Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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ungarischen Adel mit dem Prädikate de Gavosdia. Schwab, der in den höchsten Kreisen der ungarischen Metropole in höchstem Ansehen. . stand, war der erste Jude, der zum Mitglieds des Magnatenhauses ernannt wurde. , B. Pilsen, 12. August. Eine d ankbare G e meinde, deren Handlungsweise zur Nachahmung warm empfohlen werden darf, ist die Kultusgemeinde Pilsen in -Böhmen. Der jüngst verewigte Rabbiner Dr. Heinemann Vogel stein, der . in St. Moritz so plötzlich dahingerafft wurde, aus seinem so segensreichen von Gegnern wie Freunden anerkannten Streben für Judenheit und Judentum, war, bevor er die Seelsorge in Stettin übernahm, mehr als ein Dezennium in Pilsen als Rabbiner und Prediger nicht nur, sondern auch als Lehrer in segensreicher Tätigkeit. Obwohl der Verewigte vor nun mehr als drei Dezennien von hier geschieden ist, hat er in der Pilsener Gemeinde ein so dauerndes, vorzügliches Andenken sich gesichert und hinterlassen, daß der Kullusvorsteher dem allgemeinen Empfinden der Gemeindemitglieder Ausdruck verleihend sofort nach Bekanntwerden des großen Verlustes seinen auf der Erholungsreise befindlichen Rabbiner Dr. Golinski beauftragte, zur bevorstehenden Beisetzungsfeierlichkeit für den Entschlafenen nach Stettin zu reisen und im Namen der dankbaren Gemeinde Pilsen ihrem einstigen Rabbiner und Lehrer Worte des Dankes und der Anerkennung als Zeichen des treuen Gedenkens auf seiner Wanderung ins Jenseits nachzurufen. Die Stettiner Gemeinde nahm diese Aufmerksamkeit sehr hoch auf. Einige Tage nach der Beerdigung veranstaltete die hiesige Gemeinde in ihrem Tempel eine würdige Gedenkfeier für ihren dereinstigen Rabbiner und Lehrer, in welcher der Rabbiner- Stellvertreter Dr. Link der Verdienste des Verewigten gerecht wurde.^ England. z. London, 11. August. In einem Interview, das der hier erscheinende „Jewish Chronicle" veröffentlichte, äußerte sich ein angesehener Glaubensgenosse aus Melbourne. Mr. Blashki, in bemerkenswerter Weise über die Sabbatbeobachtung in Australien. Mr. Blashki meinte: „Das Sabbatproblem ist das ernsteste, dem wir zurzeit gegenüberstehen. In den 70er und 80er Jahren, als ich ein Knabe war, richteten die Rabbiner Ornstein und Davis iw Sydney ihr Hauptaugenmerk auf den Sabbat, und sie bemühten sich, energisch und erfolgreich, eine bessere Beobachtung des Sabbats herbeizuführen. In jenen Tagen war es nichts ungewöhnliches, eine große Zahl von Detail- und Engrosgeschäften am Sabbat streng geschlossen zu finden. Leider wird in den letzten Jahren der Sabbat allmählich weniger beobachtet, so daß die Aufgabe, passende Unterkunft für jüdische junge Leute von religiöser Gesinnung zu finden, immer schwieriger wird. Die Hauptursache dieses Rückganges ist im Grunde der wirtschaftliche Erfolg der jüdischen Geschäftsleute. Viele haben ihre Geschäfte in Genossenschaften oder Aktiengesellschaften umgewandelt. Die Gründer ziehen sich zurück oder sterben, und die jüngeren Direktoren betrachten e§ sozusagen als eine Pflicht gegen ihre Anteilseigner, den Sabbat allmählich zu einem Arbeitstag zu machen. Es ist jedoch bemerkenswert, daß diejenigen Häuser, welche fortgesetzt am Sabbat festhalten, ganz außerordentliche geschäftliche Erfolge haben, und daß der Wettbewerb augenscheinlich ihre Lage keineswegs ungünstig beeinflußt. Ich kenne eine Firma in Melbourne, deren Bureaus am Sabbat und an Festtagen streng geschlossen sind und deren Inhaber am Freitag mittag Punkt 2 Uhr sein Geschäft verläßt, und doch ist das Geschäft eines der erfolgreichsten in der ganzen Stadt. Es ist daher sicher ein Irrtum, zu vermuten, daß der Sabbat den wirtschaftlichen Ruin bedinge. Möglicherweise nähert sich übrigens bei uns das Problem seiner Lösung. Man geht in der Melbourner Geschäftswelt damit um, den Sabbat zu einem allgemeinen Halbfeiertag zu machen, eine Maßnahme, welche wahrscheinlich verwirklicht werden wird." Mr. Blashki äußert sich dann noch über den Synagogenbefuch und die religiöse Erziehung in Melbourne, wo es zurzeit drei Gemeinden gibt. Die gesamte jüdische Bevölkerung Australiens erreicht übrigens noch nicht 20 000 Seelen. Van Sah und Sern. .