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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-11 · Heft 32 (11.8.1911) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
Seite 378 (sequence 6)
Language
German
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. ' i machgefühlt werden. Wir werden uns davor hüten, eine '4 Wagen. Die. Reichen, die sich um die Not des armen Volkes prophetische Rede, die uns in ihrer Schönheit , ergreift, des- I nicht kümmerten, lagen aus elfenbeinernen Bänken mit Damastwegen auch den Kindern bieten zu wollen. Ich denke dabei s! polstern. Sie schlachteten täglich ein Mastkalb und berauschten natürlich nur an Kinder der Oberstufe, im besonderen an Kinder des letzten Schuljahrs. Prophetische Reden! Im allgemeinen bringt das Kind einer Rede mahnenden oder strafenden Inhalts nicht s viel Interesse entgegen. Häufungen der Worte, Wiederholungen ermüden es. Aber die Propheten hatten ein Volk vor sich, das sicherlich auch nicht geneigt war, längeren abstrakten Ausführungen zu folgen. Schon aus diesem Grunde mußten sie, um die Aufmerksamkeit zu fesseln und eindringlich zu lehren, durch bildliche Rede und Handlung veranschaulichen. Amos, der Prophet der Gerechtigkeit, sieht Gott auf der Mauer mit dem Senkblei in der Hand: so: genau und gerecht wird er mit seinem Volk verfahren.. Jesaja geht in der Tracht des Kriegsgefangenen einher, um zu zeigen, was Aegypten von Aschur erduldenwird. Jeremia fordert Unterwerfung unter Babels Macht, er trägt ein hölzernes Joch. Das zerbricht Hynania. der falsche Prophet. Da legt sich Jeremia ein eisernes Joch auf, — eine Debatte in sinnbildlichen Handlungen. Ezedhiel schreibt die Namen Joseph und Juda auf zwei Stäbe,, und als Zeichen einstmaliger Wiedervereinigung der beiden Reiche hält er sie zusammen. Diese Mittel eindruckvertiesender, sinnfälliger Darstellung für ein Volk, das selbst noch, wie die Kinder, mit innerer und lebendiger Anschauung denkt, sollen sein,- wie dem Ezechiel (37, 20) bezeichnend verkündigt wird: DrTO^b "p'2 — „in Deiner Hand vor ihren Augen". Eine. Forderung, die auch für den Unterricht, so oft es angeht, gilt. Bilder, die mit Wortspielen verbunden sind, sagen freilich unseren Schülern, sofern sie. nicht das Hebräische gründlich verstehen, nicht viel. So in Jeremias Berufung der ^pO bpfc •PaK-^TptP *0), oder bei Amos der pp 21^2 (ppn 82); auch Uebertragungen, die alle Beziehungen durch' angesügte Erklärungen aufdecken, nützen da nicht viel, weil in diesem Falle bei uns der Vergleich nicht in der Anschauung liegt. Aus naheliegenden Gründen verbieten sich andere Bilder, wie z. B. die Ehe des Hosea mit der DtP8, die ich, nebenbei bemerkt, als eine Allegorie, aber nicht als eine Lebenserfahrung des Propheten auffasse. Ich kann es nicht billigen, wenn, wie es in den protestantischen Darstellungen der Prophetie für die Schule geschieht, zur Abrundung der Reden der Propheten Stücke aus verschiedenen Kapiteln ineinander geschoben werden. Ich sehe darin, wenn auch nicht gerade eine pietätlose, so doch eine geschmacklose Vergewaltigung des prophetischen Wortes, das durch der Herren eigenen Geist nicht umgestaltet werden darf. Wir wählen für unsere Kinder nur abgerundete Stücke aus, die an, sich verstanden werden können. Man mag den einen oder anderen Vers auslassen, wenn es durchaus notwendig ist, — aber hinzufügen darf man nichts. Hingegen halte ich es aus methodischen Gründen für berechtigt, daß man zur Steigerung der Anschaulichkeit eine bloß mögliche Veranlassung der Rede als' eine tatsächliche lebendig ausmalt. So findet man in fast sämtlichen neueren Darstellungen der Prophetie — sowohl in populärwissenschaftlichen als methodischen Werken —. das erste Auftreten des Propheten Amos im Nordreich packend geschildert. In Bethel. feiert man um das Jahr 760 ein großes