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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-04 · Heft 31 (4.8.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 31 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Is. "r- “ Der Demelndeüote. "■"""" Beilage zur „Allgemelnen Teilung deK Judentums. korrrlponÄrnM und Sschrichtrn. Deutschland. L2 Berlin, 1. August. Der Gesamtbestand der jüdischen Gemeinde-Bibliothek an .Druckwerken stieg von IS 549 Bänden ans 21 357 Bände. Die Handschriftenabteilung' zählt 307 Nummern gegen 277 im Vorjahr. Die Abteilung für Zeitungsausschnitte umfaßt 320 Mappen. Die Bücher und Handschriften der Wolfschen Sammlung sind im Vorstehenden nicht mitgerechnet, da sie im Berichtsjahre noch im Verwaltungsgebäude, Rosenstraße 2. lagerten. Aus den Bücherankäufen seien besonders hervorgehoben: Kommentar des Nachmanides zum Pentateuch, Neapel 1490; Machsor znm römischen Ritus, Fano 1504 bis 1505; Machsor nach griechischem Ritus, Venedig 1574 bis 1575; Averröes: Paraphrasis <!e partibus animalium, herausgegeben von Jakob Mantinus, Rom 1521; Ugolinus: Thesaurus antiquitatum saerarum, Venedig 1744 bis 1769 in 34 Bänden; Löws Zeitschrift Ben Chananjäh für jüdische Theologie in 11 Bänden; Katholisches Kirchenlexikon ed. Wetzer und Welte, 2. Auflage in 13 Bänden; Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, 3. Auflage in 21 Bänden. Von den hinzugekommenen 30 Handschriften bilden 29 eine Sammlung von halachischen, poetischen, literaturhistorischen und historischen Kodizes, die von der Buchhandlung Schwager und Frankel in Husiatyn erworben wurden. Die dreißigste, hier in Berlin gekaufte Handschrift ist eine Urkunde über die Erwerbung eines Sitzes in der Heidereuter' gasse-Synagoge im Jahre der Erbauung 1714. Eine Versendung von Büchern nach auswärts hat auch im Berichtsjahre stattgefunden. Es gingen Sendungen nach: Brandenburg a. H., Bremen. Breslau, Köln, Duisburg, Filehne, Frankfurt a. O., Hamburg, Hannover, Heidelberg, Insterburg, Karolinenthal-Prag, Labischin, Lauenburg i. P., Posen, Rummelsburg i. P., Schwetz a. £)., Wien und Zabrze (Schlesien). 22 Berlin, 31. Juli. Die Verarbeitung der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 durch das städtische statistische Amt gibt ganz interessante Einblicke in die Zusammensetzung der reichshauptstädtischen Bevölkerung. So wurden am 1. Dezember 1905 gezählt: evangelische Christen einschließlich der Sektierer 1704 612, Katholiken mit Alt- und Griechisch-Katholiken 223 948, Juden 98 893, Dissidenten und sonstige Christen 9780, ändere Religionsangehörige (hauptsächlich Buddhisten und Mohammedaner) 96, Konfessionslose 1733. Von der ganzen Bevölkerung waren also etwa 17/so evangelisch, V» katholisch, fast V20 jüdisch, während der Rest auf die übrigen Bekenntnisse und die Konfessionslosen kam. Im Jahre 1811 ermittelte man in Berlin' nur 4161 Katholiken; ihr Anteil an der Bevölkerung ist in dem Zeitraum von 94 Jahren von 2,45 v. H. auf 10,9 v. H., also auf das 4 ^2fache, gestiegen. In der gleichen Zeit ist die jüdische Bevölkerung von 3292 auf 98 893 oder von 1,94 v. H. auf 4,85 v. H. angewachsen. Während am Anfang des vorigen Jahrhunderts der Anteil der Evangelischen an der Berliner Bevölkerung 95,6 v. H. betrug, war er am 1. Dezember 1905 nur noch 83,54 v. H. Seit 1900 haben die Katholiken bei weitem am stärksten zugenommen (um 18,84 v. H.), dagegen sind die Juden und noch mehr die Evangelischen mit den Sätzen 7,25 und 6,72 v. H. hinter der allgemeinen 8,01 v. H. betragenden Bevölkerungszunahme zurückgeblieben. Die Evangelischen waren am zahlreichsten im Norden, auf dem Wedding und Gesundbrunnen, wo sie fast */io der Bevölkerung ausmachten, die Katholiken am stärksten im westlichen Teil von Moabit und in der Friedrichftadt vertreten (mit je 13,2 v. H). Die Juden waren mit 21 v. H. der Bevölkerung am stärksten im Spandauer Viertel vertreten, im Standesamtsbezirk 1 betrug der Anteil 12 v. H., die zum größten Anteil in Alt-Berlin und im inneren Königsviertel wohnten, in der Friedrichstadt 9.3 v.H., im. Westen (Friedrichs» und Schöneberger Vorstadt) 8,8, im Standesamtsbezirk 12a, zu dem