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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-04 · Heft 31 (4.8.1911) · p. Seite 362

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 31 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
Seite 362 (sequence 2)
Language
German
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362 in Jerusalem gewesen sein oder nicht, die Juden hielten so^. lange zum Perserreich, wie auch nur eine Hoffnung vorhanden.' wardasselbe gegew den alles beherrschenden Alexander zu ver-^ Leidigen. -Diese Treue imponierte selbst dem Allgewaltigen. Diö Juden kanten nun in Berührung mit Griechen, mit; ihrer Kultur, mit ihren Sitten und Unsitten. Griechisches Kunst, griechische Philosophie nahmen die Juden gefangen, blendeten ihre Augen so sehr, daß sie die Schäden des damaligen Griechentums nicht sähen und vor dieser keineswegs' auf der Höhe stehenden Weltanschauung und Lebensführung ihre eigene Lehre der Religion ihrer Väter zurückzusetzen, javöllig zu verwerfen bereit waren. Nicht um die Treue zum Herrscher handelte es sich bei dem Kampf zwischen Judentum, und Griechentum, diese war über allen Zweifel erhaben, hat ja selbst Äntiochus der Große in mehreren Festungen jüdische! Besatzungen zurückgelassen, da er auf ihre Anhänglichkeit bauen konnte. Es war auch nicht die körperliche Tüchtigkeit ihrer Volksgenossen, die die Griechlinge zu fördern bestrebt waren; worauf sie ausgingen, das war die völlige Verschmelzung mit . den Griechen, ein restloses Aufgehen im Griechentum, die Assi-, milation um jeden Preis. Antiochus mag seinen Beinamen Epimanes noch so sehr verdient haben, so tollkühn wird er doch nicht gewesen sein, ein so gewaltiges Ringen heraufzubeschwören, ohne daß er sich für berechtigt halten konnte, auf die Unterstützung der Mächtigen und Angesehenen zu rechnen. Der Ausgang dieses Ringens ist bekannt, der jüdische, weltumfassende Geist hat den Sieg davongetragen, die Assimilanten sind der Schmach anheim-* gefallen, das Andenken der Makkabäer wird in Liebe und Verehrung hochgehalten! Die eMe^und rechte Begeisterung/ die wahre Vaterlandsliebe, der wahre Glaube hat hier wahre' Wunder vollbracht. Wer kann sagen, wie später der Kampf mit den Römern ausgefallen wäre, wofern Einigkeit' und nicht Zerrissenheit und Zersplitterung der Parteien geherrscht hätte. Aus der späteren Geschichte der Juden soll hier nur eine Episode herausgegriffen werden, die der spanischen Juden, der Glanzpunkt in der Geschichte der Diaspora. Männer unseres Volkes, unseres Stammes bekleideten die höchsten Ehrenstellen sowohl in Spanien als Portugal, ich erinnere nur an Chesdai Jbu Chaprut und Samuel-Ha Nagid, und doch wie liebevoll""'nahmen sie sich der^Gekehrten an, wie suchten sie jüdische Geschichte zu sammeln, jüdische Kultur zu verbreiten, die Glaubensgenossen zu Kulturträgern heranzubildenwas ihnen ja auch gelang. Niemals vorher oder nachher ist eine so reiche und nachhaltige geistige Bewegung auf allen Gebieten des jüdischen Lebens, des Judentums anzutreffen. Mit ruhigem Gewissen und ohne Uebertreibung darf gesagt werden, daß die spanischen Juden sicherlich gute Patrioten, starke Kulturträger und doch die hervorragendsten Juden waren. Da können wir lernen, wie wir uns als Juden dem Staate gegenüber zu verhalten haben — dem Staate, was dem Staate gebührt — doch dem Volke, dem eigenen, seine Seele, sein Herz nicht entziehen! Und so haben die spanischen Juden sich auch nach ihrer Vertreibung erhalten, sie haben ihre Würde nicht verlorenste sind treue Diener anderer Staaten und Fürsten geworden, die ihre Hingebung zu schätzen