Herbstfest. Es ist eine glückliche Zeit, Jerobeam II. herrscht über ein gewaltiges Gebiet. Damaskus ist geschlagen, die Nachbarvölker sind unterworfen. Samaria stolzierte in .Prunk und Pracht. Elfenbeinerne Paläste gab es da, Burgen, Rosse und sich an edlem Wein. Die verstanden es. Feste zu feiern. Und wie nun an dem großen Herbstfest die ausgelassene Freude : ihren höchsten Grad erreicht hatte, da ruft in all den Jubel ein schlichter, fremder Wann im üblichen Ton der Totenklage die Worte: „Sie fällt, stehet nicht wieder auf, die Jungfrau Israel, sie liegt hingcstreckt auf ihrem Boden, keiner richtet sie auf!" (Amos 5, 2.) Das läßt sich sicherlich sehr wirkungsvoll im Kontraste darstellen, aber wie entgegenkommend man auch sonst den Behauptungen der Theologen gegenüber sein mag, es liegt auch nicht der Schatten eines Beweises vor, daß Amos gerade , an einem Herbstfeste zu Bethel auftrat und seine Reden mit dieser Totenklage eröffnete. Daß Amos einmal die Vision vom Korb mit Herbstfrüchten hat, mag man als Entschuldigung für diese Schilderung des ersten Auftretens von Amos gelten lassen; eine wissenschaftliche Begründung ist das selbstverständlich nicht. Aber in Rücksicht auf die S ch u l e kann man eine solche epische Ausgestaltung nicht nur gestatten, sondern muß sie empfehlen, zumal sich auch eine Charakteristik der geschichtlichen Verhältnisse ungezwungen damit verknüpfen läßt. Die Propheten waren nicht nur Künder der idealen Forderung, die über Ort und Zeit erhaben istsie standen fest im Boden der Heimat und wurzelten in ihrer Zeit. Sie waren weise Mahner, die mit göttlich erhelltem Blick die gegenwärtigen und kommenden politischen Verhältnisse durchschauten und König und Volk, Priester und Leviten zurechtwiesen. Daher ist ein volles Verständnis der prophetischen 1 Persönlichkeiten nicht zu gewinnen ohne Kenntnis der Zeitverhältnisse. Gewiß dürfen wir in unseren Religionsstunden nicht Geschichte treiben, aber ich kann die übergroße Zurückhaltung in der unterrichtlichen Verwertung der Königsgeschichte der untergehenden Reiche Israel und Juda nicht billigen. Es ist selbstverständlich, daß alles trockene Namen- und Zahlenwissen überflüssig und schädlich ist, aber die politischen Zustände der beiden kleinen Reiche, ihr Verhältnis zu. den Nachbarstaaten und zu den emporstrebenden und sinkenden Weltreichen von Assyrien und Babel, zu Aegypten und Persien, das muß zu lebendiger Anschauung gebracht werden. Natürlich ist auch hierbei das Geschichtliche nicht Selbstzweck, es ist die Grundlage, es ist eine Folie, von der sich das Wirken der Propheten abhebt. Das Geschichtliche, soweit es nicht prophetisch durchleuchtet ist, kommt in unseren Religionsstunden nicht in Betracht. In der geschichtlichen Darstellung der sinkenden Reiche Israel und Juda sind nicht die Könige für uns die Hauptträger des Stoffes, sondern in unseren Lehrplänen stehen die Namen der Propheten an erster Stelle, um diese gruppiert sich der geschichtliche Stoff. Es ist ja auch das Religiöse in der Politik, das uns hier besonders anzieht. Dem kleinen Staate wird Selbsterkenntnis gepredigt, er soll seine Macht nicht überschätzen und vor „patriotischer" Großmannssucht sich hüten, - und auch den großen Staaten, die nur eine Zuchtrute in der Hand des Höchsten sind, wird ihr wandelbares Geschick warnend vors Auge gestellt. Der Zwist unter verwandten Nationen wird verachtet, friedliches Vereinen ist immer - erstrebenswert, Verträge müssen, wie überhaupt das gegebene 1 Wort, gehalten werden. Innerhalb des Staates muß das j strenge Recht herrschen, niemand darf bevorzugt werden, aber die soziale Fürsorge soll wirken für Witwen und Waisen, für die 'Armen, für die Dienenden und Arbeiter. Jojakim errichtet Paläste aus Zedernholz und bezahlt die Arbeiter

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