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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-11 · Heft 32 (11.8.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Vereinen aufnehmen kann. Aus der Fülle des^ Gebotenen seien hervorgehoben: 100 in Mallauf, 200 in Vorgabelauf, 400; in Mallauf, 1000 m Vorgabelauf, Speerwurf, Kugelstoßen, Meitsprung, Hochsprung, sportliche und turnerische Dreikämpfe und schließlich ein 50 m Mallauf und Hochsprung der Jugendmannschäften . Der Besuch war ein sehr guter. Die herrliche Lage des Sportplatzes in Schulzendorf hatte viele angelockt, einen Sonntag im Kreise der jüdischen' Sportsman zu verbringen. Die Sportabteilung des Lar Köchbä hat durch dieses erste Meeting sicherlich eine große Anzahl neuer Freunde gewonnen. M. M. Braunsberg, Ostpr., 4. August. Eine ehrende - Aufmerksamkeit wurde dem Kaufmann Herrn Leo Lehmann und seiner Gattin, die am 26. Juni das silberne Ehejubiläum begehen konnten, von seiten des „Vereins selbständiger Kaufleute im Handelskammerbezirk Braunsberg", in welchem Herr Lehmann seit dessen Bestehen das Amt des Kassierers versieht, zuteil. Die Herren Handelskammerpräsident Steffen aus Frauenburg und Stadtrat Wichert überreichten dem Jubilar eine kunstvoll gearbeitete silberne Fruchtschale mit entsprechender Widmung, wobei Herr Stadlrat Wichert den Gefühlen der Hochachtung und Wertschätzung, welche die Vereinsmitglieder für Herrn Lehmann empfinden, beredten Ausdruck gab, und Herr Handelskammerpräsident Steffen herzliche Wünsche für das fernere Wohlergehen des Jubelpaares aussprach. — Herr Leo Lehmann erfreut sich der höchsten Achtung seiner Mitbürger, ohne Unterschied der Konfession. Vor Jahresfrist schon wurde er zum Stadtverordneten gewählt und ihm das Schiedsrichteramt übertragen. Als Mitglied des Vorstandskollegiums der jüdischen Gemeinde hat sich der Jubilar auch von jeher um das Wohl der hiesigen Synagogengemeinde bemüht. M. Hamburg, 6. August. In Ausführung eines letztwilligen Wunsches ihres verstorbenen Gatten, Herrn Joseph Levy, errichtete die Witwe Frau Joseph Levy hier eine größere Stiftung, welche den Namen „Joseph und Bertha Levy Eheleute, wohltätige Stiftung" trägt. Der verstorbene. Bankier, Herr Levy, war eme bekannte Persönlichkeit aus einer Allhamburger Familie» welcher auch durch seine Mitarbeit in der hiesigen Deutsch- Israelitischen Gemeinde, im Altenhaus, im Vorstand des Shnagogenverbandes und vielen gemeinnützigen Vereinen wirkte. Die Erträgniffe der Stiftung sollen in erster Linie für Brautausstattungen und Stipendien für Studierende verwendet werden. — München, 3. August. Auf eine von der bayerischen Rabbinerkonferenz beschlossene Eingabe erging an das Nabbinat München folgende Entschließung des Kriegsministeriums: „Zum Schreiben vom 4. 7. 1911. Auf die Berücksichtigung der jüdischen Hauptfeiertage bei der Einstellung israelitischer Einjährig-Freiwilliger, wie auch der israelitischen Rekruten sind die Dienststellen bereits mit dem in Abschrift anliegenden Erlaß vom 12, 4. 11. Nr. 7644 aufmerksam gemacht worden. Koberle." Der Erlaß lautet: „München, 12. April 191t. Bei der Einberufung und Einstellung israelitischer Rekruten ist auf die jüdischen.Hauptfeiertage Rücksicht zu nehmen, soweit die dienstlichen Interessen es gestatten. Israelitische ^Einjährig- Freiwillige, die beispielsweise wegen des im laufenden Jahre am 1. (Vorabend) und 2. Oktober stattfindenden Versöhnungsfestes erst am 3. Oktober eingestellt zn werden wünschen, sind darauf aufmerksam zu machen, daß ihre aktive Dienstzeit bestimmungsgemäß vom Tage des Diepfteintritts an rechnet und daß sich dementsprechend ihr Entlassungstag hinausschiebt. Graf v. Horn." Frankfurt a. M , 4. August. Der in Gebweiler i. E. erscheinenden „Israelitischen Wochenschrift" wird von hier geschrieben: Die vor einigen Wochen erschienene Ankündigung der öffentlichen Versteigerung kostbarer deutscher Goldschmiede-Arbeiten aus der allberühmten Sammlung des verstorbenen. Barons Carl Meyer v. Rothschild in der Galerie Petit in Paris hat weit über die vom Kunstmarkring aus interessierten Kreise hinaus Aufsehen erregt und bei vielen. Befremden und Wißbegierde nach der Ursache der Veräußerung einzigartiger Schätze durch die Familie v. Rothschild hervorgerufen; daß sich besonders hier in Frankfurt lebhafte Teilnahme am Schicksal des Rothschild-Schatzes kundgab, ist leicht begreiflich. War er doch hier zusammengebracht worden und teilweise jahrelang der öffentlichen Besichtigung zugänglich, war man stolz darauf, daß ihn die Mauern von Frankfurt beherbergten, als er infolge Erbteilung zersplittert und.ins Ausland wanderte und der Stadt verloren ging. Die. Versteigerung hat bereits stattgefunden und für. 119 Nummern einen Erlös von 1663 000 Francs gebracht. Zur Geschichte der Frankfurter Rothschild-Sammlung, von Schätzen umgeben, sei noch manches hier erwähnt, das gewiß noch von Interesse ist. Freiherr Mayer Carl v. Rothschild, der zweitletzte Chef des Frankfurter Hauses. 