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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-04 · Heft 31 (4.8.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 31 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Sprache und Literatur der bekannte Schriftsteller Herr N. Sokolow- Wärschaü berichten. Anläßlich:, des Kongresses wird eine. Palästina- Nusstellung im- Stadtkasino zu Basel veranstaltet werden, auf welcher, der Jüdische Nationalfonds, der Bezalel, der Verband jüdischer Frauen für- Kulturarbeit in Palästina und andere mehr, ausstellen werden; Die- Zionistische Vereinigung in Basel plant die Veranstaltung eines Sommerfestes- und einer geme.infamen Dampferfahrt zu Ehren der Kongreßdelegierten; die national-jüdische Studentenschaft wird einen großen Kommers füralle Kongreßteilnehmer veranstalten. GesterrrLch-Angarn. L. Wien, 30. Juli. Wir glauben bereits gemeldet zu Habendaß Zionisten aus Galizien sich beschwerdeführend an den Obersten Gerichtshof., gewendet haben, weil in der jüngst, stattgefundenen Volkszählung ,die,Anführung der „jüdischen" Sprache als. Umgangs" spräche ihnen nicht gestattet wurde. Die Beschwerdeführer wurden in allen Instanzen und vor einigen Tagen auch vom Obersten Gerichtshöfe abgewiesen mit der Begründung, daß diese Sprache keineswegs von allen Juden in Oesterreich und selbst nicht einmal in Galizien und der Bukowina gesprochen wird. Zu dieser oberstgericht- ^lichen Entscheidung bemerkt mit Recht die „Sonn- und Montagszeitung": ,-Die zionistische Agitation hat sich zu der positiven Forderung der Anerkennung der „jüdischen" Sprache als einer Volks» und landesüblichen Sprache in Oesterreich verdichtet. Beschwerdeführer aus Galizien fühlten sich in den staatsgrundsetzlich gewährleisteten Rechten auf Wahrung ihrer Nationalität und Sprache verletzt, weil , bei der Volkszählung die Anführung der „jüdischen" Sprache als Umgangssprache nicht gestattet war. Zu bemerken ist, daß die Beschwerdeführer unter „jüdischer" Sprache den Jargon und keineswegs die hebräische Sprache verstehen. DaS Reichsgericht hat ganz -selbstverständlich diese „jüdische" Sprache, als Volkssprache nichtanerkannt.- Man kann diese Bewegung, die darauf ausgeht, in Oesterreich . ein sprachlich von den andern Nationen sich unterscheidendes .jüdisches Volkstum zu schaffen,. im Interesse, des Juden» tums nur auf. das' tiefste beklagen. Daß Juden selbst die Ringmauern für ein Ghetto ausführen und die Ketten schmieden, sie an dieses Ghetto zu fesseln, ist angesichts der schweren Bedrohung der staatsbürgerlichen Freiheit und Gleichheit der Juden durch die Reaktion als eine schwere und verhängnisvolle Verirrung zu bezeichnen, die aus unheilvollen Trugschlüssen entstanden ist. Vielleicht bewirkt die Entscheidung des Reichsgerichts ein Ende dieses Treibens." — Bei dem vor einigen Tagen stattgefündenen heftigen Erdbeben in Kecskemet jUngarn) wurde auch der dortige israelitische Tempel stark beschädigt. Die Grundmauern, die eine starke Erschütterung erlitten, weisen Risse und Sprünge auf, und die Kuppel des Tempelgebäudes droht jeden Augenblick einzustürzen. Der Schaden, den die israelitische Kultusgemeinde in Kecskemet erleidet,, ist um.so größer, als es schwer halten dürfte, das arg. beschädigte Gotteshaus noch vor den Feiertagen zu renovieren. Leider sind bei dem genannten Erdbeben auch Menschenleben zu beklagen. Unter den Getöteten befinden sich unsere Glaubensgenossen Samuel Kohn, der durch einen herabfallenden großen Spiegel am Kopfe schwer verletzt wurde, und der Journalist Dr. Paul Kovacs, der durch einen aus dem Plafond herabstürzenden Stein getötet würde. — Der Privatdozent für Ohrenheilkunde an der Wiener Universität, Dr. Heinrich Neumann, hat eine Berufung an die Stockholmer Universität erhalten. Dr. Neu mann war mehrere Jahre Assistent des Hofrats Politzer und hat vor zwei Jahren auf Einladung der; amerikanischen . Atologen an den Universitäten in St. Louis, Ein»' cinnatti, Cleveland, Chicago und New York Vorlesungen gehalten. In St. Louis würde er als Vertreter „einer der vornehmsten Universitäten der Welt"' gefeiert. Die Washington-Universität in Cincinnatti verlieh ihm das Ehrendoktorat der Rechte, und in Washington . wurde . Dr. Neumann vom Präsidenten Taft empfangen. Der Ge» lehrte hat sich in betreff feiner ehrenvollen Berufung nach Stockholm noch nicht entschieden. —, König Georg von Griechenland hat dem Herrenhausmitgliede Dn Theodor G o mp erz das Großkommandeurs kreuz des griechischen Erlöserordens verliehen. Dr. Gomperz wirkte viele