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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-25 · Heft 34 (25.8.1911) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 34 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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Jüdische Bank anznwenden. Insbesondere müsse man den internationalen Geldmarkt mehrberücksichtigen, dev auch der jüdischen Kolonialbank zugänglich gemacht werden soll. Schmiss stellt einige Anfragen und macht den Vorschlagdie jüdische Kolonialbank möge - der mehrfach vorgeschlagenen Gründung einer jüdischen Gesellschaft, für Lebensversicherung endlich näher treten. Dr. Katze nelsohn. Von. sitzender des Direktoriums der jüdischen Kolonialbank, gibt verschiedene. Aufklärungen und.weist darauf hin, daß die Bank.ihrem Statut gemäß nicht berechtigt sei, Operationen einer Versicherungsgesellschaft zu machen. Maler Hermann Struck erklärt im Namen des Misrachi, daß dieser nie beabsichtigt hätte, irgendeinen Truck auf die per-, sönliche Freiheit der zionistischen Beamten in religiöser Hinsicht aus-, zuüben. Er. fordere aber, daß die jüdischen Gebote auf den Ländereien des Nationalfonds respektiert werden. .> Ben-Zwi (hebräisch) entgegnet den Vorwürfen des Misrachi und macht daraus aufmerksam, daß es für die Misrachisten viel 8 dankbarere- Aufgaben in Palästina gibt, als die Bekämpfung | bcr nichtreligiösen Arbeiter. Er sfragt auch, warum der § Misrachi nicht dagegen protestiert, wenn die religiösen Kolo- ' nisten nur nichtjüdische Arbeiter beschäftigen. Berlin (hebräisch) wendet sich, gegen die Vorwürfe, die dem Misrachi gemacht, i werden und rügt an der Leitung des Jüdischen Nationalfonds, daß '! sie das Schemitah-Gebot zu.umgehen suchte. Dr. Lewin (hebräisch) spricht' in begeisterten und ergreifenden Worten über die jüdischen Kolonisten in Palästina, insbesondere über die junge Generation, die in den jüdischen Kolonien entsteht. Palästina sei der beste Schutz, gegen alles Unjüdische. Dr. Boden Heini er (Vorsitzender des National-, fonds) erklärt, in seiner Erwiderung auf die Kritik der verschiedenen Redner, warum derNationalfonds seine Tätigkeit zugunsten der?3l68tine Land Developement Company für eine kurze Zeit eingestellt hatte, und teilt mit, daß diese Tätigkeit bald wieder ausgenommen wurde. Es sei unmöglich für den Nationalfonds, eine religiöse Aufsicht auf die Leute auszüben, die auf seinen Ländereien beschäftigt sind. Was die,. Anklage betrifft, daß der Sabbat entweiht wurde, ist nur ein Fall vorgebracht' worden/ und zwar einer, der in einer Kolonie stattgefunden hat, die nicht dem Nationalfonds gehört. Dr. Tschlen ow erklärt im Namen des Kongresses, daß Vorsorge,, dafür getroffen werde, damit das jüdische Gesetz auf den Ländereien des Nätionalfonds beobachtet werden soll, und glaubt, daß Herr. Struck mit dieser Erklärung zufrieden sein wird und seinen Antrag zurücknehmen werde.. Herr Struck nimmt seinen Antrag zurück. Mit einem Dankesvotum an Herrn Dr. Bodenheimer für seine ersprießliche Leitung des Nationalfonds, das mit großem Beifall angenommen wird, schließt die Sitzung kurz vor 7 Uhr. Vierter Saa, 7. Sitzung, Sonntag öen 15. August vormittatzL- . Vor. Beginn der Sitzung wird unter stürmischem Beifall die Fahne des Vereins „Ahavath Zion" in SL. Gallen auf der Estrade ß angebracht. Die, Fahne war morgens durch eine 60 gliedrige Ab- Ä ordnung, welche vom Bahnhof aus in Reih und Glied zum Stadtkasino marschiert war, überbracht worden. Präsident Dr. Nord au eröffnet die Sitzung um 10^ Uhr. Er macht dem Kongreß die tiefbetrübende Mitteilung, daß gestern in der Nacht der Maler.Joseph Israels verschieden ist. (Das Haus erhebt sich zum Zeichen der Ehrung.) Dr. Nordau gedenkt in ergreifenden, Worten des großen Toten und führt unter anderem ans: Joseph Israels war einer der hervorragendsten Künstler der zeitgenössischen Malerei. Sein Verlust trifft die gesamte gesittete Menschheit, uns, aber, geht dieser Verlust noch ganz besonders nahe. Dann weist der Präsident aus die dem Kongreß geschenkte-Fahne des Vereins „Ahavat Zion" hin und spricht im Namen des Kongresses'diesem Verein den Dank aus. Nach Verlesung einer großen Anzahl von Begrüßungsschreiben,, darunter auch eines von t 00 christlichen Bürgern der Stadt Genf, und von Pastor Dardier unterfertigten Begrüßungstelegramms, hält Dr. N. Katzenelsohn ein Referat über die jüdische Emigrations-. frage: Er führt'unter anderem folgendes aus: Die Auswanderung l der