Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- Seite 407 (sequence 11)
- Language
- German
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Damitz?-verläßt; der.. Monismus seine religivnsfeindliche Stellung und. wird - aus einem. Gegner! zum Bundesgenossen. Der Kampfe wird dann.- nur: noch um theoretische Fragen, geführtan denen , der Glaube; im- Grunde kein großes. Interesse hat; in. den: eigentlichenFragen der.Religionden praktischen. Problemen der. Lebensführung., bestehtzwischen! ihnen, volle Übereinstimmung. Es wäre nur zu untersuchen,: ob der. Monismus eine solche Wendung vollziehen^ kann, ohne mit seinen Prinzipien in. Widershruch zu geraten. Das ist. beim Haeckelschen Mönismns zwejfe^sos unmöglich. Wenn die. Urkraft.: materieller Art un.d blind ist, ^5^ Heist nur eine untergeordnete - Eigenschaft? des Stoffes, die Nicht. herrscht, sondern dient, dann, haben Sittlichkeit,. Schönheit und .Wahrheit keinerlei innere Beziehung zu ihr,- sie wurzeln nicht im; Universum, sondern sind menschliche Illusionen, die zu nichts verpflichten. Welchen Silur hat es, dem Menschen sittliches Streben als.Lebensinhalt, vorzuschreiben, wenn, in der Welt nicht eine sittliche Ordnung herrscht, sondern blindes- Naturgesetz: und das Recht, des Stärkeren?' Der HaeckelscheMonismus ist in sich Widerspruchs^ voll und unhaltbar. Sein Prinzip ist. naturalistisch, und die. Konsequenzen, zu: denen, er gelangt,, idealistisch. Er unternimmt den völlig aussichtslosen Versuch, Materialismus und Religion zu verbinden. Daß Haeckel eine solche Synthese anstrebt, hat er selbst ausgesprochen. Daß er sie für Mögliche hält, liegt wohl darandaß er im-Geist .eine Qualität der Materie sieht. Er weist ihm jedoch eine so untergeordnete. Stellung an, daß Sittlichkeit und Schönheit nur zufällige Erscheinungen werden.und als Ideale der Lebensführung rein subjektiven Wert besitzen. Der idealistische Monismus hat,wie wrr sehen, an sich, kein notwendiges. Interesse an der Herrschaft ästhetischer und ethischer Werte, er kann jedoch, ohne mit. seinem Prinzip in Widerspruch, zu geraten, zu seiner wissenschaftlichen Tendenz die religiöse hinzufügen.. Der Weltgeist braucht, als Geist nicht notwendig sittlich zu. sein, er kann es jedoch und wird dadurch nur reicher und vollkommener. Gegen einen solchen ethischen Monismus idealistischer Art, wie ihn Schleiermacher, Fichte und Hegel lehren, braucht -der Monotheismus keinerlei .Einwand zu erheben,, er ist ja selbst nichts anderes als ethischer Monismus. Daszeigt uns am deutlichsten die biblische Schöpfungslehre, die die Welt aus. einem, einzigen, geistigen Prinzip, entstehen läßt. Die Existenz der Materie wird nicht geleugnet, sie wird nicht für eine Täuschung der Sinne, oder eine menschliche Vorstellungssorm erklärt,- aber. ebensowenig hat sie denselben metaphysischen Wert wie der Geist. Gott, ist ewig, die Natur d a gegen durch den, Geist aus dem Nichts geschaffen. Das bedeutet, daß sie kein letztes Prinzip, sondern dem Geist untergeordnet, sein dienendes.Organ ist. In der Grundüberzeugung, daß das einzige und herrschende Prinzip im Universum der Geist ist, .stimmen-also idealistischer Monismus und Judentum überein.. Sie unterscheiden sich nur dadurch, daß der Monotheismus ausschließlich religiöse Interessen verfolgt,. während im Monismus die wissenschaftliche Tendenz die herrschende ist und für die Überzeugungen, die der Glaube aus Grunö gefühlsmäßiger. Gewißheit dogmatisch behauptet, eine, logische Begründung gesucht wird. Damit hängt auch die. Verschiedenheit ihrer. Ausdrucksformen zusammen- Der. Glaube