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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-11 · Heft 32 (11.8.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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».**„*.» Der <§emetndeüate. Vetlsge zur „Allgemeinen Lettuns deß Judentums. lkmrelpnnÄkn?en und Kschrichten. Deutschland. ---Berlin, 8. August. Das Deutsche Bureau der Alliance Israölite Universelle sendet uns nachstehenden Aufruf zugunsten der durch die Brandkatastrophe in Konstantinopel Geschädigten: Glaubensgenossen! Ein schweres Unglück hat unsere Glaubens- - brüder in Konstantinopel betroffen. Eine ungeheure Feuersbrunst hat ganze Quartiere der Stadt, die hauptsächlich der jüdischen Bevölkerung zum Wohnsitz dienten, zerstört. Laufende armer Juden sind ohne Obdach. Unsere Schulen haben aus das schwerste gelitten, mehrere von ihnen sind ein Raub des Feuers geworden. Das Zentralkomitee in Paris hat sogleich eine beträchtliche Summe zur Linderung der Not nach Konstantinopel geschickt. Aber die Größe des Unglücks fordert, daß jeder von uns nach seinen Kräften zur Unterstützung unserer unglücklichen Glaubensgenossen beitrage. Bisher hat noch jeder Appell an das warme Herz und die Opferwilligkeit der deutschen Juden einen lauten Widerhall gefunden. Wir erwarten mit vollem Vertrauen, daß alle deutschen Juden nicht säumen werden, ihre Spenden zu einer erheblichen Summe zu vereinen, die den Unglücklichen in Konstantinopel Trost und Hilfe in ihrer Not bringen soll. Beiträge nimmt entgegen das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle, Berlin N. 24, Oranienburger Straße 42/43. Das Präsidium der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Israölite Universelle: Justizrat Max Fuchs; Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Landau, Berlin; Rabbiner Dr. Werner, München. M. F. Berlin, 8. August. Die neue Synagoge in Berlin W. an der Ecke der Kant- und Fasanenstraße, erfährt mit mehreren vorzüglichen Abbildungen in der jüngsten illustrierten Wochenausgabe der Fachzeitschrift „Die Bauwelt" (Nr. 83) eine eingehende Würdigung auf Grund der dort beigegebenen Pläne und Grundrisse des Archi» tekten Ehrensried Hessel. Noch ist der seiner Vollendung entgegengehende Bau mit Gerüsten umhüllt, aber die Berliner Autoritäten unter den Architekten widmen ihm hier in ihrem Fachblatt folgendes uneingeschränkte Lob: „Der Bau dieser Synagoge ist aus öffentlichem Wettbewerb hervorgegangen, der im Jahre 1908 unter den Architekten Deutschlands ausgeschrieben war; die Ausführung seines Entwurfs wie die architektonische und künstlerische Oberleitung wurde unter den Preisträgern Herrn Architekt Ehrenfried Hessel übertragen, während die Bauausführung durch das Baubureau der jüdischen Gemeinde erfolgt. An der Seitenfront der Kantstraße erscheinen zunächst drei massive Kuppeln, deren weiche und dennoch energische Umrisse leicht ineinander zusammenfließen. Die Hauptfront der Synagoge befindet sich mit dem hoch und ernst gehaltenen Portal an der Fasanenstraße, seitlich lehnen sich daran noch zwei niedrige mit Halbgiebeln gedeckte Flügel, welche den Fraueneingang aufnehmen; damit ist die dreischiffige Anordnung des Jnnenraums zum Ausdruck gebracht. Sehr sympathisch wirkt an diesem Bau die einfache Klarheit und Uebersichtlichkeit der Hauptmassen, das Dominieren eines plastischen Gedankens, welcher nicht überwuchert oder verunstaltet wird durch ornamentalen Schmuck, wie. es z. B. an der benachbarten Gedächtniskirche und deren Umgebung leider der Fall ist. Form und Ornament sind in den strengen Linien des romanischen Stils gehalten, der Verfasser verstand aber, Strengheit der Linien mit anmutigen Formen! zu verbinden; die Bestimmung des Baus ist klar ausgedrückt durch bescheiden eingefügte Symbole. Eine zweiteilige überdachte Einfahrt verbindet den Hauptbau mit der seitlich angeordneten Gebäudegruppe, letztere enthält die Wochen-Synagoge. den Trausaal, eine Gemeindeschule und eine Wohnung. Der Bau umschließt einen kleinen» sehr vornehm wirkenden rechteckigen Hof, welcher noch einen Zierbrunnen erhalten wird. Das Ganze ist in kräftigen hellgrauen Kalksteinquadern