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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-07-28 · Heft 30 (28.7.1911) · p. Seite 360

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 30 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
Seite 360 (sequence 12)
Language
German
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360 Völkern) mit chronologischem Einschläge zu geben. — Doch ist dieses eihnologische System nicht genau genommen. Denn alle.Religionen, der primitiven Menschen lassen sich auf ein Prinzip, auf eine Entstehungsart zurückführen. — Nur steckt in jeder Rasse eine besondere Art/ dieses gemeinschastliche,. religiöse Prinzip zu finden. Ter Satz z. B. „die Furcht ist die' Mutter aller primitiven Religionen", hat eine ganz andere Bedeutung bei den Chinesen oder Babyloniern als. bei den Griechen und Römern. Das gemeinschaftliche aber ist die Idee. Die Ausgestaltung und die weitere Entwicklung dieser Idee ist das wesentliche, worin der. Unterschied und Forschritt bestehen. Die Wendung von der .Natur zum Geiste ist der entscheidende Punkt in der Rcligionsgeschichte. Diese Wendung haben erleuchtete Geister herbeigeführt: das waren die Seher, Propheten und die Weisest. Sissek. Tr. Benno Heisz. Bezirks-Rabbiner. * ■ - Jüdische Geschichte von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zur Gegenwart. In Charakterbildern dargestellt von S. Müller. Stuttgart. - I. B. Metzler. Persönlichkeiten, in denen sich das Charakterbild ihrer Zeit widerspiegelt, Werke, in denen die religiösen und literarischen Strömungen eines Zeitraums kristallisiert sind, Bilder der sozialen und wissenschaftlichen Zustände der Länder und Zeiten bilden im allgemeinen den Gegenstand dieser Darstellung. Den Ton legt Verfasser besonders auf die Werte, mit denen die jüdische Geschichte den geistigen Bestand der Menschheit erweitert hat. Müller entwickelt die jüdische Geschichte aus der Zeitgeschichte heraus und vermittelt so das Verständnis mancher sonst unbegreiflichen Ereignisse und Erscheinungen. Dabei bietet er uns die heitere, warme Sprache der gemütvollen Erzählung; man fühlt es: der Verfasser ist mit dem Herzen bei der Sache, und so ist zu hoffen, daß der Inhalt seines Buches auch zu Herzen gehen wird, namentlich, da er mit feinem pädagogischen Gefühl diejenigen Persönlichkeiten herausgefunden hat» die das besondere Interesse erregen. Im einzelnen möchte ich hervorheben: die häufige Bezugnahme u auf Gebetstücke in Siddur. Machsor uiw. und die poetische liebertragung einiger Stücke; die Aufnahme einer größeren Anz-hl von Dichtungen Gabirols, Jehuva Halevis, Jbn Esras sowie kürzerer Auszüge aus einigen Schriften Mendelssohns und die Würdigung der Verdienste des letzteren um die deutsche Sprache bei den Juden. Sehr instruktiv ist besonders auch das Kapitel „Die Inden im Mittelalter", namentlich durch seine znsammenfassende Uebersichtlichkeit, und ergreifend ist die idyllische Schilderung des Sabbats und des jüdischen. Familienlebens während der Zeit der Bedrängnisse. Mit besonderer Wärme werden geschildert die Verdienste Gabriel Rießers jj um die bürgerliche Gleichstellung der Juden und seine Bemühungen um die nationale Einigung Deutschlands, Cremienx' Bedeutung durch Gründung der Alliance und für die Emanzipation der Juden in verschiedenen Ländern, sowie Montefiores opferwillige Hingabe für seine Glaubensgemeinschaft. Auch das religiöse und wissenschaftliche Streben der Neuzeit, und „wie endlich die Gegenwart als aller dagewesenen Erscheinungen notwendiges Resultat dasteht", ist mit vielem Geschick und wohltuender Objektivität geschildert. Begrüßeys» - wert sind auch die Kapitel, welche deutsche Dichter jüdischen Glaubens behandeln, die jüdische Sitten-und Kulturgeschichte poetisch dargestellt haben, obwohl sie im Verhältnis zum Ganzen und im Rahmen 1 dieses Schulbuches