Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Religionsgemeinden in Sachsen, an dessen Spitze der Erste Vorsteher der Dresdener Gemeinde, Herr Kommerzienrat Elb, steht, erfolgt. Der Verband hat deshalb an die beteiligten Ministerien ein Dankschreiben gerichtet und dabei unter anderem auch erklärt, daß es den israelitischen Gemeinden Ehrensache sein würde, das Schächten so ausführen zu lassen, daß es auch hinsichtlich der vorbereitenden Handlungen den höchsten Anforderungen des Tierschutzes entspricht. Die Zahl der Steuerpflichtigen ist gegen das Vorjahr um 56 gestiegen (von 944 auf 1000), an Kultussteuern wurden 16 % der Staatseinkonimensteuer erhoben, insgesamt bis zum Abschluß der Jahresrechnung rund 67 109 Mark, während das Steuersoll rund 70449 Mark hätte betragen sollen. Der wirkliche Ertrag blieb somit um 3340 Mark hinter dem Soll zurück. Aus dem Bericht über die Kultus- und Shnagogenangelegenheiten ist von allgemeinerem Interesse, daß mit Ausnahme der Ferien und der sonstigen schulfreien Tage an allen Sonnabenden Jugendgottesdienst in der Synagoge abgehalten wurde, und daß an den hohen Festtagen von der Gemeinde selbst nur ein Nebengottesdienst eingerichtet worden ist, zu dem 412 Einlaßkarten ausgegeben wurden. Von besonderem Interesse im Hinblick auf gleiche Bestrebungen in Berlin ist zu erwähnen, daß der Dresdener Gemeinderat in seiner Sitzung vom 5. Juli v. I. beschlossen hat, probeweise den Beginn des Freitag abend-Gottesdien st es von Mitte April bis Ende August einheitlich auf 7 Uhr abends festzusetzen. — Erwähnt sei schließlich, daß auch im Berichtsjahr an den hohen Festtagen in Freiberg ein Gottesdienst durch einen Dresdener Kultus beamten abgehalten worden ist. Auch in bezug auf das Religionsschulwesen kann sich Dresden wenigstens eines Vorzugs vor Berlin rühmen. Zwar hat die Gemeinde nur eine einzige Religionsschule mit acht Knaben- und sieben Mädchenklassen, die von 311 Kindern frequentiert wurde, während weitere 109 privaten Unterricht erhielten, aber daneben ist in Dresden auch ein Religionsfortbildungs - Unterricht eingerichtet für die dem schulpflichtigen Alter entwachsene Jugend. Dieser Fortbildungs' unterricht wurde im Berichtsjahr von 48 jungen Leuten, 32 Knaben und 16 Mädchen, besucht. Uebrigens wird auch der Religionsunterricht in Freiberg, Meißen und Pirna von Dresden aus eingerichtet und von den Lehrern der Dresdener Gemeinde erteilt, und zwar in Freiberg für zehn, in Meißen und Pirna für je sechs Kinder. Von größeren Zuwendungen, die der Dresdener Gemeinde in 1910 gemacht wurden, sind die Legate der verblichenen Frau Therese Pick im Gesamtbeträge von rund 19000 Mark zu nennen, ferner eine Zuwendung von 12 000 Mark zu einer Henry und Cilli Ryder -Stiftung. Ter Verwaltungsbericht enthält des ferneren eingehende Daten über die Verwaltung der verschiedenen Stiftungen, erwähnt die am 25. Februar d. I. von der Emil Lehmann-Stiftung abgehaltene Gedächtnisfeier für Emil Lehmann, bei der Herr Geheimer Rat Professor Geiger-Berlin die Gedenkrede über „Deutschtum und Judentum* hielt, gedenkt ferner der von der Fraternitasloge wie alljährlich ausgefandten Ferienkolonie erholungsbedürftiger Kinder nach Ober-Rochwitz und gibt zugleich eine Uebersicht von zwölf Wohltätigkeitsvereinen der Gemeinden hinsichtlich ihrer Mitgliederzahl, Einnahmen und Ausgaben. Aus dem Rechnungsbericht der Gemein dek.ffse fei endlich erwähnt, daß die Gesamteinnahmen der Gemeinde im Jahre 1910 rund 108 753 Mark (im Vorjahre 105 125 Mark) betrugen, denen Gesamtausgaben in Höhe von rund 103 048 Mark gegenüberstehen, so daß ein Ueberschuß von rund 5700 Mark verblieben ist. Mit dem am 1. Januar 1910 vorhanden gewesenen Bestand von 42 491 Mark ergibt sich mithin ein Bestand in Höhe von 48 196 Mark. J. W. 10. August. Zur 22. Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern schreibt die Kitzinger Zeitung: Zum zweitenmal seit seinem Bestehen hält der israelitische-Lehrerverein für das Königreich Bayern seine Generalversammlung in unserer gastfreundlichen Mainstadt ab. Nicht zu frohen Festen und ausgelassener Lustbarkeit tagen die Mitglieder dieses Vereins hier, sondern ernste Arbeit ist es, welche dieselben zusammenberufen hat. Von allen Gauen unseres engeren Vaterlandes, wie wirhören etwa 100 Herrem find die Erzieher der sraelitischen Jugend hierher, geeilt, um die vielseitigen Probleme des Religionsunterrichts, über die Weiterbildung der der Schule entwachsenen Jugend und über Standesinteressen zu beraten. Manches frohe Wiedersehen unter oft viele Jahre getrennten Freunden und manche herzliche Begrüßung zwischen ehemaligen Schulkameraden und nunmehrigen Kollegen wird es geben. Auch wir rufen unseren lieben Gästen von nah und fern im Namen unserer Stadt und deren Einwohner unseren herzlichsten Willkommengruß zu und wünschen deren Arbeit beste Erfolge und frohes Gedeihen. Nach Beendigung des offiziellen Programms, wird ein gemeinschaftliches Mittagsmahl die Teilnehmer der Versammlung und deren Gäste im Hotel Stern vereinen, wobei der stets rührige und allen Fremden besonders entgegenkommende Fremdenverkehrsverein den Herren Lehrern einige Aufmerksamkeit zugedacht hat, damit nach getaner ernster Arbeit auch die Freude und heitere Laune zur Geltung komme. Hoffen wir, daß es allen Teilnehmern dieser Tagung recht gut in unserem freundlichen Städtchen gefallen möge, damit sie sich recht oft und lange der froh in Kitzingen verlebten Stunden erinnern mögen, wie wir auch ihnen ein treues Gedenken bewahren werden. Gesterreich-Nirgaru. K. Wie«, 10. August. Vorgestern beging der Redakteur der Prager amtlichen Zeitung Kaiserlicher Rat Julius Steinberg seinen 70. Geburtstag. Am 2. November 1903 beging Steinberg das 40jährige Jubiläum seiner Tätigkeit als Journalist. Kaiserlicher Rat Steinberg, der nun in ununterbrochenem 46 jährigen Dienst der Prager amtlichen Zeitung steht, hat auch eine mehr als 30jährige Tätigkeit als Referent des k. k. Telegraphen-Korrespondenzbureaus hinter sich, die mit der Berichterstattung über die einzelnen Phasen der Verhandlungen des Prager. Friedens im Jahre 1866 einsetzte. Anläßlich des Jubiläums des Kaisers wurde Steinberg mit dem Titel eines Kaiserlichen Rates ausgezeichnet und im Vor. jahre wurde ihm von» Statthalter Fürsten Thun, und Hohenstein die Ehrenmedaille für mehr als 40 jährige Dienste in Staatsstellung zuerkannt. Das 70. Wiegenfest des äußerst tüchtigen und gewissenhaften Journalisten und Schriftstellers, der sich in allen Kreisen Deutschböhmens der größten Beliebtheit erfreut, wurde in Prag sehr, feierlich begangen. — Der in Theaterkreisen allgemein bekannte Sekretär des Theaters in der. Josefstadt, Herr Friedrich Schulhofist am verflossenen Samstag im Alter von 72 Jahren plötzlich an. Herzlähmung gestorben. »Papa Schulhof" — n ie er stets genannt wurde — war 44 Jahre lang als Theatersekretär tätig. Schulyof war eine Gestalt aus dem Theaterleben des alten Wien, des Wien der Gallmayer, mit der ihn auch durch viele Jahre hindurch herzliche. Freundschaft verband. Mit ihm schwindet eine markante Figur der Wiener Theaterwelt. — Vor einigen Wochen war in der Presse vielfach von dem ersten geadelten Inden in Böhmen, Jakob Bas- , Schewi von Treuenberg, der auf dem alten jüdischen Friedhof in Prag beerdigt ist, die Rede. Seine Nachkommen, die in der ganzen Monarchie verbreitet sind, wollen jetzt den ihrem Ahnherrn vom Kaiser Mathias II. im Jahre 1611 verliehenen Adelstand für sich und ihre Nachkommenschaft reklamieren. Am 18. August, am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers Franz Joses I., findet in Budapest ein Familientag aller, die sich zu den Nachkommen des Jakob Bas- Schewi von Treuenberg zählen, statt. Am 18. August werden es. nämlich 300 Jahre sein, daß Bas-Schewi in den Adelstand erhoben wurde. Der Familientag derer von Treuenberg wird sich mit der Herausgabe der Familiengeschichte befaffen. Es wird auch geplant, die Herausgabe aller Dokumente, die sich auf ihren Ahnherrn bezogen haben. Eine derartige Publikation kann nur mit Freuden begrüßt werden, da sie als eine Bereicherung der Geschichte der Juden, in Prag und überhaupt in Böhmen betrachtet werden kann. — In Gavosdia (Ungarn) ist im Alter von 83 Jahren das erste jüdische Mitglied des ungarischen Magnatenhauses, Herr Karl Schwab Edler. von Gavosdia gestorben. Der Verblichene widmete sich schon in frühester Jugend der Landwirtschaft, worauf er später den Freiheitskampf in Ungarn als Leutnant und Adjutant des Obersten Ludwig Bene mitmachte. 1875 wurde Schwab. zum Abgeordneten gewählt. Zehn Jahre später erfolgte seine Ernennung zum Magnatenhausmitglied, - und 1902j verlieh! ihm Kaiser Franz Josef den erblichen