Jahre an der philosophischen Fakultät der Wiener Universität und sein.Lebenswerk „Die griechischen Denker" hat-, in Verhältnis, mäßig kurzer Zeit viele Auflagen erlebt und wurde auch in viele Sprachen übersetzt. Bor ungefähr zwei Jahren zog sich der Gelehrte, der im 73. Lebensjahre steht, von dem akademischen Lehramt zurück, um sein genanntes Werk zu vollenden. Dr. G o mperz ist lebenslängliches Mitglied ' des Herrenhauses und nimmt in dieser seiner Eigenschaft auch am politischen Leben regen Anteil. Ämerikla.! z. New Aork, 20. Juli. Die scharfen Maßregeln gegen die Einwanderer in Ellis-Jsland haben hier zu heftigen Beschwerden der zahlreichen ausländischen Bewohner unserer Stadt geführt, die Freunde und Verwandte aus Europa erwarten. Eine allgemeine Empörung, hat sich besonders unter den Deutsch-Amerikanern gegen den Regierungs-Kommissar William Williams' und gegen seine Anhänger erhoben, deren Handlungsweise in der hiesigen deutschen Presse aufs schärfste bekämpft wird. Ein diesbezüglich gestellter Antrag des Kongreßmitgliedes Sulz er im Hause der Repräsentanten: die empörenden Vorgänge im Hafen von New York. einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen, fand besonders bei den Deutschen lebhaften Beifall. Die allgemeine gegen die Einwanverungsbehörden gerichtete Entrüstung hat sogar in der europäischen Presse ein Echo gefunden. So fordert Herr Baron von Hasse-Wartegg, der kürzlich in Amerika weilte, das amerikanische Volk in einem Briefe in der Vossischen Zeitung auf, der mittelalterlichen Behandlung der Einwanderer in Amerika endlich ein Ende zu machen; indem der be- ' kannte Reisende die in Ellis-Jsland gehandhabte Methode als eine barbarische bezeichnet. Während man einerseits für die Einwanderer Partei ergreift, sucht unsere freiheitlich gesinnte Negierung leider immer noch vergeblich, Vas Recht ihrer jüdischen Bürger iy Rußland zu schützen, wo man den Paß eines jüdischen Amerikaners noch immer nicht als ganz einwandsfrei betrachtet; Diese Handlungsweise der russischen Regierung wird in der hiesigen Tagesprefse aufs schärfste gerügt. In einer größeren Reihe von-Aufsätzen haben die Herren James Greelmänn und Joseph Edgar Chambevlin in der „Evening Mail“ lebhaft Partei für die beeinträchtigten amerikanischen Juden in Rußland ergriffen. Die New Yorker Times bringt mit anerkennenden Worten einen kleinen Auszug aus eiueM der GreelManNschen Artikel. „Seit 30" Jahren beklagt sich die amerikanische Regierung, daß Rußland immer noch einen Unterschied zwischen amerikanischen Bürgßrn mit Bezug auf ihre Konfession zu machen beliebt. Diese Gepflogenheit steht nicht nur im Widerspruch mit amerikanischen Einrichtungen, sondern be» deutet einen direkten Angriff auf die Redlichkeit amerikanischer Bürger, die einen mit dem Nationalen-Siegel versehenen Paß inne haben. Das Vorgehen gegen die jüdischen Inhaber des amerikanischen Passes ist eine strenge Verletzung der gegenseitigen Reise- und Wohnrechte, welche durch die im Jahre 1832 geschlossenen Verträge gesichert wurden. Ein Präsident nach dem anderen hat Einspruch gegen diese Unbill erhoben. Ein Staatssekretär nach dem anderen hat das Wallen der russischen Behörden gerügt. Auch auf dem Kongreß ist die Paßängelegenheit wiederholt zur Sprache gekommen. Trotzdem hat Rußland in all diesen 30 Jahren es verstanden, diese Frage zu umgehen und die „VereinigtenStaaten" durch wiederholte leere Versprechungen betreffs einer befriedigenden Abhilfe dieses Zustandes zu täuschen." Es würde den Rahmen eines kurzen Berichtes überschreiten, diesen Interessanten Artikel in aller Ausführlichkeit hier wiederzugeben. Essei daher nur noch auf. eine Stelle hingewiesen. „Noch bilden die Juden keine organisierte politische Partei in unserem Lande. Wie ihre andersgläubigen Mitbürger gehören sie verschiedenen Richtungen und Parteien an. Ist es möglich, daß sie in diesem Zustand beharrenwenn man sie fortgesetzt schmäht und iw ihren Rechten des Glaubens wegen beeinträchtigt? Ist es möglich, daß sie sich-aus die Dauer einer vereinigtenpolitischen Selbstverteidigung enthalten -und ihre Stimmen nicht erheben werden, um ihre Bürgerrechte zu verteidigen und zu beschützen? Aber das ist es ja gerade, tvas die großen be» ' geisterten jüdischen Führer so eifrig vermeiden wollen." Wie weit Rußland die Vereinigten Staaten in der Paßangelegenheit hinzuhalten weiß, ist aus' folgendem ersichtlich: Unsere Regierung wurde kürzlich benachrichtigt, daß das russische Ministerium nur zu gerne auf die

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