zu ausführlich sind; vielleicht entschließt sich der Verfasser, in einer folgenden Ausgabe dies zu ändern. Lebhaftes Interesse erregt das Kapitel „Praktisches Judentum", welches die Bedeutung der Vereinigungen schildert, die dem geistigen, sittlichen und sozialen Wohl der Juden dienen. Zwei folgende Kapitel geben uns eine fleißig zusammengestellte, klare Uebersicht über die staat' lichen Verhältnisse der israelitischen Religionsgemeinschaften in den einzelnen Ländern Deutschlands und über die soziale Lage der Juden in anderen Ländern und dürften daher nicht nur für unsere Schüler, sondern auch für alle Erwachsene, denen das Wohlergehen ihrer Glaubensgenossen am Herzen liegt, von hohem Interesse sein. Ich halte das Buch nicht nur für ein-sehr schätzenswertes Schuluch für Volks- und Mittelschulen, sondern.bin überzeugt, daß' es auch seinen Weg finden-wird in die Familien unserer Glaubensgenossen, und daß es mfolge seiner lebenswarnien Darstellung an seinem Teil dazu beitragen wird, den Jndifferentismns, den gefährlichsten Feind unserer Religion aufzurütteln, und seine Träger wieder für Wohl und Wehe unserer Glaubensgemeinschaft empfänglich zu machen. . , . Ulm. S. F. Zur Geschichte des Tempels der Jacobsohn-Schule Vortrag gehalten am 26. September 1910 anläßlich der Feier zur Erinnerung an das 100 jährige Bestehen des Tempels, von Direktor Dr. N. Friedland. . Die Darlegung ist namentlich interessant durch den Hinweis, daß« die Orgel in diesem Tempel als erste in allen Synagogen der Welt« aufgestellt wurde. Der Redner legt besonderen Wert darauf, wie sehr christliche Forscher und hochgestellte Persönlichkeiten an den jüdischen und allgemeinen Bestrebungen der Jacobsohnschen Schule und des damit verbundenen Tempels Anteil nahmen. L. G. Löchereinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. A. Steuerman-Rodion. Compliccle lui Heine. Alte dövezi in chestiunes Heine-Grenier. Iasi Tipografia „Dncia“ P. & D. Iliescu 1911. Pretul 30 bani. Wie Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte. Roman einer Berlinerin von Arthur Landsberger. 1910. München, Georg Müller. Die Familie Großglück Komödie in drei Akten von Schalom Asch. S. Fischer Verlag, Berlin 1909. 2 und 3 Mark. Die jüdische Witwe. Biblische Komödie von Georg Kaiser. S. Fischer Verlag, Berlin. 2.50 und 3.50 Mark. Titus und die Jüdin. Eine Tragödie in drei Akten von Hans Kyser. S. Fischer Verlag, Berlin. 2.50 und 3.50 Mark. Gabriel Rießers Leben und Wirken. Ein Buch für Jung und Alt von Rektor Jos. Feiner. Mit einem Bildnis Dr. Gabriel Rießers. 3. Ausl. Leipzig 1911. Verlag von Gustav Engel. Geb. 1 Mark. . David Neumark, Materie und Form bei Aristoteles. Erwiderung und Beleuchtung. Sonderabdruck aus dem Archiv für Geschichte der Philosophie Bd. 24. 1911. Heft 3 The Legends of The Jews by Louis Ginzberg. Translated from the german Manuscript by Paul Radin. III Bible Times and Charakters. From the Exodus to. the. Death of Moses. Philadelphia.... The jewish Publication Society of America 1911. Verordnungsblatt des Großherzoglichen Oberrats der Israeliten Nr. VIII. Karlsruhe, 14. Juni 1911. (Die 6. ordentliche Tagung der israelitischen Landessynode.) Denkschrift zur Petition deS Landesvereins israelitischer Neligionslehrer vom 9. Februar 1908 wegen Besserung der Lage dieser kirchlichen Beamten. . Ssrechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! ach der Einleitung zn dem Artikel über Kirchenrat m Wassermann in Nr. 28 Ihres Blattes könnte man meinen, daß Wassermann der einzige Rabbiner mit Adelsprädikat war. Das ist abcr keines- , wegs der Fall. - Schon sein Vorgänger, Kirchenrät I. v: Maier, war geadelt. Ferner ist noch der vor einigen Jahren verstorbene- Odessaer Oberrabbiner Simeon Leon v. Schwabacher zu nennen. Berlin. 14. Juli 1911. Louih Lamm.

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