die Tiergartenvorstadt gehört, 8,7 v. H., dagegen auf dem Wedding und dem Gesundbrunnen und im östlichen Teil der Luisenstadt jenseits des Kanals nur 0.8 und 0,4 v. H. W. Aus der Provinz Posen, im Juli. Posen. Das Jahr 1910 war für die israelitische Waisen-Knabenanstalt hierselbst eine Zeit ruhiger Entwicklung und steten Fortschreitens. Durch eine kleine bauliche Veränderung wurde die innere Einrichtung des Hauses erheblich verbessert. Der Verpflegungssatz für die Zöglinge ist auf der Höhe des Vorjahres geblieben. Die Zahl der im vergangenen Jahre der Fürsorge der Anstalt anvertrauten Zöglinge war unverändert 28. Davon waren zu Beginn des Berichtsjahres 4 Lehrlinge und 24 Schüler. Alle Lehrlinge befanden sich am hiesigen Orte in Stellung und erhielten als Bewohner des Lehrlingsheims volle Verpflegung im Hause. Zu Ostern verließ einer von ihnen, der seine Lehrzeit beendet hatte, die Anstalt, dafür traten zwei Zöglinge in die Lehre, die ebenfalls hier verblieben. Neu aufgenonnnen wurde ein Knabe. Am Schluß des Jahres waren demnach von den 28 Zöglingen 5 Lehrlinge und 23 Schüler. Der Gesundheitszustand war im vergangenen Jahr ein günstiger. Die Gesamteinnahmen im abgelausenen Berichtsjahr betrugen 46 514.08 Mark, und es verblieb ein Ueberschuß von 505.50 Mark. — Eine erfreuliche Stiftung ist dem hiesigen Jüdischen Krankenhause durch den Rentier Moritz Goldring, früher in Posen, jetzt in Breslau, zuteil geworden. Er hat dein Krankenhause die modernsten und neuesten elektrodiagnostischen und elektrotherapeutischen Apparate geschenkt. Insbesondere wurden ein Elektrokardiograph zur Registrierung der Herzbewegungen, des Pulses und der Herztöne, ein dreifarbiges Glühlichtbad, ein Hochsrequenzapparat und vieles andere mehr beschafft. — Strelno. In der Stadtverordnetensitzung wurde Herr Kaufmann A. Lesser zum Magistratsbeigeordneten gewählt. — Rakel. Die hiesige israelitische Gemeinde hat einen schweren Verlust , zu beklagen. Nach kurzem, schwerem Leiden starb Herr Brauereibesitzer David Hermann. Der Dahingeschiedene hat seit' vielen Jahren in der Synagvgengemeinde-Verwaltung eine führende Stelle innegehabt. Außerdem gehörte er dem Vorstande des Beerdigungs-und Kranken-Unterstützungsvereins an. In allen Ehrenämtern bekundete er hohes Interesse und gewissenhafte Pflichterfüllung. Bei der Beerdigung zeigte sich recht deutlich die große Achtu ig und Liebe für den Gestorbenen. Außer den Gemeindemitgliedern beteiligten sich auch viele Nichtjuden bei der letzten Ehrenerweisung ihres Mitbürgers. U. Hamburg, 28. Juli. Herr L. Urias. das bewährte Vorstandsmitglied des Repräsentantenkollegiums der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, ist nach kurzer Krankheit im 66. Lebensjahr gestorben. Der Verblichene bekleidete in der Gemeinde außerdem noch viele Ehrenämter, er war einer der besten Förderer des Tempelverbandes und war viele Jahre als Repräsentant im Tempelverbande tätig, er war auch Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Handwerke unter den Juden und viele Jahre wirkte er segensvoll als Armenpfleger. Das so plötzliche Hinscheiden dieses hochverdienten Mannes hat überall aufrichtige Teilnahme erweckt, erfreute er sich doch durch seine Bescheidenheit und seinen Pflichteifer in weiteren Kreisen hoher Achtung und Wertschätzung. Zur Trauerfeier hatten sich eine große Anzahl Leidtragender eingefunden, der Gemeindevorstand war durch seinen zweiten Vorsitzenden vertreten, die Mitglieder der Armenkommisfion waren fast vollzählig erschienen, der Vorstand der Tempelgemeinde, das Repräsentantenkollegium und viele andere Institutionen hatten Delegierte zur Trauerfeier entsandt. Nachdem sich die nächsten Verwandten und zahlreichen Freunde um den Sarg geschart hatten, hielt Prediger Dr. Leimdürfer die Gedenkrede. Anknüpsend an das Psalmwort Kap. 89, VerS 49 „Wo lebt ein Mann, der den Tod nicht schauete, der seine Seele rettete aus der Hand de« Todes? Selyh*, gab der Geistliche der Trauer Ausdruck über den. schmerzlichen Verlust, den die Gemeinde erlitten. In trefflichen Worten gab der Redner dann ein getreues Lebensbild

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