= Wie das Gemeindeblatt mitteilt, wurden.im Berliner jüdischen Krankenhaus im Monat Juni 293 Kranke behandelt, von welchen 140 (21 durch Tod) ausschieden, so daß am 1. Juli 1911 ein Bestand von 153 Kranken verblieb. Dieser verteilte sich auf 6 Kranke in Extrazimmern, 139 Stationkrauke, 2 Diphtherie-, 5 Scharlachkranke.und einen Isolierten. Unter den Kranken befanden sich 38 kostenfrei verpflegte hiesige und 5 fremde. — In der israelitischen Taubstummenanstalt Berlin-Weißensee können zum 1. Oktober Kinder eventuell in Freistellen neu ausgenommen werden. Meldungen sind an Herrn Adolf 5 a l o m o n, Knesebeckstraße 35/36, Charlottenburg, zu richten. — Herr Kommerzienrat Adolf Jahndorf, der kürzlich vom Fürsten Leopold zur Lippe auf sein Schloß Götschendorf zum Tee befohlen wurde, erhielt bei dieser Gelegenheit vom Fürsten den Leopoldsorden zweiter Klasse. — Am vorletzten Sonnabend beging der Vorsteher der Leipziger israelitischen Religionsgemeinde, Herr v. Magnus, seinen 75. Geburtstag. Der - Vorstand der Gemeinde überreichte in Verbindung mit der Gemeindevertretung ein Glückwunschschreiben, mehrere andere gemeinnützige Körperschaften gratulierten durch ihre Vertreter, und der Synagogenchor unter der Leitung des Chordirigenten Kantorowicz brachte unter Begleitung eines Posaunenchors eine Serenade dar. — Dem Geheimen Kommerzienrat Ignatz Bing in Nürnberg überreichte dieser Tage in seiner Villa in Streitberg eine Kommission des Gemeinderates Grünhain i. Sa. unter Führung des Bürgermeisters Nestlers die ihm aus Anlaß seiner Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Grünhain aüsgefertigte Ehrenurkunde. — Der Leiter der Firma Ettlinger 6 Wormser in Karlsruhe i. B., Herr D. Ettlinger, ist anläßlich des hundertjährigen Bestehens der genannten Firma vom Großherzog mit dem Orden des Zähringer Löwen dekoriert worden. — Am 1. April 1911 bestanden in Elsaß - Lothringen 47 öffentliche israelitische Elementarschulen mit 50 Schulklassen und 1134 Schülern und eine private israelitische Elementarschule mit einer Schulklasse und sieben Schulkindern. — Das Begräbnis Israels fand am 15. d. M. um Va12 Uhr mittags (V2 1 Uhr Berliner Zeit) im Haag statt. Der Sarg wurde von dem Wohnhause zum jüdischen Friedhof gebracht. Der Leichenzug stellte eine große Huldigung der niederländischen Kunst für ihren dahingeschiedenen Großmeister dar. Die Trauer ist allgemein. Alle Behörden und die Vertreter der künstlerischen und wissenschaftlichen Institute beteiligten sich an der ergreifenden Ehrung des großen Toten. — Dem Krakauer jüdischen Tageblatt „Tog" wird aus Bad Homburg gemeldet: Seit einiger Zeit weilt hier der Rabbi von Hussiatyn zur Kur. Der Erfinder des lenkbaren Luftballons, Graf Zeppelin, der sich gleichfalls hier aufhält, stattete dem Rabbi vorige Woche einen Besuch ab. Der Graf blieb mit dem Rabbi nahezu eine halbe Stunde in ernstem Gespräche beisammen. Dieser Besuch hat unter den hiesigen Kurgästen nicht geringes Aufsehen erregt und hat die Achtung, mit welcher die Kurgäste dem Rabbi begegneten, nur noch gesteigert. — Neben verschiedenen anderen Glaubensgenossen, die jüngst zu Chevaliers der Ehrenlegion ernannt wurden, befindet sich auch der bekannte Pariser Gelehrte Moise Schwab. Die Auszeichnung wurde dem greisen Gelehrten für seine hervorragenden Verdienste um die Förderung der Wissenschaft, insbesondere aber für seine 39 jährige Tätigkeit an der Nationalbibliothek in Paris verliehen. Moise Schwab ist der Verfasser mehrerer bibliographischer und epigraphischer Arbeiten, die zum größten Teil vom Institut preisgekrönt wurden. — Der Londoner Professor für organische Chemie Professor Dr. Julius B erend Cohen wurde zum ordentlichen Mitglied der Royal Society gewählt. Es ist dies die höchste Auszeichnung, die einem englischen Gelehrten zuteil werden kann. Professor Cohen genießt als Chemiker einen Weltruf. Er ist auch Mitglied der Jewish Board of Guardians und Vorstandsmitglied der Jewish Education Aid Society in Leeds. — Wie die Londoner „Times" berichten, hat Lord Charnberlain als Chef der Theaterzensurbehörde die Aufführung von Schalom Aschs „Gott der Rache" auf sämtlichen Bühnen Englands verboten. Motiviert wird das Verbot damit, daß die Tendenz des Stückes unmoralisch sei. Das Drama hätte zu Beginn der nächsten Saison im Londoner Jüdischen Theater zur Aufführung gelangen sollen. Auch für englische Bühnen war die Aufführung des nunmehr verbotenen Stückes in Aussicht genommen- Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Druck und Verlag von Rudo.lf Mosse in Berlin.