Juden aus Rußland übertrifft die Auswanderung aller anderen I Völker. , Wenn die jüdische Auswanderung aus,Rußland sich wejtex?ll in demselben Maße entwickeln wird, so wird dfe Zahl der jüdischen f Auswanderer größer sei:?, als die Zahl cherausSpanien. vertriebenen^ Juden. . , . . ’ - ' Er stellt den Antrag: Der zehnte Zionistenkongreß stellt fest/ daß die bisherigen /Versuche zur Regulierung der' Emigration, itn=> 'genügend sind- und daß es.Aufgabe der Zionisten ist, sich mit der jüdischen .Auswanderung zu befassen, insbesondere mit dev- Ein-. Wanderung in Palästina. Der Antrag wird angenommen. I L. Motzkin hält ebenfalls ein Referat über die Emi.rations-!frage, kritisiert das Verhalten - vieler großer jüdische^ Korporationen.-- .zu der jüdischen Auswanderungsfrage, die nicht inihrer ganzen i Größe und Tiefe aufgeworfen wird. Er bemängeli das Fehlen eines- ' Prinzips, bei der Auswanderuugstätigkeit dieser Korporationen und stellt den Antrag: Der Zionismus erblickt in der jüdischen Auswan- . derung nicht nur ein Resultat allgemeiner wirtschaftlicher Verhält^ nisse, sondern in erster Reihe eine Folgeerscheinung der, historischen Judennot: Der Zionismus schließt sich daher allen Bestrebungen nach Eefamtorganisierung der Auswanderungshilfe an, begrüßt mit Freude die Idee eines Emigrationkongresses, an dem die zionistische Organisation vertreten sein sott. Die Parolen des Zionismus sollen dabei folgende sein:' a) allgemein jüdische Organisierung und Regelung der Auswanderung; - . b) Konzentration, nicht Zerstreuung; c) Ausforschung aller Arbeitsmöglichkeiten im Orient. Davis Trietsch meint, die Emigration , nach Nordamerika ebenso wie die nach Argentinien habe zur Genüge gezeigt, daß die. Juden mehr der städtischen. Ansiedlung als der ländlichen zugetan sind. Die Auswanderung nach Palästina ist mit bedeutend weniger Kosten verbunden als die nach Nordamerika. Die Türkei ist auf die Einwanderung aus Europa angewiesen. Wir müssen alle Mittel ergreifen, um die jüdische Einwanderung nach dem Orient zu fördern. Zn diesem Zweck stellt Trietsch folgenden Antrag: Der Kongreß beschließe die Schaffung eines zionistischen Emigratiouskomitees mit dem Sitz in Berlin und mit folgenden Zwecken:. a) Sammlung informativer Materialien über alle Möglichkeiten jüdischer Einwanderung nach Palästina- und anderen. (vorzugsweise den nächstgelegenen) Gebieten des Osmanischen Reiches; ., b) Verbreitung dieser Information. Realisierlmg (bzw. Beihilfe zur Realisierung'» der gefundenen Möglichkeiten.; Die Anträge Motzkin und Trietsch werden einer achtgliederigen Kommission zur Prüfung überwiesen. Schluß der Vormittagssitzung gegen l'/a Uhr. Vierter Tag, 8. Sitzung, den l3. Autzust nachmittag. Vizepräsident Ussischkin eröffnet die Sitzung gegen 4 Uhr in; hebräischer Sprache. Diese Sitzung wird im ganzen der Frage der geistig-kulturellen. Renaissance gewidmet und in hebräischer Sprache geleitet. Es wird mitgeteilt, das; das. Mitglied des engeren Aktionskomitees Jacobns Kann-Haag den verdorbenen Maler Joseph' Israels in das Goldene Buch des Nationalfonds einlragen läßt. Der bekannte hebräische Schriftsteller, Nahum Sokolow ninrmt l das Wort zu einem Referat über die hebräische Sprache. Er führt J unter anderem folgendes aus (Hebräisch): Es gab eine Zeit, in der die * hebräische Sprache die lebendige Sprache der Juden war. Und wie lebte diese Sprache! Sie zeigte, daß sie alles vermöge, eine nnversiegliche Quelle von Kraft und Lust für jedes Gebiet geeignet, für jedes Zeitalter passend, dem Heiligen dienend und das Alltägliche umfassend, klar deutend und farbenreich, zart und blühend in junger Liebe in Schir-Haschirim, .herzerschütternd und wehklagend mit Jeremjahu, die . urewigen Wege der Vorsehung erforschend mit Jjob, in unvergleichlicher, keuscher, naturreiner. Bescheidenheit erzählend mit Ruth. Andere Zeiten kamen, schlaff hingen, die Harfen an den Trauerweiden an den Bächen Babylons. Die Lewiim wollten das Lied Gottes auf fremdem Boden nicht mehr anstimmen — sie stimmten es aber doch an! Die Sprache trieb die herrlichsten Blüten weiter. Und wie erblühte diese Sprache wieder im goldenen Zeitalter der Inden. Spaniens!. Nie hatte in der Weltgeschichte eine solche Renaissance einer Sprache statigesunden. Sind in tausend Jahren nach Homer, Ovidinsj und Cicero neue Homer, Ovidius und Cicero erstanden? Aber mehr als tausend Jahre nach Jeschajahu, Jirmijahn und Jechezkel sind neue

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