1869 Abgeordneter zum konstituierenden Norddeutschen Reichstag, später auch Mitglied des preußischen Herrenhauses auf Lebenszeit, war der. Besitzer des Silberschatzes, der nur eine kleine, eine ihresgleichen suchende Kunstsammlung darstellte. Die untergebrachten Sammlungen gipfelten in der Abteilung für Prachterzeugnisse der Goldschmiedekuust des 13. bis 18. Jahrhunderts. Sie enthielt einen märchenhaften Reichtum an Schaugefäßen,. Prunk' schalen.Kannen, Tafelaufsätzen, Kelchen, Pokalen,.silbermontierten Trinkgefäßen usw. Am 16. Oktober 1886 starb Carl v. Rothschild, und in/ demselben Jahr nahm dessen Witwe, Freifrau Luise, die erste Teilung am Kunstschatz vor, die sich, auf den wertvollsten Bestand erstreckte. Es ging bei dieser Teilung ebenso gerecht wie suuMarisch zu. Fünf. Teile waren zu machen. Zwei Experten, ein Kunst gelehrter, und ein ^Kunsthändler halsen hierbei. Jedesmal fünf Stücke aus der Sammlung wurden ausgewahlt. die den. Sachverständigen gleich-? wertig erschienen und gleiche Stücke zugewiesen. Erben hierbei waren die fünf Töchter des Freiherrn Carl und der Freifrau Louise, nämlich: Baron Salomon v. Rothschild, James v. Rothschild, Herzogin v. Gramont, Fürstin v. Wagram, sämtlich in Paris und Lady Rothschild in London. Die obenerwähnten Spezialsammlungen blieben weiter bestehen. Die Teilung geschah erst nach dem Tode der Freifrau Louise, nämlich im Januar 1895 unter sich. In Frankfurt verblieben nur zwei alte silberne von einem hiesigen Goldschmied angefertigte Humpen. Ueberhaupt ist für Frankfurt der Silberschatz verloren. letzten. 2. Brüffel, 4. August. Im hiesigen Parktheater wurde neuerdings das Drama „Liebe der Sulamith" von Herrn du Bois, mit großem Beifall aufgeführt. Der Stoff, teils dem Buche der Könige, teils dem Hohenlieds entlehnt, behandelt den Konflikt zwischen Vater (David) und Sohn (B6hor), die beide in Liebe zu ein und derselben Jungfrau entbrannt sind. Diese Jungfrau (Penninah) fordert der König kraft"des ihm vom Volke zuerteilten Rechtes als sein Eigentumum seinen Lebenswinter mit den Strahlen ihrer weiblichen Frühlingsschönheit zu erwärmen.' Behor dagegen begehrt das Mädcken mit dem nicht minder geltenden Rechte der kraftvollen zur Liebe berechtigten Jugend. Und inmitten dieser Rivalität, welche Böhor beinahe zu einem Vatermörder und Aufrührer machen und David in den Henker seines Sohnes zu verwandeln drohen, zittert leuchtend die köstliche Unbefangenheit dieser Sulamith (Penninah), welche, ahnungslos von der durch sie entfachten Liebesglut. als deren erstes Opfer fallen muß. Der ebenso weise als ehrgeizige Salomo dürstet schon lange nach der Thronfolge. Er weiß keinen besseren Rat, um feinen älteren Bruder Böhor zu beseitigen, als die schöne Penninah heimlich vergiften zu lassen, wohlwissend, daß der in Liebe entstammte Böhor den Tod der Geliebten nicht wird überleben können. Diese an dramatischen Situationen wie an Sprachschönheit reiche Schöpfung wurde von vier Mitgliedern der Oomääie Urnn^aise meisterhaft aufgeführt und fand einen wohlverdienten Erfolg. Frankreich. Paris, 4. August. Das Zentralkomitee der Allianqe Isra&ite Universelle hat von dem 'Mitglied des Zentralkomitees, Herrn I. Fernandez, über die Brandkatastrophe in Konstantinopel nachstehenden Bericht erhalten: Konstantinopel, 27. Juli 1911. Verehrter Herr Präsident!' Soeben'habe ich Ihnen düs Telegramm bestätigt, das ich Ihnen vorgestern zu schicken die Ehre hatte,. und in dem-ich Ihnen von den beiden fürchterlichen Nnglücksfällen Mitteilung machte, die im Zeitraum von 24 Stünden unsere Hauptstadt heimgesucht und die ganze Bevölkerung der Stadt in Schrecken und Bestürzung versetzt haben. Zwei überaus heftige Brände haben in verschiedenen Stadtteilen an zwei aufeinander folgenden Tagen

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