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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-25 · Heft 34 (25.8.1911) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 34 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
Seite 406 (sequence 10)
Language
German
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- 4Ä6' -- Gründe: reichen zur Erklärung dafür nicht-äüs/ Die-wissen-" schastliche'Forschung ist kühl und-skeptisch- Die Leidenschaftlich/ feit;, mit. ber die. monistische Lehre: vertrete»! wird, istein deutliches - Zeichen 3 dafür, daß - hier - nicht die vorsichtig' prüfende Vernunft, sondern '.ein '-irrationaler' Faktorder- Affekt, die' Führung hat.Damit verläßt der Monismus das Gebiet der' Wissenschaft.und. betritt den Bödendev Religion.- Unter religiösem Glauben: verstehen - wir jcr das sichereaus dem Gefühl stammende unbedingte Fürwahrhälten unbeweisbarer Sätze.. Demnach sind Monismus und Monotheismus nicht mehr so grundverschieden', wie. es uns: anfangs schien, und es ergibt: sich: die Notwendigkeit, ihr Verhältnis/ au bestimmenzumal: ja der Monisnins: den Glauben verdrängen und - seinen - Platz einnehmen will...: Da^ er mit dem erborgten Glanz-der Wissenschaftlichkeit > geschmückt ist, ist eine solche Untersuchung um so dringender geboten. Im Monismus sind ohne Zweifel wissenschaftliche Ten-' denzen wirksam,, er7 will wissenschaftliche Erkenntnis bieten- Die Eigentümlichkeit echter theoretischer Forschung liegt aber darin, daß sie auf die Bedürfnisse des menschlichen Herzens' keinerlei Rücksicht nimmt, sondern unbestechlich die Wahrheit sucht,-den objektiven Tatbestand ermitteln will. Das trifft bis zu einem gewissen Grade auch, beim Monismus, zu. Der ' materialistische Monismus leugnet, ohne Rücksicht auf nnser- Empfinden zu nehmen, die Existenz des Geistes, und erklärt ihn für eine vorübergehende Erscheinungsform der. Materie. So - behauptet der konsequente Monismus. . Daneben besteht allerdings ein unklarer, wie ihn etwa Haeckel vertritt, der den Geist für eine dauernde Qualität der Materie erkürt, also" gleichsam eine Beseelthert des Urftoffes annimmt.. Eine solche-' Anschauung kann man nicht im strengen Sinne monistisch- ' nennen, weil hier der Geist nicht auf Materie zurückgeführt, sondern als mitihr dauernd verbunden gedacht wird. Ob' diese Qualität der Materie ihren anderen Eigenschaften ähnlich Und mit ihnen gleichartig ist oder nicht, darüber ist Haeckel nicht zu genügender Klarheit gelangte Es scheint, daß er diö' geistige Qualität der Materievon den anderen unterscheidet/ Dann aber ist sein System erst recht nicht streng monistisch, der Dualismus, die Verschiedenheit von Materie und Geist bliebe daun bestehen, sie sind nur näher aneinander gerückt und der Geist zur Qualität der Materie degradiert und seiner Selbständigkeit beraubt. Mit einem solchen unklaren Monismus' brauchen wir uns zunächst nicht ausein anderzusetzen,/ wir halten - uns an denklaren und konsequenten. ' Für ihn ist der einzige ttrstoff die kraftbegabte Materie, die nach blindenehernen-Gesetzen der Notwendigkeit wirkt. Für Zweckmäßigkeit, Schönheit Und Sittlichkeit ist in einer solchen Welt kein Raum, sie sind zufällige Erscheinungen, deren Existenz durch nichts garantiert ist/ Eine sittliche Weltordnung existiert nicht, so daß der Mensch sich ruhig dem-Trieb seiner/ Natur überlassen kann, soweit in einer Welt unbedingter Gesetzmäßigkeit, überhaupt von Selbstbestimmung und Leitung die Rede sein kann. Monistisch ist jedoch nicht. Nur der Materialismus, der die Existenz des Geistes leugnet, sondern auch der Idealismus, der die Materie für Schein erklärt. Für ihn ist der Geist die einzige Wirklichkeit, der - Stoff nur eine Vorstellung-des menschlichen Geistes. Soweit ein solcher Idealismus Wissen--' schaftsein will, muß er gegen Zweckmäßigkeit, Schönheit und Sittlichkeit ebenfallsgleichgültig sein. Es liegt zwar im Wesen des Geistes- Vernünftiges zu schaffen, aber es wäre-ja denkbar, daß die