wußten, aber, sie blieben eingedenk ihrer Väter und deren Geschichte, blieben ergeben und opferwillig der jüdischen Sache. . (Fortsetzung folgt.) /' Sie Woche. Berlin, 2. August. in verheerender Brand hat in Stambül gewütet/ Man vermutet, daß er, von Feinden der gegenwärtigen türkischen Regierung angelegt, eine grausige Illustration, der kürzlich gefeierten Feste der neuen Regierung bilden/sollte. Leider haben auch die Juden bei diesem Brande sehr gelitten. Der Hilfsverein der Deutschen Juden schreibt: Nach den dem Hilfsverein der: Deutschen Juden zugegangenen Nachrichten sind bei dem Brande in dem Konstantinopeler Stadtteil Balat 2000 meist jüdische Häuser niedergebrannt, darunter mehrer Synagogen und Schulen. Das Elend der nach vielen Tausenden zählenden obdachlosen jüdischen Bevölkerung ist außerordentlich große Zu einer Beratung über die Mittel und Wege, wie der schweren Not wirksam abgeholfen werden kann, traten am Mittwoch den 26. Juli, unter dem Vorsitz des Großrabbiners, sämtliche jüdischen Vereine Konstantinopels zusammen. Infolge eines dringenden Appells auS Konstantinopel hat der -Hilfsverein der Deutschen Juden angesichts des großen Unglücks eine öffentliche Sammlung eingeleitet, um gemeinsam mit den übrigen jüdischen Institutionen eine rasche und zweckmäßige Hilfsaktion zu ermöglichen. . * Nach späteren Nachrichten sind durch den Brand im Stambuler Stadtbezirk Balat über 1000 Familien mit mehr als 5000 Seelen obdachlos geworden. Der Marineminister stellte für die Unterbringung der obdachlosen Einwohner von Balat Kriegsschiffe zur Verfügung. Eine Anzahl Familien ist auch in der Schule des Hilfs- Vereins untergebracht worden. . . Der Hilfsverein bemerkt dazu: „Nach vielen Tausenden zählt die Masse der Obdachlosen. Bei dem Umfang des Unglücks sind wir nicht in der Lage, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln das Elend des Augenblicks zu lindern, geschweige denn die wirtschaftliche Fortexistenz der Betroffenen zu sichern. Wir wenden uns daher angesichts der großen Not an die Oeffentlichkeit und bitten, uns durch reichliche Gaben in den Stand zu setzen, den Unglücklichen wirksame Hilfe angedeihen zu lassen. Beiträge ersuchen wir an die Commerz- und Disco nt o-Bank, Depositenkasse C, Berlin, Charlottenstraße 47/ für unsere Rechnung gelangen zü lassen." Hoffentlich findet der Appell des Hilfsvereins offene Ohren und offene Hände. In Rußland dauern die großen und kleinen Ehikanen fort. Zwei solcher Fälle, von denen die Zeitungen melden, sind ebenso charakteristisch wie erbärmlich. Die eine Nachricht lautet: Es verlautet- Stolypin habe beim Finanzminister Kokowzew und beim Handelsminister Tim aschew angefragt, ob sie nicht einen Druck auf die Banken ausüben könnten, damit diese den jüdischen Getreidehändlern und -spekulanten den Kredit einschränken, da die Juden angeblich die Getreidepreise hinübdrücken und überhaupt einen ungünstigen Einfluß auf den russischen Ausfuhrhandel haben. Kokowzew Und Timäschew antworteten, es sei nicht möglich, den Wunsch Stolypins zuerfüllen, da die Banken bei der Kreditgewährung sich lediglich nach der Kreditfähigkeit der Kunden richten und keine Ausnahmen zuungunsten der Juden machen können. In der anderen heißt es: Provinzthrann und jüdische Jugend. Der Chef des Bezirkes Pultusk ließ in den jüdischen Synagogen bekanntmachen, daß er, weil die jüdische Jugend sehr verdorben und revolutionär gesinnt sei, hiermit anordne, daß fortan die jungen Juden, wenn sie ihm begegnen, den Hut zu ziehen haben; Zuwiderhandlungen werden mit.siebentägiger Gefängnisstrafe geahndet.

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