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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-04 · Heft 31 (4.8.1911) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 31 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
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363 Bisher hatte man die Anschauung, die Juden Rußlands hätten, so wenig Dankbarkeit sie ihrem grausamen und barbarischen Vaterlande schulden, als Soldaten im höchsten Maße ihre Pflicht getarn Jetzt will, wie die „Deutsche Tageszeitung" berichtet, der russische General E. F. Marty row in seinem Buche: „Die Ursachen der russischen Niederlagen", das von Oskar v. Schwarz ins Deutsche übersetzt ist, die Juden in jeder Weise herabsetzen, als durchaus untüchtig darstellen. Die Haüptftelle seiner Ausführungen lautet: „Die Mannschaften der übrigen Völkerschaften, die in den Reihen der Feldarmee dienten, sind in soldatischer Beziehung im allgemeinen den russischen, Stanimtrupven nicht ebenbürtig. Nichtsdestoweniger assimilierten sie sich in der Front vollständig den Russen. Eine Ausnahme bildeten allein die Juden. — Bei der Mobilmachung suchten sie mit allen Mitteln der Aushebung zu entgehen, wünderten massenweise aus und begingen Selbstverstümmelung usw. Nach dem. „Russischen Invaliden" (!) konnten von 59 262 Juden, die im letzten Trimester 1904 einberufen wurden, nur 21871 Mann eingestellt Werdern Der Ausfüll mußte durch Christen ersetzt werden. Auf dem Kriegsschauplatz suchten sich die Juden nach Möglichkeit zu Kommandos hinter der Front zu drängen, und wenn ihnen das nicht gelang, begingen sie sogar absichtlich Verbrechen, simulierten irgendeine Krankheit, desertierten oder ergaben sich vielfach dem Feinde. In einer Division desertierten vom 1. April 1904 bis 1, Juli 1905 — 256 Juden, von Soldaten anderer Nationen dagegen nur acht. Die in der Front verbliebenen Juden übten gewöhnlich einen sehr schlechten Einfluß auf ihre Kameraden aus und waren infolge ihrer Nervosität die Hauptverbreiter aller möglichen Paniken. Gewiß gab es auch unter den Juden gute Soldaten, aber das waren vereinzelte Ausnahmen. Im allgemeinen ist die jüdische Nation, deren charakteristische Eigenschaften äußerste Feigheit und körperliche Schwäche sind, zum Heeresdienst ungeeignet. Einen guten Truppenteil mit einem starken Prozentsatz von Juden versehen, heißt deshalb so viel, wie denselben auf die sicherste Weise demoralisieren." Es ist Pflicht unserer großen Organisationen,, dieser Sache auf den Grund zu gehen und an der Hand zuverlässigen Materials solche, wie wir hoffen, gänzlich unbegründete Verdächtigungen zurückzuweisen. $ Eigentümlich klingt folgende Nachricht des „Berliner Börsen-Couriers": Auf dem Konvent der Rabbiner in St. Paul, Minn.. wurde beschlossen, darauf zu dringen, daß Shakespeares „Kaufmann' von Venedig" aus dem Lehrplan der öffentlichen Schulen ausgeschieden werde, ebenso dahin zu wirken, daß alle Vorstellungen, welche eine Karikierung der Juden involvieren, von. der amerikanischen Bühne verschwinden. ■ * Mit Freude kann man nachstehende Nachrichten aus England von Amerika registrieren. Die „Mitteilungen des Abwehrvereins" schreiben: ' Juden im Heere und in der Marine der Vereinigten Staaten. Der in der letzten Nummer der „Mitteilungen" behandelte Fall Bloom hat zur Folge gehabt, daß im Kongreß der Antrag gestellt wurde, eine gründliche Untersuchung darüber anzustellen, inwie weit die Juden im Heer und in der Marine wie auch in der Militärakademie . in Annapolis Zurücksetzungen erfahren haben,. Einer Washingtoner Korrespondenz der „Kölnischen Zeitung" (6. Juli) entnehmen wir darüber folgendes: Der Kriegssekretär Stimson sowie der Märinehilfssekretär Winthrop haben eine unterschiedliche Behandlung der Juden mit Nachdruck bestritten, und der Kommandant des Marinekorps, Biddle, bezeugte, daß unter . 