bedient sich von der Phantasie geschaffener Bilder und Symbole, während der Monismus, nach begrifflichem Ausdruck ringt. Diese Differenz ist jedoch mehr technischer als prinzipieller Art.. Ihrem innersten Wesen nach sind sie durchaus verwandt. Die Entwicklung des menschlichen Geistes geht vom Bild zum Begriff, vom Mythos zur Wissenschaft. Demnach scheint die monistische Philo!söphie der?Religiön-gegenüber die höherer Stufe-darzustellen- ^Dieser: Schein? schwindet, jedoch, wenn wiruns auf die Grenzen, und -Schranken; des menschlichen- Er-, kennens besinnen. Eine? Wissenschaftliche Lösung der. metaphysischen: Fragen: ist:, ebensowenig-Möglich- -wieein Beweis für die: Geltung des Sittlichen -.'-und seine zentrale Stellung inu Universum. Demnach kann, der: Monismus niemals: mehr als ein Scheinwissen bieten- und: was bei. der. begrifflichen- Darstellung, beim Streben nach Wahrheit: an logischer Klarheit; gewonnen, /wird, geht: naturgemäß an. Stimmungsgehalt? und Gefühlswärme verloren, die. ihren . reinen ' Ausdruck im Symbol finden.. Die beste Darstellungsform .religiöser Gedanken scheint• demnach: immer noch die Religion selbst gefunden zu haben. Nur bedarf sie der wissenschaftlichen Kritikweil sie. auf ihrem Gang durch, die verschiedenen Länder und Kulturen manches weniger. Wertvolle in: sich-ausgenommen hat und dazu neigt, ihre Bilder, für Wirklichkeit zu halten.. Hier liegen die religiösen Aufgaben: der: Gegenwart. Wir müssen die. .Religion der Propheten, in. ihrer ursprünglichen Reinheit: Herstellen und die religiösen Vorstellungen in Einklang bringen mit den Grundanschauungen der. modernen j Wissenschaft, im Praktischen den veränderten Lebensbedingüngew« Rechnung tragen. Geschieht diesdann hat das Judentum? vom Monismus nichts zu befürchten. Den konsequenten ' Materialismus weist der gesunde Instinkt der Menge von sich,- weil erihre idealen Interessen negiert, der unklare Monismus Haeckels geht an seinen inneren Widersprüchen zugrunde, der idealistische Monismus will Religion in Wissenschaft verwandeln, was niemals gelingen kann. Dazu ist das Uni-, versum viel zu reich und auch.die menschliche Seele, nicht so arm,, daß sie aus einen einzigen Ton gestimmt, werden könnte. Der geläuterte Monotheismus wird stets der wissenschaftlichen Forschung bedürfen, die alle von. ihm unberührten Fragen zu beantworten sucht und ihn: selbst vor Erstarrung und Selbsttäuschung, bewahrt. Ebenso aber wird die exakte. Wissenschaft die sich nicht mit einem scheinbaren Wissen begnügt, alle von ihr ungelösten und für sie unlösbaren Fragen der Religion überlassen, die ihre höchste Form im Monotheismus der jüdischen Propheten erreicht hat. Leim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencsöni. XXIX. V. "msönst, das Volk erwartet ein Urteil und er. muß urteilen. — „Es ist zehn Uhr!" ries aus dem Nachbar.° zimmer Liweitzer herein, der auch, jetzt noch, beim Rabbi die Verrichtungen des. Hausbochers pünktlich, erfüllte. Der Rabbi erschrak. Er warf einen raschen-Blick, auf Liweitzer und war erstaunt, , daß dieser, ebenso ruhig war wie sonst: Einen Moment blitzte ihm der Gedanke durch den Kopf, mit ihm vielleicht, unter vier Augen fertig zu werden. Doch er verwarf diese Idee.. Was wird man dann inder Gemeinde sagen? Vielleicht werden die Leute gar nicht glauben, daß man ihn gezüchtigt habe. / > „Gehen. wir," sprach er zu: Liweitzer, vorauseilend. . .; : Hundert Augen blitzten ihm, entgegen, als er: in, das Beshamedresch eintrat, um seine. Stimmung zu erforschen. Und hundert Augen blitzten: auch. Liweitzer entgegen:, .Dieser war