ausgeführt. Dies erhöht noch den gediegenen Eindruck des Baues. Das Grau des Mauerwerks wird angenehm belebt durch die rote Bedachung der Kuppeln . . . Schon jetzt macht im Innern der dreischiffige Hauptraum einen imponierenden Eindruck durch seine Höhe. Man bemerkt auf jeder Seite je drei wuchtige hochaufschießende Hauptpfeiler, auf welchen die Kuppeln ruhen. Der Raum wird nur Seitenlicht haben; dadurch wird eine konzentrierte Lichtquelle gewonnen, welche in hohen, luftigen Räumen so schöne Effekte hervorbringt, die Kuppeln werden durch Farbengebung (Mosaik) diese Lichtwirkung nur erhöhen. Wenn die reichlich bewilligten Mittel mit demselben maßvollen Verständnis auch weiterhin verwendet werden, dann verspricht diese Synagoge in Zukunft einen der schönsten sakralen Jnnenräume zu besitzen. Der innere Ausbau wird aber voraussichtlich noch ein Jahr dauern, denn eine reise und gediegene Arbeit will Zeit haben. Wir werden später diesen interessanten Bau noch weiter besprechen . . ." Soweit die jüngste Nummer des Fachblatts „Die Bauwelt", über deren fachmännische Objektivität wir wohl Genugtuung empfinden können. Weniger objektiv aber erscheint uns eine Bemerkung in Nr. 77 desselben Fachblatts über den Synagogenwettbewerb für Mainz. Da heißt es über die ebenfalls abgebildete Synagoge in Mainz, bei dem Entwurf des Wallot-Schülers O. Menzel: „M. hat mit seinen neuesten Arbeiten einen würdevollen sakralen und charakteristischen Synagogentyp entwickelt, den er in mehreren Varianten darstellt. Den halbasiatischen Klang, der das Spezifikum dieser Kultgebäude ausmacht und der gewöhnlich durch eine Arabeskenornamentik an gedeutet wird (Anm.: Maurische Kuppelwölbung?), sucht er zu treffen durch glattgeschnittene Mauerflächen, die eine kräftigere Belebung erst annehmen in der Höhe, wo kuppelartige Ausbuchtungen die bewegte Kontur ergeben . . ." Hierzu folgende Bemerkung unseres Referenten: „Was den ersichtlich verfahrenen Ausdruck bezüglich des „halbasiatischen" Spezifikums bei unseren Kultusgebäuden anbelangt, so hätte den Verfasser ein Blick in die Architekturabteilung der alljährlichen Berliner Kunstausstellung im Landes» Ausstellungspark eines besseren belehren können, dort waren neben romanischen Synagogenskizzen auch gotische Pläne usw. ausgestellt. Vielleicht interessiert sich der Referent der „Bauwelt" einmal für die in gotischem Stil durch geführte Synagoge in Dortmund?" 22 Berlin, 8. August. Der Verein für Arbeitsnachweis (begründet von den Berliner Logen U.O.B.B., Monbijouplatz 10) schreibt uns: Die Signatur des Arbeitsmarktes war im Berichtsmonat um so ungünstiger» als bei der in Anbetracht der toten Saison erheblich herabgeminderten Nachfrage nach Arbeitskräften ein merkliches Anschwellen der Zahl arbeitsloser Petenten festzustellen war. Im einzelnen konnten von 241 Bewerbern, welche die für alle Teile unentgeltliche Vermittlung unseres Bureaus in Anspruch nahmen, 173 Stellungslose, und zwar 48 Kaufleute, 73 gewerbliche und 52 weibliche Arbeitskräfte einer zum größten Teil dauernden Beschäftigung zugeführt werden. Bemerkenswert war die das Angebot bedeutend übersteigende Nachfrage nach weiblichen Arbeitskräften, so daß in dieser Abteilung eine größere Zahl von Vakanzen unerledigt bleiben mußte. Die Schreibstube des Vereins wurde mit Arbeiten für die Herbstreklame von einer größeren Zahl von Firmen beauftragt. Hier wäre eine erheblichere Inanspruchnahme seitens der Herren Chefs um so wünschenswerter, als durch die Uebertragung der uns übergebenen Arbeiten an vorübergehend arbeitslose Bewerber bei sofortiger Auszahlung des Verdienstes so mancher oft unverschuldeter Notlage gesteuert werden kann. ---Berlin, 4. August. Das leichtathletische Meeting der Spo rtabteilung des Jüdischen Turnvereins Lar Kochba am Sonntag den 30. Juli gestaltete sich zu einem interessanten sportlichen Ereignis. 50 Sportleute hatten sich zur Teilnahme gemeldet, und jede der einzelnen Konkurrenzen brachte heiße Kämpfe. Die Leistungen waren durchweg sehr erfreuliche und bewiesen, daß sich die junge Abteilung auf bestem Wege befindet und jede Konkurrenz mit anderen

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