schöpferische Weltvernunft -unvollkommen wäreso daß ihr nichts Zweckmäßiges zu gelingen brauchte? Bor allem aber braucht eine Weltvernunst*nicht notwendig-. Schönheit Und' Sittlichkeit schaffen zu wollen: l Zweckmäßigkeit und Schönheit sind -ja keineswegs' identischsondern - schließen- - sich vielfach aus- und ebenso - sind auch Vernunft und Sittlichkeit nicht vhne weiteres 'gleichzusetzen. Das' wäre-nur dann der Fallwenn die Gültigkeit dermoralischen Förderungen streng logisch erweisbarwäre. Einen solchen Beweis' zu ' führen, ist aber bisher nicht gelungen. Wer, wie dies Nietzsche tut, die Verbindlichkeit sittlicher' Imperative überhaupt nicht anerkennt, ist durch keinerlei/ logisches. Räsonnement . zur Anerkennung derM.oral zü zwingen. Demnach liegt auch im Wesen des idealistischen- Monismus, an sich. noch nicht das Interesse an der Existenz der. Schönheit und an, der Herrschaft des Sittlichen. Wenn die Geschichte der-Philosophie-uns scheinbar das 'Gegenteil beweist, so liegt die Erklärung dafür darin, daß in den idealistischen Systemen neben-der wissenschaftlichen Tendenz noch andere herrschen, die in derselben Richtung,, wie. das Religiöse streben. Zu. einem, solchen rein wissenschaftlichen Monismus, gleichviel, ob er materialistisch oder idealistisch ist, bildet der' Monotheismus den absoluten/ Gegensatz. . Repräsentiert die monistische Philosophie die kühle, objektive, gegen Schön- . heit und: Moral gleichgültige Betrachtungsweise des Universums, so: liegt das tiefste. Wesen des Monotheisrnüs in dem brennenden Interesse an der Existenz und Herrschaft des Sittlichen. ' Die naturgesetzliche Ordnung der Welt interessiert das Judentum nur hinsichtlich ihres Verhältnisses zur Moral. Wenn die Naturgesetze sittliches Handeln^ zulässen oder gar unterstützen, können sie 'sonst wie auch/ immer geartet sein, und der-wesentliche Inhalt des religiösen Glaubens liegt in dem einen Gedanken, daß die Naturgesetze im Dienste des Sittlichen stehen. Die Feststellung des inneren Zusammenhangs zwischen Naturgesetz und Moral ist. die f schöpferische Tat der Religion. Darum gibt es , zwischen dem' konsequenten materialistischen Monismus und dem Judentum keinerlei Möglichkeit des Kompromißes und des Ausgleichs, sie sind unversöhnliche Gegner, Daß in: diesem Kampf der Glaube-besser gerüstet ist und das Recht. auf seiner Seite hat, läßt sich leicht erweisen./ Willkürlich und: aus; wissenschaftlichen Gründen unhaltbar ist die Leugnung des Geistes, ebenso unberechtigt und absolut unbeweisbar die.Behauptung, daß die im Universum sich offenbarende Urkraft blind wirkt. Wissenschaftlich festgestellt ist nur die Tatsache der strengen Gesetzmäßigkeit, der Naturerscheinungen; ob aber Sittlichkeit und Schönheit, die in der Welt vorhanden sind, zufällig oder notwendig sindob.- sie eine vorübergehende.. Erscheinung bilden oder.. zum Wesen der Welt, gehören, ist mit den Mitteln der Wissenschaft überhaupt jj nicht festzustellen. Daher hat die Behauptung des MaterialisTmus nur den Wert einer durchaus subjektiven -Ueberzeugung, so daß der Monotheismus mindestens mit. demselben - Rechte - seine eigene These aufftellen kann. Solange, er die Gesetzmäßigkeit der Matur nicht bestreitet, ist der religiöse Glaube^ unwiderlegbar, und er hat nicht nur das. ideale-Interesse des Menscheu aus seiner. Seitesondern. auch die größere Wahrscheinlichkeit, . weil es jedem /besonnenen Menschen wie eine grenzenlose Anmaßung erscheinen muß, wollte man das unendliche Spiel der Naturkräfte für sinnlos erklären.. Das. Verhältnis des:Judentums zum Monismus kompliziert sich jedoch dadurch, daß die verschiedenen monistischen Systeme nicht nur wissenschaftliche Erkenntnis bieten wollen, sondern zugleich auf- Fragen, der Lebensanschauung positive Antworten erteilen. Das ist zum Beispiel in dem System Haeckels der Fall, der Wahrheit/ Schönheit und Sittlichkeit als^höchste Ideale und Ziele menschlicher: Arbeit bezeichnet.

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