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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-04 · Heft 31 (4.8.1911) · p. Seite 365

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 31 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
Seite 365 (sequence 5)
Language
German
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von Menschen, die die Erhaltung ihres Lebens und ihrer Gesundheit seiner hohen Kunst verdanken?) " Wie-aber Senator aus allen Gebieten der Medizin bahnbrechende Werke-geschaffen hat, die nicht nur wissenschaftliche, sondern auch praktische Umwälzungen zur Folge hatten und ihm unsterblichen Ruhm verschafft haben, so soll es ihm unvergessen bleiben, daß er bis an sein Lebensende — wie es ^ihm der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde nach- 8 gerühmt hat — eui begeisterter,,? treuer Jude geblieben ist, und daß er stets seine ganze Kraft eingesetzt hat, wo es galt, in Wort und Schrift die Sache des Judentums zu vertreten. Darum wird Hermann Senator auf der Ehrentafel großer jüdischer Aerzte unter den Ersten für alle Zeiten glänzen, und dies wird ihm ein Denkmal sein „dauernder als Stein und Erz". Gultso kadelburg feierte am 26. Juli seinen 60. Geburtstag. Während der in Berlin ansässige Schriftsteller auf seiner Sommerfrische in Feldafing in Bayern weilte, erhielt er von Kollegen, Theaterdirektoren und Freunden Huldigungen und Grüße. Diesen Glückwünschen schließen auch wir uns mit kurzen herzlichen Worten an. Gustav Kadelburg war Schauspieler und ist Dichter. Er fühlte schon in frühen Jahren unbezwingbare Neigung zur dramatischen Kunst und wurde durch sie veranlaßt, gegen den Willen seines Vaters dramatischen Unterricht zu nehmen. Er ging in noch sehr <ZCcJ~~ , jugendlichen Jahren zur Bühne nach Wien, wo der berühmte Vor" *1 H y *> uy ~ Z ' Z - /J7+ tragsmeifter Strakosch sein Lehrer Sein erstes Engagement ~t\j~ £ 1/ , fand er tut Jahre 1869 in Leipzig, * /^jr / / dann wirkte er an den Theatern -— in Halle, Bremerhaven und vielen anderen, gehörte aber seit 1884 bis zu seinem vor einigen Jahren <^***JJzL,* *0o t - erfolgten Rücktritt dem Deutschen z'i Theater an und war, nachdem er ein festes Engagement aufgegeben hatte, als Gast an Berliner und auswärtigen Theatern tätig. Seine frische unverwüstliche Laune, sein keckes und dabei doch dezentes Spiel, Beweglichkeit und Humor, Geltendmachung seiner schönen, namentlich humoristischen Mittel, ohne die Sucht sich ungebührlich vorzudrängen, machten ihn zu einem Schauspieler, der sichere Wirkungen erzielte. Die vielen Tausende, die ihn häufig gesehen haben — der Schreiber dieser Zeilen rechnet sich gern y Fast bei keinem Werk der Humanität fehlte der Name Hermann Senator, und namentlich waren es die armen jüdischen Auswanderer, denen er sein besonderes Interesse züwandte. zu dieser Schar — verdanken ihm harmlose und genußreiche Theaterabende. Ebenso, erfolgreich wie als Schauspieler war Kadelburg als Lustspiel- und Possendichter, teils allein, teils im Verein mit Franz v. Schönthan, Oscar Blumenthal und zuletzt mit Fritz Skowronnek verfaßte er mehrere Dutzend Schwänke, von denen sehr viele, z. B. die „Goldfische", „Großstadtluft", „Zwei glückliche Tage", „Der Herr Senator", „Im weißen Rößl", „Husarenfieber" und manche andere ungezählte Male an mehreren Berliner und sehr vielen anderen deutschen Bühnen aufgeführt wurden . und fast überall außerordentlichen Beifall errangen. Sie haben bewirkt, daß Kadelburg zu unseren beliebtesten Lustspieldichtern gerechnet wird. Die strenge Kritik hat freilich manches an ihnen auszusetzen gehabt. Mir liegt es gewiß fern, diese lustigen Arbeiten als Meisterwerke auszugeben, aber sie erfüllen ihren Zweck leichter harmloser Unterhaltung, sie halten sich möglichst frei von Unanständigkeiten, sündigen nicht allzu sehr gegen die Wahrscheinlichkeit und verraten gute Erfindung, große Bühnenwirkung, schlagfertigenWitz, witzige Pointen, anmutige Situationen und verfallen möglichst selten in unangebrachte Rührseligkeit. Man kann von der Aufgabe des Theaters noch so ernst und hoch denken, aber man muß sich hüten, nur einseitig die ernstesten Fragen in grausiger Weise auf den Brettern, die die Welt bedeuten, dargestellt' sehen zu wollen. Auch diese Art humorvoller Betrachtung des Menschenlebens, selbst die karikaturartige Darlegung mancher Situationen hat ihr Recht. Der Bühnenschriftsteller, der es versteht, aus der Misere des Alltags ein behagliches Lächeln hervorzurufen und den Ernst der Arbeit, den Kampf des Daseins durch muntere Worte für einige Zeit zu verscheuchen, erwirbt vielleicht nicht das Anrecht aus Unsterblichkeit, aber er verdient den Dank und die Anerkennung der Mitwelt. In diesem Sinne sei dem Jubilar, der es so trefflich versteht, vielen Tausenden Genuß zu bereiten und selbst sein Leben zu genießen, herzlicher Glückwunsch dargebracht. Der 60jährige pflegt sich nicht mehr zu ändern, aber er hat glücklicherweise auch nicht die Notwendigkeit, aufzuhören, und so sei dem liebenswürdigen Schriftsteller der Wunsch ausgesprochen, in frischer Kraft die Muse der Heiterkeit weiter zu pflegen und seinen zahlreichen großen Erfolgen noch manche neue hinzuzusügem L. G.

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