungen für Armen- und Wohltätigkeitszwecke sind jüdischen Glaubens die'Erblasser folgender Stiftungen Und Legate: Abraham Packschersches Legat 300 Mark,. Kommissionsrat Schie .Jaffs. 4217.36 Mark, Geheimer Kommerzienrat Bernhard Jaffa .27 907.94 Mark. Allgemeiner Rettungsfonds: Dr. Lewinskrsche .35 355.75 Mark, Leopold Goldenringsche,25 000 Mark, Bernsteinsche 15 000 Mark, Moritz Milchsche 10 000 Mark, Dr. Landsberger 2000 Mark, Goldschmidt und Kuttnersche 1000 Mark, Heimaun Markussche 5865.39 Mark, Louis Jaffösche Altersversorgung 33 688-87 Mark, Samuel Jaffäsche 102 302.33 Mark, Ephraimsche 17 727.34 Mark, Aüerbachsche 30 727.17 Mark, Orglersche 15 692.37 Mark.. Lißnersche 11,572.73 Mark, Heimann Jtzig -und Philipine Remacksche 1530.45 Mark, Königsbergersche Altersversorgung 15 218.68 Mark, Ed. Kaatzsche 14 988.68 Mark, David JaffSsche Familie 30 839L6 Mark, Dr. Samtersche 3603,11 Mark, Moralsche 16.681.06 Mark, Wollheimsches Legat 3000 Mark, Dr. Kantrowitschsche Spende 254.71 Mark, Moritz Milchscher Arbeiterversorgungsfonds 10 000 Mark, Mamrothsche 1546.60 Mark, Joseph Landsbergsche 2972.28 Mark, Pauline Krön» thal 4000 Mark. S. D. Jaffä 30 000 Mark, Moritz Viktor 10000 Mark, Kornikes 10 000 Mark, die Max und RosalinLe Kantrowitzsche Stiftung 50 317.64 Mark. Die Summe der Stiftungen ' jüdischer Erblasser beträgt demnach rund 566 000 Mark. W. Wreschen, 20. August. Im 62. Lebensjahr verschied hier der Großkaufmann Joseph Jadesohn. Der Verstorbene erfreute sich großer Hochachtung und Wertschätzung bei allen Mitbürgern, ohne Unterschied der Konfession. In früheren Jahren verwaltete er auch viele Ehrenämter, namentlich in der jüdischen Gemeinde, und stand jedem mit Rat und Tat zur Seite. An der Beerdigungsfeier beteiligten sich auch viele Auswärtige. Herr Gemeinderabbiner Dr. M. Lew in hielt die Trauerrede. Er schilderte den großen Verlust, der die Familie betroffen und ermahnte die nahen Angehörigen, den Toten dadurch zu ehren und sich gegenwärtig zu halten, daß sie ebenfalls religiös und wahrhaft sittlich leben mögen. — Ter 72jährige jüdische Geflügelhändler Nagel er aus Golin, der seit 60 Jahren in dem Geschäft tätig ist, fuhr mit seiner Frau und Tochter mit dem Wagen von Posen nach Hause. Unterwegs rissen drei Strolche die wehrlosen Leute vom Wagen, mißhandelten sie und raubten ihnen die Barschaft von 400 Mark. Die Schwerverletzten wurden in das hiesige Krankenhaus gebracht, wo ihnen von jüdischen Bürgern augenblickliche Hilfe zuteil wurde. Es wäre eine große Wohltat, wenn mildtätige Herzen den kranken, mittellosen Personen zu einer Existenz wieder verhelfen möchten. --- Breslau, 18. August. Für das Steuerjahr 1911/12 ist nach einer Bekanntmachung des Vorstandes der hiesigen Shnagogengemeinde der Prozentsatz, nach dem die Synagogen-Gemeindebeiträge erhoben werden, für die hier wohnendert Mitglieder auf 8/5 ----- 60 Pfennig, für die im Landkreise wohnenden auf 2/5 — 40 Pfennig von je 100 Mark des derStaatseinkommensteuer zugrunde gelegten Einkommens festgesetzt worden. Von diesem Prozentsatz werden von Gemeindemitgliedern, deren jährliches Einkomuien a) 1500 Mark nicht übersteigt, nur fünf Zehntel, also 30, bzw. 20 Pfennig, i>) 2100 Mark nicht übersteigt, nur sechs Zehntel, also 36, bzw. 24 Pfennig, c) 3000 Mark nicht übersteigt, nur sieben Zehntel, also 42, bzw. 28 Pfennig, d) 4200 Mark nicht übersteigt, nur acht Zehntel, also 48, bzw. 32 Pfennig, e) 5500 Mark nicht übersteigt, nur neun Zehntel, also 54, bzw. 36 Pfennig erhoben, während die Gemeindemitglieder, deren jährliches Einkommen 5500 Mark übersteigt, mit dem vollen Prozentsatz zu den Gemeindeheiträgen herangezogen werden. Laut Gemeindebeschluß sind die Gemeindemitglieder, welche mit einem jährlichen Einkommen von nicht mehr als 1050 Mark zur Staatseinkommensteuer herangezogen sind, von Beiträgen zur Synagogengemeinde . befreit. Jedoch sind die von der Zahlung der Gemeindebeiträge befreiten Gemeindemitglieder, welche männlich, volljährig und unbescholten sind und sich selbständig ernähren, zur Wahl der Repräsentanten nur derechtigt, sofern sie auf ihre Steuerfreiheit verzichtet haben und drei Jahre hindurch zu Abgaben herangezogen worden sind. — Schweidnitz, 21. August. In größter körperlicher und geistiger Frische beging kürzlich Rentner Hermann Naphtali seinen 70. Geburtstag. Aus . diesem Anlaß wurden dem um das Gemein, wohl unserer Stadt sehr verdienten Mann eine große Anzahl von Ehrungen zuteil, Herr Naphtali, der ein Veteran der letzten drei Feldzüge ist, war lange Jahre im Vorstand der Synagogengemeinde und gehört noch jetzt der Leitung der Fortschrittlichen Volkspartei im Wahlkreis Schweidnitz-Striegau als eines der eifrigsten Vorstandsmitglieder an. ■ y. Chemnitz, 20. August. Dem soeben erschienenen Verwaltungsbericht des Vorstandes unserer Gemeinde ist zu entnehmen, daß bei

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