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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-18 · Heft 33 (18.8.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Vereine, Institute, deren Mittelpunkt er war, sowie Unzählige^ die nie vergebens mit den verschiedensten Anliegen sich an ihn gewandt. Was der Verklärte mir gewesen, und''was ich durch seinen Hintritt'verloren, wissen nur die allein, die unser Verhältnis zueinander gekannt haben. Er war nicht nur mein Lehrer im Seminar in Breslau, sondern er ist es geblieben während der.Zeit auch, in der es mir vergönnt war, -über ein Menschenalter mit ihm in der hn sigen Gemeinde gemeinschaftlich zu wirkener war nicht nur mein Vorgesetzter, sondern stets auch mein väterlicher Freund, war mir ein leuchtendes Vorbild treuester Pflichterfüllung, und wird es bleiben, so lange cs mir von-der Vorsehung ve-gönnt ist, meines Amtes zu walten. In unserer im Verhältnis noch jungen, kaum hundert Jahre bestehenden Gemeinde wirkten vor ihm zwei der rühmlichst bekannten Rabbiner, Dr. Meise! und Treuenfels. Mehr als 31 Jahre war der Verklärte der würdige Nachfolgerseiner großen Vorgänger; was er' in dieser Spanne Zeit unserer Gemeinde und der großen Gesamtheit deS Judentums war, was er-geschaffen und geleistet, das wird von berufenerer Seite noch gewürdigt werden. Zum Führer wegen seiner natürlichen Begabung prädestiniert, hatte er schon während seines Studiums in Breslau eine führende Rolle, um den sich seine Kollegen geschart, ja selbst der Direktor Frankel hat ihn oft zu Rate gezogen und auf seinen Spaziergängen sich vielfach von ihm begleiten lassen. Außer vielen anderen Gaben, mit welchen die Vorsehung ihn ausgestaltet, und die - einen großen Rabbiner auszeichnen, besaß der Verklärte noch zwei beneidenswerte Gaben, und zwar die des Rabbi Eliefer den Hyrkanos, der mit einer „ausgekalkten Grube, die keinen Tropfen schwinden läßt"^ verglichen wird, und die des Rabbi Elasar ben Arach, der als ,>stets wachsende Quelle" bezeichnet wird. Letztere Gaben traten besonders in die Erscheinung bei seinen Predigten und Schriftenerklärungen, die er ununterbrochen Sabbat für Sabbat zur Erbauung der Gemeindemitglieder gehalten hat. Man staunte oft über die Fülle der geistvollen Gedanken und Erklärungen, die ihn sowohl als modernen Kanzelredner, wie als scharfsinnigen „Magid" zugleich auszeichneten. Nun-ist sein beredter Mund, der von Weisheit überfloß, für immer verstummt, und wir rufen bewegten Herzens: „Chaba!al deabdin -frela mischtakchin“. Seine Beisetzung war eine der imposantesten, die'hier je .gesehen wurden. Dienstag abend um 11 Uhr -traf die Leiche hier ein, die von Mitgliedern des Vorstandes, des Ncpräsentanten-Kollegiums und der Chewra am Bahnhof erwartet. nach der Synagoge überführt und dort aufgebahrt wurde. Mittwoch 4 Uhr nachmittags begann die Feier mit dem Chor: „Der Mensch, wie Gras sind seine Wege", nach dessen Schluß Rabbiner Dr. Worms die erste Trauerrede hielt, in der er, tiefergriffen, all seiner Verdienste gedachte, und der schmerzgebeugten Familie Trost spendete. Nach dem Gesänge: „Gott! Was ist der Mensch" folgte die zweite Trauerrede des Rabbiners Dr. Freu den th äl, Nürnberg, der ein treffliches Bild des Verewigten entwarf. Nach dem Vortrage der Litanei von Schubert mit dem, anläßlich der Zentenarfeier für Kaiser Wilhelm, von dem Entschlafenen verfaßten Texte, sprach der dritte Redner, Rabbiner Dr. Golinski aus Pilsen, im Namen seiner Gemeinde, in der der Verstorbene zehn Jahre segensreich gewirkt, und der noch heute dort der Pilsener Rabbiner genannt wird. Leider kann ich auf den Inhalt der geistreichen Reden sowohl im Tempel als. auf dem Friedhof nicht näher eingehen, sie würden den Rahmen eines Berichtes^ überschreiten, voraussichtlich werden sie im Druck erscheinen. Mit dem LI mo-ls raebsnüm-Gebet schloß die eindrucksvolle Feier in dem dichtgefüllten Tempel. Als Vertreter der Stadt waren anwesend: Oberbürgermeister Dr. Ackermann und Bürgermeister Dr. Thode, eine Abordnung der Schuldeputation unter Führung des Stadtschulrats Prof. Rühl, Direktoren höherer Lehranstalten. Als Vertreter der Geistlichkeit Pastor Springborn, Frau Bürgermeister Sternberg als Vertreterin des Stettiner Frauenvereins, sowie zahlreiche Vertreter anderer gemeinnütziger Vereine. Ferner waren herbeigeeilt Seminardirektor Dr. Holzmann-Berlin, Dr. Abraham Hirsch-Halberstadt, Herr Aron Hirsch-Berlin, Rechtsanwalt Dr. Kaempser-Posen als Vertreter der Brüdergemeinde Posen und dortiger Vereine liberaler Juden, Emil Cohn-Berlin als Vertreter des liberalen Vereins in Berlin. Unter Orgeklang trugen Gemeindemitglieder