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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-25 · Heft 34 (25.8.1911) · p. Seite 398

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 34 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
Seite 398 (sequence 2)
Language
German
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| IV. Der Ritus und die Liturgie. Auch 8iese werdensich besser von einem kleinen Bezirk regeln lassen, weil- -den Wüwschen/ der Pemeindemitglied'er eher: Rechnung getragen ^werden kanfl. - - y> Ernten* und Waisenpflege. Es muß anß erkannt werden/ daß die Armenpflege sich jetzt in gilten Händen' befindet. Bei einer Dezentralisation aber wird man dem jetzt bestehenden Mangel, an geeigneter; Hilfskräften sehrschnell . abhelfe,n können, hier im Bezirksamt sollen die Konferenzen ,der> Armenpfleger stattfinden, denen/, dadurch - die weiten Wege Zentrale erspart werden; von hier aus werden die Armen weit schneller mit Rät und ,Tat 'unterstützt werden, zum'" Vorteil der Bedürftigen nach dem alten Grundsatz: ^Doppelt gibt, wer schnell gibt." V VI. Die Einrichtung eines Friedhofs für die westlichenWörorte. Hätten wir schon - Bezirksgemeinden, die Fried Hofsnot wäre' wahrlich nicht so brennend geworden, aus dem Notstand heraus hätten die - beteiligten Bezirke es sich angelegen sein lassen, als das Gelände noch zu recht mäßigen Preisen zu haben war,' die Errichtung eines Friedhofs-zü betreiben. Die jetzigen unerträglichen Zustände, hervorgerüsen durch die großen Entfernungen 'vieler Gegenden nach 'dem 'FMdhöf in Weißensee, führen zur Pietätlosigkeit gegenüber'den Verstorbenen. VII. Die Einrichtung einer Schechita in den großen Vororten 'soll nicht von der ' Bedürfnissratzewie' es der GemeindevörstandMschloffenhat, abhängig sein, sondern unaufgefordert, ohne Nachweis des Bedürfnisses soll diese Einrichtung geschaffen werden im Interesseder Gemeindemitglieder, die rituell leben wollen. 7 '•* . VIII:-?Die Verwaltung der Gemeindeinstitute J geschieht vom. Bezirksvorstand. Durch diese Aenderung wird nichtnur. die Hauptverwaltung in weitgehendster Meise entlastet:' sondern' es wird auch - dadurch ein .Eingehen' aus die Wünsche der Gemeindemitglieder eher ermöglicht. IX. Die Wahl.von Ehrenbeamten durch den Bezirksvorstand -ift die - notwendige Konsequenz der - vorherigen Forderungen. Die i Klage, daß sich so wenig Männer und Frauen in den Dienst-der Gemeinde stellen, wird verstummen. -Bei der steten Fühlung mit den Mitgliedern der Gemeinde wird es dem Bezirksvorstand - leicht - werden, die. geeigneten Kräfte, die Notwendig find, zu werben' und sie für das Judentum nach jeder'Richtung hin zu interessieren. 'Schließlich Noch-Ane allgemeine, sehr wichtige Förderung, die 'gestellt werden muß, und bie mit der Dezentralisation in gewissem Zusammenhang steht' .; Bezirkswahlen für die Repräsentantenversanunlttng. >•.„? .Die jetzigen Bestimmungen sind geradezu unerträglich und .unhaltbar. Die einzelnen -Bezirke, deren Einteilung in diesem Falle für ganz Groß-Berlin zu erfolgen hat,, müssen das Recht erhalten, ihren Vertrauensmann, den sie kennen, dessen Wirksamkeit und Tüchtigkeit sie zu beurteilen vermögen, wählen zu dürfen. -Jetzt bei der großen Ausdehnung des Gesamtwahlbezirks kennt der Norden . nicht den Süden, der Westen nicht den Osten. - Wenn hierzu die Aenderung des Statuts erförderlich ist, ,so muß sie erfolgen; schon aus Gründen des Gerechtigkeitsgefühls sollte man hier schleunigst eingreifen. Das veraltete System der abgestempelten Stimtnzettel/ die oft den 'Wähler seines. Wahlrechts beraubt, die gemeinsamen Listen 'muffen schwindeir, e!n^ jeder muß das Recht erhalten, in seinem ■■fBptfxl.mit; einfacher Legitimation seinen Vertreter/ seinen Repräsentanten, den Mann seines Vertrauens wählen zu können. — Die vorstehenden Vorschläge Lnd im wesentlichen die Grundzüge einer Reform, wie ich sie.mir, denke, auf deren 'Basis man/ weiter bauen kann. Sie-sollen nichts Endgültiges sein, auch nicht das Ende-aller Weisheit-bedeuten. , . Gar viele in unserer Gemeinde sind der festen Ansicht, daß es auf dembisherigen Wege nicht vorwärts^ sondern rückwärts geht, deshalb müssen wir eine andere Marschroute einschlagen. Die Gemeindebehörden können und dürfen sich nicht der Einsicht verschließen, daß eine Entlastung der Verwaltung durch: Schaffung von. Bezirken mit größerer Autonomie eintreten muß. Wurden doch in einer Sitzung des Repräsentantenkollegiums 'am 5. Februar d. I. nach Mit-. Leitung des Gemeindeblatts 54 Vorlagen beraten; eine Unmöglichkeit und eine stärke Zumutung an die Urteilskraft und Arbeitsfähigkeit der einzelnen Mitglieder. Unsere'Religion hat insbesondere in Groß-Berlin unter dem Jndifferentismus ihrer Bekenner sehr, zu leiden, wir finden sie besonders in den intellektuellen Kreisen. Hätten wir. nicht den Zuzug vom Osten,, der uns treue Anhänger des Judentums zuführt, der prozentuale Abfall vom Juden- , tum wäreein weit größerer. Diesen traurigen Verhältnissen müssen wir Einhalt zu tun versuchen durch eine Dezentralisation der Gemeindeverwaltung, indem wir durch vermehrte Gelegenheit zur Betätigung am Gemeindeleben die Indifferenten heranziehen und sie dem Judentum wieder gewinnen. Der vorgeschlagene Weg' ist eines Versuches wert, er dürste dahin führen, unsere Gotteshäuser zu füllen, diejenigen, die treu zum Glauben stehen, zufrieden zu stellen, die Schwankenden zu. stützen und an-uns zu fesseln und neues jüdisches Leben bei uns zu erwecken. ■ ' : Die Woche. : Berlin- 22. August: er soeben in Basel stattgefundene zehnte Zionistenkongreß, der als Jubiläümstagnng unter die Fahne des einträchtigen Friedens gestellt werden sollte, hat nichtsdestoweniger^ einige schrille Dissonanzen aufzuweisen gehabt.- Die Debatte überU die „religiöse Polizeiaufsicht" schien -einige Augenblicke zu heftigen» Zusammenstößen zu führen. Sie zeigt, was ja auch, durchaus, er- \ klärlich ist, wie die .religiösen Gegensätze inp Zionismus gleichfalls jl das Fundament zu erschüttern beginnen und mehr die Znbiläuntsstimmung als die nationale Kulisse diesmal noch üb^r-die früher Z oder später doch zürn Austrag gelangenden religiösen Differenzen - hinweghalf. Die charakteristischste Nöte des Kongresses', darf man k wohl in der nahezu vollendeten Abdikation des politischen Zionismus i und in der fast - souveränen -Beherrschung desganzen^ Kongresses! -durch die Probleme praktischer Gegenwartsarbeit erblicken, Das-fand j seinen prägnantesten Ausdruck auch, durch die.Wahl des neuen Prä» .sidiums. Der Mann der Palästina-Ar beit, dery das Soziale, und Kulturelle alles, das. politische Ziel- Herzlich wenig' ist, Professor Marburg, wurde an. die Spitze , berufen, der von dem Ährgeiz großer diplomatischer und politischer Aktionen gewiß nicht beseelt ist. Ueberdies klang auch aus beit Reden der Herren Wo lfsohN und Maz Nordau nichts von jener überschäumenden Aspiration national - politischen -Begehrens: 7durch : die sich die . ersten Kongresse auszeichneten mnd die auch noch auf -der vorhergehenden Hamburger. Tagung nicht .ganz fehlte. /Die. verfassungsrechtlichen Zustände der Türkei,-so klang es aus offiziellem Munde, ..bieten hinreichenden. -Ersatz für., die /öffentlich-rechtliche Sicherheit", die'das zionistische Programm für die erstrebte/Heiinstätte" fordert. Max Nordau,' der Meisterdes Paradoxen/ leistete sich übrigens, was nicht ohne'Widevspruch 'bleiben darf, - die'/kleine

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