330 Offizieren des Marinekorps gegen 3Ö Juden sind, die sich hoher Achtung und Beliebtheit erfreuen. Auch Konteradmiral Potter bestritt, daß so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz gegen die Juden bestehe. Selbst der jüdische Senator Guggenheim gab zu, daß ihm als Mitglied des StaatskomiteeS für Militärsachen' niemals eine Klage zu gegangen, sei. Andere Kongreßmitglieder dagegen behaupten, daß sie . zahlreiche 'Beweise in Händen hätten, :und der -Abgeordnete Kahn.von' Kaliformen besteht darauf, daß die schuldig befundenen Offiziere aus dem Heer- und der Marine zu entfernen seien. Der Abgeordnete Edwards ging sogar so weit, zu erklären, daß die Juden wüßten, was sie zu gewärtigen, hätten, und daß deshalb mancher tüchtige jüdische Junge, der mit Begeisterung Soldat würde, nicht nach Westpoint oder Annapolis gehe, weil'er der -Ueberzeugung wäre, dort, nicht gerecht behandelt zu werden. ' 4r Der „Neuen Jüdischen Korrespondenz" entnehmen wir folgende Mitteilungen: Ein jüdischer Gesand ter in Kostarika. Herr Lewis Einstein wurde vom Präsidenten Taft zum amerikanischen Gesandten in Kostarika (Zentralamerika) ernannt. Herr L. Einstein war bereits im diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten in London, Paris,. Konstantinopel und Peking tätig. Und ferner: Eine hohe Auszeichnung eines englischen Juden. Sir Matthew Nathan, Sekretär der Postverwaltung, wurde zum Vorsitzenden der Fiskusverwaltung ernannt. Sir M. Nathan ist der einzige Jude, der zu verschiedenen Malen das Amt eines Gouverneurs in einigen britischen Kolonien bekleidete. Sir. Matthew Natha.n kam auch als Nachfolger des jüngst verstorbenen .englischen- Generalkonsuls in Aegypten, Sir Eldon Gorst, in Betracht. Hur Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden. as jüdische Volksblatt beklagt in seiner Nr. 27 eine nicht genügend demokratische Zusammensetzung des Verbandes, deren Modus gegenüber „selbst dem preußischen Dreiklassenwahlrecht direkt rück' schrittlich" sei, und möchte die „Schaffung eines Wahlrechts" aus der Hauptversämmlung in Anregung gebracht sehen. Zur' Aüfklärung ist zu bemerken: § 4 der Satzung des Verbandes lautet: Die Hauptversammlung setzt sich zusammen: A. aus den Delegierten der Gemeinden, 8. aus den Delegierten von Verbänden, 6. aus Einzelpersonen. A; Gemeinden. Delegierte werden berufen: , 1. aus denjenigen Gemeinden, welche mindestens 1000 Seelen umfassen; 2. aus denjenigen Gemeinden, welche weniger als 1000 Seelen Umfassen, aber mit Nachbargemeinden derart verbündenwerden, daß die Zahl der zu vertretenden Seelen mindestens 1000 betrügt. Die Verbindung wird durch den Ausschuß geregelt. Für Einzelgemeinden und die zur Wahl verbundenen Gemeinden wird auf je volle 1000 Seelen ein Vertreter, jedoch höchstens deren zehn, für die Gemeinde Berlin und deren Vororte werden 20 Vertreter berufen. ' . 8) Verbände. Es werden ferner berufen: : v I. je fünf Vertreter: a) des Zentralverems deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, b) des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. II. je zwei Vertreter der Sonderverbände: a) des Rabbinerverbandes, b) des Verbandes der jüdischen Lehrervsreine im Deutschen Reiche, c) des Bayerischen Landesvereins, d) der Vereinigung Badischer Israeliten, , e) der bestehenden Provinzial- bzw. Bezirksverbände, f) der Vorsteherämter im ehemaligen Kurhessen und der staatlich organisierten Rabbinatsbezirke. III. je. ein Vertreter der Lehrerkollegien 'der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, des Rabbinerseminars in -^Berlin und des jüdisch--theologischen' Seminars'''in -Breslau. - •- - .

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