den Sarg aus.dem Gotteshause, und eine unabsehbare Menschenmenge folgte zu Fuß und zu Wagen dem Verklärten bis aüf dem Friedhof/ wo der Chor des Handwerkervereins, dessen Ehrenmitglied er war, mit einem Gesänge, ihn empfing. Als erster Redner an dev offenen Gruft sprach Prüf. Dr. M. Philippson für die Erziehungsanstalten des D-I..Gemeindebundes, für den Verband der deutschen Juden und den Verband der Literatur-Vereine. Justizrat B. Breslauer, Berlin, sprach für die Vereinigung desA liberalen Judentums in Deutschland, Rabbiner Dr. Eschelbach er, Berlin, für den Rabbinerverband in Deutschland; Rabbiner Dr. Kaelter, Danzig, für die Vereinigung der liberalen'Rabbiner, Rabbiner Dr; Silber, stein, Stargard, .für die Pommerschen Rabbiner und Gemeinden, Prediger Lion Wolfs für den Verein jüdischer Lehrer in Pommern, Prediger Tr. Sonderling für die Tempelgemeinde Hamburg, Rabbiner Dr. Wilde für die Gemeinde Magdeburg und Dr. Ehrenberg für unsere Gemeinde in Stettin. Außerdem waren noch anwesend die Rabbiner Prof. Maybaum, Prof. Bloch, Dr. Schreiber und Dr. Elsaß. Als Schlußredner trat der älteste Sohn, Rabbiner Dr. Hermann Vogelstein, Königsberg, an die offene Gruft und richtete an seinen in das Reich der Ewigkeit eingegangenen Väter einen letzten Scheidegruß, der mit Allgewalt alle die packte, die Zeugen dieses ergreifenden Aktes waren. Hermann Vogelstein ist der würdige Sohn seines großen Vaters, und er, der alle gottbegnadeten Gaben seines Vaters geerbt, er wird auch das Werk des Vaters fortsetzen, auch er wird seine Kräfte wie bis jetzt auch ferner in den Dienst einer jeden guten Sache stelleti, zum 'Ruhme und zum Segen des Judentums und der Menschheit. Das wird der beste Trost fein für seine hochherzige, edle, an Seelengröße ihrem verklärten Gatten gleichende Mutter, die der Allvater in ihrem Schmerz aufrichten und ihren teuren Kindern noch lange erhalten möge. Sarasohn. -- Leipzig, 12. AugusN In der an der Zentral- und Gottschedstraße gelegenen Synagoge, die im Jahre 1855 erbaut worden ist, werden zurzeit umfangreiche Umbauten ausgeführt, zu denen die Israelitische Religionsgemeinde auf Veranlassung des Baupolizeiamtes der Stadt sich gezwungen sieht. Bisher haben zu den Emporen der . Synagoge Wendeltreppen geführt, die aus Holz hergestellt und dabei sehr schmäl waren. Im Interesse der Sicherheit der Besucher, zumal die Gottesdienste vielfach abends stattfindenwo die Beleuchtung in , Kraft treten muß. wurde der Vorstand der Gemeinde aüfgefordert, hier Abänderung bzw. Wandel zu schaffen. Demgemäß werden zurzeit nach dem Plane des Architekten Professor Karl Sackermann in Leipzig von der hiesigen Baufirma Steib die beiden Treppenhäuser der Synagoge vollständig umgebaut und an Stelle der bisherigen hölzernen Wendeltreppen breite steinerne Treppen mit Podesten angebracht, auf denen mehrere Personen sich ausweicheN können. Die Arbeiten sollen so gefördert werden, daß mit Eintritt der großen jüdischen Feste Ende September bzw. Anfang Oktober der Bau vollendet ist; indessen konnte auch während der Bauzeit der Gottesdienst in der Synagoge abgehalten werden, da man das Schiff derselben von den Treppenhäusern und Seitenräumen abzugrenzen wußte. Die Baukosten werden sich auf etwa 46 000 bis 50 000 Mark stellen. J. Dresden, 12.August. Der soeben erschienene Derwaltungsbericht der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden für dasJahr 1910 gibt in knappem Rahmen und klarer Uebersichtlichkeit ein umfassendes Bild der gemeindlichen Tätigkeit und der Gemeindeinstitutionen im abgelaufenen Jahre. Da die Resultate der letzten Volkszählung noch nicht Vorlagen, wird die Anzahl der jüdischen Bevölkerung Dresdens nach der 1905 er Zählung auf 3931 angegeben. Somit dürfte die jüdische Seelenzahl Dresdens in Wirklichkeit heute bereits die 4000 längst überschritten haben. Die Leitung der Gemeinde liegt in den Händen eines Gemeinderates, der sich aus" drei Vorstehern und neun Deputierten zusammensetzt. Neben den beiden Rabbinern, den Herren Dr. I. Winter und dessen Stellvertreter Dr. L. Stein, führt der Bericht 16 Gemeindebeamte und Bedienstete" auf, darunter zwei Kantoren; drei Lehrer und eine Lehrerin. Infolge der Aufhebung desSchächtverbotes in Sachsen, durch welche das Schächten seit dem 1. Januar wieder zugelassen ist, sind nun auchzwei neue Schächter angestellt worden und zwei Verkaufsstellen für Koscherfleisch unter Aufsicht des Rabbiners eröffnet worden. Wie aus dem-Bericht' ersichtlich ist, ist die Aufhebung * des Schächtvtrbvtes in Sachsen auf eine Petition des Verbandes der israelitischen

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