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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-18 · Heft 33 (18.8.1911) · p. Seite 394

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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wird und gegen die öffentliche Glückseligkeit, die nicht nur die Anhänger eines privilegierten Glaubens, sondern alle Bürger zu genießen berechtigt sind. Die Gesellschaft, welche es wagt, diesen Brief an Sie zu richten, eine Gesellschaft, die sich zu dem Zwecke gebildet hat, den Fortschritt der Wissenschaft und Kenntnis unter den Anhängern unserer Religion zu befördern, aber zu gleicher Zeit von tiefsten Gefühlen der Dankbarkeit durchdrungen für die angenehme Aussicht, die Sie unseren unglücklichen Brüdern eröffnet haben, würde geglaubt haben, eine sehr zwingende Pflicht zu versäumen, wenn sie nicht die volle Ausdehnung Ihres verdienstvollen Unternehmens anerkennen würde, indem sie Sie zum außerordentlichen Mitgliede unseres Vereins und zum korrespondierenden Generalvermittler für die Vereinigten Staaten machte. Demgemäß empfangen Sie hier das briefliche Patent dieser Ernennung, zusammen mit zwei Berichten über den gegenwärtigen Stand unserer Gesellschaft, die Ihnen vielleicht eine bessere Kenntnisnahme unserer Bestrebungen und Ziele geben wird, als dieser kurze Brief Ihnen zu gewähren imstande ist? Sie würden, sehr geehrter Herr, uns unendlich verpflichten, wenn Sie uns einen genauen Bericht von allen Einzelheiten senden würden, die die Juden in jeder Provinz der Vereinigten Staaten betreffen, ihrem Fortschritt in Geschäften und Kenntnissen, und über die Rechte, welche ihnen im allgemeinen und von jedem einzelnen Staate gewährt werden. Aber Sie würden uns noch mehr verpflichten dadurch, daß Sie uns eine genügende Anzahl von Personen Vorschlägen würden, die geeignet wären, Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden, und die unter Ihrem Vorsitz, indem sie einen besonderen Verein.bilden, eine beständige Korrespondenz mit uns über die Mittel, einen großen Teil europäischer Juden nach den Vereinigten Staaten zu verpflanzen, führen wollten, und wie. solche Auswanderung mit dem Wohlergehen derer sich vereinigen ließe, die es vorziehen würden, ihr Land zu verlassen, um endloser Sklaverei und Unterdrückung zu entgehen. Berlin, 1. Januar 1822. E. Gans, Doktor der Rechte, Präsident, Zunz, Doktor der Philosophie, Vizepräsident. M. Moser, Erster Vizesekretär." Die Bedeutsamkeit dieses Briefes für die Geschichte der jüdischen Kolonisationsbestrebungen braucht nicht weitläufig auseinandergesetzt zu werden, wenn freilich auch ein wesentlicher Teil unseres Schriftstückes dazu bestimmt ist, eine Art von Zweigverein des Berliner jüdischen Vereins in Amerika zu begründen. Es scheint nicht, daß Noah auf die Zuschrift, für so bedeutsam er sie auch hielt, geantwortet hat; von einer weiteren Verbindung des abenteuerlichen Amerikaners mit den ernsten Berliner Gelehrten ist nichts Weiteres bekannt. Vielleicht hat die Teilnahme des Berliner Kulturvereins manche osteuropäische, vielleicht auch einzelne deutsche Juden zur Auswanderung nach Amerika veranlaßt, zu der freilich in den mißlichen jüdischen Verhältnissen Europas und der gerade damals stark verbreiteten anti-jüdischen Stimmung Grund genug vorhanden war. Man weiß, daß Noahs Plan kläglich scheiterte. Im Jahre 1825 fand zwar mit vielem Pomp eine feierliche Grundsteinlegung für die neue Ansiedlung statt, aber es kam nicht zu dem Bau einer Stadt und noch weniger zur Begründung eines neuen Reiches. Immerhin ist das Dokument, das-oben veröffentlicht wurde, vom außerordentlichem kulturgeschichtlichen Interesse. BSJS3 Heim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Treucsoni. XXVIII. c^slso ging er zum Schames. Der brave Tempeldiener nahm die Sache durchaus nicht tragisch. Der Tempel ist offen? Nun, was ist dabei? ' „Was dabei ist?" versetzte Berele ärgerlich. „Und wenn ein Dieb hineingeht?" „Hat man schon so etwas gehört?" rief verwundert der Schames. „Ein Dieb, das ist ein Poschejißroel. Haben Sie schon gesehen, daß ein Poschejißroel in den Tempel geht?" Die Unmöglichkeit war so offenkundig, daß sich Berele beruhigte. Das ist ja wahr, dachte er bei sich, doch wahr ist es auch, daß man den Tempel schließen muß, denn das ist so gebräuchlich. „Was sollen wir machen, Reb Antschel?" fragte er. „Wissen Sie was," erwiderte Reb Antschel Knall, der gern ins Bett zurückgekrochen wäre. „Sie tun doch' gern eine Mizwa. Da ist der Schlüssel, nehmen Sie ihn, sperren Sie den Tempel zu und in der Früh, wenn Sie nach Hause gehen, bringen Sie mir ihn zurück." ' Das konnte man nicht zurückweisen. Berele nahm also den Schlüssel und ging fort. Als er sich dem Hause der Tante Breindl näherte, wurde der Hund unruhig. Berele starrte in die Finsternis, um den Grund seiner Unruhe zu erforschen, und wie er seine Augen in die pechschwarze Nacht hineinbohrt, bleibt ihm vor Schrecken schier .der Atem stocken. Vor den mit Eisenläden versehenen Fenstern der Tante Breindl bewegten sich Menschen, und dies geschah gewiß nicht in guter Absicht. Das müssen Diebe oder Raubmörder sein und hier werden schreckliche Dinge Vorgehen. Der Hund wollte ihn hinzerren, doch ein Hund hat nicht viel Verstand. Diese vielen Mörder können auch eine Armee besiegen, wie sollte sich ihnen da ein Nachtwächter entgegenstellen? Berele hielt dem Hunde das Maul zu, und der Gedanke blitzte durch sein Hirn, daß Gott die Welt vielleicht doch nicht gut eingerichtet habe; denn warum gibt es nur unter den Menschen Taubstumme und warum nicht auch unter den Hunden? Dieses Tier wird ihn noch in Gefahr bringen. Zum Glück bemerkten ihn die Mörder nicht. Die schauten weder rechts noch links; sondern zischelten und tuschelten nur, und bald preßte der eine, bald der andere sein Ohr an den eisernen Laden. Dabei flüsterten sie: „Nu, Reb Bünem?" „Still! Still!" „Lernen sie?" „Erstick'! Kannst du nicht schweigen?" Die Leute verstummten und blieben regungslos, wie zu Eis erstarrt. Da plötzlich rief einer jubelnd aus: „Jetzt, jetzt! Hierher, Kinder! Hört Ihr es? Fragt Reb Hauptwort! Enfert Reb Zeitwort! Hört Ihr es?" Da lehnten sich gleich fünf von ihnen an das Fenster. In der Tat ertönte herrlicher Gesang aus dem Zimmer: „In Hilches Awojede Sore lernen mo: der Bauer is eppes anders, ün das Bauer is eppes anders." Reb Bünem schäumte vor Wut. „Hört Ihr es, Rebojßem? Na, wartet nur! Da wartet nur! Den Bauer braucht Ihr und das Bauer braucht Ihr? Leute,

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