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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-04 · Heft 31 (4.8.1911) · p. Seite 369

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 31 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
Seite 369 (sequence 9)
Language
German
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Gedanken einen Ausdruck, der uns den höchsten ästhetischen Genuß bereitet, ihr „volles, ganz von einer Empfindung volles Herz" machte sie zu Dichtern, sie selbst fühlten sich als Träger göttlicher Offenbarungen, und auch der Freidenkendste wird nicht leugnen können, daß Göttliches aus ihnen sprach. Man i wird diese wunderbare Gabe der Prophetie nicht gleichstellen,! aber doch vergleichen können mit jener Inspiration des I dichterischen Genies, die diesem selbst stets unerklärlich bleibt, V weil sie aus den Tiefen des Unbewußten, kommt. So singt 4 die Muse im homerischen Dichter, und es ist etwas Wahres in dem stolzen Worte Platevs: Wie? Mich selbst je hält' ich gelobt? Wo? Wann? Es entdeckte I Irgendein Mensch jemals eitle Gedanken in mir? Nicht-unich selber, ich rühmte den Genius, welcher besucht, mich, Nicht mein sterbliches, mein flüchtiges, irdisches Nichts! Weil ich bescheiden und still mich selbst für viel zu gering hielt. Staunt' ich in meinem Gemüt über den göttlichen Gast. (Fortsetzung folgt.) Lin Milcher Klmsnsch in Frankreich. Von Ludwig Geigers) irdische Almanache (Kalender) gab es früher in Deutsch - land sehr viele, bevor die Wochen- und Monatsblätter das Interesse ausschließlich in Anspruch nahmen. Ihre Eigentümlichkeit bestand darin, daß sie außer dem eigentlichen Kalendarium novellistische, kultur- und literarhistorische Beiträge zusammenstellten. Ganz anderer Art ist das Jahrbuch, von dem wir hiermit unseren Lesern Kenntnis geben. Sein eigentlicher literarischer Teil ist höchst dürftig, er umfaßt nur 7 Seiten von 119. Dieser Teil enthält eine ganz nette Skizze über den Schadchen und ein Gedicht an einen Juden, der sich seines Glaubens schämt. Wie sein ausführlicher Titel schon besagt, ist das Jahrbuch im wesentlichen eine Zusammenstellung des Wissenswerten über jüdische Angelegenheiten in den westlichen Ländern. Dem eigentlichen Kalendarium folgt eine Uebersicht des israelitischen . Jahres 1910/11. Die einzelnen Länder werden alphabetisch durchgenommen. Bei Deutschland wird besonders auf die Aufhebung des Schächtverbots in Sachsen hingewiesen. Auch Amerika wird berührt, selbst Portugal. Dagegen wird auffallenderweise von Spanien kein Wort gesagt. Am ausführlichsten ist natürlich der Abschnitt über Frankreich. Die übrigen, hauptsächlich statistischen Mitteilungen beziehen sich auf die Kultusvereine, das Pariser Konsistorium, die Wohltätigkeitsanstalten. die Konsistorien der Provinzen, der Kolonien, Elsaß-Lothringens, das merkwürdigerweise noch immer in diesem französischen Almanach figuriert, und endlich auch Belgien und die Schweiz. Das Bemerkenswerteste und zugleich das Beschämendste für uns Deutsche ist eine Ehrentafel des französischen Judentums. Dort paradieren die jüdischen Würdenträger. Dem stellvertretenden Vorsitzenden der Kammer des Parlaments folgen verschiedene Generalräte, der frühere Finanz- 0 Annuaire des Archives israelites pour l’an du monde 5672 (du 23 Septembre 1911 au 11 Septembre 1912). Administratif, Literaire et Religieux coutenant les renseignements les plus complets sur le Culte Isra61ite en France, Alsace-Lorraine, Belgique et Suisse. Des Notices sur les Etablissements d’instruction et de bienfaisance de Paris et des travaux historiques sur le Judaisme (28e Annöe) par H. Prague, R6dacteur en chef des Archives israelites. Paris, au bureau des Archives israölites. . minister Klotz, ein Präfekt und ein Untexpräsekt, ein Kabinettchef des Ministeriums des Handels und zwei Unterkabinettchefs in den Ministerien der öffentlichen Arbeiten , und des Ackerbaus. Ein Jude, der Senatox Ferdinand Dreyfus, ist Präsident der Gefängniskommission, ein anderer Jude der Vorsitzende der permanenten Kommission für Luftschiffahrt. Der Inspektor des Musikunterrichts ist ein Jude. Dem staatlichen Beirat für die Eisenbahnen gehören fünf Israeliten an. In der großen französischen Akademie sind die Juden zahlreich vertreten, wie sie seit langer Zeit diesem großen Institut angehört haben. Nur die eigentliche Academie franqaise, die eine der fünf Klassen, hat noch nie einen Juden zum Mitglied gehabt; die übrigen vier Klaffen haben stets bereitwillig den großen Gelehrten jüdischen Glaubens ihre Pforten geöffnet; um nur einzelne der Verstorbenen zu nennen, seien Adolphe Franck, Salomon Munk, Joseph und Hartwig Derenbourg, Jules Oppert, Henry Weil hervorgehoben. Gegenwärtig sind in der Akademie der schönen Künste Edmund v. Rothschild, in der naturwissenschaftlichen Abteilung G. Lippmann und Michel Levy, in der Abteilung der moralischen und politischen Wissenschaften Bergson und Lyon-Caen, in der der Inschriften Breal, Salomon und Theodor Reinach als Mitglieder zu erwähnen. Unendlich zahlreich ist die Schar derer, die im verflossenen Jahre mit Orden geschmückt wurden, und zwar 25 mit der einfachen Ehrenlegion; zehn Inden haben den Rang eines Offiziers, zwei den seltenen eines Kommandeurs erhalten. Drei Juden sind zu ordentlichen Universitätsprofessoren ernannt, vier andere zu bescheideneren Aemtern an den höchsten Lehranstalten. Ganz besonders wichtig ist die Tatsache, daß die Juden auch im verflossenen Jahre vielfache Beförderung in der Armee erhielten. Um nur die höheren Grade zu berücksichtigen, so sei hervorgehoben, daß zwei Israeliten Bataillonschefs, vier, von denen zwei den Namen Levy tragen, Oberstleutnants, zwei Oberste, einer, Herr Bloch, Brigadegeneral und ein anderer, Valabrögues, kommandierender General (general commandant de corps d’armee) geworden find. Die Zahl der Staatsanwälte, Richter, Generaladvokaten ist ziemlich groß. Welch stattliche Reihe und welch hohe Aemter. Wie glücklich ein Land, in dem trotz der manchmal zutage tretenden antisemitischen Strömungen — man denke nur an den Zwischenfall Bernstein,? von dem in diesen Blättern mehrfach die Rede war — der Glaube scheinbar keinen Unterschied macht. Wie gesegnet ein Land, in welchem dem Talent keine Schranke gesetzt ist, sondern jeder in dem von ihm frei erwählten Berits seine Kräfte üben kann. Zwar sind wir stolz auf unser Vaterland und hören nicht auf es zu ehren und zu lieben; aber eines Gefühls des Neides und der Scham — letztere nicht für uns — können wir uns nicht erwehren, wenn wir diese stattliche Liste durchhlättern. Seim Lsmpchrn. Roman von Peter UjvLri. uag;«j...gL «lj wxm XXVI. 0 iweitzer antwortete ebenfalls ausweichend. Jedoch Reb Bünem ließ in seiner Beharrlichkeit nicht nach, Liweitzer fing an, sich über diese dumme Halsstarrigkeit zu ärgern. Seitdem er dem Studium der profanen Wissenschaften Tag und Nacht opferte, betrachtete er die Welt von anderen Gesichtspunkten

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